Anleihen

China: 2020 die USA als größte Wirtschaft überholt? Sieht nicht mehr so aus..

Von Markus Fugmann

Es ist noch nicht so lange her, da überboten sich die Analysten mit Prognosen, wann China die USA als größte Volkswirtschaft überholt haben werde. 2020, so das Mantra, sei es so weit, weil China ja so stark wachse. Nun aber wird diese Annahme immer zweifelhafter – jenseits der Frage, ob die von China gemeldeten Wachstumszahlen stimmen (was eher unwahscheinlich ist).

Nimmt man die offiziellen Zahlen Chinas mit dem BIP von +6,9% ernst, sollte man jedoch nicht vergessen, dass diese Kennzahl in Yuan gemessen ist. Und der Yuan hat seit Sommer letzten Jahres stark abgewertet. Würde man das BIP Chinas in US-Dollar darstellen – und das ist international die entscheidende Kenngröße beim BIP-Vergleich von Volkwirtschaften – läge das BIP Chinas nämlich nur bei +4,25%.

Warum sich der Markt Sorgen über China macht, geht aus der Tatsache hervor, dass im 4.Quartal 2015 das Reich der Mitte nur noch 439 Milliarden Dollar mehr zum globalem Wachstum beigetragen hat als im Schlußquartal des Vorjahres 2014. Ein Jahr davor, also im letzten Quartal des Jahres 2013, steuerte China noch 1,1 Billionen Dollar zum globalen Wachstum bei, das war noch ein sattes Plus von 13%.

Das sich stark verlangsamende Wachstum ist insofern ein Problem, als die Schulden in China deutlich stärker zulegen als die Wirtschaft. Das trifft insbesondere Chinas Unternehmen, deren cash-flow-Wachstum stetig kleiner wird, während ihre Schulden dynamisch weiter ansteigen. Derzeit (Ende 2015) liegt das Verhältnis Schulden zum BIP Chinas (die sogenannte debt-to-GDP ratio) bei 247% – das wäre ein Wert, der beim einem Staat in der Eurozone für pure Panik sorgen würde. Im Jahr 2007 lag China noch bei auch schon hohen 166%. Im Klartext: schwächt sich das BIP-Wachstum ab, steigt die debt-to-GDP ratio immer weiter. Die hohe Verschuldung aber schien in Ordnung zu sein unter der Annahme, dass das BIP des Landes dynamisch weiter wachse. Passiert das nicht, wird es kritisch.

Chinas Firmen müssen prozentual nämlich immer mehr ihres cash-flows in die Abtragung ihrer Schulden stecken – für neue Investitionenen fehlt dann schlicht das Kapital. Wachstum aber entsteht vorwiegend durch Investitionen – bleiben diese wegen der enormen Verschuldung aus, wird das Wachstum immer geringer, gewissermaßen ein Teufelskreis. Das ist ein wichtiger Grund dafür, dass Moody´s in der Nacht zum Mittwoch den Ausblick für China auf „negativ“ gesenkt hat.

Und damit wird auch immer unwahrscheinlicher, dass China in den nächsten Jahrzehnten die USA als größte Volkswirtschaft überholen kann. China ist Weltmeister in Sachen Verschuldung (vor allem bei Unternehmen, gemeinsam mit Singapur), und die enorme Schuldenbelastung wird die Wirtschaft im Reich der Mitte zunehmend lähmen. Daher kann man die alten Annahmen, dass China die USA beim BIP bald überholen werde, beruhigt „in die Tonne treten“..



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3 Kommentare

  1. Bei der Endprognose hätte ich dazu eine andere persönliche Meinung:
    Die Exzesse müssen erst alle (weltweit!) bereinigt werden, danach wird man die Veränderung der Lage spüren werden. Dies klingt sehr einfach und klinisch, man sollte jedoch nicht vergessen, das dazwischen sehr wahrscheinlich großes Leid stehen wird.

  2. Da Usa genauso straucheln, z.B. mit einer schier endlosen Menge Arbeitslose, ist die Frage, wer schneller fällt. Da mag der Dollar Weltwährung sein, wie er will. Haben die usa nicht schon mehr Analphabeten als die Griechen oder Kuba, geschweige denn Bosnien oder Uruguay. Kenn selber welche.

    1. @sabine: Die Kubaner mögen arm sein aber diese hatten schon immer eine sehr niedrige Analphabetenquote, dazu haben die eine excellente medizinische Versorgung.

      Eine hohe Ärzte dichte. Liegt wohl daran das die Ärte mit ihren übertrieben hohen Gehaltsansprüchen, das System nicht kaputt machen.

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