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China warnt Großbritannien vor „wirtschaftlichem Suizid“ und „China-Phobie“

FMW-Redaktion

Die Hoffnungen waren groß in Großbritannien: vor allem David Cameron versuchte am Ende seiner Amtszeit chinesische Investoren auf die Insel zu locken, die Beziehungen waren gut, neue Projekte wurden besprochen. Aber nun sind die Beziehungen schwer belastet. Der Grund: die britische Regierung zögert, die Genehmigung für eine Nuklearanlage zu erteilen. Die neue Premierministerin Theresa May persönlich hatte die Genehmigung verschoben – Bedenken vor allem in ihrer konservativen Partei aufnehmend. Sie hatte in dieser Woche einen Brief an Chinas Präsident Xi Jinping geschrieben, darin viel über den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Großbritannien und China fabuliert – aber die Verzögerung der Genehmigung mit keinem Wort erwähnt.

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Theresa May
Foto: Foto: UK Home Office, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

So hatte schon der enge Berater Mays, Nick Timothy, im letzten Oktober scharf vor dem Bau der Anlage gewarnt: China arbeite gegen die Interessen Großbrianniens und wolle sich durch den Bau der Anlage nur Zugang zu sensiblen und sicherheitsrelevanten Bereichen verschaffen. Peking wolle sich damit darüber hinaus, so Timothy, das Schweigen der britischen Regierung über Menschenrechtsverletzungen erkaufen. Im Raum steht zudem, dass der Bau der Anlage mithilfe der von Chinesen angeblich von den USA gestohlener Technologie erfolge.

Nun hat ein von der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichter englischsprachiger Artikel das Zögern der May-Regierung scharf angeprangert. Wenn Großbritannien den Ausbau der Zusammenarbeit wolle, müsse das Hinkley-Projekt schnell genehmigt werden, so der Artikel. Geschehe dies nicht, käme das einem „wirtschaftlichen Selbstmord“ gleich angesichts des Brexit-Votums. Die Verzögerung der Genehmigung für das Projekt sei nicht weniger als der Ausdruck von „China-Phobie“ und sachlich völlig grundlos.

Dabei handelt es sich bei dem Bau der Anlage um ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der staatlichen chinesischen Firma China General Nuclear Power (CGN) und der französischen EDF. China General Nuclear Power stemmt dabei etwa ein Drittel der Investitionen. Theresa May ist nun in einer Zwangslage: genehmigt sie das Projekt nicht, dürfte das die für UK nach dem Brexit-Votum noch wichtiger gewordenen wirtschaftlichen Beziehungen zu China massiv eintrüben. Genehmigt sie das Projekt hingegen, dürfte das vor allem Gegenwind aus der eigenen Partei bedeuten. Mit einer endgültigen Entscheidung wird nun im Herbst gerechnet.



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3 Kommentare

  1. Sein Land bei der Energieversorgung von China abhängig zu machen ist genauso dumm wie bei den Flüchtingen von der Türkei.

  2. Die Bedenken gegenüber Chinas sind absolut gerechtfertigt! Die neusten Entwicklungen im Südchinesischen Meer zeigen dies deutlich! China versucht die mit absolut einfältigen, rein merkantilistischen Methoden wirtschaftlich immer wie mächtiger zu werden. Deshalb sind die Bedenken von Th. May und Ihrem Entourage absolut gerechtfertigt. Es ist aber auch klar, dass sich die billige chinesische Propaganda-Maschine auf Hochtouren bewegt, nach guter alter totalistischer Manier!

  3. Was sollen solche Kommentare? Erstens ist das ein Gemeinschaftsprojekt wobei die Chinesen nur ein Drittel schultern. Die Franzosen benutzen amerikanische Technologie usw. usf.
    Abhängigkeit des Energie Marktes von China? Bei allem Respekt gegenüber anderen Meinungen. Das ist absoluter Nonsens.
    UK tut gut daran, wie auch bei der Beteiligung an der AAB, sich nicht von politischen Querdenkertum beeinflussen zu lassen. Die Musik, vor allem im wirtschaftlichen aber auch militärischen Bereich dreht sich immer mehr Richtung Osten d.h. Eurasien – Asien.
    Ob man es nun will oder nicht. Das Rad der Geschichte dreht sich weiter…und China wird eher oder später die absolute wirtschaftliche Nummer eins im Weltmaßstab werden bzw. ist es in vielen Bereichen schon.

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