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China: wie es gestern zum Flash-Crash am Future-Markt kam..

FMW-Redaktion

Wie wir berichtet hatten, kam es gestern zu einem Flash-Crash am chinesischen Future-Markt: der Future auf den CSI300 (im CSI300 sind die 300 schwergewichtigsten Aktien der Indizes in Shanghai und Shenzhen vereint) stürzte innerhalb einer Minute um 10% ab, der Handel wurde wegen limit down kurz ausgesetzt, danach stieg der CSI-Future ebenfalls innerhalb einer Minute wieder um 10%. Dieses verrückte Szenario ereignete sich an einem Handelstag, als der Shanghai Composite über 3% gestiegen war und damit den besten Handelstag seit März absolviert hatte (wegen einer Einschätzung von Goldman Sachs, wonach Chinas A-Aktien bald in den MSCI-World-Index aufgenommen werden würden).

Nun hat die China Financial Future Exchange das Ergebnis ihrer Untersuchung präsentiert, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. Das erstaunliche Ergebnis: ein Markteilnehmer wollte 398 CSI-Futures verkaufen – und löste damit den Flash-Crash aus!

Aufgrund der geringen Liquidität habe diese Sell-Order von 398, die Stück für Stück ausgeführt wurde, zu einer Kettenreaktion geführt, indem stop losse anderer Marktteilnehmer gezogen wurden. Wer diese Order gegeben hat, ist nicht bekannt, es handele sich jedoch, so die China Financial Future Exchange, um eine Hedging-Position, sprich eine Verkaufs-Position, die zur Absicherung bestehender Aktien-Positionen in den Markt gebracht worden war.

Dass diese Order solche Auswirkungen haben kann, liegt vorwiegend an einer Regel, die im September letzten Jahres im Gefolge des AKtien-Crashes in China eingeführt worden war: demnach dürfen Trader maximal 10 Kontrakte an einem Handelstag bewegen – mit Ausnahme eben von Konten, die für Hedging-Zwecke angelegt sind. Unklar ist jedoch, wie die China Financial Future Exchange solche Hedging-Konten genau identifizieren kann.

Unklar ist übrigens auch, warum es dann innerhalb so kurzer Zeit wieder zu einem Anstieg von 10% kommen konnte. Dazu schweigt die China Financial Future Exchange – allerdings ist Ähnliches auch bei dem Flash-Crash der US-Indizes am 06.Mai 2010 passiert. EIn Flash-Crash hatte sich auch kürzlich am Markt in Hongkong ereignet.

Faktisch ist der Future-Markt in China durch den Eingriff der chinesischen Behörden, die für den Aktien-Crash im Sommer letzten Jahres vor allem Shortseller am Future-Markt verantwortlich gemacht hatten, so gut wie klinisch tot. Wenn eine Order von 398 Kontrakten zu solchen Konsequenzen führen kann, kann von einem regulären Handel nicht mehr die Rede sein. So werden etwa innerhalb nur einer Minute mehrere Tausend Futures auf den S&P500 gehandelt (E-Mini), ohne dass das spürbare Auswirkungen auf den Handel hätte – vor einem Jahr noch aber waren die Aktien-Future-Märkte in China liquider als die US-Futures..



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