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China: Wirklich so großes Wachstum 2021? Das Impf-Problem in Asien

China ist wieder einmal der Wachstumsmotor der Welt. Aber das Land hat wie andere asiatische Länder ein großes Problem mit den Impfungen!

China und seine Wirtschaft - zu viel Optimismus?

Vor wenigen Wochen hat er der internationale Währungsfonds IWF die Wachstumsaussichten der großen Volkswirtschaften für das Jahr 2021 vorgestellt:  Ganz vorne China mit 8,4 Prozent, aber wie beim Wachstums-Leader Indien (plus 12,4 Prozent) gibt es Anzeichen, dass es Bremsfaktoren geben könnte, die bei der Vorschau nicht ganz berücksichtigt worden sind.

China: 18,3 Prozent in einem Quartal – und dennoch Zweifel?

Als diese Zahl vom chinesischen Statistikamt am Freitag bekanntgegeben wurde, jubelte die Wirtschaftspresse über diesen außergewöhnlichen Anstieg . Überall Schlagzeilen darüber, denn das war die stärkste Zahl für ein Quartal seit man diesen Vergleich eingeführt hat – vor 30 Jahren.

Aber auch in China passiert jenes Phänomen, welches ich seit Juni 2020 in mehreren Artikeln bereits dargestellt habe. Wenn in Branchen oder auch in der Gesamtwirtschaft ein so epochaler Einbruch infolge eines Lockdowns passiert, so müssen aus mathematischen Gründen bei einer Erholung extreme Daten folgen. Mein Extrembeispiel: Bei einem Pandemie-bedingten Rückgang der Fluggast-Zahlen um über 90 Prozent gibt es über 900 Prozent Erholungspotenzial bis zum Status quo ante.

So extrem ist es bei einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung natürlich bei Weitem nicht, aber dennoch sollte man bei Chinas BIP-Zahlen den Basisvergleich herstellen.

Covid-19 hat mit großer Wahrscheinlichkeit seinen Ursprung in China – in der 11-Millionen-Metropole Wuhan, wurde bereits ab dem 23. Januar 2020 der härteste Lockdown der Welt verhängt. Deshalb fällt der große Einbruch des chinesischen Bruttoinlandsprodukts auch auf das erste Quartal und nicht wie im Westen auf das zweite Vierteljahr. Vergleicht man aber das jetzt gemeldete Quartal mit dem letzten Quartal 2020, so kommt nur noch ein Anstieg von 0,6 Prozent zustande, eine Rate, die auch unter der offiziellen Quote von 1,5 Prozent liegt. Das Wachstum war geringer als in den Quartalen zuvor und auch der niedrigste Wert seit der Krise.

Als Erklärung für diese Entwicklung in der Wachstumsdynamik wird die Dienstleistungsbranche angeführt, die nach einigen lokalen Ausbrüchen von Corona zu landesweiten Reisebeschränkungen geführt hat. Und da ist man wieder bei der Pandemie, die auch ein Land wie China nicht außen vor lässt, egal welche Maßnahmen man im Lande verhängt. Damit kommt man aber auch zum großen Thema der Gegenwart im Westen, der gigantischen Impfkampagne.

Die niedrige Impfquote in Asien

Wie fast jede Sache, hat die gute Eindämmung von Covid-19 auch eine zweite Seite. Da man es in Asien geschafft hat, durch extrem konsequente und auch sehr rigide Maßnahmen, die Ausbreitung von Corona zu verhindern, so gibt es in der Regel dort über 99 Prozent der Bevölkerung, die noch nicht mit Covid-19 in intensiven Kontakt kam. In Europa liegt schon die offizielle Infektionsrate zwischen 3,7 Prozent (Deutschland) und 14,9 Prozent (Tschechien) und da ist die Dunkelziffer noch gar nicht berücksichtigt.

Will heißen: Um eine Ausbreitung der Krankheit nach Öffnung der Volkswirtschaften (zum Beispiel beim Tourismus) zu verhindern, müssen dort sehr viele Menschen geimpft werden, um Ausbrüche zu verhindern. Und gerade bei der Impfgeschwindigkeit hapert es in Asien. Selbst in China, einem großen Produzenten und Exporteur von Impfstoff wurden erst 175 Millionen Dosen verabreicht, bei einer Bevölkerung von über 1,4 Milliarden Menschen. Aber China liegt in Asien weit vorne, manche asiatischen Länder haben noch gar nicht richtig mit der Großimpfung begonnen. Selbst Japan, das Land, das in drei Monaten die Olympischen Sommerspiele austragen will, hat noch eine absolut niedrige Impfquote (etwa ein Prozent Erstimpfungen).

Erschwerend kommt noch hinzu, dass die verwendeten chinesischen Impfstoffe eine niedrigere Wirksamkeit aufweisen als die europäischen oder amerikanischen Vakzine. So hat es sogar die chinesische Seuchenbehörde in der letzten Woche kommuniziert.

Eine Wachstumsregion mit temporärer Vulnerabilität?

Fazit

China ist wieder einmal der Wachstumsmotor der Welt, andere asiatische Länder, wie Südkorea oder Vietnam, haben bereits wieder ordentliche Wachstumszahlen. Aber diese Region hat derzeit ein kleines Problem, wessen man sich noch gar nicht recht bewusst geworden ist. Durch die erfolgreiche Eindämmung von Covid-19 ist man sich sehr sicher geworden und hat dem Thema Impfungen keine große Priorität eingeräumt. Aber wie will man hier die Länder im Sommer öffnen für Handel, Verkehr und Tourismus, so wie es einige westliche Länder planen?

Könnte das nicht eine kleine Wachstumsbremse für Fernost bedeuten, die die grandiosen Wachstumsaussichten in der Region mittelfristig etwas in Frage stellt? Die Börsen in China scheinen darauf schon eine kleine Antwort gefunden zu haben.



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1 Kommentar

  1. Alles gut und schön, aber immer mit der optimistischen Voraussetzung dass die Impfung wirkt und auch die nächsten Mutationen bekämpfen kann.Da gibt es noch einige Vorbehalte, z.B. Wie lange wirkt die Impfung? und können Geimpfte das Virus weiterverbreiten?
    Da die Wirtschaft bereits vor Corona fallend war, ist es sehr optimistisch eine NACH- Corona- Welt zu goldig zu sehen.
    Die einzige Hilfe wäre die Erfindung eines Derivat- Impfstoffes wo man mit riesigen Hebelwirkungen die Wirkung verstärken könnte so wie bei den Finanzprodukten

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