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Immobilienmarkt schwächelt weiter China: Wirtschaft ohne echte Erholung

Frühlingsfest rückt in Mittelpunkt

China Wirtschaft Erholung Stabilisierung
Foto: TravelScape - Freepik.com

Die Wirtschaft in China sendet im Januar weitere Signale der Stabilisierung. Während der Preisverfall am Immobilienmarkt bremst, fehlt der Binnennachfrage aber noch die Kraft für eine echte Wende.

China: Wirtschaft ohne echte Erholung

Die chinesische Wirtschaft ist mit gemischten Signalen in das neue Jahr gestartet. Innerhalb von zwei Tagen veröffentlichte das Nationale Statistikamt die Inflationszahlen, Daten zu den Produzentenpreisen sowie neue Werte zum Immobilienmarkt. Auf den ersten Blick wirkt vieles etwas weniger schwach als in den Vormonaten. Bei genauerem Hinsehen bleibt das Bild jedoch von Zurückhaltung geprägt.

Inflation in China schwächer, Produzentenpreise stabilisieren sich

Die Verbraucherpreise legten im Januar im Jahresvergleich um 0,2 Prozent zu. Noch im Dezember hatte der Anstieg 0,8 Prozent betragen. Der deutliche Rückgang gegenüber dem Vormonat erklärt sich zu einem guten Teil durch den Kalendereffekt rund um das Neujahrsfest. Da die Feiertage im vergangenen Jahr früher lagen, fällt die Vergleichsbasis höher aus. Gleichzeitig sorgten niedrigere Energiepreise für zusätzlichen Druck. Auch bei Lebensmitteln gaben die Preise nach, insbesondere bei Schweinefleisch, Eiern und Speiseölen, was die Gesamtinflation weiter dämpfte.

Unterhalb der schwachen Gesamtrate zeigt sich jedoch eine differenziertere Entwicklung. Die Kerninflation, die Energie und Lebensmittel ausblendet, stieg im Jahresvergleich um 0,8 Prozent. Im Monatsvergleich ergab sich ein Plus von 0,3 Prozent, was das stärkste Tempo seit fast einem halben Jahr darstellt. Vor allem industrielle Konsumgüter ohne Energie verteuerten sich spürbar. Mit einem Anstieg von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr deutet sich in einzelnen Segmenten eine stabilere Nachfrage an, auch wenn von einer breiten Belebung noch keine Rede sein kann.

China CPI vs PPI Jan 26

Noch stärker im Fokus stehen die Erzeugerpreise (PPI), da sie seit Jahren im negativen Bereich verharren. Im Januar sank der Preisindex der Produzenten im Jahresvergleich um 1,4 Prozent. Das Minus fällt damit so gering aus wie seit Mitte 2024 nicht mehr. Im Vergleich zum Vormonat legte der Index um 0,4 Prozent zu und verzeichnete damit den vierten Anstieg in Folge. Diese Entwicklung spricht für eine gewisse Stabilisierung, bleibt jedoch auf niedrigem Niveau.

Ein Teil der Entlastung geht auf höhere Rohstoffpreise am Weltmarkt zurück. Vor allem bei Buntmetalle kam es zu deutlichen Aufschlägen, was sich unmittelbar in den Fabrikpreisen widerspiegelt. Hinzu kommen staatliche Eingriffe in Branchen mit ausgeprägten Überkapazitäten. In Bereichen wie Zement oder Photovoltaik soll der intensive Preiswettbewerb eingedämmt werden, um die Margen zu stabilisieren. Trotz dieser Faktoren bleibt der strukturelle Druck hoch. Seit rund vierzig Monaten liegt der Produzentenpreisindex im Jahresvergleich im Minus. Produktionsmaterialien verbilligten sich erneut, ebenso zahlreiche Konsumgüter. Die Industrie kämpft weiter mit schwacher Nachfrage und Überangebot.

Parallel dazu richtet sich der Blick auf den Immobiliensektor, der seit mehreren Jahren als Belastungsfaktor wirkt. Im Januar verlangsamte sich der Preisrückgang zumindest leicht. Die Preise für Bestandswohnungen in 70 großen Städten sanken im Monatsvergleich um 0,54 Prozent. Damit fiel das Minus geringer aus als in den Vormonaten. Auch bei Neubauten ohne staatlich geförderten Wohnraum blieb der Rückgang mit 0,37 Prozent überschaubar und entsprach dem Dezemberwert.

Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit zusätzlichen politischen Maßnahmen. Peking lockerte im Dezember die Beschränkungen für Käufer aus anderen Regionen und senkte die Mehrwertsteuer für Wohnungen, die innerhalb von zwei Jahren weiterverkauft werden. Gleichzeitig sollen lokale Behörden unverkaufte Bestände abbauen, um das hohe Inventar zu reduzieren. Die leichte Abschwächung des Preisverfalls fügt sich in dieses Bild ein, signalisiert jedoch noch keine Trendwende. In vielen Großstädten liegen die Wiederverkaufspreise weiterhin deutlich unter früheren Höchstständen, teils um mehr als ein Drittel.

Frühlingsfest und Zwei Sitzungen prägen die Stimmung

Insgesamt ergeben die Januar-Daten ein Bild gradueller Entspannung ohne grundlegende Veränderung. Der Deflationsdruck im Produzentenbereich lässt etwas nach, getragen von Rohstoffpreisen und administrativen Eingriffen. Die Kerninflation zeigt eine gewisse Festigung in ausgewählten Konsumsegmenten, während die Gesamtinflation niedrig bleibt. Der Immobilienmarkt verliert an Abwärtsgeschwindigkeit, befindet sich jedoch weiter im Rückgang.

Damit bleibt die wirtschaftliche Lage wie schon in den vergangenen Monaten von vorsichtiger Stabilisierung geprägt, ohne dass sich daraus eine echte Erholung ableiten ließe. Einige Indikatoren fallen weniger schwach aus als zuvor, doch eine breit getragene Belebung der Binnennachfrage ist weiterhin nicht zu erkennen.

Nun rückt das Frühlingsfest in den Mittelpunkt. Ähnlich wie in Deutschland das Weihnachtsfest oder in den USA Thanksgiving prägt es die Stimmung für die kommenden Monate. Familien und Freunde kommen zusammen und besprechen sich offen über die Jobs, Immobilienpreise und Geschäftslage. Aus diesen Gesprächen entsteht ein kollektives Bild der wirtschaftlichen Realität, das oft verlässlicher ist als jede Umfrage. Kurz darauf folgen die „Zwei Sitzungen“ im Frühjahr. Dort wird sich zeigen, wie weit die Führung bei fiskalischen Impulsen und Maßnahmen für den Immobiliensektor tatsächlich gehen will.



Dói Ennoson
Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
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