Anleihen

China: Yuan mit größtem Fall seit 20 Jahren – Goldman Sachs warnt vor weiterer Kapitalflucht

Alleine im November diesen Jahres flossen 69,2 Milliarden Dollar aus China ab - und damit deutlich mehr als der monatliche Durschnittswert von 50 Milliarden Dollar seit Juni. Peking steht vor einem Dilemma..

FMW-Redaktion

Alleine im November diesen Jahres flossen 69,2 Milliarden Dollar aus China ab – und damit deutlich mehr als der monatliche Durschnittswert von 50 Milliarden Dollar seit Juni. Damit verzeichnet das Reich der Mitte nun den 14-Monat in Folge Kapitalabflüsse, während sich die Devisenreserven des Landes weiter reduzieren, im November so stark wie seit Januar nicht mehr, als die Lage in China ein Grund war für den Abverkauf der westlichen Aktienmärkte.

Seit China im August 2015 den Yuan stark abwertete, haben damit 1,1 Billionen Dollar das Land verlassen – und damit etwas mehr als ein Drittel dessen, was China laut offiziellen Angaben noch an Devisenreserven besitzt (knapp über drei Billionen Dollar).

Nun hat Goldman Sachs in einer Analyse davor gewarnt, dass sich der Kapitalabfluss zum Ende diesen Jahres und im ersten Quartal 2017 noch verstärken werde, weil Investoren davon ausgingen, dass der Dollar weiter aufwerten würde und gleichzeitig die Sorge um den wirtschaftlichen Zustand Chinas zunehme. Es sei daher davon auszugehen, dass Dollar-Yuan bald die Marke von 7 überschreiten werde. Peking wiederum werde darauf mit weiteren Kapitalkontrollen reagieren. Seit der großen Abwertung im August 2015, als Dollar-Yuan (offshore) in einer schnellen Bewegung von 6,20 auf knapp 6,60 gestiegen war, kennt das Währungspaar mit kurzen Unterbrechungen nur eine Richtung:

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(Dollar-Yuan, offshore)

Heute Nacht hat die Notenbank People´s Bank of China versucht ein Zeichen zu setzen: sie wertete den Yuan im Fixing um 0,28% zum US-Dollar auf (6,9312) und signalisierte damit, dass sie den Fall des Yuan zumindest verlangsamen will. In der Regel halten solche Bremsungsversuche nicht lange, vor allem weil die Märkte davon ausgehen, dass die Fed in 2017 wirklich dreimal die Zinsen anheben könnte. Hinzu kommt die Erwartung einer Steueramnestie für im Auslang gelagerte Dollars durch Donald Trump, die weiteres Kapital aus dem Reich der Mitte abfließen lassen dürfte.

Vor allem in Chinas Bankensektor droht die Liquidität auszutrocknen – am letzten Donnerstag war der Interbanken-Markt praktisch klinisch tot, weil keine Bank anderen Banken Liquidität zur Verfügung stellen wollte. Zwar herrscht gegen Ende des Jahres an Chinas Geldmärkten meist eine Liquiditätsknappheit, doch ist dies in diesem Jahr besonders heftig. Um die Austrockung der Liquidität zu verhindern, hat Chinas Notenbank in diesem Dezember bereits 721,5 Milliarden Yuan in den Banken-Sektor gepumpt – so viel wie noch nie in einem Dezember (und der Monat dauert ja noch etwas). Da die Neujahrsfeierlichkeiten in China kalendarisch sehr früh kommen (Mond-Kalender), versuchen Banken aufgrund des absehbaren Bedarfs an Liqudität in diesem Zeitraum Liquidität zu horten – und sind daher nicht bereit, Gelder zu verleihen.

Sorge bereitet den Machthabern offenkundig auch die Entwicklung am Immobilienmarkt. Am Wochenende fand eine Konferenz der Top-Planer des Regimes statt – in einem Statement nach der Konferenz bekräftigten die Teilnehmer ihre Absicht, die Dinge am Immobilienmarkt nicht ausufern zu lassen. Häuser, so das Statetemnt, seien zum Wohnen da, nicht für Spekulationszwecke. Eine klare Warnung an die Millionen Spekulanten an Chinas Immobilienmarkt.

Peking steht nun vor einem fast unmöglichen Spagat: es will eine weiteres Aufblähen der Immobilienblase verhindern, muß gleichzeitig den Banken permanent und in zunehmendem Ausmaß Liquidität zur Verfügung stellen, und dabei versuchen, den Abverkauf des Yuan zu stoppen oder zu verlangsamen – auf Kosten der Devisenreserven, deren weiterer Fall wiederum die Tendenz zur Kapitalflucht anheizt.

Unterdessen herrscht am Markt für Staatsanleihen weiter Unruhe – die Renditen für Chinas Staatsanleihen steigen weiter:



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3 Kommentare

  1. Was wenn China dadurch gezwungen wird noch mehr US-staatsanleihen zu verkaufen um Dollars zu generieren? Ist das jetzt vielleicht wirklich der Anfang eines nie dagewesenen Bond-chrashs? Die Dollarstärke trocknet die Liquidität des (mittlerweile) zweitgrößten US- Gläubiger aus, könnte eine schöne Abwärtsspirale werden!

  2. …und irgendwann machts bumm, mit katastrophalen Folgen…. fohe festtage

  3. Alles nicht so schlimm. Ist ja seit Januar bekannt. Die BIZ bügelt alles glatt. Kein Dominostein fällt niemals nicht. Seit 2009 vollständig geregelt und zigfach geübt. Frohes Fest.

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