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Chinas gigantischer (und wohl erfolgloser) Versuch, Start-ups zu schaffen

FMW-Redaktion

Wer ist mit Abstand das größte Venture-Capital-Unternehmen der Welt? Mit einem Wort: China! Das Land versucht derzeit alles, um die Wandlung seiner Ökonomie herbeizuführen – und geht dabei gewissermaßen mit der Brechstange vor. So haben Venture-Fonds in China alleine in 2015 1,5 Billionen Yuan (ca. 230 Milliarden Dollar) eingesammelt und damit innerhalb nur eines Jahres die Gelder verdreifacht, mit denen Start-up-Unternehmen gefördert werden sollen. Damit haben diese Fonds in China fünfmal mehr Gelder zur Verfügung als alle anderen Venture-Capital-Firmen der restlichen Welt!

Das klingt in der Theorie gut und schön – aber es gibt einige Probleme, die recht typisch sind für China. Insgesamt gibt es in China 780 solcher Fonds, und die Regierung schreibt diesen Fonds nicht vor, wie sie vorgehen sollen. Die Gelder stammen aus Steuereinnahmen oder durch Kredite, die China aufgenommen hat. Die Absicht ist klar – und vernünftig: weg von der Schwerindustrie, die heftige Überkapazitäten aufgebaut hat und nun kontrolliert herunter gefahren werden soll. Das dürfte, mit Zulieferern, ca. 10 Millionen Menschen in China den Job kosten.

Also muß Ersatz her, und das sind Start-up-Unternehmen. Seit 2014 läuft daher eine Kampagne zur Förderung des Unternehmertums, staatlich gelenkt natürlich. Das alles erinnert jedoch stark an die gigantischen Investments Pekings in Solar- und Windunternehmen, die vorsichtig formuliert, nicht wirklich eine Erfolgsstory geworden sind.

Und genau das droht sich nun zu wiederholen. Die Leiter dieser Venture-Fonds sind überwiegend unerfahren, sitzen in den Provinzen Chinas und sind auf der Suche nach größtmöglicher Rendite. Wer Erfolge vorweisen kann, steigt auf in der Nomenklatur der Partei – und wer nicht in der Partei ist, ist kein Manager dieser Fonds.

Dabei geht Peking – wie bislang immer – nach dem Gießkannen-Prinzip vor: man gibt möglichst vielen Leuten viel Geld, dann wird es schon klappen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass diese Rechnung aufgeht, tendiert gegen Null. Vielmehr sind gigantische Verluste vorprogrammiert, weil allerorten das Know-How fehlt.

Schon jetzt ist das Problem: man weiß gar nicht, wohin mit dem vielen Geld. Es gibt nämlich schlicht zu wenige Start-up-Firmen oder erfahrene Manager, die das Geld eingiermaßen sinnvoll absorbieren könnten. So warnte kürzlich Chinas bekanntester Internet-Unternehmer, Fan Bao, vor den Konsequenzen des „völlig unregulierten“, „chaotischen“ Markts für Start-ups und Venture-Capital-Unternehmen in China. So wie die Dinge derzeit liefen, so Fan Bao, werde man jede Menge Blasen erzeugen und Geld verbrennen.

Denn eines scheint klar: de Rechnung „je mehr Geld desto mehr Innovation“ geht nicht auf. Was China bräuchte, wäre mehr Freiheit der Information einerseits, mehr Gelder zur Vermittlung von Know-How andererseits. Und beides scheint die Partei derzeit nicht einmal zu erwägen..



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