Aktien

Chinas Marionetten-Aktienmarkt

Von Markus Fugmann

China hat nicht nur eine Planwirtschaft, sondern auch einen gelenkten Aktienmarkt, dessen Marionetten die jungen, wenig gebildeten Aktien-Zocker darstellen. Peking versucht bislang mit Erfolg, den Aktienamrkt dorthin zu bekommen, wo es ihn haben will. Aber heute Nacht hat sich etwas verändert!

Gestern war der Shanghai Composite um 4% gefallen, weil große Brokerhäuser die Margin für den Handel von Nebenwerten erhöht hatten. Der Rückgang scheint Peking dann doch ein wenig zu stark gewesen sein, denn in der Nacht auf den heutigen Mittwoch kam die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua gleich mit vier Artikeln, die zeigen sollten, dass trotz des Abverkaufs alles in Ordnung sei. Solche Korrekturen seien mehr als gesund, aber, so die Nachrichtenagentur blumig, nach dem Sturm komme dann der Regenbogen. Das war eigentlich eine klare Message an die Zocker Chinas, zumal Xinhua darauf hinwies, dass der Markt sich keine Sorgen über die zahlreichen IPOs machen solle (diese hatten Liquidität von anderen Aktien abgezogen). Der Markt werde wieder zu einem „langsamen Bullenmarkt“ zurück kehren.

Dieser langsame Bullenmarkt ist genau das, was sich Peking wünscht: keine unkofuzianischen Übertreibungen, sondern ein stetes nach oben Laufen, so stellt sich die Regierung den Aktienmarkt vor. Und die Zocker hörten die Botschaft: sie kauften den Shanghai Compsite wieder nach oben, doch zu Handelsschluß wendete sich das Blatt und der Index schloss mit 1,62% im Minus.

Ist das nur ein Rückschlag – oder vielleicht doch der Beginn einer Trendwende? Glaubt man der Statistik, dauern Bullenmärkte in Shanghai durchschnittlich nur 194 Tage – so kurz wie bei keinem anderen wichtigen Aktienindex in der Welt. Die derzeitige Rally läuft nun schon seit 886 Tagen – und damit so lange wie noch nie in der Geschichte des Index. Seit Dezember 2012 hat der Shanghai Composite nun 119% zugelegt, sich also mehr als verdoppelt.

Chinas Regierung wird alles tun, damit die Rally – maßvoll – weiter geht. Aber heute Nacht haben Chinas Zocker erstmals ein klares Signal der Regierung nicht aufgenommen und trotzdem verkauft. Das könnte ein böses Omen sein..



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