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Chinas Schuldenbombe wächst 2017 um das BIP Deutschlands – was passiert mit dem Yuan?

Peking hat den Weg frei gegeben für einen weiteren Fall des Yuan – und wird in diesem Jahr so viele Schulden aufnehmen wie die gesamte Wertschöpfung Deutschlands in 2017..

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FMW-Redaktion

Auf dem am Sonntag begonnenen „2-Tages-Treffen“ hat Chinas Führung neue Ziele bekannt gegeben: man will nun ein BIP-Wachstum von 6,5% erreichen und Überkapaziten im Bereich Stahl und Kohle abbauen. Aber ein großes Thema bleibt: die immense Verschuldung Chinas. Alleine in 2016 haben Chinas Banken 12,65 Billionen Yuan an neuen Krediten vergeben, und das Tempo der Kreditvergabe scheint sich zu beschleunigen: alleine im Januar vergaben Chinas Banken Kredite im Volumen von 2,03 Billionen Yuan – der zweitgrößte je erreichte Monatswert.

Die UBS schätzt nun in einer neuen Studie, dass China seine Verschuldung in 2017 um knapp 15% ausweiten wird, um sage und schreibe 23 Billionen Yuan – das entspricht ca. 3,3 Billionen Dollar, und das wiederum ist nur etwas weniger als das gesamte BIP Deutschlands! Und das angesichts einer Verschuldung, die mit ca. 250% des BIP global nur noch von Japan übertroffen wird. Verschuldet sind inbesondere die staatlichen Unternehmen und die Provinzen.

Faktisch versucht Peking einen eigentlich unmöglichen Spagat: das Kreditwachstum soll weiter steigen, aber gleichzeitig will die Notenbank etwas auf die Bremse treten, indem sie den Anleihemärkten, die die Aktienmärkte als Blase abgelöst hatten, und dem Geldmarkt Liquidität entzieht. Auf der anderen Seite haben die Börsenaufsichten im Reich der Mitte kürzlich die Margin-Anforderungen für den Aktienhandel gesenkt – man möchte also offenkundig das Kapital wieder von den Anleihemärkten in die Aktienmärkte umlenken.

Und noch etwas ist bedeutsam: Peking hat die Rhetorik geändert in Bezug auf den Yuan. Hieß es in den Vorjahren noch, man wolle den Yuan stabil halten (“keeping a stable yuan at a reasonable and balanced level”), so hat man diesen Ausdruck nun fallen gelassen und durch folgenden Terminus ersetzt: “The renminbi exchange rate will be further liberalised, and the currency’s stable position in the global monetary system will be maintained”.

Der Yuan werde als weiter liberalisiert, die chinesische Währung soll im globalen Geldsystem eine stabile Rolle behalten. Das ist ein völlig neuer Ton, öffnet es doch Tür und Tor für eine Abwertung vor allem gegenüber dem US-Dollar, da man offenkundig weitere Zinsanhebugen durch die Fed erwartet und daher bereit ist, den Yuan gegenüber dem US-Dollar abzuwerten zu lassen. Und das bedeutet auch: Peking wird weniger zugunsten des Yuan intervenieren, zumindest gegenüber dem US-Dollar.

Dabei hat der Yuan in den letzten beiden Jahren, trotz Aufnahme in den IWF-Währungskorb, global massiv an Bedeutung verloren. Laut am Donnerstag veröffentlichter Zahlen von Swift hat das Volumen von Zahlungen in Yuan um 29,5% abgenommen im Jahr 2016, der Anteil an weltweiten Zahlungen, die in Yuan abgewickelt worden sind, ist um 0,63% gefallen auf nun nur noch 1,68% aller Zahlungen. Und genau das widerspricht der Aussage Pekings, man wolle die Stellung des Yuan im globalen Währungssystem „stabil“ halten. Die Stellung des Yuan ist vielmehr bereits instabil, weil fallend in seiner Bedeutung. Das zeigt sich auch in Hongkong, dem wichtigsten Offshore-Markt für Geldeinlagen für die chinesische Währung: so fiel das Volumen von Yuan-Einlagen zwischen Dezember 2014 und Ende 2016 um satte 46%.

5 Kommentare

5 Comments

  1. leser

    6. März 2017 13:01 at 13:01

    Wenn alle abwerten wollen (Dollar, Yen, Euro, Yuan) wird sich der latente Währungskrieg beschleunigen. Mutmaßliche Gewinner: Edelmetalle und vielleicht der Rubel? Die Verschuldungsquote ist in Russland vergleichsweise sehr gering.

  2. Zinsangst

    6. März 2017 16:32 at 16:32

    Interessant ist der rasante Verschuldungsanstieg. Stellt sich die Frage, ob dieser noch der Expansion von Konsum/Investitionen dient oder ob die Kredite bereits schlicht zum Überleben von Unternehmen und zur Zahlung von Mieten/Hypothekenraten herhalten müssen. Wahrscheinlich beides mit Tendenz zu Letzterem, wie in den USA ab 2006.

  3. joah

    6. März 2017 20:15 at 20:15

    Die finale Schlussfolgerung teile ich so nicht: nur weil die Menge an Transaktionen über SWIFT abnimmt, heißt das noch lange nicht, dass diese nicht über CIPS abgewickelt würden. Das Resümee vermittelt leider einen völlig absurden Eindruck.

    • Markus Fugmann

      6. März 2017 20:20 at 20:20

      @joah, Swift ist total dominant, die Aussage von Ihnen ist unzutreffend..

      • joah

        6. März 2017 20:35 at 20:35

        Gut, gehen wir mal davon aus, das ich daneben liege: existieren denn Zahlen und Volumen von Transaktionen via CIPS?

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Zehn Tage Ferien vom Brexit – man hat ja Zeit! Pfund mit Abwärts-Durchbruch?

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Jeder Mensch braucht mal eine Pause, so auch Parlamentarier. Und natürlich dürfen auch die Abgeordneten im House of Commons in London mal Urlaub machen. Und auch der Oster-Urlaub sei ihnen gegönnt, den sie aktuell vom 12. bis 23. April genommen haben. Aber wie oft in 100 Jahren steht schon ein Ereignis wie der Brexit an, die vielleicht wichtigste politische Grundsatzentscheidung seit dem 2. Weltkrieg für Großbritannien?

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Wäre es da nicht angebracht, dass die Politiker dieses eine Mal diese Pause ausfallen lassen, weil man dringend eine Lösung finden muss? Nein, man macht trotzdem Urlaub. Und warum? Weil man ja seit Kurzem „so richtig viel“ Zeit gewonnen hat. Die EU gewährt einen Brexit-Aufschub bis Oktober. Aber eigentlich, das dürfte allen klar sein, läuft der Aufschub nur bis zum 22. Mai. Denn es ist kaum vorstellbar, dass die Briten tatsächlich an der Wahl zum EU-Parlament teilnehmen wollen.

Also bleiben nur noch etwas mehr als vier Wochen. Aber wie so oft schieben die Briten die Dose die Straße runter. Einfach hinauszögern, abwarten. Irgendwas wird schon passieren, irgendwas wird sich schon ändern? Die Parteispitzen von Konservativen und Labour reden zwar weiter, aber ohne Parlament geht eh nichts. EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte vor Kurzem nach der Fristverlängerung bis Oktober, die Briten sollten doch bitte keine Zeit verschwenden. Aber genau das tun sie gerade.

Theresa May verabschiedete die Parlamentarier übrigens in ihre Oster-Pause mit dem Kommentar, dass man vor klaren Entscheidungen stünde, und dass der Zeitplan eindeutig sei. Welchen Abgeordneten im House of Commons sollen diese Worte noch beeindrucken, nach mehreren gescheiterten Abstimmungen über May´s Brexit-Deal, und nach dutzenden verschiedenen eigenen Ideen der Parlamentarier, die sie allesamt selbst ablehnten?

Am letzten Freitag berichteten wir darüber, dass das britische Pfund kurz vor einem charttechnischen Ausbruch nach oben stand gegenüber dem US-Dollar. Dem war auch so. Seit dem 4. April gab es vier Hochpunkte bei ca 1,3120. Genau dort machte er halt und fiel bis heute runter auf 1,3010. Jetzt kämpft er gerade mit dieser wichtigen runden Marke (erster Chart seit 4. April).

Auf etwas längere Sicht gesehen (zweiter Chart seit August 2018) stellt sich die Frage, ob endlich mal wieder „richtig“ Bewegung in den Pfund-Kurs kommt. Bricht er unter die 1,30, dann ist Luft nach unten vorhanden. Bei dem Brexit-Chaos wäre dies gut nachvollziehbar. Aber die wochenlange Ruhe im Kurs war schon diverse Male ein Desaster für die Shorties, die gegen das Pfund gewettet hatten.

Pfund Brexit

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Giovanni Cicivelli: Kurze Vorschau auf aktuelle Ideen zu Dax, Forex, Aktien

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An dieser Stelle zeige ich nur eine ganz kurze Vorschau auf mein heutiges Marktvideo. In voller Länge könnt ihr es als registrierte Nutzer sehen. Die Nutzung und Registrierung ist komplett kostenfrei. Melden Sie sich dazu bitte hier an.

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Japans Kampf um den Wirtschaftsaufschwung – kann die Geldpolitik noch Impulse setzen?

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Hat man Töne! Japan, das Land ohne Zinsen – seit 10 Jahren liegt der Leitzins an der Nulllinie – sieht die Konjunkturabschwächung und denkt an die Möglichkeit von Zinssenkungen?! Der kürzlich veröffentliche Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe ist zwar etwas gestiegen, liegt aber mit 49,2 Punkten immer noch unterhalb der Wachstumsschwelle.

Ich habe  in der letzten Woche über das japanische Zinstrauma seit dem Crash nach 1989 geschrieben und auf die Gefahr einer „Japanifikation“ der Eurozone hingewiesen. Jetzt kämpft das Land der aufgehenden Sonne schon wieder etwas mit rezessiven Wirtschaftstendenzen – im Zuge der bisherigen globalen Wirtschaftsabschwächung -, deshalb sind die Maßnahmen der japanischen Regierung und der BoJ schon von Interesse für den europäischen Wirtschaftsraum.

Hier ein paar aktuelle  Aussagen des Governors der Bank of Japan, Jaruhiko Kuroda:

  • Japanˋs economy has slowed„slightly“
  • Production, exports to China weak
  • Moderate wage gains hold back inflation
  • Accomodative policy has worked
  • Still room für more monetary easing
  • Can further reduce interest rates if needed
  • Thereˋs room for reducing interest rates

 

Fazit

Kommt jetzt die Zeit der Minuszinsen? Bis jetzt sind das noch Gedankenspiele, weil Kuroda auch an ein Wiederanspringen der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte glaubt.

Aber sie sind ein Vorgeschmack auf das, was der EU-Zone blühen könnte, sollte die europäische Konjunktur in eine Rezession rutschen.

Irgendwie klingen manche Sätze auch nach Mario Draghi, aber vielleicht ist das das übliche „wording“ von Notenbankern.

 

By 663highland – Own work, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8349591

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