Mit seiner „Seltene-Erden-Bazooka“ löst China weltweiten Alarm aus. Präsident Xi Jinping setzt auf harte Exportbeschränkungen und zeigt damit die große Macht Pekings über strategische Rohstoffe. Der Schritt trifft vor allem die USA und ihre Verbündeten und treibt Donald Trump zu einer neuen Runde im globalen Handels- und Machtpoker an. Was als Wirtschaftspolitik beginnt, entwickelt sich zu einem geopolitischen Showdown um Kontrolle, Technologie und Einfluss – und verschärft zugleich die Risiken für globale Lieferketten.
Chinas Seltene-Erden-Bazooka
Chinas umfassende neue Beschränkungen für den Export von Seltenen Erden haben die Regierungen aufgeschreckt und einen Wettlauf um alternative Lieferquellen ausgelöst, so ein Bericht von Bloomberg. Dies ist ein deutlicher Beweis für Pekings globale Macht und die wachsenden Risiken für Unternehmen.
Die neuen Vorschriften verlangen, dass ausländische Unternehmen künftig eine Genehmigung der chinesischen Regierung einholen müssen, bevor sie Produkte exportieren, die auch nur minimale Mengen bestimmter Seltener Erden chinesischen Ursprungs enthalten. Diese Entscheidung löste umgehend Proteste in Washington und Brüssel aus. Während Donald Trump und die USA mit Strafmaßnahmen drohen, fordern Vertreter der Europäischen Union eine „harte Antwort“.
US-Präsident Trump kündigte an, möglicherweise den Handel mit Speiseöl aus China einzustellen, um Pekings Weigerung, amerikanische Sojabohnen zu kaufen, zu vergelten. Zuvor hatte Trump mit 100%-Zölle auf chinesische Waren ab dem 1. November gedroht und sogar ein Treffen mit Xi Jinping in Südkorea infrage gestellt. Zudem haben beide Länder Maßnahmen gegen den Schifffahrtssektor verhängt.
Auch in Europa wächst der Druck: EU-Kommissar Valdis Dombrovskis warf China vor, „Handelsabhängigkeiten für politische Zwecke zu instrumentalisieren“, während Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen erklärte, die EU müsse „entschlossen reagieren“.
USA und Partner suchen Alternativen
Die USA sehen in der chinesischen Maßnahme eine gezielte Attacke auf die industrielle Basis westlicher Demokratien. US-Finanzminister Scott Bessent warnte: „Sie haben eine Bazooka auf die Lieferketten der freien Welt gerichtet.“ Washington will nun eng mit Europa, Indien, Japan und Südkorea kooperieren, um Gegenmaßnahmen zu koordinieren.
In Indien testen Automobilhersteller bereits Ferrit-Magnete als weniger effiziente, aber geopolitisch sichere Alternativen zu chinesischen Seltenen Erden. Taiwans Wirtschaftsminister Kung Ming-hsin kündigte unterdessen an, Recycling- und Raffinierungsprogramme zu fördern, um die Abhängigkeit von China zu verringern.
Eskalation der Wirtschaftskonflikte
Parallel dazu setzte China am Dienstag Sanktionen gegen US-Niederlassungen eines südkoreanischen Logistikriesen durch – ein weiterer Schritt in der zunehmenden wirtschaftlichen Konfrontation zwischen Peking und Washington. Die EU prüft derweil Maßnahmen, die chinesische Unternehmen zwingen könnten, Technologie an europäische Firmen weiterzugeben, wenn sie in der EU tätig sein wollen.
Beobachter sehen darin ein Spiegelbild der US-Strategie, die über das globale Dollar-System Einfluss ausübt. Xi Jinping überträgt dieses Modell auf die Kontrolle kritischer Rohstoffe. „Nach Jahrzehnten des Aufholens hat China endlich einige technologische Vorteile gegenüber Amerika“, schreiben die Analysten Arthur Kroeber und Laila Khawaja von Gavekal Research.
Doch der Kurs birgt Risiken: Eine zu aggressive Umsetzung der Exportregeln könnte internationale Bemühungen zur Diversifizierung der Lieferketten beschleunigen – und langfristig Chinas Dominanz untergraben. So stiegen die Aktien australischer Minengesellschaften wie Resolution Minerals und Nova Minerals nach der Ankündigung sprunghaft um bis zu 56 %.
Mit dem Schritt zeigt Xi, dass China seine Stellung als Rohstoffsupermacht strategisch nutzt. Während die USA ihre Finanzmacht über den Dollar ausspielen, setzt Peking auf seine Kontrolle der Produktion von Seltenen Erden und Permanentmagneten. „China hat globale Hebelwirkung in Industrien, die für die Weltproduktion unverzichtbar sind“, erklärt Chris Kennedy, Analyst bei Bloomberg Economics und früherer Berater im Nationalen Sicherheitsrat der Trump-Regierung.
Chinas Dominanz bei Seltenen Erden
Die neuen Beschränkungen betreffen fünf zusätzliche Elemente – Holmium, Europium, Ytterbium, Thulium und Erbium – und erschweren den Ersatz für die bereits regulierten Metalle. Derzeit liefert China rund 70 % der globalen Produktion von Seltenen Erden und über 90 % der daraus gefertigten Permanentmagneten.
Die Maßnahmen erfassen nicht nur Rohstoffe, sondern auch Produkte, die im Ausland mit chinesischen Komponenten hergestellt wurden – selbst wenn deren Anteil weniger als 0,1 % des Warenwerts ausmacht. Peking begründet die Regelung mit nationaler Sicherheit und verweist auf militärische Anwendungen.
Laut dem Forscher Wang Ziyang von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften will China vom „Lieferanten zum Hüter der globalen Ordnung für Seltene Erden“ werden. Die Maßnahmen dienten dem „gemeinsamen Interesse der Weltgemeinschaft“, indem sie eine militärische Nutzung einschränkten.

Geopolitischer Machtpoker
Seit 2020 baut China systematisch ein Exportkontrollsystem nach US-Vorbild auf, inklusive Schwarzer Listen und extraterritorialer Zuständigkeit. Der Zeitpunkt der neuen Regeln fällt auffällig zusammen mit der Erweiterung der US-Sanktionsliste gegen chinesische Halbleiterfirmen – ein Schritt, den Peking als Vertragsbruch wertet.
Experten sehen in der Maßnahme einen Verhandlungsschritt vor dem anstehenden Treffen zwischen Xi und Trump. Laut Gavekal Research könnte China seine Exportkontrollen aufweichen, wenn die USA im Gegenzug ihre Halbleiterbeschränkungen lockern. Doch eine vollständige Rücknahme gilt als unwahrscheinlich.
„Dies ist eine strategische Entscheidung, um dauerhafte Hebel gegenüber den USA und anderen Staaten zu sichern“, erklärt Oliver Melton, ehemaliger US-Schatzbeamter in Peking. Ziel sei es, gezielt US-Konzerne wie Apple oder Tesla zu treffen.
Pekings Machtspiel mit globaler Sprengkraft
Das chinesische Handelsministerium signalisiert zwar Gesprächsbereitschaft, betont aber zugleich, man werde „bis zum Ende kämpfen, falls nötig“. Die neuen Regeln, die ab dem 1. Dezember in Kraft treten, markieren einen Wendepunkt in der globalen Rohstoffpolitik.
Mit dieser Offensive zeigt Xi Jinping, dass China bereit ist, seine Vormachtstellung bei Seltenen Erden als geopolitische Waffe einzusetzen – und damit den Handelskonflikt mit den USA auf eine neue Stufe hebt. Für Unternehmen weltweit bedeutet das eine Ära wachsender Unsicherheit – und einen Wettlauf um Alternativen, der die geopolitische Balance neu ordnen könnte.
FMW/Bloomberg
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„Washington will nun eng mit Europa, Indien, Japan und Südkorea kooperieren, um Gegenmaßnahmen zu koordinieren“ – Was für ein Witz! Die USA haben doch den Zollkrieg angezettelt! Die Chinesen haben nicht nur Macht über Ressourcen. Der Goldpreisanstieg ist auch durch China verursacht, kaufen die Chinesen doch keine „Langnasen“-US-Staatsanleihen mehr, sondern u.a. Gold. Trump wird sich noch wundern, was ihm die Chinesen um die Ohren hauen…..
Man kann sich auf einen Wirtschaftskrieg, einen hybriden Krieg und auf einen echten Krieg rechtzeitig vorbereiten. Oder auch nicht.
…die Amis spielen das Spiel wirklich geschickt…das muss man ihnen lassen…auch der Kommentar von Bessent, dass Xi vielleicht gar nichts von den Exportbeschränkungen wusste, kann man so deuten das es als Beleidigung zu verstehen ist…im Umkehrschluss bedeutet die Aussage, dass Xi seinen Laden nicht im Griff hat…alles sehr clever…und die Chinesen machen sich das Geschäft mit Exportbeschränkungen ggf. selbst kaputt…sie werden auf alle Fälle stark in die Enge getrieben…den am liebsten verkauft China an die USA…weil da die höchsten Margen umgesetzt werden können…das geht auf anderen Märkten nicht so gut, zumal auf anderen Märkten auch direkt Zoff droht, weil die chinesischen Importe, den heimischen Markt kaputt machen könnten…ein Konflikt in Zeitlupe…
In welcher Welt leben Sie? China braucht die USA nicht mehr. man hat die vergangenen Jahrzehnte gut am Westen verdient und ihn leer gesaugt. Der Westen ist nur noch eine leere, marode Hülle. China unterhält nur noch so viel Handelskontakte in den Westen, wie nötig, um diesen in Abhängigkeit zu halten, während der Binnenmarkt und der markt innerhalb der BRICS immer stärker wird. Wenn China weniger seltene Erden exportiert, steigt der preis am Weltmarkt. Die Margen fallen nicht wirklich, aber westliche Unternehmen werden unprofitabler. Was niemand im Westen wegen der Konditionierung verstehen kann, ist, dass China dann wenn es der richtige Moment ist, dem Westen den Todesstoß versetzt. Und mit dem Westen wird man sämtliche Institutionen, Menschenrechte, und sämtliche westlichen Werte und Moralvorstellungen, mit untergehen lassen. China sieht Menschenrechte, Moral, christliche Werte, die UNO als Krebsgeschwür, das man töten muss, um seine eigene Weltordnung installieren zu können.
@schwabenpower,
aber immerhin wird in der eu menschenrechte, westliche und christliche werte und moral hochgehalten
und die uno als heiliger gral bedingungslos verehrt
Ja. Es darf nur der Westen Weltordner sein. Das ist Demokratie, Menschenrecht usw.
Selbst ohne China stirbt der Westen von selber aus.
Na ja. Seltene Erden sind wie der Name sagt selten. Dass man aber komplett von China abhängt, weiss man nicht seit gestern. Welche Pläne gibt es da? Oder war in den letzten 25 Jahren alles andere wichtiger? Wie zum Beispiel liberale Demokratien von Nordafrika bis Afghanistan einführen?