Aktien

Chipaktien global im Aufwind – trotz Gegenwind von US-Zinsfront und Ölpreis

In Asien erleben Chipaktien aktuell kräftig Aufwind. Bereits Freitag hatten US-Konkurrenten Gegenwind durch Wirtschaftsdaten widerstanden.

Speicherchips von Micron und SK Hynix. Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt.de

Der KOSPI-Index in Südkorea legt heute 4,2 % zu, der Nikkei-Index in Tokyo steigt um 1,91 %. An einem Börsentag, wo die USA einen Feiertag haben und daher die Wall Street geschlossen sein wird, ist das ein deutliches Zeichen für Aufwind bei Chipaktien. Dazu sei aber erwähnt, dass US-Chipaktien am Freitag bereits deutlich gestiegen waren. Der Philadelphia Semiconductor Index stieg am Freitag um 3,38 %. Und das, nachdem die US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag eher für höhere Zinsen sprechen, was den Aktienmarkt global eher belasten sollte!


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Chipaktien deutlich im Anstieg

Viele neue Jobs in den USA. Die Anleiherenditen sind im Aufwind, die US-Konjunktur ist robust. Die Zeichen stehen eher auf steigende als auf fallende Fed-Zinsen. Teurere Kreditkosten in Dollar sprächen eigentlich für fallende Aktienkurse – gerade bei Techfirmen, die viele Schulden aufnehmen. Aber Chipaktien können sich aktuell von negativen Tendenzen abkoppeln, wie auch vom weiter steigenden Ölpreis, weil der Iran-Krieg wieder eskaliert.

Neue KI-Modelle bringen offenbar wieder Schwung in die KI-Euphorie. OpenAI zum Beispiel hatte am Freitag sein neuestes Modell GPT-6 Astra vorgestellt. OpenAI-Präsident Greg Brockman bezeichnete dies als potenziellen Meilenstein auf dem Weg in das Zeitalter der allgemeinen künstlichen Intelligenz. SK Hynix kann heute in Seoul um 7 % zulegen, MediaTek aus Taiwan um 7,8 %, Kioxia in Tokyo steigt heute um 9,3 %. Im Chart sehen wir im Verlauf der letzten zwölf Monate: Der Philadelphia Semiconductor Index für US-Chipaktien steigt um 107 %, der KOSPI um 109 %, der Nikkei in Japan um 53 %. Vor allem US-Aktien aus dem Chipsektor uns Südkorea waren ab Juni deutlich gefallen. Bietet die Korrektur Luft für Neueinstiege?

Chipaktien im Vergleich zu KOSPI und Nikkei

Goldman sieht 80 % Potenzial für KOSPI


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Ein Stratege bei Goldman Sachs hält an seinem optimistischen Kursziel für südkoreanische Aktien fest und erklärt, dass Anleger unterschätzen, wie lange der KI-Schub für die Speicherchip-Hersteller des Landes anhalten wird. Timothy Moe, Chefstratege für Aktien im asiatisch-pazifischen Raum bei der Investmentbank, hält laut Bloomberg an seinem Kursziel von 12.000 Punkten für den Leitindex KOSPI fest, was ein Aufwärtspotenzial von fast 80 % gegenüber dem aktuellen Niveau impliziert (Index stark beherrscht durch Chipaktien SK Hynix und Samsung). Seine Schätzung gehörte zu den optimistischsten Kurszielen am Markt, als sie vor drei Monaten festgelegt wurde. „Wir halten weiterhin daran fest – dies basiert auf unserer Einschätzung der zu erwartenden Gewinnentwicklung“, sagte Moe am Freitag in einem Interview. „Der Markt bewertet die Dauer dieses Gewinnzyklus zu niedrig.“

Der Optimismus steht im Widerspruch zum Einbruch des KOSPI um 27 % gegenüber seinem Rekordhoch im Juni, der auf Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit des KI-Ausgabenbooms der Big-Tech-Unternehmen und einer stark gestiegenen Volatilität der koreanischen Aktien zurückzuführen ist. Eine weitere Runde hervorragender Ergebnisse der Chiphersteller Samsung Electronics und SK Hynix hatte kaum dazu beigetragen, die Aktienkurse anzukurbeln.

Dennoch hat der weltweite Wettlauf um den Bau von Rechenzentren zu massiven Engpässen bei Speicher- und Speicherchips geführt und deren Preise in die Höhe getrieben – eine Entwicklung, die sich nach Moes Einschätzung im Jahr 2027 noch verstärken wird. Die Ausgaben der US-Big-Tech-Unternehmen werden im nächsten Jahr voraussichtlich 1,2 Billionen US-Dollar übersteigen, was einen deutlichen Anstieg gegenüber früheren Prognosen von 800 Milliarden US-Dollar darstellt, sagte er.

Die Hyperscaler „müssen weiter investieren, auch wenn sie kein Geld verdienen“, so Moe. „Das ist großartig für den Speicherbereich, da es die Nachfrage nach Rechenleistung ankurbeln wird, die sehr speicherintensiv ist.“ Der Goldman-Stratege schätzt das Gewinnwachstum der KOSPI-Mitglieder in diesem Jahr auf rund 360 %, das sich bis 2027 auf etwa 35 % abschwächen wird. Die Tatsache, dass sich das Gewinnwachstum irgendwann verlangsamen wird, sei vom Markt bereits gut verinnerlicht, fügte er hinzu.

Moe räumt zudem Risiken durch chinesische Wettbewerber wie CXMT und mögliche politische Widerstände gegen den Ausbau von Rechenzentren in den USA ein, sagt jedoch, dass die Fundamentaldaten für die nächsten Jahre weiterhin für führende Speicherchip-Hersteller sprechen. Er erklärte, sein KOSPI-Kursziel basiere auf dem 7,5-fachen der geschätzten zukünftigen Gewinne. Der Index notiert derzeit beim 5,3-fachen, was etwa der Hälfte seines Siebenjahresdurchschnitts entspricht. Sollten die südkoreanischen Unternehmen seine Gewinnprognosen erreichen, sei seine Kospi-Prognose von 12.000 „nicht so abwegig, wie es zunächst erscheinen mag“, so Moe.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Wenn der Ölpreis auf über 140 geht und die Zinsen auf über 6 Prozent… dann kriegen auch die Chip- Aktien ein Problem…mit Betonung auf …wenn…

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