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Chipaktien-Sturz weitet sich aus – Südkorea heute -5 % – und OpenAI enttäuscht

Chipaktien sind fielen gestern massiv. Heute setzt sich der Sturz fort. Neben Iran und hohen Renditen kommt OpenAI als Problemfaktor hinzu.

KI-Grafik erstellt mit ChatGPT.

Chipaktien werden heute früh noch stärker abverkauft. Der gestrige Sturz in den USA wird jetzt in Asien fortgesetzt. Dies belastet den Gesamtmarkt. Der Dax verlor gestern nur 0,80 % – wohl auch aufgrund nicht vorhandener Chipaktien im Index, abgesehen von Infineon. Der Nasdaq 100 verlor gestern 1,68 %, und der entscheidende Philadelphia Semiconductor Index für US-Chipaktien verlor gestern satte 4,98 %. Ausgelöst wurde der Sturz gestern durch die weltweit stark steigenden Anleiherenditen, die die Kreditkosten verteuern.


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Chipaktien im Sturz – Gemengelage und die Gründe

Die zwei Wochen laufende Erholung in dem Segment der Chipaktien droht durch den gestrigen Absturz abgewürgt zu werden. Heute früh sehen wir den KOSPI-Index für Südkorea mit 5,62 % deutlich abstürzen. Die dort am meisten beachtete Aktie SK Hynix verliert heute 8,97 %. Gestern verlor der US-Konkurrent Micron bereits 7 % – über Nacht verliert die Aktie weitere 2,4 %. Auch außerhalb der Speicherchip-Branche geht es bergab. Intel verlor gestern 6,5 %, AMD 4,2 %.

Der Iran-Krieg und der steigende Ölpreis sind ein Faktor. Wichtiger aber sind die massiven Neuverschuldungen vieler Regierungen, wie auch Neuemissionen von Anleihen durch KI-Unternehmen, was Druck auf alle anderen Emittenten ausübt, die eigenen Renditen anzuheben. Ein aktuelles Beispiel: Während man 5,59 % Rendite bekommt, wenn man der australischen Regierung für 30 Jahre Geld leiht, soll Alphabet heute bei einer Emission in Australien für 20 Jahre Laufzeit 6,95 % bieten.

OpenAI als Damoklesschwert für Chiphersteller


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Für Chipaktien ist entscheidend: „Raucht der Schornstein“ weiter auf Hochtouren? Im Klartext: Können Anthropic und OpenAI weiterhin derart immense Wachstumsraten hinlegen, damit sie weiterhin jede Menge KI-Beschleunigerchips und Speicherchips für ihre Rechenzentren ordern können? Wenn diese Story Risse bekommt, drohen den Chipaktien schwere Zeiten. Heute Nacht wurde bekannt, dass das Umsatzwachstum bei OpenAI deutlich schwächer läuft als gedacht.

Auch wenn die Dimension des Wachstums immens ist: Bei den KI-Giganten werden Sensationen erwartet! OpenAI aber verzeichnete im zweiten Quartal im Vergleich zu Anthropic nur ein verhaltenes Umsatzwachstum, so meldet es das Wall Street Journal. Der Umsatz von OpenAI stieg von 5,7 Milliarden Dollar im ersten Quartal auf 6,7 Milliarden Dollar im zweiten Quartal. Damit gewinnt man sozusagen keinen Blumentopf. Die operative Marge rutschte weiter in die roten Zahlen. Solche Aussagen machen den geplanten Börsengang schwieriger. Eine hohe Bewertung und eine kräftige Aufnahme von frischen Eigenkapital wird dadurch erschwert. Für Chipaktien sind das wenig gute Aussichten.

Analystenkommentar

Es ist wichtig zu beachten, dass Big-Tech-Unternehmen zunehmend anfällig für die globale Makrolage sind – genauer gesagt für die Zinssätze. Die jüngsten Quartalsberichte zeigten, dass der freie Cashflow der Big-Tech-Unternehmen aufgrund massiver KI-Ausgaben im 2. Quartal stark geschrumpft ist, was diese Unternehmen anfälliger für Finanzierungskosten macht, da sie weiterhin in die KI-Infrastruktur investieren, so sagt es heute früh Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst beim Broker Swissquote. Dies ist kein neuer Trend, aber die jüngsten Berichte zum 2. Quartal haben ihn bestätigt, und er könnte – vielleicht – die Nachfrage dämpfen, wenn die Renditen steigen, wie es derzeit der Fall ist. Tatsächlich entwickeln sich die Renditen von Unternehmensanleihen der Big-Tech-Unternehmen weitgehend parallel zu den langfristigen US-Renditen: Steigt die Rendite 10-jähriger US-Anleihen, ziehen die Renditen von Unternehmensanleihen mit ähnlichen Laufzeiten in der Regel nach. Dies übt Abwärtsdruck auf die Bewertungen aus und erhöht potenziell die Finanzierungskosten – und das zu einem Zeitpunkt, an dem diese Aktien bereits perfekt bewertet sind.

Nun bedeutet „perfekt“ nicht unbedingt eine Blase, aber es bedeutet „teuer“. Auf Indexebene liegen, wie zu erwarten, die 12-Monats-KGV der US-Aktien im Vergleich zu den letzten zwei Jahrzehnten nahe dem oberen Ende ihrer historischen Bandbreiten. Und US-Aktien, sowohl mit als auch ohne „Big Tech“, belegen die ersten beiden Plätze, was die Teuerung der Aktienkurse dieser Unternehmen angeht, gefolgt von Japan und Europa, so Ipek Ozkardeskaya. Weit dahinter finden sich Aktien aus Schwellenländern. Das 12-Monats-KGV der Schwellenländer liegt laut einer aktuellen Grafik von Goldman Sachs unterhalb seines historischen Bereichs, bei nur etwa 10,5, verglichen mit dem KGV der technologielastigen US-Aktien von 21,2.

Es ist also durchaus sinnvoll, geografisch zu diversifizieren, da hohe Bewertungen die Gewinnrenditen großer US-Aktien im Vergleich zu günstigeren Märkten weniger attraktiv machen, wo niedrigere Bewertungen mehr Spielraum für eine Multiplikatorausweitung lassen und potenziell ein besseres Risiko-Ertrags-Profil bieten. Zudem verlieren US-Aktien im Vergleich zu risikoärmeren Alternativen an Attraktivität, wenn die Anleiherenditen steigen!

Der Nasdaq 100 weist beispielsweise ein erwartetes KGV von rund 25 auf, was einer Gewinnrendite von etwa 3,9 % entspricht – das liegt deutlich unter den rund 4,7 %, die man durch eine Anlage in 10-jährige US-Staatsanleihen erzielen kann, oder den rund 5,30 %, die man mit 30-jährigen US-Anleihen erzielen kann. Nur so nebenbei, so sagt es Ipek Ozkardeskaya aktuell.

Das ist einer der Gründe, warum sie nicht glaubt, dass die großen US-Indizes nennenswertes Aufwärtspotenzial haben, sollten die längerfristigen US-Renditen weiter steigen. Die Verkehrsbeeinträchtigungen in der Straße von Hormus sind in den Rohölpreisen möglicherweise noch nicht vollständig eingepreist, doch die Korrelation zwischen der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen und der Anzahl der die Meerenge passierenden Schiffe ist bemerkenswert. Natürlich geben die Transitdaten nicht die gesamte Situation wieder – da einige Schiffe Berichten zufolge ihre Ortungssignale ausschalten, um die Meerenge zu passieren –, doch ein anhaltender Krieg bedeutet Inflationsdruck über die Energiepreise in einer Zeit, in der die geldpolitischen Aussichten der Fed und ihre Reaktionsfunktion auf die Inflation nicht mehr eindeutig sind, was Aufwärtsdruck auf die Renditen längerfristiger US-Anleihen ausübt. Hinzu kommt dann noch eine weitere Ebene: höhere Militärausgaben, um den Krieg aufrechtzuerhalten.

Irgendetwas muss nachgeben: Entweder werden die Renditen sinken – beispielsweise, wenn sich die Spannungen im Nahen Osten entspannen – oder die Aktienbewertungen (FMW: Vor allem bei Chipaktien?) werden sich neu justieren. Doch die aktuelle globale Situation über verschiedene Anlageklassen hinweg spricht kaum dafür, mehr in US-Aktien zu investieren.



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Open AI und Anthropic wollen unbedingt an die Börse um frisches Eigenkapital einzunehmen…Im „Free Float “ …im ersten Anlauf….sollen jeweils gut 500 Milliarden erzielt werden….( manche sprechen auch vom Doppelten )

    Damit würde der amerikanische Aktienmarkt auf über 85 Billionen US-Dollar steigen( inclusive grauer Kapitalmarkt) …das Zwölfache der Finanzkrise…und das Sechsfache der Jahrtausendwende….
    Derweil erreicht der Buffet Indikator in Bälde die 250 Prozent…eine neue Dimension…

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