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Revolution durch Christine Lagarde?

Gib dem Hungernden einen Fisch, dann hat er einmal den Bauch voll. Gib ihm eine Angel und lehre ihn Fischen, dann kann er sich für den Rest seines Lebens ernähren. In dieser oder einer ähnlichen Form kennt fast jeder diesen Sinnspruch. Niemand würde ernsthaft die Wahrheit und Weisheit dieser Regel anzweifeln. Nun aber ist Deutschland brandaktuell in der Situation, von einer Seite auf diese Formel hingewiesen zu werden, die alles andere als berufen dünkt. Wie kommt so etwas?

Investition in langfristige Themen statt kurzfristiger Stimulus-Politik

Der scheidende bzw. bereits geschiedene EZB-Präsident Draghi war stets ein Freund von Niedrigzinsen, Schulden und Geldvermehrung. Einigen Denkern und Finanzspezialisten ist dies wiederum ein Dorn im Auge – allen voran Wirtschaftsexperten vom Schlage eines Max Otte, oder dem Finanz-Spezialisten-Duo Marc Friedrich und Matthias Weik. Dies hat Gründe: Die Niedrigzins-Politik ist nicht langfristig machbar und führt zu baldigem Niedergang auf Kosten nachfolgender Generationen. So jedenfalls behaupten es die genannten Fachleute.

Alles anders unter Christine Lagarde – aber gleich eine Revolution?

Ausgerechnet die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde, unter deren Ägide noch schlimmere Auswüchse der Draghi-Richtung befürchtet wurden, mahnt nun Deutschland zur Räson. Man solle doch bitteschön, wenn es schon einen Haushaltsüberschuss gibt, das Geld in Infrastruktur und Bildung investieren. So zumindest ist in der deutschen Presse zu lesen. Das wäre die Umsetzung des Prinzips, dem Hungernden eine Angel zu geben. Investitionen in Bildung und Infrastruktur sichern einem Land mittel- und langfristig die Fähigkeit, auf globalen Märkten konkurrenzfähig zu sein und zu bleiben. So weit ist also alles in Ordnung, und auch begrüßenswert.

Christine Lagarde ist mit dem Vorsatz angetreten, innerhalb der EZB einiges zu verändern. Dass es gleich an die Grundfesten gehen soll – und diese Neuausrichtung wäre durchaus eine Revolution – ist wirklich eine Überraschung. Der neutrale Beobachter ist schockiert, und zwar in einem solchen Maße, dass er Verdachtsmomente hegt. Wir haben uns deshalb die Antrittsrede komplett angesehen – auf Französisch und ohne Übersetzer.

Obschon in der Tat Investitionen in Infrastruktur angeregt werden, steht im Zentrum ihrer Rede vor allem die Aufforderung an Deutschland, mehr Geld in Konjunkturpakete zu stecken, und die Sparpolitik aufzugeben. Man kann an dieser Stelle aufatmen, da Frau Lagarde nun doch keine Revolution losgetreten hat. Es bleibt aber ein fader Beigeschmack auf der Zunge. Welche Presseagentur hat Lagardes Agenda so verzerrt an die Medien lanciert? Mit welcher Absicht wurde alles ungeprüft weitergegeben? Womit müssen wir als nächstes rechnen, auf der Suche nach verlässlichen Meldungen? An dieser Stelle mein Rat: bleiben wir wachsam!

Die EZB in Frankfurt - Christine Lagarde neue Chefin
Die EZB in Frankfurt.



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1 Kommentar

  1. Wie Markus Krall schon sagte, wenn Politiker das Ruder übernehmen dann ist die letzte Phase unseres Systems eingeläutet. Erst recht wenn es sich um eine vorbestrafte Politikerin handelt.
    Das Gute: Wenn es dann zum Zusammenbruch kommt, wird es schnell gehen – wir werden keine Möglichkeit haben um darauf zu reagieren.
    Fazit: Proaktives Handeln ist gefragt.

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