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Christine Lagarde – als neue EZB-Chefin der Wolf im Schafspelz

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Vordergründig mimt die designierte Chefin der EZB Christine Lagarde die smarte und um Ausgleich bemühte Moderatorin. Doch ihre ehemaligen Mitstreiter beim IWF und Verhandlungspartner wie der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte bezeichnen die verurteilte Straftäterin als „Tough Lady“, die knallharte Ansagen mache.

Christine Lagarde will Draghis Politik fortsetzen und erweitern

Für jeden Normalbürger ist es schwierig bis unmöglich, nach einer strafrechtlichen Verurteilung wieder einen Job zu finden. Geschweige denn, einen der mit Geld zu tun hat. Die im Dezember 2016 verurteilte Christine Madeleine Odette Lagarde wird trotz dieses unschönen Flecks auf ihrer Karriere- Weste ab 1. November oberste Währungshüterin Europas. Am 4. September sprach Lagarde vor dem Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments und machte ihre geldpolitische Ausrichtung deutlich: Weiter so und wenn erforderlich in verschärfter Form, mit „innovativen geldpolitischen Instrumenten“. Schließlich nutze die EZB schon heute Instrumente, die vor zehn Jahren niemand erwartet hatte. Das könne sich während ihrer Amtszeit bei Bedarf wiederholen.

Konkret kann sie sich neben noch tieferen Zinsen auch das sogenannte Helikoptergeld vorstellen und die Abschaffung des Bargeldes. Auch das Thema Schwundgeld ist Teil ihres hypothetischen Werkzeugkoffers als zukünftige Geldpolitikerin. Das Inflationsziel der EZB möchte sie neu definieren, sodass mehr Spielraum auch über der Marke von 2 Prozent pro Jahr besteht. Damit meint sie gleichwohl nicht die Inflation im klassischen Sinne, denn das Wachstum des breitesten Geldmengenaggregats M3 liegt in der EU aktuell bereits bei 5,7 Prozent pro Jahr, bei einem geschätzten EU-BIP-Wachstum von 1,2 Prozent für 2019.

Bereits im Jahr 2014 hatte Christine Lagarde die aus ihrer Sicht ultimative Lösung der europäischen und sogar globalen Schuldenkrise zusammen mit ihren Kollegen beim IWF skizziert: den „Global Currency Reset“ – also die Enteignung aller privaten Gläubiger verschuldeter Staaten und Banken im Zuge eines Währungsschnitts. Griechenland sollte im Sommer 2015 die Blaupause dafür liefern, doch dazu kam es nur partiell.

Einen wirtschaftswissenschaftlichen Abschluss kann die Juristin Christine Lagarde nicht vorweisen. Sie selbst sagt: „Ich habe genug gesunden Menschenverstand, ich habe ein bisschen Wirtschaft studiert, aber ich bin keine Super-Ökonomin.“ Gleichwohl hat sie als ehemalige französische Finanzministerin währen der Lehman-Krise und in den vergangenen acht Jahren beim IWF genug Zeit gehabt, sich mit dem permanent weiter verschärfenden Problem der globalen Überschuldung zu beschäftigen. Diverse Rettungsmaßnahmen der gesamten Eurozone und Staaten wie Griechenland oder jüngst Argentinien hat sie als Krisenmanagerin mit verhandelt und verantwortet. Dabei stand typisch französisch immer das übergeordnete Interesse supranationaler Organisationen und v. a. des Staates im Vordergrund. Die Eigentumsrechte der Bürger wurden rigoros eingeschränkt.

Als Anhängerin der Modern Money Theory (MMT) und Pragmatikerin ohne finanz- und geldpolitische Tabus ist sie genau die Richtige, um das europäische Finanzsystem auf ein neues Level der „Modernität“ zu hieven im größten Geldexperiment der Menschheitsgeschichte.

Kaum noch Gegenwind im EZB-Rat

Nach dem überraschenden vorzeitigen Rücktritt des deutschen Mitglieds des EZB-Direktoriums Sabine Lautenschläger zum 31. Oktober gewinnen die Anhänger einer aggressiven Geldpolitik weiter die Oberhand im EZB-Rat. Noch ist nicht klar, wer der Chefin der europäischen Bankenaufsicht in der EZB nachfolgt. Eigentlich lief ihre Amtszeit noch bis Ende Januar 2022. Da sie keine Begründung für ihren Rücktritt angab, kann man nur an Hand früherer Kritik ihrerseits an der laxen Geldpolitik vermuten, dass sie den jetzt eingeschlagenen Weg der EZB mit einer Verschärfung der Negativzinspolitik und der Wiederbelebung des QE-Programms unter Mario Draghi nicht mittragen wollte und keine Veränderung der geldpolitischen Ausrichtung unter Christine Lagarde erwartete. Im Gegenteil kann man vermuten, dass es kein Zufall ist, dass Frau Lautenschläger ihre Karriere bei der EZB zum Ultimo Oktober beendet, also genau einen Tag vor dem Amtsantritt von Christine Lagarde. Damit ist Lautenschläger nach Otmar Issing, Jürgen Stark und Jörg Asmussen bereits die vierte deutsche Geldpolitikerin, die die Europäische Zentralbank vorzeitig aus Protest verlässt. Geändert hat das bislang nichts.

Fazit

Wer glaubte, mit dem Weggang von Mario Draghi würde sich die EZB-Politik ändern, der hat insofern recht, als dass der Grad an Unkonventionalität unter Christine Lagarde wohl neue Dimensionen erreichen wird. Eine Normalisierung der qualitativen und quantitativen Geldpolitik ist ohnehin nicht mehr möglich, sofern man den Systemkollaps noch ein paar Jahre hinauszögern will. Diesbezüglich hat sie beim IWF in den letzten acht Jahren einen sehr guten Job gemacht. Ob diese Verlängerung der Lebenszeit des heutigen Finanzsystems Sinn macht, hängt jedoch stark davon ab, ob der Pragmatismus von Frau Lagarde dazu beiträgt, den Übergang zwischen dem heutigen ungedeckten Fiat-Money-System zu einem wie auch immer gearteten neuen Währungssystem einigermaßen kontrolliert und international konzertiert zu gestalten. Wenn jedoch lediglich die Fallhöhe steigt, wäre eine Politik wie von ihr ins Auge gefasst unverantwortlich. Die Zukunft wird zeigen, ob der Wolf im Schafspelz in dieser Hinsicht einen funktionierenden Plan in den schiefen EZB-Turm am Mainufer mitbringt.

Christine Lagarde im Jahr 2015

Christine Lagarde wird im November neue EZB-Chefin. Foto: Wilson Dias/ABr – Agência Brasil CC BY 3.0 br

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Raoul H. Calame

    26. September 2019 23:07 at 23:07

    Tja, wahrscheinlich die beste Wahl, schon der Name verpflichtet LaGarde ( die Wache ) !

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Börse: Chancen und Risiken – welche Anlageklassen werden boomen?

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Die Börse hat den Corona-Crash scheinbar überwunden – die Aktienmärkte handeln an Allzeithochs, den Notenbanken sei Dank! Wie aber geht es nun weiter, mittel- bis langfristig?

„Die Börse ist gut drau und geht davon aus, dass alles gut wird“, sagt der ehemalige Hedgefundmanager Florian Homm. Dieses Mantra aber sei gefährlich und risikoreich, so Homm. Angesichts der Bewertungen an der Börse seien die Perspektiven eher mau: selbst wenn die Aktienmärkte im besten Fall 4% pro Jahr weiter steigen würden, bestünde die Gefahr, dass diese Zugewinne durch eine steigende Inflation zunehmend aufgefressen würden.

Homm analysiert in folgendem Video verschiedene Anlageklassen: Edelmetalle, Rohstoffe, Nahrungsmittel, Kryptowährungen, Anleihen und Aktien. Was dürfte in den nächsten Jahren am besten funktionieren? So oder so: „Wir befinden uns in einer spannenden, hochriskanten Dekade“, sagt Florian Homm. Aber angesichts der finanziellen Repression gehe aber eben kein Weg an der Börse vorbei, so Homm. Dabei zeigt er fünf Szenarien auf:

An der Börse geht angesichts der finanziellen Repression kein Weg vorbei

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Aktiensplit bei Tesla – folgen andere bald nach?

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Es ist Thema in vielen Wirtschaftsteilen der Medien – der Aktiensplit von Tesla und die extreme Kursreaktion eines Automobilherstellers, der schon zuvor fast so viel wert war wie alle Autoproduzenten Europas. Passt natürlich auch ins Schema von Elon Musk, der einen gigantischen Optionsvertrag besitzt, der ihm beim Erreichen hoher Werte in punkto Marktkapitalisierung Zuteilungsrechte eröffnet, die es so noch nicht gegeben hat. Zig-Millionen an Aktien in Stufen bis zu einem Unternehmenswert von 650 Milliarden Dollar, wie im Artikel vom 24. Juli dargelegt.

Der Aktiensplit zum Monatsende

Durch den exponentiellen Anstieg der Aktie von Tesla von 400 Dollar zu Jahresanfang bis auf fast 1800 Dollar, Mitte Juli und in sechseinhalb Monaten, war nicht nur ein Fahnenstangen-Chart entstanden, der nach Korrektur schreit, sondern auch ein psychologisches wie auch praktisches Problem entstanden. Für Millionen Kleinanleger, vor allem die vielen Neuen des Jahres 2020, war das Papier einfach zu teuer. Claudio Kummerfeld hat gestern die Wirkung der Fünftelung des Aktienpreises in einem Artikel beschrieben. Und es hat funktioniert. Am Tag nach der Ankündigung, einen Aktiensplit zu machen, erreichte die Aktie im New Yorker Handel 1585 Dollar und schloss bei 1554 Dollar, sagenhafte 13 Prozent im Plus, obwohl sich fundamental deshalb schon rein gar nichts geändert hat. Bei Beurteilung der Börsenreaktion von Tesla muss man aber die besondere Situation bei diesem Highflyer berücksichtigen. Einer der „meistgeshorteten“ großen Titel, bei dem die Leerverkaufsquote schon einmal 25 Prozent des Free Floats ausmachte. Zuletzt waren es immer noch über 10 Prozent oder 14 Millionen und da kann jede positive Meldung einen Pain Trade auslösen, in Form der berüchtigten Short Squeezes.

Nichtsdestotrotz gibt es Anleger, die keine Aktien mögen, weil sie optisch sehr teuer wirken. Als ob eine Deutsche Bank mit 8 Euro attraktiver wäre als eine Allianz mit 180 Euro.

So hatte kürzlich erst die Ankündigung von Apple, einen Aktiensplit von 4 zu 1 zu planen, Furore gemacht.

Ende August gibt es dann viermal so viele Papiere des wertvollsten Unternehmens der Welt. Statt etwa 455 Dollar wie am gestrigen Tag würde das Papier dann nur noch etwas mehr als 110 Dollar kosten. Die angekündigte Aktiensplit hatte selbst bei einem Wert mit einer Marktkapitalisierung von über 1,9 Billionen Dollar große Wirkung und ließ den Kurs nachbörslich um sechs Prozent in die Höhe schnellen. Diese Reaktion macht Anleger neugierig und man hält Ausschau nach Titeln, die optisch teuer sind und wo sich das Management zu so einem Schritt entscheiden könnte. Nach Ansicht von Experten sollten Aktien, die für einen Aktiensplit in Frage kommen, zwei Bedingungen erfüllen: Sie müssten in der letzten Zeit stark nach oben gegangen sein und die Aktien sollten über 400 Dollar kosten.

Welche Werte könnten dem Beispiel folgen?

Angesichts der „Anomalie“ einer folgenden Kurssteigerung infolge von optischen Psychotricks könnte es nicht verkehrt sein, nach Titeln Ausschau zu halten, die extrem gestiegen und extrem hohe Kurswerte aufweisen. Da fällt einem natürlich sofort Amazon ins Auge, die Online-Aktie, die es bereits zum Schnäppchenpreis von 3100 Dollar gibt. Wann wird sich Jeff Bezos zu diesem Schritt entscheiden, schließlich wurde die Aktie in diesem Jahrhundert auch noch nicht gesplittet? Immer wieder unglaublich anzusehen, die Entwicklung dieses Wertes, der im Crash des Jahres 2001 auf unter 10 Dollar gefallen war. Dann gibt es natürlich noch weitere FAANG-Aktien, die die großen Renner des Jahres waren: Alphabet mit über 1500 Dollar, Netflix mit über 450 Dollar, aber auch andere bekannte Titel wie BlackRock (580 Dollar), Adobe (450 Dollar), Nvidia (460 Dollar) oder der sehr teure und auch in Deutschland bekannte Online-Reisekonzern Booking.com mit über 1800 Dollar. An Auswahl mangelt es nicht.

Wie ist es in Deutschland?

Natürlich kennen wir hierzulande auch den Aktiensplit, vor einem Jahr war es der Sportartikelhersteller Puma, der seine Aktien gezehntelt hatte. Vor Kurzem war es die Medizintechnikfirma Eckert und Ziegler. Aber auch die großen Werte aus dem DAX wie BASF, Beiersdorf, Eon, Fresenius, SAP oder Siemens haben ihre Anteilsscheine schon geteilt, aber das ist schon viele Jahre her. Optisch richtig teure Werte gibt es derzeit nicht im Dax, aus dem MDax ragt der Küchenhersteller Rational mit seinem 600 Euro Kurswert hervor. Aber wer weiß, deutsche Unternehmen ahmen nicht selten angelsächsischen Gepfogenheiten nach und schließlich befindet sich unser Leitindex auch in seiner Mehrheit in ausländischen Händen.

Fazit

Tesla hat strategisch nachgemacht, was Apple bereits vor Monatsfrist erfolgreich vorgemacht hat: Die teuerste Firma der Welt hat bereits vier Mal einen Aktiensplit durchgeführt, der fünfte ist für Ende August angekündigt und hat zu den gewohnten (positiven) Kursreaktionen geführt. Ohne die Splits würde die Aktie des Börsengiganten Apple heute bereits 24.000 Dollar kosten. Für viele Kleinanleger unhandelbar. Dass es dennoch anders geht, zeigt die Aktie von Warren Buffett, Berkshire Hathaway.

Diese kostete bei seiner Übernahme der Firma im Jahre 1965 unter 20 Dollar und heute in der Ur-Form als A-Aktie ungesplittet etwa 318.000 Dollar, eine Performance von über 2 Millionen Prozent, allerdings in einem für Normalanleger unvorstellbar langem Zeitraum. Geschadet hat es der Performance der Aktie auf lange Sicht nicht, weil zu guter Letzt die Fundamentaldaten zählen.

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Handelskrieg, jetzt Internetkrieg zwischen USA und China?

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