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Christine Lagarde – wofür steht sie?

Lagarde verfügt anscheinend über eine Gabe, die nur wenige Karrieremenschen nach einer gewissen Zeit noch besitzen..

Christine Lagarde als neue EZB-Chefin? Die Nominierung Lagardes war eine Überraschung. Es sind ja noch fast vier Monate hin bis zur Stabübergabe bei der EZB, in Trumps Zeiten eine kleine Ewigkeit, und es muss die Personalie auch noch im EU-Parlament bestätigt werden, aber der Vorschlag die Chefin des Internationalen Währungsfonds IWF,, zur mächtigen Zentralbankerin zu küren, schlägt hohe Wellen. Wie ist ihre Qualifikation einzuschätzen?

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Lagarde: Die Befürworter

Obwohl Lagarde keine Ökonomin ist, wird sie auch von Ökonomen gelobt.

„Christine Lagarde ist eine sehr gute Besetzung für die Position der EZB-Präsidentschaft“, sagte Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, gegenüber der WELT. Sicherlich sei sie in der Lage, die unterschiedlichen nationalen Interessen und Perspektiven in der Währungsunion auszubalancieren. „Sie hat außerdem genug politisches Gewicht, um die Unabhängigkeit der EZB gegen politische Übergriffe zu verteidigen“, meinte Fuest.
Michael Hüther, Präsident des Instituts der deutschen Wirtschaft, sieht in Lagarde eine „unorthodoxe Lösung“. Aber immerhin verfüge sie „über große politische Expertise und wirtschaftspolitische Erfahrung“.

 

Lagarde: Die Skeptiker

Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank, ist nicht glücklich über die zu erwartende Fortsetzung der Geldpolitik im Stil von Draghi. „Leider wird der EZB-Einlagensatz wohl noch viele Jahre im negativen Bereich bleiben. Damit steigt das Risiko, dass sich an den Immobilienmärkten in den kommenden Jahren gefährliche Blasen entwickeln. Die EZB-Spitze wird mehr denn je Verständnis aufbringen für den unausgesprochenen Wunsch der Staats- und Regierungschefs, die ungelösten Ursachen der Staatsschuldenkrise durch eine lockere Geldpolitik zu übertünchen“, so der Volkswirt.

Stefan Bielmeier, Chefökonom der DZ Bank, lässt ebenfalls kritische Töne anklingen. Seiner Meinung nach gehört zu den Herausforderungen für Lagarde, den Spagat zwischen Geld- und Finanzpolitik zu meistern, wenn etwa eine Zinserhöhung notwendig wird, zugleich aber damit eine steigende Belastung hochverschuldeter Staaten verbunden ist. „Ich gehe davon aus, dass sie in dem Fall die gesamte Stabilität vor die Preisstabilität setzt“, formuliert Bielmeier seine Sichtweise. Er fügt hinzu: „Es zeigt sich, dass die Besetzung von wichtigen Positionen in Notenbanken immer mehr von politischen Überlegungen bestimmt wird. Das ist auch logisch, weil die politische Relevanz der Zentralbanken deutlich zugenommen hat.“

„Frau Lagarde ist eine politische Kandidatin“, sagte auch Steen Jakobsen, Chefvolkswirt der dänischen Saxobank. „Das wird den Club Med stützen, vor allem Italien“, ist er überzeugt.

 

Ihre bisherige Laufbahn

Christine Lagarde ist keine Geldpolitikerin und hat nie in einer Notenbank gearbeitet. Vielmehr war sie zwischen 2007 und 2011 französische Finanzministerin.

Seither hat sie als Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine sehr unabhängige und selbstbewusste Rolle verkörpert. Mit dieser Vita als französische Finanzministerin und an der Spitze des IWF konnte sie gewiss wertvolle Erfahrungen für ihren neuen Job sammeln. Mit Mario Draghi eint sie, dass sie sich in der Welt angelsächsischer Notenbanker und Investoren zu Hause fühlt.

Als Chefin des Währungsfonds hatte sie bereits viel Umgang mit Staatskrisen im Euro-Raum, auch das ist ein Vorteil in der künftigen Position. Der IWF war an der Rettung Irlands, Spaniens, Portugals und Griechenlands beteiligt, insbesondere die Rettung Athens begleitete Lagarde fast ihre gesamte Amtszeit.

Lagarde verfügt anscheinend über eine Gabe, die nur wenige Karrieremenschen nach einer gewissen Zeit noch besitzen. Sie ist zugänglich für Beratung. Statt mit ihrem eigenen Wissen zu prahlen, präsentiert sie die ökonomische Expertise der Organisation. Jenes wird sie vermutlich auch an der Spitze der EZB tun. Anders als Draghi, der sein Amt seinem Ruf als Ökonom verdankte.

Sie wird sich auf den neuen Chefökonomen Philip Lane und in ihrem Umfeld auf Experten wie Frank Smets und Massimo Rostagno stützen.

 

Welche Notenbankpolitik ist zu erwarten?

Was man geldpolitisch von der neuen EZB-Cefin erwartet, zeigt die Entwicklung an den Anleihemärkten. In Deutschland fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe am Mittwoch in der Spitze auf das Rekordtief von minus 0,39 Prozent. Ebenso sanken die Renditen italienischer Staatspapiere kräftig. Das Weidmann-Risiko einer strafferen Geldpolitik wurde aus den Märkten „ausgepreist“, war die Erklärung an den Märkten.

Die bereits formulierten Befürchtungen, wie Abgaben auf Bargeld, Helikoptergeld und weitere unkonventionelle Maßnahmen sind derzeit eher der Panikmache zuzuordnen. Verfassungsrechtliche und politische Hürden setzen hier „vorerst“ noch deutliche Grenzen.

Sie wird im Sinne der Politik Draghis Politik agieren und im Konzert mit anderen Notenbanken das Experiment „finanzielle Repression“ fortsetzen, bis zum bitteren Ende.

 

 

Welche Notenbankpolitik wird Christine Lagarde machen?

Christine Lagarde. Foto: MSC – https://www.securityconference.de/mediathek/munich-security-conference-2018/image/christine-lagarde/filter/image/ CC BY 3.0 de – Ausschnitt aus Originalfoto



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3 Kommentare

  1. Der ehemalige Chefvolkswirt der EZB Jürgen Stark hat sich dahingehend geäußert, das diese Nominierung nur für eine weitere „Politisierung“ der EZB steht, nach Luis de Guindos. Was die Geldpolitik betrifft, erwarte ich überhaupt keine signifikante Änderung, das dürfte eher noch mehr ausgedehnt werden.

    Sicher, Abgaben auf Bargeld, Helikoptergeld etc.. mag derzeit Panikmache sein, aber wenn man Lagardes Äußerung in den letzten Jahren mal so verfolgt hat, dann ist sie solchen Instrumenten auch nicht wirklich abgeneigt, angelsächsische Ökonomie eben.

  2. Jedes Kind mit einfacher Grundschulausbildung sieht, dass das billige Geld der EZB nur noch als Spekulationsbasis für Betongold und Aktienanlagen dient. Fachbetriebe in Städten finden inzwischen keine Fachleute mehr, die zu den möglichen Gehältern auch eine Wohnung mieten könnten. Das Draghi-Geld hat nur noch weitere ungebremste Schuldenanhäufung unterstützt und den Point of no return bereits überschritten.
    Deshalb wird Madame Lagard wie man bereits diskutiert, die Zinsen in den Minusbereich absenken und damit den Bürgern und Sparern Europas mit der Enteignung den ökonomischen Genickschuss verpassen.

  3. Ja, Ja Wenn Schildbürger an der macht sind dann gehts halt nur noch bergab ökomonisch wie auch poltisch malsehen wie das alles endet.

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