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Christine Lagarde – wofür steht sie?

Lagarde verfügt anscheinend über eine Gabe, die nur wenige Karrieremenschen nach einer gewissen Zeit noch besitzen..

Wolfgang Müller

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am

Christine Lagarde als neue EZB-Chefin? Die Nominierung Lagardes war eine Überraschung. Es sind ja noch fast vier Monate hin bis zur Stabübergabe bei der EZB, in Trumps Zeiten eine kleine Ewigkeit, und es muss die Personalie auch noch im EU-Parlament bestätigt werden, aber der Vorschlag die Chefin des Internationalen Währungsfonds IWF,, zur mächtigen Zentralbankerin zu küren, schlägt hohe Wellen. Wie ist ihre Qualifikation einzuschätzen?

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Lagarde: Die Befürworter

Obwohl Lagarde keine Ökonomin ist, wird sie auch von Ökonomen gelobt.

„Christine Lagarde ist eine sehr gute Besetzung für die Position der EZB-Präsidentschaft“, sagte Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, gegenüber der WELT. Sicherlich sei sie in der Lage, die unterschiedlichen nationalen Interessen und Perspektiven in der Währungsunion auszubalancieren. „Sie hat außerdem genug politisches Gewicht, um die Unabhängigkeit der EZB gegen politische Übergriffe zu verteidigen“, meinte Fuest.
Michael Hüther, Präsident des Instituts der deutschen Wirtschaft, sieht in Lagarde eine „unorthodoxe Lösung“. Aber immerhin verfüge sie „über große politische Expertise und wirtschaftspolitische Erfahrung“.

 

Lagarde: Die Skeptiker

Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank, ist nicht glücklich über die zu erwartende Fortsetzung der Geldpolitik im Stil von Draghi. „Leider wird der EZB-Einlagensatz wohl noch viele Jahre im negativen Bereich bleiben. Damit steigt das Risiko, dass sich an den Immobilienmärkten in den kommenden Jahren gefährliche Blasen entwickeln. Die EZB-Spitze wird mehr denn je Verständnis aufbringen für den unausgesprochenen Wunsch der Staats- und Regierungschefs, die ungelösten Ursachen der Staatsschuldenkrise durch eine lockere Geldpolitik zu übertünchen“, so der Volkswirt.

Stefan Bielmeier, Chefökonom der DZ Bank, lässt ebenfalls kritische Töne anklingen. Seiner Meinung nach gehört zu den Herausforderungen für Lagarde, den Spagat zwischen Geld- und Finanzpolitik zu meistern, wenn etwa eine Zinserhöhung notwendig wird, zugleich aber damit eine steigende Belastung hochverschuldeter Staaten verbunden ist. „Ich gehe davon aus, dass sie in dem Fall die gesamte Stabilität vor die Preisstabilität setzt“, formuliert Bielmeier seine Sichtweise. Er fügt hinzu: „Es zeigt sich, dass die Besetzung von wichtigen Positionen in Notenbanken immer mehr von politischen Überlegungen bestimmt wird. Das ist auch logisch, weil die politische Relevanz der Zentralbanken deutlich zugenommen hat.“

„Frau Lagarde ist eine politische Kandidatin“, sagte auch Steen Jakobsen, Chefvolkswirt der dänischen Saxobank. „Das wird den Club Med stützen, vor allem Italien“, ist er überzeugt.

 

Ihre bisherige Laufbahn

Christine Lagarde ist keine Geldpolitikerin und hat nie in einer Notenbank gearbeitet. Vielmehr war sie zwischen 2007 und 2011 französische Finanzministerin.

Seither hat sie als Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine sehr unabhängige und selbstbewusste Rolle verkörpert. Mit dieser Vita als französische Finanzministerin und an der Spitze des IWF konnte sie gewiss wertvolle Erfahrungen für ihren neuen Job sammeln. Mit Mario Draghi eint sie, dass sie sich in der Welt angelsächsischer Notenbanker und Investoren zu Hause fühlt.

Als Chefin des Währungsfonds hatte sie bereits viel Umgang mit Staatskrisen im Euro-Raum, auch das ist ein Vorteil in der künftigen Position. Der IWF war an der Rettung Irlands, Spaniens, Portugals und Griechenlands beteiligt, insbesondere die Rettung Athens begleitete Lagarde fast ihre gesamte Amtszeit.

Lagarde verfügt anscheinend über eine Gabe, die nur wenige Karrieremenschen nach einer gewissen Zeit noch besitzen. Sie ist zugänglich für Beratung. Statt mit ihrem eigenen Wissen zu prahlen, präsentiert sie die ökonomische Expertise der Organisation. Jenes wird sie vermutlich auch an der Spitze der EZB tun. Anders als Draghi, der sein Amt seinem Ruf als Ökonom verdankte.

Sie wird sich auf den neuen Chefökonomen Philip Lane und in ihrem Umfeld auf Experten wie Frank Smets und Massimo Rostagno stützen.

 

Welche Notenbankpolitik ist zu erwarten?

Was man geldpolitisch von der neuen EZB-Cefin erwartet, zeigt die Entwicklung an den Anleihemärkten. In Deutschland fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe am Mittwoch in der Spitze auf das Rekordtief von minus 0,39 Prozent. Ebenso sanken die Renditen italienischer Staatspapiere kräftig. Das Weidmann-Risiko einer strafferen Geldpolitik wurde aus den Märkten „ausgepreist“, war die Erklärung an den Märkten.

Die bereits formulierten Befürchtungen, wie Abgaben auf Bargeld, Helikoptergeld und weitere unkonventionelle Maßnahmen sind derzeit eher der Panikmache zuzuordnen. Verfassungsrechtliche und politische Hürden setzen hier „vorerst“ noch deutliche Grenzen.

Sie wird im Sinne der Politik Draghis Politik agieren und im Konzert mit anderen Notenbanken das Experiment „finanzielle Repression“ fortsetzen, bis zum bitteren Ende.

 

 

Welche Notenbankpolitik wird Christine Lagarde machen?

Christine Lagarde. Foto: MSC – https://www.securityconference.de/mediathek/munich-security-conference-2018/image/christine-lagarde/filter/image/ CC BY 3.0 de – Ausschnitt aus Originalfoto

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Macus

    5. Juli 2019 12:19 at 12:19

    Der ehemalige Chefvolkswirt der EZB Jürgen Stark hat sich dahingehend geäußert, das diese Nominierung nur für eine weitere „Politisierung“ der EZB steht, nach Luis de Guindos. Was die Geldpolitik betrifft, erwarte ich überhaupt keine signifikante Änderung, das dürfte eher noch mehr ausgedehnt werden.

    Sicher, Abgaben auf Bargeld, Helikoptergeld etc.. mag derzeit Panikmache sein, aber wenn man Lagardes Äußerung in den letzten Jahren mal so verfolgt hat, dann ist sie solchen Instrumenten auch nicht wirklich abgeneigt, angelsächsische Ökonomie eben.

  2. Avatar

    Katja Wohmann

    5. Juli 2019 13:54 at 13:54

    Jedes Kind mit einfacher Grundschulausbildung sieht, dass das billige Geld der EZB nur noch als Spekulationsbasis für Betongold und Aktienanlagen dient. Fachbetriebe in Städten finden inzwischen keine Fachleute mehr, die zu den möglichen Gehältern auch eine Wohnung mieten könnten. Das Draghi-Geld hat nur noch weitere ungebremste Schuldenanhäufung unterstützt und den Point of no return bereits überschritten.
    Deshalb wird Madame Lagard wie man bereits diskutiert, die Zinsen in den Minusbereich absenken und damit den Bürgern und Sparern Europas mit der Enteignung den ökonomischen Genickschuss verpassen.

  3. Avatar

    USLA

    5. Juli 2019 18:05 at 18:05

    Ja, Ja Wenn Schildbürger an der macht sind dann gehts halt nur noch bergab ökomonisch wie auch poltisch malsehen wie das alles endet.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Corona belastet die Aktienmärkte

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die Verschärfung der Coronakrise belastet heute die Aktienmärkte.

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Dax: Sentimentanalyse sieht deutschen Leitindex gedeckelt

Der Dax kommt nicht über die Marke von 14.000 Punkten. Gemäß der aktuellen Sentimentanalyse könnte diese Zone als „Deckel“ fungieren..

Wolfgang Müller

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Der deutsche Leitindex DAX ist ein sehr volatiler Index, mit großen Einbrüchen, aber auch rasanten Anstiegen. Andererseits läuft er oft lange Zeit quer, so dass ihm manche Marktbeobachter als langweilig titulieren. Trotz weiterer Anstiege in den USA schwankt er derzeit unterhalb der Marke von 14.000 Punkten. Gemäß der aktuellen Sentimentanalyse könnte diese Marke als Deckel fungieren.

Dax – die Rally seit Ende Oktober

Dax-Investoren brauchen starke Nerven. Im Coronajahr fiel der Leitindex im Februar/März binnen 35 Tagen um 40 Prozent von 13.795 auf 8255 Punkte intraday (deutlich mehr als die US-Indizes), um sich bis zum 8. Juni, also in zehn Wochen wieder bis auf 12.913 Punkte zu erholen – inmitten des schwärzesten Quartals seit Dekaden. Dann eine monatelange Schaukelbewegung und der Einbruch im Oktober von 13.150 auf 11.555 Punkte. Während einige schon die Jahresendrally abgeschrieben hatten, sprang der volatile Index infolge des Wahlergebnisses und der Impfstoffrally binnen Monatsfrist auf 13.455 Punkte. Während alle den November mit den historischen US-Daten als außergewöhnlich verglichen hatten, war der Dax dennoch stärker gestiegen, um dann wiederum einige Wochen nicht von der Stelle zu kommen und nicht an sein Allzeithoch zu gelangen.

Nach dem Jahreswechsel kam dann der Sprung bis auf 14.132 Punkte und seither verschnauft der Index unterhalb der runden Marke. Starke Anstiege und eine zugrundeliegende Euphorie werden häufig mit scharfen Korrekturen abgebaut, oder mit längeren Querbewegungen. Die Sentimentanalyse scheint das letztere Szenario anzudeuten.

Die Kaufbereitschaft lässt nach

Das Window Dressing zum Jahresende und die Santa Claus Rally (die letzten fünf und die ersten zwei Tage eines Jahres) haben wunderbar funktioniert. In den USA kam noch einmal ein Schnaps oben drauf, das bedeutet, dass man für die reibungslose Amtsübergabe an den Börsen noch einmal applaudiert hatte. War auch klar, dass ein Ereignis (Randale), auf das man sich fast 14 Tage vorbereiten konnte, kaum große Schäden anrichten könnte. Durch die Präsenz von 15.000 Nationalgardisten, der Polizei, dem FBI, der CIA und anderen Nachrichtendiensten und mittels aller Einsatzmittel, die man seit dem 11. September weiterentwickelt hatte: Gesichtserkennung, Schleppnetzfahndung, Überwachung von Mobilfunk, Auswertung von Seiten der sozialen Medien, V-Leute, die Sicherheitsmaßnahmen waren gigantisch. Washington war am 20. Januar der sicherste Ort.

Die großen Adressen kamen vorher noch einmal billiger in den Markt. Beim Dax könnte das die Marke von 13.700 Punkten gewesen sein (vor dem Wochenende mit 13.672 Punkten), wie es die Sentimentanalysen von Joachim Goldberg (Goldberg&Goldberg) und Stephan Heibel (Handelsblatt) ergeben haben. Es sei jetzt zu wenig Kaufbereitschaft vorhanden und spätestens beim letzten Allzeithoch um die 14.150 Punkte müsse man mit Abgabedruck rechnen, ein Deckel für die Kursentwicklung sei beim Dax auszumachen.

Die gestrige Sitzung der Europäischen Zentralbank war ein Non-Event. Es ging um die Finanzierungsbedingungen in der Eurozone und um den Instrumentenkasten der EZB, der noch voll gefüllt sei. Man stelle sich die Marktreaktionen vor, hätte daran Madame Lagarde Zweifel aufkommen lassen!

Fazit

Auch wenn die Sentimentanalyse für Trader den ein oder anderen Hinweis für die Entwicklung des DAX gibt, sollten zwei Dinge nicht außer Acht gelassen werden. Der deutsche Leitindex ist mehrheitlich in ausländischen Händen. Wenn die Angelsachsen einen Feiertag nehmen, schläft der Umsatz in Frankfurt schon zur Mittagszeit ein. Und wenn die US-Börsen wegen der vielfach beschriebenen Überhitzungszeichen (Russell 2000, Margin Debts, Put/Call-Ratio) doch einmal korrigieren sollten, hilft das Sentiment der deutsche Anleger wenig.

Die Wall Street gibt den Takt vor und so unglaublich es auch klingen mag, selbst die „Irrational Excuberance“ der neuen Anlegerklasse der RobinHoodies. Der US-Präsident hat voller Elan bereits am ersten Tag begonnen Entscheidungen zu fällen. Das große Thema Stimulus ist nun wohl schon eingepreist, einige Wall Street-unfreundliche Umorientierungen nicht. Der marktbreite S&P 500 ist seit seinem Novembertief von 3269 Punkten nun schon auf 3855 Punkte gestiegen – ein Plus von 17,9 Prozent. Wie hoch war der Anstieg im ganzen Jahr 2020? 16,26 Prozent, eine Korrektur liegt in der Luft, der Anlass dafür ist wie immer unbekannt, auch wenn die potentiellen Auslöser dafür schon so oft benannt wurden.

Ist beim Dax der Deckel drauf?

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Bitcoin

Bitcoin als Warnsignal für die Aktienmärkte? Videoausblick

Sind die Kurtsverluste bei Bitcoin eine Art Warnsignal für die Aktienmärkte, dass die Party zumindest kurzfristig erst einmal vorbei ist?

Markus Fugmann

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Sind die Kurtsverluste bei Bitcoin eine Art Warnsignal für die Aktienmärkte, dass die Party zumindest kurzfristig erst einmal vorbei ist? Bitcoin ist ja eben nicht ein Hedge, sondern vielmehr ein Liebling der Retail-Investoren – und verhält sich damit faktisch wie zyklische Aktien. Daher ist es auch kein Zufall, dass Bitcoin im März 2020 in der ersten Corona-Welle ebenso wie die Aktienmärkte deutlich gefallen ist. Die Aktienmärkte zeigen derzeit ein ähnliches Muster wie 2020: Tech steigt, aber die Marktbreite fehlt wieder – das war bis zur Impfstoff-Meldung am 09.November 2020 das dominante Muster gewesen. Die Luft nach oben scheint dünner zu werden, ohnehin ist die Beste aller Welten lämngst eingepreist, da darf also nichts schief gehen..

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