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Anleihen

Ciao Renzi, ciao Eurozone? Italien und andere Kalamitäten..

Es sieht nicht gut aus für den italienischen Regierungschef Matteo Renzi! Neueste Umfragen zeigen, dass er das Referendum am 04.Dezember wohl verlieren wird. Und das könnte heißen, dass Italien „ciao“ zur Eurozone sagt..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Es sieht nicht gut aus für den italienischen Regierungschef Matteo Renzi! Neueste Umfragen zeigen, dass er das Referendum am 04.Dezember wohl verlieren wird:

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Und das würde sehr wahrscheinlich den Rücktritt Renzis bedeuten – mit Neuwahlen Anfang 2017. Und bei diesen Neuwahlen wiederum könnte die Bewegung Cinque Stelle gewinnen, die in einer Koalition mit der Lega Nord und der Forza Italia die Regierung stellt – mit dem Ziel, eine Volksabstimmung für den Austritt Italiens aus der Eurozone durchzuführen!

renzi_2015
Italiens Noch-Ministerpräsident Matteo Renzi. Foto: Gobierno de Chile / Wikipedia (CC BY 2.0)

Und die Märkte sind angesichts dieser Aussicht in Panik – die Renditen (=Risikoprämien) für die 10-jährige italienische Anleihe explodieren:

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Der spread (also die Renditedifferenz) zur deutschen 10-jährigen Bundesanleihe steigt massiv in den letzten Tagen:

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Wir erleben derzeit den heftigsten Abverkauf italienischer Anleihen seit der Euro-Krise 2012:

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Und was passiert sonst so in der Welt? Fast gar nichts – sieht man einmal vom Blutbad bei den Emerging Markets ab:

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Was jetzt auf breiter Front kommt, hat gestern Mexiko vorgmacht: dort hat die Notenbank die Zinsen um 0,5% erhöht, um den Crash des Peso zu stoppen. Geholfen hat es wenig, der Peso fällt weiter zum Dollar. Was bedeutet das für die Mexikaner? Nunja, die Packungen bei importierten Lebensmitteln werden bei gleichem Preis nun wohl etwas kleiner ausfallen (das kennen die Brexit-Briten schon – da ist die Toblerone-Packung bei gleichem Preis auch etwas kleiner geworden..):

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Bei ETFs sieht man, dass massiv Geld aus den Emerging Markets abgezogen werden:

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Und auch der Welthandel läuft derzeit so: eine Schildkröte zieht ein Containerschiff:

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Aber Hauptsache die Aktienkurse steigen! So beim Nikkei:

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19 Kommentare

19 Comments

  1. Avatar

    Jasper

    18. November 2016 11:28 at 11:28

    Da die Umfragen im Vorfeld ja bekanntlich falsch sind und üblicherweise das Gegenteil eintritt, können wir wohl davon ausgehen, dass Renzi das Referendum gewinnen wird…!?!?!?

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      18. November 2016 11:30 at 11:30

      @Jasper, eher nicht, denn in Sachen Brexit und Trump haben die Demoskopen das Frustrationspotential unterschätzt; hier wird ja das Lager der Unzufriedenen und Frustrierten bereits jetzt schon vorne gesehen, dazu kommt dann noch die übliche Dunkelziffer derjenigen, die bei Umfragen das nicht so klar sagen – siehe Trump und Brexit..

  2. Avatar

    Marc

    18. November 2016 11:32 at 11:32

    Wenn Renzi verliert, kann man einen ordentlichen Daxabsturz vorhersagen. Ohne Formationen, Wellen oder gar Kristallkugeln.
    Das sind dann Nachrichten/Fakten, die Kurse machen, das soll es nämlich noch geben.

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    Marc

    18. November 2016 11:35 at 11:35

    Richtig, Herr Fugmann, Sie scheinen Italien sehr gut zu kennen.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      18. November 2016 11:38 at 11:38

      @Marc, ja das stimmt, ich habe (eingeheiratete) italienische Verwandtschaft und daher war Italienisch die erste Fremdsprache, die ich (als junger Knabe) gelernt habe, um bei häufigen Besuchen in Bella Italia kommunizieren zu können..

      • Avatar

        Marc

        18. November 2016 11:54 at 11:54

        @Fugmann, da kann ich Ihnen nur schöne, billige
        Italienaufenthalte mit der Lira wünschen.
        Für mich als Einheimischen wird es leider nicht so
        rosig werden

        • Markus Fugmann

          Markus Fugmann

          18. November 2016 11:55 at 11:55

          @Marc, leben Sie in Norditalien (Südtirol)?

          • Avatar

            Marc

            18. November 2016 12:01 at 12:01

            @Fugmann, ganz genau, Südtirol.

          • Markus Fugmann

            Markus Fugmann

            18. November 2016 12:02 at 12:02

            @Marc, hatte ich geahnt :)

  4. Avatar

    gerd

    18. November 2016 12:30 at 12:30

    O.k., Marc, man kann nicht alles haben.
    Dafür leben Sie in einer der wunderbarsten Gegenden Europas.

    Mich würde im Falle eines Falles interessieren, ob die Briten wohl schon den offiziellen Absprung geschafft haben, bevor Italien den Euro verließe.
    Wobei, kann sein, an dem gigantischen Rettungsprogramm, was auf die EU zukäme, müssten sie sich eh nicht beteiligen, weil sie ja nicht im Euro sind. Dann können die der Abstimmung Anfang Dezember jedenfalls viel gelassener entgegensehen als die anderen.

    • Avatar

      gerd

      18. November 2016 12:47 at 12:47

      Für den Fall würde ich sagen, letzte Chance um billig reinzukommen ins britische Pfund.

  5. Avatar

    Short-Trader

    18. November 2016 12:32 at 12:32

    Während Putin immer mehr russische Föderation zum Teil erfolgreich bestrebt, droht die EU zu zerfallen.
    Was stimmt bloß mit der EU nicht?
    Sind verschiedene Kulturen oder Mentalitäten Schuld?
    Wieso können die Europäer alt Team wunderbar in einem Unternehmen arbeiten, aber die EU Staaten als Gemeinschaft nicht?

    • Avatar

      Petkov

      18. November 2016 15:08 at 15:08

      Es gibt keine verschiedenen Kulturen in der heutigen EU. Das wäre erst mit der Türkei der Fall. In den einzelnen Ländern kommen lediglich unterschiedliche Ausprägungen des gleichen Kulturkreises zum Vorschein. Das können Sie gerne Mentalitäten nennen. Diese sind aber an gar nichts Schuld.

      Das Problem sind natürlich nicht die Menschen, sondern die EU in der heutigen Form. Bei ihr stehen die wirtschaftlichen Interessen im Mittelpunkt. Und zwar die der Großen. Das wäre ja auch in Ordnung, wenn das ein Wirtschaftsverband wäre, in dem Ökonomen das Sagen haben. Die EU Ist aber ein Nationenbund und auch wenn die Menschen ein gemeinsames Wertesystem teilen, wurden sie von der Laune der Geschichte unterschiedlich geprägt und haben daher verschiedene Erfahrungen und somit Einstellungen. Das ist eigentlich ein unvorstellbarer Schatz. Was gibt es Besseres als eine Gemeinschaft aus Menschen, die bisher so gut wie jeden Schicksalsschlag gemeistert haben. Zwar nicht zwangsläufig zusammen, aber der Erfahrungsschatz ist ja trotzdem da.Sie müssen nur aufeinander hören.

      Und genau das passiert aktuell nicht.

      Das Eurozonen-Korsett ist für die Einen zu weit, für die Anderen zu eng und den Dritten passt die Farbe nicht. Lösung hier: ein Gewandt aus ökonomischer und finanzpolitischer Vernunft weben und wem es passt, darf es anziehen.

      In der EU werden schier bodenlose Geldtöpfe verteilt. In Deutschland funktioniert es ganz f in Deutschland funktioniert es halbwegs, in Süd- und Osteuropa wird das Geld zu oft von der übermächtigen Korruption aufgefressen. Die Lösung hier: keine Töpfe, sondern regelmäßig zu tilgende Kredite für Projekte. Von mir aus zinslos. Zwar wird das Geld natürlich auch so oft in die Mafia fließen, aber zumindest wäre sie gezwungen, wirtschaftlich zu handeln, sonst kann sie ja nicht tilgen. Und wer wirtschaften muss, schafft auch Arbeitplätze. Natürlich wird diese Lösung nicht zur Vernichtung der italienischen Mafia führen. Das ist eine andere Dimension. Aber zumindest wird das die perversesten Auswüchse beseitigen. Heute zahlen die Deutschen 50 % Steuern und Abgaben und woanders in Europa werden mit EU-Geldern Privatschlösser finanziert.

      Nicht die EU-Idee ist korrupt. Nur der erste Umsetzungsversuch ist gescheitert. Und der Kopf dieses Bürokratiemonsters in Brüssel stinkt gewaltig.

      • Avatar

        sabine

        18. November 2016 15:50 at 15:50

        a) Die ganze Scheiß-Bürokratie, die niemand braucht.
        Unsere Firma (Zulieferer Audi) wurde zerstört wegen Brüssel-Auflage. Allein die Forschung/Entwicklung war super aufgestellt. Jetzt wird sie zerschlagen. …

        b) Der Brüsseler Geldstaubsauger kommt dazu. Die ganzen Strafen müssen ja die kleinen Leute mit dem Produktpreis bezahlen. Und Brüssel steckt ein. Ich kenn einen deutschen Botschafter, der unbedingt in die Eu wollte. Unvergleichlich mehr Verdienst, sagte er.

        c) Eine Eu-Regierung, die nicht gewählt wird, aber alles bestimmt und alles einsteckt. Paßt einfach nicht. Und dann die ganzen Fehlwahlen. Irland soll so lange wählen, bis es paßt. Schweiz soll gefälligst richtig wählen, sonst gehen sie unter – blablabla… England hat auch falsch gewählt, die Bösen. Usw.

        Egal Kulturen und Blablabla… Hat damit null zu tun. Wär in Kasachstan-Union auch nicht anders. D.h. da viel weniger. Die lassen sich noch weniger gefallen als wir Idioten und Langweiler.

        • Avatar

          Petkov

          18. November 2016 16:38 at 16:38

          Es tut mir Leid für Ihre Firma und wünsche Ihnen persönlich das Bestmögliche in der Situation. Und Sie haben Recht: sich zu viel gefallen zu lassen ist keine Tugend, da das auf die Dauer nur Nachteile für beide Seiten bringt.

  6. Avatar

    olli8+

    18. November 2016 12:41 at 12:41

    2012 habe ich an das Handelsblatt bereits einen Kommentar mit folgenden Worten abgegeben:
    „Je länger der Euro lebt, desto teurer werden seine Beerdigungskosten“
    Die ökonomischen Gesetze werden nun die europäischen, politischen Macht-
    haber überholen ohne einzuholen!!!
    Ich hoffe, dass damit die gesamte europäische Bevölkerung aufwacht.

    • Avatar

      Petkov

      18. November 2016 16:26 at 16:26

      Werter Olli8, ich kann Ihnen versichern, dass breite Teile der europäischen Bevölkerung schon länger wach sind und unüberhörbar Richtung Deutschland krähen. Bei der Eurokrise haben die allermeisten gedacht, dass die erste Schockwelle völlig berechtigt mit einigen Milliarden und paar leeren Worten abgefedert wird um Zeit für den geregelten Ausstieg der Kandidaten zu gewinnen.

      In der Flüchtlingskrise waren die allermeisten davon überzeugt, dass die sonst so zuverlässigen Deutschen spätestens dann die Reißleine ziehen, wenn es klar wird, dass ihre eigene Regierung denen ein ganz gefährliches Trugbild vorgaukelt. Bereits Anfang Januar war es so weit. Konsequenzen gab es bisher kaum.

      Und jetzt, gut 1 Jahr später, will sich die Hauptverantwortliche noch mal zur Sultanin küren. Übermorgen gibt sie das bekannt. Zwar ist sie seit Trump nicht nur europaweit, sondern weltweit vollkommen und dauerhaft isoliert. Aufwachen will sie jedoch nicht. Wie macht denn der Hahn in Deutschland? Vielleicht krähen alle falsch.

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    Mimi1705

    18. November 2016 13:00 at 13:00

    … was wir von Umfragen im Vorfeld zu halten haben, wissen wir ja schon …

  8. Avatar

    Wolfgang Koch

    18. November 2016 18:28 at 18:28

    Es scheint, als würde der Rottomattore=Verschrotter seinem Namen alle Ehre erweisen.Scheitert der €uro,dann braucht man sich auch nicht mehr das hohle Geschwätz eines Röttgen anhören!Ist ja auch mal was!Und Mutti könnte mit ihrem Sauermann in Südtirol wieder mit D-Mark bezahlen!Back to the Roots Angie!Kannst ja zuallererst deinen Begrüssungshunni ausgeben!Ich gönn dir das!

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Allgemein

EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Anleihen

China hält immer weniger US-Staatsanleihen – warum das kein Problem ist

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

US-Flagge

China hält immer weniger US-Staatsanleihen. Laut aktueller Veröffentlichung des US-Finanzministeriums hielt China im Monat September ein Volumen von 1,061 Billionen US-Dollar. Vor genau einem Jahr waren es noch 1,102 Billionen Dollar. Der aktuelle Stand ist der niedrigste Wert seit drei Jahren. Der folgende Chart  zeigt, dass die Tendenz seitdem stetig fallend ist. Will sich da jemand unabhängig vom US-Dollar machen?

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Man kann gleich aus zwei Gründen sagen, dass diese Entwicklung für die USA als gigantischer Neuschulden-Aufnehmer kein echtes Drama darstellt. Denn die folgende Detailgrafik mit den aktuellsten Daten zeigt, dass das Volumen von US-Staatsanleihen, das durch ausländische Eigentümer gehalten wird, binnen Jahresfrist sogar gestiegen ist von 6,92 auf 7,07 Billionen Dollar.

Und zweitens kauft die US-Notenbank Federal Reserve genau wie die EZB und zahlreiche andere Notenbanken derzeit ja in gigantischem Ausmaß die Schulden des eigenen Landes auf. Nur so können die Länder in dieser Coronakrise massiv neue Schulden machen, und das auch noch mit traumhaft günstigen Konditionen. Seit Beginn der Coronakrise im März hat die Fed für 2 Billionen Dollar US-Staatsanleihen aufgekauft. Noch Mitte Februar lag die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen bei 1,57 Prozent. Jetzt sind es 0,86 Prozent.

Grafik zeigt die größten ausländischen Eigentümer von US-Staatsanleihen

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Allgemein

Logik der Transferunion: Fünf-Sterne fordern EZB zu Schuldenerlass für Italien auf

Claudio Kummerfeld

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Geld aus dem nichts von der EZB?

Die mit in der italienischen Regierung sitzende Fünf-Sterne-Bewegung hat heute in einem Blog-Eintrag die Europäische Zentralbank dazu aufgefordert, dass sie Italien einfach Schulden erlassen solle. Aber halt. Wie, was, warum? Die EZB kauft seit Jahren in Billionen-Höhe Anleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf, so auch die von Italien. Offiziell nicht, aber de facto werden die Regierungen von der EZB durchgefüttert (Staatsfinanzierung), mit oft nicht mehr vorhandenen Zinsen.

Und in der Coronakrise hat die EZB nochmal kräftig nachgelegt mit neuen Aufkaufprogrammen in Höhe von 1,35 Billionen Euro. So konnten die Länder in der Eurozone sich in der Coronakrise weiter kräftig verschulden, und die EZB stand als Aufkäufer am Anleihemarkt stets parat. Nun soll die EZB laut Fünf-Sterne-Bewegung Italien doch bitte diejenigen Schulden erlassen, die mit der Schuldenaufnahme für die Bewältigung der Coronakrise zu tun haben. Laut dem Blog-Eintrag gehe es um eine Summe von 140 Milliarden Euro, die bis Jahresende noch auf 200 Milliarden Euro steigen werde.

Die Fünf-Sterne-Bewegung deutet auch an, dass man sich am liebsten die Streichung aller italienischen Schulden wünscht, die von der EZB gehalten werden. Aber doch auf jeden Fall diejenigen, die mit Corona zusammenhängen. Denn das wäre leicht machbar und fair. Tja, so ist das im sozialistischen Märchenland. Man nimmt Kredite auf, die man eh nicht zurückzahlen will. Und in diesem Fall… was soll´s, die EZB gehört ja eh den Mitgliedsstaaten, also auch Italien? Daher kann man praktisch selbst Geld drucken, es an sich selbst verleihen, und dann sich selbst (über das Vehikel der EZB) die eigenen Schulden erlassen?

So einfach geht Politik im linken Märchenland, wo Geld aus dem Nichts entsteht, wo es nicht erwirtschaftet werden muss, und wo aus so einer Vorgehensweise keinerlei Probleme entstehen. Und natürlich, da kann man sich sicher sein… selbst wenn die EZB diese Forderungen gegenüber Italien wirklich streichen würde (was nicht passieren wird), dann wäre dies nicht die letzte derartige Forderung. Dann würde es heißen: Schaut her, es geht doch. Dann kann die EZB von nun an auch als Dauer-Einrichtung neue Anleihen kaufen, und danach auf die Rückzahlung der Forderungen verzichten. Dass die EZB dann selbst Verluste in Billionenhöhe anhäufen würde, welche wiederum Italien und alle anderen Eigentümer der EZB zu bezahlen hätten… egal.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank twitterte zu dieser Forderung aus Italien vor wenigen Minuten, dass dies die politische Logik der Transferunion sei. Ja, was soll man dazu noch sagen? Erst das Geld nehmen, und dann nicht zurückzahlen wollen, weil man es sowieso nie vor hatte. Das Geld entsteht ja irgendwo im luftleeren Raum. Aus der Illusion wird eine Wirklichkeit. Wo ist also das Problem, wenn man diese Schulden einfach streicht? So einfach und angenehm ist diese linke Sichtweise auf komplexe finanzielle Zusammenhänge.

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