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City of London mit freiem EU-Zugang: „Fake-Story“ – Devisenmarkt hat es noch nicht gemerkt?

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Das war heute früh der Knaller. Laut einem britischen Medienbericht habe man aus britischen Verhandlungskreisen erfahren, dass sich London und Brüssel geeinigt hätten, dass der britische Finanzsektor („City of London“) auch nach dem Brexit einen freien Zugang zum EU-Binnenmarkt haben solle. Wow, wie toll… der Devisenmarkt reagierte, und pushte das britische Pfund nach oben.

Gegen den US-Dollar stieg das Pfund heute kräftig an von 1,2775 auf aktuell 1,2916. Die vor wenigen Minuten veröffentlichte Zinsentscheidung der Bank of England hat den Pfund-Kurs in keinster Weise beeinflusst. Aber diese Meldung zum Brexit hat das Pfund kräftig hochgezogen. Denn beim freien Marktzugang der Banken hilft das der ganzen britischen Volkswirtschaft, da sie zu großen Teilen von der Finanzwirtschaft in London zehrt!

Aber nun ganz aktuell der „Schock“ für die Pfund-Bullen. Alles nur eine Fake-News. EU-Chefverhandler Michel Barnier twittert dazu aktuell. Er spricht von einer irreführenden Meldung, die nicht fundiert sei. Unsere Anmerkung: Schon seit Beginn der Brexit-Verhandlungen gibt es immer wieder viel zu euphorische Aussagen von britischer Seite, die sich im Nachhinein als Luftnummer herausstellen. So wohl auch in diesem Fall!

Vielleicht haben die britischen Verhandlungsteilnehmer mal wieder viel zu viel hinein interpretiert, wenn man ihnen vielleicht sagte, dass ein freier Zugang irgendwie möglich sei… war es so? Wir werden es im Detail wohl nie erfahren. Aktuell jedenfalls reagiert der doch sonst so schnelle Devisenmarkt überhaupt nicht auf das Dementi von Herrn Barnier – obwohl er doch der EU-Chefverhandler ist, und es ganz genau wissen müsste, wenn er so eine Zusage für die City of London gegeben hätte.

Das Pfund stürzt momentan noch nicht ab. Im Chart sieht man Pfund vs USD seit gestern früh. Ignoriert der Devisenmarkt also gerade beinhart die Barnier-Absage an den freien Marktzugang? Wollen wir (die Pfund-Bullen) einfach unbedingt, dass diese Fake-News wahr ist? Lasst uns einfach das Pfund oben halten… ?

Pfund vs USD

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Was erlauben Mario? Eine Spurensuche nach den Motiven des Notenbankchefs

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Wie wir alle lesen konnten, hat sich der Notenbankchef Mario Draghi auf der Konferenz in Sintra/Portugal sehr „dovish“ zur künftigen Politik der EZB geäußert und weitere geldpolitische Maßnahmen in Aussicht gestellt, trotz Null- und Negativzinsen. Hat er nichts aus der bisherigen eingeschränkten Wirkung seiner Geldpolitik gelernt oder was könnte sein Motiv sein?

Mario Draghis Karriere

Man ist schnell bei der Hand, die Aktionen des mächtigen Notenbankers mit dumm oder ideologisch zu bezeichnen. Dagegen spricht seine Ausbildung, seine Karriere und sein Beraterstab von Hunderten promovierten Volkswirten. Draghi hat am bekannten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Wirtschaftswissenschaften promoviert mit der Thematik der theoretischen Grundlagen von Währungsabwertungen sowie mit dem Verhältnis von kurzfristiger Stabilisierungspolitik und langfristigen Planungszielen.

Mario Draghi
Foto: EZB

Er war jahrelang Dozent der Wirtschaftswissenschaften an verschiedenen Universitäten, er hatte den Vorsitz des Wirtschafts- und Finanzausschusses der Europäischen Union inne und wurde im Jahre 2002 Managing Director und Vizepräsident der Investmentbank Goldman Sachs in London, bis 2005. Ab dem Jahr 2006, für ingesamt fünf Jahre, wurde Mario Draghi der Notenbankchef Italiens und er kennt daher die finanziellen Gegebenheiten seines Heimatlandes aus dem Effeff. Bereits während seiner Amtszeit forderte er vergeblich die Politik zu durchgreifenden Strukturreformen auf, wie etwa einer Anhebung der Lebensarbeitszeit. Und anschließend wurde er nun schon für acht Jahre EZB-Chef, also von Unwissenheit kann keine Rede sein, er dürfte sich in der Geldpolitik besser auskennen, als jeder von uns in diesem Forum.

Warum beharrt Mario Draghi auf seiner Geldpolitik?

Hier ist man natürlich auf das Spekulieren angewiesen. Mario Draghi ist in erster Linie Notenbanker und zwar derjenige, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Eurozone zusammenzuhalten, „whatever it takes “. Was bleibt ihm daher anderes übrig, als die Zinsen unten zu lassen, zumal die Verhältnisse in der italienischen Politik ein Auseinanderbrechen des Euroraumes immer wahrscheinlicher machen. Wenn die Fed jetzt die Zinsen senkt und der Dollar an Anziehung verlöre, wäre ein Erstarken des Euro die Folge und ein weiterer Schlag gegen Europas rezessionsgefährdeter Exportindustrie. Trumps Zollpolitik und ein starker Euro wären der sichere Schritt in eine Rezession der Eurozone. Eventuell will er auch Zeit gewinnen, bis sich die Eurozone, durch Betreiben Frankreichs, auf eine Vergemeinschaftung der europäischen Schulden durchringt. Ihm ist sicher bewusst, dass Italien von seinen Schulden (132% zum BIP), nicht herunterkommen kann.

Draghi hat als EZB-Chef die Wahl zwischen Pest und Cholera. Reagiert er nicht auf Zinssenkungen der Amerikaner kommt die Rezession. Senkt er das Geld weiter ins Minus, gefährdet er das europäische Bankensystem. Warum betet er die Banken so gesund und „die würden durch die Fristentransformation gar nicht so leiden.“ Ich bin mir sicher, wenn es weiter brenzlig wird, kommt es zum gestaffelten Einlagesatz für die Banken, es ist nur derzeit der Politik nicht zu vermitteln. Warum rettet man italienische Banken und lässt die systemrelevanten nördlichen Institute straucheln? Wohl eher nicht. Mario Draghi ist in zweiter Linie Italiener, in Rom lebend und mit einer Familie im Lande. Er wird vor seinem Ruhestand sicher nichts tun, um sein Heimatland zu gefährden.

Fazit

Klar sind meine Aussagen spekulativ. Aber der EZB-Chef sitzt einem Direktorium (sechs Mitglieder) vor, zusätzlich gibt es die Präsidenten der 19 Mitgliedsstaaten, die in einem rollierenden System ihre Stimmen zu Zinsentscheidungen abgeben. Notenbankpolitik ist keine „One Man Show“. Aus einem Zinswettlauf ist parallel ein Währungswettlauf geworden und das ist nicht zu unterschätzen. Ich will Draghi hier nicht verteidigen, die Nullzinspolitik ist für unsere Vorsorgesysteme und die künftige Generation (weiter sollte man nicht spekulieren) desaströs. Aber bleibt der EZB derzeit etwas anderes übrig? Man stelle sich den Effekt der Ankündigung einer Zinssteigerung in Europa vor!

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„Wirtschaftsterrorismus“ der USA gegen den Rest der Welt

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Florian Homm spricht in seinem aktuell veröffentlichten Videokommentar vom „Wirtschaftsterrorismus“ der USA gegen den Rest der Welt. Aber na ja, nicht gegen alle Staaten, denn einige Länder nehme Trump explizit aus. Vor allem seien es Partnerländer aus dem angelsächsischen Bereich, die kaum unter seinen Zöllen und Sanktionen leiden würden. Aber ansonsten überziehe er den Planeten mit Strafen, Zöllen und Wirtschaftskrieg, um die Aussagen von Homm mal vereinfacht auszudrücken. Europa müsse klar Position beziehen, so seine Botschaft.

Betreibt Donald Trump Wirtschaftsterrorismus?
Donald Trump.

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Mario Draghi: Sein Problem im Detail, aktuell, schwarz auf weiß

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Tja, Mario Draghi hat so einige Probleme. Gerade eben kam ein weiteres hinzu. Donald Trump ist ziemlich erbost darüber, dass die Eurozone doch glatt ihre Geldpolitik weiter lockert, was den Euro gegen den Dollar schwächt. Diese bösen Europäer und Chinesen, die ihre Währungen manipulieren, um den Amerikanern die Arbeitsplätze wegzunehmen.


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Mario Draghi hat eigentlich nur eine Aufgabe

Und dann wäre da noch die stark einbrechende Industrieproduktion in Europa. Krise voll im Anflug. Und ja, eigentlich hat Mario Draghi nur eine Aufgabe, nämlich für Preisstabilität zu sorgen. Dafür wurde vor Jahren offiziell das Inflationsziel von 2,0% für die Eurozone ausgegeben. Bloß keine Deflation riskieren, war damals die Devise! Erst sei an eine Zinswende nach oben zu denken, wenn die Inflation inklusive der Kerninflation für eine lange Zeit bei mindestens 2% liege. Tja, aber das funktioniert nicht. Nicht mal ansatzweise. Davon ist derzeit nicht mal zu träumen.

EZB-Präsident Mario Draghi
Mario Draghi. Foto: EZB CC BY-NC-ND 2.0

Heute hat die europäische Statistikbehörde Eurostat offiziell die Details für die Verbraucherpreise im Mai veröffentlicht. Von März auf April sprangen die Preise von 1,4% auf 1,7%. Mensch, wie toll, dachten sich wohl so einige Beobachter. Da kommt man doch nah ran an die 2,0%? Aber im Mai folgte nun der Einbruch von 1,7% auf 1,2%. Die Details zeigen, dass der April-Wert von 1,7% (wohl zum Leidwesen für Mario Draghi) nur ein einmaliger Ausreißer nach oben war. Verursacht war er durch einen kurzen Preisschub bei Dienstleistungen. Dort stiegen die Verbraucherpreise von 1,1% auf 1,9%. Und jetzt, zack, wieder runter auf 1,0%.

Details zu den Verbraucherdaten machen Mario Draghi unglücklich
Grafik: Eurostat

Die Energiepreise fallen als Wachstumstreiber auch aus, obwohl sie mit aktuell +3,8% immer noch deutlich über dem Schnitt liegen. Aber in den Vormonaten (rot markiert) lagen die Prozentraten bei über 5%. Lebensmittel sind mit „nur noch“ +1,5% auch keine große Hilfe mehr wie noch letztes Jahr, wenn es um steigende Verbraucherpreise geht. Ganz rechts im folgenden Chart sieht man den jüngsten Rückfall bei den Verbraucherpreisen.

Eurozone Verbraucherpreise Mai Chart

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