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Clemens Fuest: Pulver verschossen, nächster Abschwung wird gefährlich – was der Auslöser sein könnte

Clemens Fuest ist der Nachfolger von Hans-Werner Sinn beim ifo-Institut. Er hat aktuell Rede und Antwort gestanden zu diversen Themen wie dem Sozialstaat, der sozialen Ungleichheit in Deutschland und den USA, und zur aktuellen Konjunkturlage hierzulande. Auch interessant sind seine Ausführungen zum Thema Inflation. Sie zeige sich laut Fuest in Europa derzeit in den Vermögenspreisen (Aktien und Immobilien). Bei Waren des täglichen Bedarfs für Verbraucher zeige sich eine kräftige Teuerung derzeit noch nicht, weil Güter ja zum Beispiel auch günstig aus dem Ausland importiert werden.

Zum Thema Geldpolitik hat Clemens Fuest eine klare Meinung. Die EZB habe keine Spielräume mehr. Sie könne vielleicht noch dazu übergehen Aktien zu kaufen. Aber neben der Geldpolitik könne auch die Fiskalpolitik (Regierungen) in Europa nicht mehr viel tun in Sachen Stimulus. Das sei vor allem ein Problem in Spanien, Griechenland, Italien und Portugal. Der nächste Abschwung werde sehr gefährlich, weil die Politik ihr Pulver verschossen habe.

Immobilienkredite seien in Europa derzeit nicht das Problem wie bei der letzten Krise vor zehn Jahren (Irland, Spanien, Niederlande, Großbritannien). Aber die Staatsschulden, die seien in Europa viel höher als vor zehn Jahren. Sie könnten laut Clemens Fuest wohl viel eher der Auslöser einer neuen Krise sein. Wenn Staaten unter der Last zusammenbrechen, und es wirklich zu Zahlungsausfällen komme, würden zahlreiche Banken in Schwierigkeiten geraten, die sehr viele Staatsanleihen ihrer eigenen Länder halten.

Im Interview wird nämlich auch über den Punkt gesprochen, dass Banken in Europa beim Kauf von Staatsanleihen kein Eigenkapital vorweisen müssen. Fallen diese Forderungen also aus, haben sie ein Riesenproblem. Diese Praxis müsse sich laut Fuest ändern, und Banken sollten auch beim Staatsanleihen-Kauf Eigenkapital hinterlegen müssen. Das Interview ist sehenswert, und wir empfehlen einfach die ganze Länge von 34 Minuten durchzuschauen!

Clemens Fuest
ifo-Chef Clemens Fuest. Foto: Institut der deutschen Wirtschaft Köln (CC BY 2.0)



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4 Kommentare

  1. „Zum Thema Geldpolitik hat Clemens Fuest eine klare Meinung. Die EZB habe keine Spielräume mehr. Sie könne vielleicht noch dazu übergehen Aktien zu kaufen. Aber neben der Geldpolitik könne auch die Fiskalpolitik (Regierungen) in Europa nicht mehr viel tun in Sachen Stimulus.“

    Das ist ja soweit richtig – aber das ist natürlich kein Argument dafür, erst gar nicht „zu schiessen“, damit das Pulver trocken bleibt. Die Doppelkrise 2008/09 und 2012 war die schwerste Krise seit 1929, in manchen europäischen Ländern sogar schlimmer als damals. Wann wenn nicht in solch einer Situation, wären Stimuli angemessener (wobei die Fiskalpolitik ab 2010 restritiv war, was m.E. ein schwerwiegender Fehler war)?

    1. „Die EZB wird bis Dez. weiterhin 120 Mrd. Eur. aus dem Nichts drucken und damit Schulden durch Giralgeld (aus diesem Nichts) gegen frisch gedrucktes und inflationswirksames Zentralbankgeld aufkaufen. Dies führt unweigerlich zur Aushöhlung der Kaufkraft des Eur. und dessen Abwertung, da eine Kontraktion der aufgeblähten Geldmenge verhindert wird. Deshalb steigen die Preise aller Güter im Vergleich zum Eur. langfristig auch immer weiter an, anstatt mit der Produktivität jährlich um mindestens 2% zu fallen.
      Selbst nach den offiziellen Statistiken gehen den Deutschen so mindestens 4% bis 5% an Kaufkraft jährl. verloren, die über die Inflationssteuer heimlich vom Staat gestohlen werden.“ sagte Markus Blaschzok gestern.

      Ich werde diese positive Wertung der Inflation und Verteuflung der Deflation durch die Regierungs- und Finanzkreise, bzw. durch die normalen Medien nie verstehen.
      Natürlich mag eine den ganzen Markt zu 100% treffende Deflation schlecht fürs Geschäft sein. Aber die gibt es so gut wie nie oder nur nach solchen Schuldenexzessen, die wir derzeit haben. Da kracht dann alles zusammen, wie 1929 usw. Aber normale Preisrückgänge nach einer Übertreibung der Preise ist gesund. Ist nicht Keynes, ich weiß.

  2. tut mir leid, ich kann diese „schlange“ nicht ernst nehmen.

    – solange auch nur ein einziger mensch, der arbeiten will, keine arbeit bekommt, haben wir arbeitslosigkeit!

    -„die mieten steigen erst die letzten zwei jahre“ – das ist bullshit !

    weiter höre ich mir das gesülze gar nicht an

    1. @randyhofbeck, Wer sagt denn in dem Interview wo oder wann, dass die Mieten erst zwei Jahren steigen? Niemand! Es geht bei dem Thema um das Verhältnis von Lohn und Mieten seit 10 Jahren (Frage des Interviewers).
      Antwort: (Zeitstempel ab etwa 11:28) Dass Mieten gestiegen sind, ist völlig richtig. Die sind vorher auch sehr lange nicht gestiegen…Wenn man sich willkürlich 2 Jahre heraussucht, kann man dadurch alles beweisen…
      Die „Schlange“ sind in dem Fall leider eher Sie, der da klar belegbare Aussagen ins Gegenteil verdreht und sich dummerweise den Rest nicht anhören will, aber voreilige, nicht zu Ende gedachte, suggestive (Fehl)schlüsse an andere postet.
      Wie ein wahrer VollHorst Pet(k)hofer AfD (Auch für Dummies) in der CSU ;)
      Voreingenommenheit und Blockade des eigenen Gehirnes waren noch nie der richtige Weg. In diesem Fall blockieren sie den Ausblick auf eine interessante Sicht eines differenziert denkenden Menschen, der auch die Verantwortlichkeit der jeweiligen staatlichen Fiskalpolitik wieder in die verantwortlichen Bahnen lenkt.

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