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Commerzbank erhebt Negativzinsen für Mittelstandskunden: Das ist nur der Anfang!

FMW-Redaktion

Es ist so weit – und es ist aller Wahrscheinlichkeit nur der Anfang: die Commerzbank hat beschlossen, dass ihre Mittelstandskunden (also Firmen, die einen Jahresumsatz zwischen 2,5 und 250 Millionen Euro erzielen; derzeit sind das bei der Coba 100.000 Kunden) künftig Negativzinsen berechnet werden. So heißt es bei der Coba wörtlich:

„Bei Firmenkunden, großen Konzernen, institutionellen Kunden und Kunden des öffentlichen Sektors, die hohe Guthaben als Einlagen bei uns parken, vereinbaren wir verstärkt für die überschüssige Liquidität eine individuelle Guthabengebühr“. Betroffen sei, so die Coba, nun jeder zehnte Firmenkunde.

Im November 2014 hatte die Commerzbank angekündigt, für Profi-Investoren und Großkunden einen Negativzins zu erheben. Die Bank betonte damals, dass Selbiges keinesfalls für Mittelständler und Privatkunden geplant sei. Nun also ist das erste „Versprechen“ bereits gebrochen – und man kann darauf wetten, dass es bald auch Privatkunden erwischen wird. Wie wir von hochrangigen Vertretern öffentlicher Banken erfahren haben, überlegen auch die öffentlichen Institute bereits die Einführung von Negativzinsen für Privatkunden, warten aber noch auf das „Go“ aus der Politik.

Der Grund dafür ist klar: mit den Negativzinsen sind die Einnahmen aus Kunden-Einlagen etwa bei Sparkassen rapide gesunken. Die Banken haben also ein natürliches Interesse daran, ihre Kosten an die Kunden weiter zu geben. Das ist die Bank-Seite.

Der Staat aber wird das früher oder später unterstützen, fürchtet aber noch einen Bank run: also dass die Kunden ihrer Gelder von den Banken abziehen, wenn sie mit Negativzinsen belastet werden. Dies wiederum kann nur unterbunden werden, wenn Bargeld nur noch für Mini-Zahlungen etwa an Kiosken verwendet werden kann (wie schon üblich in den USA und Skandinavien), ansonsten aber praktisch verboten ist. Nur so können die ausufernden Defizite von Staat und Kommunen im Ansatz refinanziert werden, indem man die Bevölkerung dafür heranzieht – anfangs in sehr bescheidenem Maße, dann vermutlich immer stärker. Wir stehen also faktisch vor einer Umverteilung von Vermögen, wobei der Staat versuchen wird, sich dort viel zu holen, wo viel zu holen ist.

Bei der Commerzbank heißt es, dass das Ziel nicht sei, die Negativzinsen wirklich zu erheben, vielmehr sollten die Kunden „alternative Anlagekonzepte“ der Bank nutzen. Sprich die Produkte aus dem Hause der Bank kaufen. Wer sich weigert, bekommt Negativzinsen von 0,3% aufgebrummt, also genau in der Höhe der von der EZB festgesetzten Einlagezinsen.

Damit werden elemantare Freiheitsrechte der Bürger eingeschränkt. Denn elektronische Zahlungen sind transparent und kontrollierbar, es drohen unschöne Szenarien, wie sie zuletzt etwa Thorsen Polleit beschrieben hat (siehe dazu „Lesetipp zur möglichen Bargeldabschaffung: „Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“)



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1 Kommentar

  1. »Wir stehen also faktisch vor einer Umverteilung von Vermögen, wobei der Staat versuchen wird, sich dort viel zu holen, wo viel zu holen ist.«

    Zu erwartender Weise nicht ganz von allen: manche bleiben bewusster Weise verschont.

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