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Container-Vermarkter P&R pleite: Wohl Milliardenverluste für Anleger, größtes Graumarkt-Desaster der letzten Jahre

Nicht Prokon, nicht S&K, nein. Offenbar droht die Münchner P&R-Gruppe zum größten Finanz-Desaster für Anleger am Grauen Kapitalmarkt zu werden, das man in den letzten Jahren gesehen hat. P&R ist pleite. Gestern wurden vom Amtsgericht…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Nicht Prokon, nicht S&K, nein. Offenbar droht die Münchner P&R-Gruppe zum größten Finanz-Desaster für Anleger am Grauen Kapitalmarkt zu werden, das man in den letzten Jahren gesehen hat. Der Container-Vermarkter P&R ist pleite. Gestern wurden vom Amtsgericht München ein Insolvenzverwalter eingesetzt, wie P&R auch offiziell selbst mitgeteilt hat.

Es gibt Mutmaßhungen, dass es sich um ein Schneeballsystem handelte, das jahrelang durchgehalten werden konnte. Der Experte Stefan Loipfinger kalkulierte beispielsweise, dass die an Anleger ausgeschütteten Mietrenditen für die Container über dem Marktniveau lagen. Das lässt zumindest erahnen, dass hier dazu-gebuttert wurde, um Anleger mit hohen Renditen anzulocken. Wenn ein Anbieter seinen Anlegern mehr Rendite auszahlt, als am Markt zu erwirtschaften ist, dann lässt dies das Schlimmste vermuten.

Natürlich kann man hier und heute nicht beweisen, dass P&R wirklich ein Schneeballsystem ist. Aber ein weiteres Indiz dafür ist, dass es ein Firmenkonstrukt gibt, wo man gegenseitig Forderungen stellt. So hat es zumindest den Anschein. Da gibt es nämlich die Firmen P&R Transport-Container GmbH, P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH, P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-Gmb, und die P&R Container Leasing GmbH in München. Dann gibt es noch die P&R Equipment & Finance Corp mit Sitz in der Schweiz.

P&R beschert Anlegern wohl Milliardenverluste

Die Dimension ist gar nicht mal so klein. Bei den beiden peinlichen S&K-Freunden ging es um 11.000 Anleger und ca 240 Millionen Euro Schaden. Bei der Prokon ging es um 75.000 Anleger und 1,4 Milliarden Euro. Jetzt bei P&R aus München geht es um 50.000 Anleger, und laut Loipfinger wohl um 3,5 Milliarden Euro, die investiert sind.

Das Modell ging so. Die Anleger kaufen von P&R die Container. Die Firma vermietet dann im Auftrag der Anleger die Container an Reedereien, welche die Container auf ihren Schiffen nutzen. Jahre später kauft P&R die gebrauchten Container von den Anlegern zurück. Jetzt aber blieben offenbar Mietzahlungen aus, und auch Rückkäufe waren nicht mehr möglich.

P&R ist seit 1975 im Geschäft. Ob wirklich ein Schneeballsystem vorlag? Man weiß es Stand heute nicht. Oder war es der schwierige Markt, oder Misswirtschaft, oder zu hohe Vertriebsprovisionen, die an „Berater“ ausgeschüttet wurden um frische Anlegergelder einzuwerben? Man wird sehen. Nach eigenen Angaben hat P&R in den letzten zehn Jahren Container für 7 Milliarden Euro an Anleger verkauft. Aktuell verwalte man Container im Volumen von 1,25 Millionen TEU.

Der Ruf nach Verboten

Von den Grünen (Gerhard Schickt) und von Verbraucherschützern (Bundesverband) hört man jetzt schon umgehend, dass Privatanlegern der Zugang zum Grauen Kapitalmarkt verwehrt werden müsse. Das übliche Muster. Der Mensch muss/soll vor sich selbst geschützt werden. Regulierung gut und schön, aber wollen wir uns tot-regulieren? Soll jegliches Risiko verboten werden? Risiko gehört zur Geldanlage immer dazu. Vernünftige Produkt- und Risikoaufklärung muss sein! Aber immer sofort nach einem Totalverbot zu rufen, nur weil ein Risiko in der Realität auch zu einem Verlust wird – das klingt nach der typisch deutschen Angst vor allem, was mit Risiko zu tun hat.

P&R im Wortlaut:

Der Emittentin, P & R Transport-Container GmbH, stehen gegen die P & R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH, die P & R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH sowie die P & R Container Leasing GmbH, jeweils mit Sitz in Grünwald, Forderungen zu. Die drei genannten Gesellschaften haben am 15.03.2018 beim zuständigen Amtsgericht München jeweils Insolvenzantrag gestellt. Die P & R Transport-Container GmbH ist ihrerseits Verbindlichkeiten gegenüber der P & R Equipment & Finance Corp. mit Sitz in Zug/Schweiz ausgesetzt. Die Emittentin prüft derzeit Restrukturierungsmaßnahmen. Aufgrund der Insolvenz der vorgenannten Gesellschaften (P & R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH, P & R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und VerwaltungsGmbH, P & R Container Leasing GmbH) besteht die Gefahr, dass die P & R Transport-Container GmbH mit ihren Forderungen gegenüber diesen Gesellschaften ganz oder teilweise ausfällt. Diese Umstände sind geeignet, die Fähigkeit der Emittentin zur Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber den Anlegern auf Verzinsung und Rückzahlung der oben genannten Vermögensanlagen erheblich zu beeinträchtigen.

Die Insolvenzantragstellung durch die P & R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH, P & R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH sowie P & R Container Leasing GmbH erfolgte am 15.03.2018. Mit Beschluss des Amtsgerichts München vom 19.03.2018 ist Herr Dr. Michael Jaffé zum vorläufigen Insolvenzverwalter über die P & R Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH und die P & R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH sowie Herr Dr. Philip Heinke zum vorläufigen Insolvenzverwalter über die P & R Container Leasing GmbH bestellt worden. 

Die P & R Transport-Container GmbH hat eine unabhängige, internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt, ihr Geschäftsmodell und ihre Geschäftsplanung umfassend zu überprüfen. Die wesentlichen Ergebnisse dieser Prüfung werden nach Abschluss der Prüfungsarbeiten in einigen Wochen an die Anleger kommuniziert. Die inhaltliche Richtigkeit der veröffentlichten Tatsache unterliegt nicht der Prüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bundesanstalt).

P&R Container
Beispielbild für Container in einem Hafen. Foto: OneLoneClone – https://www.flickr.com/photos/oneloneclone/3743273611/sizes/o/ (CC BY 2.0)

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    leser

    20. März 2018 15:11 at 15:11

    Es würde vermutlich reichen, die Wirtschaftsprüfer enger an die Kandare zu nehmen. Es kann nicht sein, dass so ein Laden jahrelang ein Testat bekommt und dann plötzlich der Boden rausfällt.

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Zinskosten: So gigantisch sind die Ersparnisse für Kreditnehmer im Langzeitvergleich

Claudio Kummerfeld

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Dass Kreditnehmer in einem jahrelangen Umfeld immer weiter fallenden Zinsen die großen Gewinner sind, das ist kein Geheimnis. Aber es ist mal interessant zu sehen, wie viel Zinsen ein Häuslebauer vor 20 Jahren gezahlt hat, im Vergleich zu einem heutigen Abschluss, bei selber Kreditsumme und Tilgungshöhe. Die Interhyp AG hat aktuell einen Vergleich veröffentlicht, der die tatsächliche Dimension aufzeigt, wie viel Geld man heutzutage spart.

Hat man im Jahr 2000 abgeschlossen, entstanden bei einer Darlehenssumme für einen Immobilienkredit über 300.000 Euro und 2 Prozent Tilgung in 10 Jahren insgesamt 172.000 Euro an Zinskosten. Damals lagen die Zinsen bei 6,5 Prozent. Mit heute nur noch 0,8 Prozent hat man gerade mal noch 22.000 Euro Zinskosten! Das lohnt sich natürlich besonders für Häuslebauer, weil die Darlehenssummen hier so hoch sind, so möchten wir anmerken – aber die Sache hat einen Haken. Wo man als Kreditnehmer für Häuschen oder Eigentumswohnung extrem stark bei den Zinskosten spart, da zahlt man auf der anderen Seite drauf bei den in den letzten Jahren explodierten Immobilienpreisen.

Sicherlich sind die aktuellen Informationen der Interhyp AG auch eine schlecht versteckte Eigenwerbung, aber sei es drum. Die Experten sagen, auszugsweise im Wortlaut:

Auch wenn vielerorts die gestiegenen Immobilienpreise höhere Darlehenssummen erfordern, bleiben die Raten für viele Menschen leistbar. Der Zinsvorteil ermöglicht in vielen Fällen eine höhere Tilgung als früher. Die Expertin rät Eigenheimbesitzern, die Sparchancen für ihre Anschlussfinanzierung zu nutzen und sich schneller zu entschulden. Bauherren und Käufer sollten die Finanzierung wohlüberlegt angehen. Wichtig sei, bei der Finanzierung einen möglichen Zinsanstieg in Zukunft einzukalkulieren und mit langen Zinsbindungen und hohen Tilgungen vorzusorgen.

Hier auszugsweise weitere Aussagen von Interhyp. Zitat:

Im März 2020 sind die Zinsen auf ein neues Allzeittief von rund 0,7 Prozent im Mittel gefallen und auch jetzt liegen sie nur knapp darüber, berichtet Interhyp. Zum Teil sind sogar Bestzinsen von unter 0,5 Prozent möglich. Die Monatsrate für einen Musterkredit über 300.000 Euro (0,8 Prozent) beträgt im Herbst 2020 bei einer zweiprozentigen Anfangstilgung nur noch 700 Euro. Die Zinskosten über 10 Jahre liegen dafür heute nur bei 22.000 Euro – einem Bruchteil der Kosten bei Abschluss im Jahr 2000.

Rat der Experten: Sparchancen für schnelle Entschuldung nutzen

Um die Zinsersparnis zu verdeutlichen, hat Interhyp in der Beispielrechnung immer mit der gleichen Anfangstilgung gerechnet. Der Rat der Finanzierungsexperten ist jedoch, heute eine höhere Tilgung zu wählen. Das sei möglich mit Raten, die nicht wesentlich über denen früherer Jahre liegen. Mirjam Mohr: „Unsere Daten zeigen, dass Kreditnehmer ihre Entschuldung im Blick behalten. Die anfängliche Tilgung bei Bauherren und Käufern ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten von unter zwei im Mittel auf über drei Prozent gestiegen. Bei der Anschlussfinanzierung ist sie sogar von unter drei Prozent auf rund sechs Prozent gestiegen.“ Viel sparen im Vergleich zu früher könnten vor allem Eigenheimbesitzer mit Bedarf für eine Anschlussfinanzierung. Bauherren und Käufer sollten mit Blick auf hohe Kaufpreise und Darlehenssummen auf Sicherheit achten, zum Beispiel, indem sie günstige Zinsen mit langen Zinsbindungen festschreiben oder viel tilgen. „Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich das Zinsniveau über die Jahre deutlich ändern kann“, sagt Mirjam Mohr.

Grafik zeigt im Langfristvergleich sehr stark gesunkene Zinskosten

Chart zeigt langfristig extrem stark sinkende Zinsen

Grafiken und Daten: Quelle Interhyp

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Marc Friedrich mit 5 Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade

Redaktion

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Von

Marc Friedrich

Der Bestsellerautor Marc Friedrich spricht in seinem aktuellen Video „Der größte Vermögenstransfer der Geschichte“ über viele aktuelle Kapitalmarktthemen. Vor allem geht es um die große Anfeuerung von bestimmten Assetklassen, verursacht durch die immer größeren Gelddruck-Orgien der Notenbanken.

Marc Friedrich mit 5 Investment-Ideen

Im späteren Verlauf des Videos spricht Marc Friedrich seine fünf Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade an. Auffällig dabei ist, dass die Kategorien Aktien und Immobilien nicht dazu gehören. Eben diese Assetklassen haben die letzten Jahre massiv von der Geldschwemme der Notenbanken profitiert. Marc Friedrich präferiert Gold, Silber, Bitcoin, Minenaktien und Diamanten. Gut, es sind doch Aktien vertreten, aber nicht als Gesamtkategorie, sondern nur weil es um Firmen geht, die Rohstoffe aus dem Boden holen.

Knappe Güter bevorzugen

Marc Friedrich spricht auch ganz konkret an, warum diese Ideen nach seiner Meinung die besten Investment-Ideen der nächsten Jahre sein sollen. Sie würden andere Assetklassen in der nächsten Dekade des „Vermögenstransfers“ outperformen. Sie seien (und das ist ein wichtiger Aspekt) begrenzt durch die Natur (Edelmetalle) oder durch die Mathematik (Bitcoin). Tja, und in der Tat, andere Assets wie das Fiat-Geld auf Bankkonten kann beliebig stark vermehrt werden. Je mehr Geld, desto stärker der Verwässerungseffekt, und desto stärker womöglich in Zukunft der Vertrauensverlust der Bürger in das Finanzsystem? Und alles was in seiner Menge limitiert ist, wird immer begehrter?

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Aktuell: Pelosi schürt wieder Stimulus-Optimismus, Aktienmärkte mit Erholung

Markus Fugmann

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Soeben Nancy Pelosi auf ihrer Pressekonferenz: man habe Fortschritte gemacht bei den Gesprächen mit den US-Repubikanern, man sei fast am Ziel („progress has been made this week“; „we are just about there“).

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