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Corona-Wirtschaftskrise – der US-Dollar gibt den Schwellenländern den Rest

Rio de Janeiro - die Schwellenländer leiden unter dem US-Dollar

Die Coronakrise sorgt am Devisenmarkt für den selben Effekt wie andere Arten von Krisen auch. Das scheue und ängstliche Anlegergeld flüchtet in die vermeintliche Sicherheit. Neben Gold oder dem Schweizer Franken ist der größte vermeintliche Sicherheitsraum der US-Dollar. Wenn etwas nicht den Bach runtergeht, dann der „harte“ US-Dollar? Gut, die US-Staatsschulden explodieren immer weiter, aber wen interessiert das schon? Es geht nach dem Motto „die Schwellenländer sind ja noch viel schlechter dran, und die Eurozone ja auch“. Bei den folgenden Charts darf man sich fragen: Folgt für die Schwellenländer-Währungen wie auch für Dax, Dow und Co ein zweiter großer Abwärtsschub, wenn in den nächsten Wochen die eintrudelnden harten Wirtschaftsdaten die bittere Dimension der realwirtschaftlichen Krise aufzeigen?

US-Dollar drückt gegen die Währungen der Schellenländer

Das Problem eines immer stärkeren US-Dollar ist, dass viele Unternehmen, Regierungen und Konsumenten in Schwellenländern in US-Dollar verschuldet sind, zum Beispiel in der Türkei. Je mehr der US-Dollar zum Beispiel gegen die türkische Lira aufwertet, desto mehr Lira muss der türkische Schuldner aufbringen um genug US-Dollar erwerben zu können, für die Zahlung seiner monatlichen Kreditrate. Auf ganze Volkswirtschaften hochgerechnet kommt es hier zu riesigen Problemen. Je höher der Dollar klettert, desto schwieriger wird in diesen Tagen die Lage für die Schuldner in diesen Ländern. Dadurch werden die Volkswirtschaften der Schwellenländer noch instabiler, wodurch noch mehr scheues Anlegerkapital aus diesen Ländern abwandert. Ein Lawineneffekt entsteht. Eine Art wirtschaftliche Abwärtsspirale für diese Länder ist absehbar.

Schauen wir zum Beispiel auf den südafrikanischen Rand. US-Dollar vs Rand ist seit Ausbruch der Coronakrise im Februar von 15 auf jetzt 18,97 geklettert. Der südafrikanische Rand ist also deutlich abgewertet. Der Chart, der zwölf Monate zurückreicht, zeigt deutlich den zeitlichen Zusammenhang der Rand-Abwertung zur Coronakrise.

US-Dollar vs Südafrikanischer Rand

Das selbe Bild zeigt sich für die letzten zwölf Monate im folgenden Chart. Er zeigt den US-Dollar gegen den mexikanischen Peso. Seit Februar geht es sprunghaft nach oben, von 18,60 auf jetzt 24,37 Peso für 1 Dollar. Der Peso hat also deutlich abgewertet.

US-Dollar vs Mexikanischer Peso

US-Dollar vs Türkische Lira (1 Jahres-Chart) ist seit Februar von 6 auf jetzt 6,99 gestiegen. Das ist ein Debakel für die stark in US-Dollar verschuldete Volkswirtschaft der Türkei. An dieser Stelle beschäftigen wir uns mit dem Thema etwas genauer.

US-Dollar vs Türkische Lira seit zwölf Monaten

Auch für Brasilien ist der US-Dollar ein Problem. Seit Februar ist Dollar vs brasilianischer Real von 4,25 auf jetzt 5,31 gestiegen.

Dollar vs Real

Übrigens: Gegenüber den anderen wichtigen Währungen wie Euro, Pfund oder Yen hat sich der US-Dollar durch die Coronakrise insgesamt nicht so sensationell gut entwickelt. Der folgende Chart zeigt den Dollar-Index, den Währungskorb des Dollar gegen diese anderen Hauptwährungen.

Dollar Index



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2 Kommentare

  1. Die Frage ist falsch gestellt. Die Attraktivität einer Währung hat nichts mit Schuldenständen oder dergleichen zu tun. Die Leitwährung wird immer vom politisch und damit auch wirtschaftlich stärksten Staat. Denn der hat sozusagen das größte Durchsetzungspotential seiner Interessen. Sprich, er ist der Letzte der die Kaufkraft seiner Währung erhalten kann.
    Neben den USA ist die Alternative nur China, das aber keinen freien Kapitalverkehr zulässt. Damit fällt es als echte Alternative aus. Europa kann nur Checkbuch (sprich, es übt keine Macht aus, sondern zahlt Tribute).
    Der Dollar wird also als letztes Platt gehen und dann wahrscheinlich auch noch mit den geringsten Verlusten.

    1. @thinkSelf
      Ein lustiges zweideutiges Zitat aus Ihrem Kommentar: Sprich, er [der wirtschaftlich stärkste Staat] ist der Letzte der die Kaufkraft seiner Währung erhalten kann. 😂 😳

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