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Corona-Wirtschaftskrise – der US-Dollar gibt den Schwellenländern den Rest

Claudio Kummerfeld

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am

Rio de Janeiro - die Schwellenländer leiden unter dem US-Dollar

Die Coronakrise sorgt am Devisenmarkt für den selben Effekt wie andere Arten von Krisen auch. Das scheue und ängstliche Anlegergeld flüchtet in die vermeintliche Sicherheit. Neben Gold oder dem Schweizer Franken ist der größte vermeintliche Sicherheitsraum der US-Dollar. Wenn etwas nicht den Bach runtergeht, dann der „harte“ US-Dollar? Gut, die US-Staatsschulden explodieren immer weiter, aber wen interessiert das schon? Es geht nach dem Motto „die Schwellenländer sind ja noch viel schlechter dran, und die Eurozone ja auch“. Bei den folgenden Charts darf man sich fragen: Folgt für die Schwellenländer-Währungen wie auch für Dax, Dow und Co ein zweiter großer Abwärtsschub, wenn in den nächsten Wochen die eintrudelnden harten Wirtschaftsdaten die bittere Dimension der realwirtschaftlichen Krise aufzeigen?

US-Dollar drückt gegen die Währungen der Schellenländer

Das Problem eines immer stärkeren US-Dollar ist, dass viele Unternehmen, Regierungen und Konsumenten in Schwellenländern in US-Dollar verschuldet sind, zum Beispiel in der Türkei. Je mehr der US-Dollar zum Beispiel gegen die türkische Lira aufwertet, desto mehr Lira muss der türkische Schuldner aufbringen um genug US-Dollar erwerben zu können, für die Zahlung seiner monatlichen Kreditrate. Auf ganze Volkswirtschaften hochgerechnet kommt es hier zu riesigen Problemen. Je höher der Dollar klettert, desto schwieriger wird in diesen Tagen die Lage für die Schuldner in diesen Ländern. Dadurch werden die Volkswirtschaften der Schwellenländer noch instabiler, wodurch noch mehr scheues Anlegerkapital aus diesen Ländern abwandert. Ein Lawineneffekt entsteht. Eine Art wirtschaftliche Abwärtsspirale für diese Länder ist absehbar.

Schauen wir zum Beispiel auf den südafrikanischen Rand. US-Dollar vs Rand ist seit Ausbruch der Coronakrise im Februar von 15 auf jetzt 18,97 geklettert. Der südafrikanische Rand ist also deutlich abgewertet. Der Chart, der zwölf Monate zurückreicht, zeigt deutlich den zeitlichen Zusammenhang der Rand-Abwertung zur Coronakrise.

US-Dollar vs Südafrikanischer Rand

Das selbe Bild zeigt sich für die letzten zwölf Monate im folgenden Chart. Er zeigt den US-Dollar gegen den mexikanischen Peso. Seit Februar geht es sprunghaft nach oben, von 18,60 auf jetzt 24,37 Peso für 1 Dollar. Der Peso hat also deutlich abgewertet.

US-Dollar vs Mexikanischer Peso

US-Dollar vs Türkische Lira (1 Jahres-Chart) ist seit Februar von 6 auf jetzt 6,99 gestiegen. Das ist ein Debakel für die stark in US-Dollar verschuldete Volkswirtschaft der Türkei. An dieser Stelle beschäftigen wir uns mit dem Thema etwas genauer.

US-Dollar vs Türkische Lira seit zwölf Monaten

Auch für Brasilien ist der US-Dollar ein Problem. Seit Februar ist Dollar vs brasilianischer Real von 4,25 auf jetzt 5,31 gestiegen.

Dollar vs Real

Übrigens: Gegenüber den anderen wichtigen Währungen wie Euro, Pfund oder Yen hat sich der US-Dollar durch die Coronakrise insgesamt nicht so sensationell gut entwickelt. Der folgende Chart zeigt den Dollar-Index, den Währungskorb des Dollar gegen diese anderen Hauptwährungen.

Dollar Index

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    thinkSelf

    21. April 2020 19:06 at 19:06

    Die Frage ist falsch gestellt. Die Attraktivität einer Währung hat nichts mit Schuldenständen oder dergleichen zu tun. Die Leitwährung wird immer vom politisch und damit auch wirtschaftlich stärksten Staat. Denn der hat sozusagen das größte Durchsetzungspotential seiner Interessen. Sprich, er ist der Letzte der die Kaufkraft seiner Währung erhalten kann.
    Neben den USA ist die Alternative nur China, das aber keinen freien Kapitalverkehr zulässt. Damit fällt es als echte Alternative aus. Europa kann nur Checkbuch (sprich, es übt keine Macht aus, sondern zahlt Tribute).
    Der Dollar wird also als letztes Platt gehen und dann wahrscheinlich auch noch mit den geringsten Verlusten.

    • Avatar

      Michael

      21. April 2020 19:52 at 19:52

      @thinkSelf
      Ein lustiges zweideutiges Zitat aus Ihrem Kommentar: Sprich, er [der wirtschaftlich stärkste Staat] ist der Letzte der die Kaufkraft seiner Währung erhalten kann. 😂 😳

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Zinseszinseffekt: So verdoppeln Sie Ihr Depot binnen weniger Jahre – Werbung

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Lieber Börsianer,

Albert Einstein bezeichnete ihn einst als 8. Weltwunder. Für Starinvestor Warren Buffett gilt er als wichtigster Erfolgsfaktor beim Investieren. Die Rede ist vom Zinseszinseffekt. Es kommt nicht von Ungefähr, dass diese beiden Genies dem Zinseszins eine so hohe Bedeutung beimessen. Denn er verhilft selbst bei kleinen investierten Beträgen über einen längeren Zeitraum zu großen Erfolgen. Folgende kleine Geschichte veranschaulicht den Effekt des Zinseszinses:

Die Legende vom Reiskorn

Die beeindruckende Wirkung des Zinseszinseffektes war offenbar bereits den alten Persern bekannt. Von ihnen stammt die Legende vom Reiskorn. In dieser forderte der König seine Untertanen auf ihm die Langeweile zu vertreiben. Wer es schafft, sollte eine Belohnung erhalten.

Ein kluger Höfling brachte dem König daraufhin das Schachspiel bei. Der König war begeistert ob der neuen Zerstreuung und wollte den Höfling belohnen. Dieser sprach: „Ich möchte nichts weiter als ein paar Reiskörner. Ich möchte, dass ihr mir das Schachbrett mit Reis füllt. Legt ein Reiskorn auf das erste Feld und dann auf jedes weitere Feld jeweils die doppelte Anzahl an Reiskörnern.“

Der König wunderte sich über den bescheidenen Wunsch seines Dieners und sagte sogleich die Belohnung zu. Er dachte wohl an ein kleines Säckchen voller Reis. In Wahrheit hätte er aber dank der 64-maligen Verdopplung mehr Reis gebraucht, als auf der ganzen Erde wächst.

Wie ist eine solche Fehleinschätzung möglich?

Das menschliche Gehirn ist nicht besonders gut in Prozentrechnung. Diese Art der Verzinsung ist in unserer Evolutionsgeschichte erst seit wenigen hundert Jahren von Bedeutung. Deshalb unterschätzen wir genau wie der persische König systematisch die Macht des Zinseszinses. Investmentgewinne von 5% locken nur wenige hinter dem Ofen hervor. Doch über einen…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Einzelhandelsumsätze boomen in der Coronakrise – bis auf ein Segment

Claudio Kummerfeld

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Leeres Einkaufszentrum als Symbol für die Coronakrise

Wenn man in der Coronakrise schon kein Geld für Restaurants, Theater, Kinos oder Urlaubsreisen ausgeben kann, dann kann man doch immerhin noch sein Haus, seine Wohnung oder den Garten verschönern? Und zuhause gut essen ist ja auch drin. Dementsprechend wandeln sich die Einzelhandelsumsätze in den letzten Monaten.

Unterm Strich geben die Deutschen deutlich mehr aus als noch im Vorjahr, und auch mehr als direkt vor Ausbruch der Coronakrise. Dies wird untermauert durch die vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Einzelhandelsumsätze für Oktober. Sie steigen im Vergleich zu Oktober 2019 um 8,2 Prozent, und im Vergleich zu Februar 2020 um 5,9 Prozent. Das ist eindeutig. Der Onlinehandel boomt am Stärksten, die Heimwerkermärkte boomen, und auch der Lebensmitteleinzelhandel. Ein klarer Wink hin zu mehr Konsum in den eigenen vier Wänden. Nur der stationäre Einzelhandel mit Bekleidung ist spürbar rückläufig. Klar, wenn man deutlich weniger ausgeht, hat man auch weniger den Drang neue Klamotten zu kaufen. Hier die Detailangaben der Statistiker über die Einzelhandelsumsätze im Wortlaut:

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im Oktober 2020 real 7,3 % und nominal 10,3 % mehr um als im Oktober 2019. Dabei lag der Umsatz der Supermärkte, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkte real 7,9 % und nominal 10,9 % über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 3,0 % und nominal 6,5 % mehr um.

Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen die Umsätze im Oktober 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 9,0 % und nominal um 9,4 %. Das größte Umsatzplus mit real 29,8 % und nominal 31,1 % erzielte der Internet- und Versandhandel. Deutlich zugenommen hat auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem realen Plus von 14,2 %. Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau waren dagegen der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren und der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser) mit real -6,4 % und -2,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Grafik zeigt Einzelhandelsumsätze für Oktober im Detail

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Autoindustrie: Die Stimmung hat sich brutal verfinstert!

Claudio Kummerfeld

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Riesiger Parkplatz mit unzähligen Autos

Die Stimmung in der deutschen Autoindustrie (Hersteller und Zulieferer) hat sich brutal verfinstert. Laut heute früh veröffentlichten Umfrageergebnissen des ifo-Instituts ist die aktuelle Geschäftslage der Branche zwar noch akzeptabel mit einem Wert von +7,2 Punkten nach -2 Punkten im Oktober. Aber die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sinken aktuell dramatisch ab, von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November! Der Chart zeigt den Absturz der Stimmungslage in der Autoindustrie in den letzten Monaten. Im Moment läuft es noch, aber der Blick in die Zukunft macht die Firmen gegenwärtig nicht glücklich, so ifo aktuell in seiner Headline-Aussage. Weitere Aussagen hier im Wortlaut:

„Im Oktober haben wir einen Einbruch bei den gewerblichen Neuzulassungen gesehen. Das wird sich wahrscheinlich fortsetzen, aufgrund der großen Unsicherheit bei den Unternehmen“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

Die Unternehmen gaben an, ihre Produktion deutlich drosseln zu wollen. Der Indikator sank von plus 38,6 Punkte auf minus 0,5 Punkte. Die Exporterwartungen fielen deutlich von plus 19,0 Punkten im Oktober auf minus 5,0 Punkte. Auch gab immer noch die Mehrheit der Unternehmen an, die Zahl ihrer Mitarbeiter zu verringern. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 34,6 Punkte.

Der Auftragsbestand konnte zuletzt nicht mehr so stark zulegen. Der entsprechende Indikator sank deutlich auf 6,2 Punkte, nach 29,3 im Oktober. Der Bestand im Fertigwarenlager ist allerdings weiterhin geringer als saisonüblich. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 4,9 Punkte.

Chart zeigt Verlauf der Geschäftserwartungen der Autoindustrie

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