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Coronakrise 2.0: Double-Dip-Rezession in Südeuropa unvermeidlich?

Was für eine fatale Lage: Gerade hatte man große Hoffnung aus der Erholung im dritten Quartal 2020 geschöpft, dann kam die Coronakrise 2.0!

Was für eine fatale Lage in der Coronakrise: Gerade hatte man große Hoffnung aus der Erholung im dritten Quartal 2020 geschöpft (V-Erholung), die besonders in einigen Mittelmeerstaaten besonders deutlich ausgefallen war. Dann kam die Rückkehr von Covid-19 mit exponentiell steigenden Zahlen, verbunden mit heftigen staatlichen Maßnahmen, um das Schlimmste in den Krankenhäusern zu verhindern. Aus der Hoffnung auf weitere Erholung wird fast schon die Gewissheit auf ein zweites Rezessionsquartal – eine Double-Dip-Rezession.

Coronakrise: Q3, der schöne Blick in den Rückspiegel

Was für Konjunkturzahlen für Europa und vor allem für die südlichen Staaten im dritten Quartal 2020! Für die Eurozone wurde dabei ein Wachstum von 12,7 Prozent festgestellt, für Frankreich aber von 18,2 Prozent, 16,7 Prozent für Spanien und 16,1 Prozent für Italien, im Quartalsvergleich und überall war es besser, als es die Regierungen erwartet hatten. Da kommt das deutsche Wachstum von 8,4 Prozent gleich ein bisschen bescheiden daher. Doch die Zahlen des Sommers sind metaphorisch gesprochen „Schnee von gestern“: die Zahl der Infektionen explodiert weiter, die Freizeit – und Reisetätigkeit vieler Menschen kollabiert erneut in der Coronakrise 2.0.

Coronazahlen schnellen nach oben

Über 50 Tausend Infektionen pro Tag in Frankreich und Spanien, über 25 Tausend in Italien und fast schon 20 Tausend in Deutschland: klar dass den Gesundheitsbehörden Angst und Bange wurde, angesichts einer Verdoppelung der Zahlen innerhalb von 7 bis 10 Tagen. Die Coronakrise 2.0 schlägt mit voller Macht zu. Auch ohne weitere Steigerung ergäben 50 Tausend pro Tag bereits eine Million Infizierter binnen drei Wochen und bei einer Hospitalisationsrate von drei bis fünf Prozent wäre dies ein Schrecken für das Pflegepersonal in und außerhalb der Intensivstationen.

Noch ein paar Zahlen zu Deutschland:

17,5 Millionen Menschen im Alter über 65 Jahre gibt es hierzulande, 3,5 Millionen Pflegebedürftige, von denen 75 Prozent zu Hause versorgt werden sowie Hunderttausende mit Corina-relevanten Vorerkrankungen. Bei allen Überlegungen zum besonderen Schutz dieser Personengruppen, das so genannte Cocooning, kein leichtes Unterfangen in unserem Sozialgefüge.

Der Lockdown light und die Konjunktur

Die Bremswirkung der Eindämmungsmaßnahmen für Covid-19 ist den Politikern und Ökonomen durchaus bewusst. In Frankreich geht Wirtschaftsminister Le Maire von einer Schrumpfung der Wirtschaft in Q4 von 5 Prozent aus. Für das Gesamtjahr kommt er auf eine Rezession mit düsteren neun Prozent und liegt dabei noch im oberen Bereich der aktuellen Schätzungen.

In Spanien glaubt man noch an ein Nullwachstum im vierten Quartal, revidiert von zuletzt plus neun Prozent. Dies dürfte gravierende Folgen für das von der Coronakrise im Frühling so stark gebeutelte Land haben – mit Folgen für Unternehmen und Arbeitslosigkeit und einer Rekordrezession für 2020, die über minus 10 Prozent hinausgehen dürfte.

In Italien rechnet das Kontrollorgan, welches die italienischen Staatsfinanzen überwacht, mit einem Wachstumseinbruch von minus 3,5 bis minus acht Prozent im vierten Quartal. Auch dort war man für das Schlussquartal bis vor Kurzem noch von einem Wachstumsquartal ausgegangen. Was wird eine Rezession von 10 Prozent im Jahr 2020 für eine Explosion der Staatsverschuldung für das südliche Land zur Folge haben? Ist damit eine Ausweitung des Notprogramms der Europäischen Zentralbank (PEPP) um 500 Milliarden Euro nicht bereits eine unausweichliche, wenngleich noch nicht beschlossene Maßnahme gegen die erneute Coronakrise?

Was heißt das alles für Deutschland?

Sicherlich nichts Gutes, denn das Exportland Deutschland verkauft viele seiner Güter in diesen europäischen Ländern. Werden wir eine Schrumpfung der Wirtschaft in Q4 erleben? Noch geht die Regierung von einem schwachen Wachstum von 0,4 Prozent aus, manch Wirtschaftsinstitut rechnet allenfalls mit einer schwarzen Null, noch.

Fazit

Ein für die Masse der Menschen harmloses, für viele vorbelastete und ältere Menschen höchst gefährliches Virus, hält einen Kontinent im Bann. Man hat noch keine Lösung gefunden im Umgang mit demselben, auch wenn es unter Berücksichtigung der Dunkelziffer schon Länder mit einer 20-prozentigen Herdenimmunität geben mag. So gehen die Regierungen aus ihrer Verpflichtung zur Gefahrenabwehr und zum Schutz von Leib und Leben zu Lockdown-Maßnahmen über, die – geeignet, erforderlich und angemessen = verhältnismäßig – sind oder auch nicht. Dabei leidet die Wirtschaft und vermutlich werden mehrere Länder in Q4 wieder in eine wirtschaftliche Schrumpfung abgleiten – in eine so genannte Double-Dip-Rezession. Mit all den Konsequenzen für Verschuldung und weiteren gesellschaftlichen Folgen. Ausgerechnet die Länder, die es bereits im Frühjahr so schwer getroffen hat, werden in der Coronakrise 2.0 erneut auf die Probe gestellt. Es ist schon verflixt, von den Coronainfizierten sind nach neuesten Erkenntnissen nur 10 bis 20 Prozent hoch infektiös, der Rest wenig bis gar nicht. Aber wie diese herausfinden?

So bleibt die Hoffnung auf einen Impfstoff oder verbesserten Kenntnissen zur Verhinderung der gegenseitigen Ansteckung, denn noch ein paar Shutdowns wird man nicht ohne gewaltige Kollaterialschäden überstehen.

Unsere Kanzlerin spricht im Übrigen schon in infantiler Sprache, um möglichst viele Adressaten von ihrer Botschaft zu überzeugen.

Die Coronakrise 2.0 zerstört die Hoffnungen auf eine Konjunkturerholung



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5 Kommentare

  1. Sichtweise aus Spanien: Das mit der Hospitalistationsrate von 3-5% ist stark übertrieben. Viele bleiben nur einen Tag im Krankenhaus und kommen oftmals nicht mal wegen dem Virus rein da jeder getestet wird der ins Krankenhaus kommt. Und bei 14% positivenquote von den aktuellen Tests im ganzen Land trägt auch eine vielzahl der Menschen den Virus in sich was nicht bedeutet das der Mensch dann krank ist. Von der Million positiv getesten in den letzten drei Monaten in Spanien(Dunkelziffer bei einem vielfachen von vielleicht bis zu 10Mio.) sind aktuell 2700Menschen auf Intensivstationen und das bei 47Mio Einwohnern. Das ist nur problematisch (mal abgesehen von den betroffenen Personen ) weil der Süden viel zu wenig Krankenhausbetten hat. Ca. ein drittel pro Kopf im Vergleich zu Deutschland.

  2. Im April dieses Jahres hatte das RKI die diesjährige Grippewelle für beendet erklärt. Behauptung RKI: „24.589 weniger Grippetote als vor zwei Jahren“
    „Nur 411 Todesfälle durch die Grippe“ habe es nach aktuellen Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in diesem Jahr gegeben. Im Vergleich dazu seien vor zwei Jahren 25.100 Menschen an der Grippe gestorben, „das sind 24.589 weniger“, heißt es weiter.

    Meine Anmerkung
    Nein, natürlich hat man die diesjährigen Grippetoten nicht in Covid-19-Tote umgewandelt. Auf solch einen absurden Gedanken kommen nur Verschwörungstheoretiker und das ist völlig abwegig. Also wirklich.

    Aktuell, also mehr als ein halbes Jahr später und mitten in der schlimmsten Pandemie aller Zeiten hat Deutschland laut RKI 11.226 Corona-Tote.

    Meine Anmerkung
    Und es ist klar, in dieser Zahl ist freilich nach wie vor kein einziger der jährlich 40.000 Lungenerkrankungstoten enthalten und natürlich auch kein einziger der jährlich 40.000 Krankenhauskeimtoten (laut Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene DGKH) und schon erst recht kein einziger der jährlich ca. 15.000 Grippetoten. Nein, die sterben selbstverständlich alle separat. Und natürlich hatten die 95.000 Lungenerkrankungs-, Krankenhauskeim- und Grippetoten auch nie die Betten auf den Intensivstationen deutscher Krankenhäuser ausgelastet, weil sie ja alle ganz still und friedlich zu Hause verstarben. Das kann doch nun wirklich niemand ernsthaft anzweifeln.
    Es ist also völlig verhältnismäßig, wenn unsere Regierung bei 11.226 Covid-19-Toten schon zum 2. Mal die deutsche Wirtschaft abwürgt, Millionen Existenzen in den Ruin treibt, das ganze Land in Angst und Schrecken versetzt und Millionen Kinder traumatisiert.

    Ich unterstütze die Maßnahmen unserer Regierung deshalb voll und ganz. OK, die Krankenhauskeimtoten hätte man mit nur 2% der derzeitigen Corona-Kosten ganz leicht um 90% verringern können und zwar jährlich, aber solch kleine Versäumnisse sind doch verzeihlich, oder?

    1. @Gerd Kofler, soll das jetzt so eine Art Ironie oder Sarkasmus sein? Falls ja, empfehle ich, noch etwas zu üben. Bis dahin könnten Sie erst einmal versuchen, Ihre schieren Behauptungen durch etwas wie Zahlen, Fakten, Statistiken usw. zu untermauern. Tatsächlich „mit laborbestätigter Influenza-Infektion“ an das RKI gemeldet wurden 2018 nämlich 1.674 Todesfälle (und nicht fast 25.000) – und das ist die Zahl, die man für einen Vergleich der Grippewellen korrekterweise heranziehen müsste, weil sich darauf auch die Zahl von 434 (das ist die korrekte Zahl, nicht 411) Todesfällen in 2020 bezieht.

      Der Vollständigkeit halber: 2017 waren es 722 Todesfälle, 2019 gab es 954 bestätigte Fälle. Das zeigt, dass 2018 eine besonders schwere Grippewelle zu verzeichnen war. Wäre es zudem nicht denkbar, dass die Hygiene- und Abstandsregeln sowie die Kontaktbeschränkungen im Frühjahr 2020 auch eine signifikante Wirkung auf die Influenzafälle hatten?

      https://influenza.rki.de/Saisonberichte/2018.pdf
      Siehe Tabelle Seite 47 Spalten 1 und 2. Und nicht wieder Exzess-Schätzungen und laborbestätigte Todesfälle durcheinander würfeln, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

  3. @Jan
    Wie naiv sind Sie denn, wenn Sie nur die an das RKI gemeldeten laborbestätigten Grippetoten zählen wollen? Sie müssen auch nur Ihre Augen einmal etwas weiter aufmachen als gewöhnlich, dann sehen Sie nämlich, dass das RKI auf der von Ihnen zitieren Seite selbst in einer konservativen Schätzung eben von den zitierten 25.100 Influenza-Toten für die Saison 2017/2018 ausgeht. Kompliment, Sie sind wirklich ein geistiger Überflieger.
    Dann können Sie auch gleich nur die offiziell zugegebene Zahl der von den Helios-Kliniken in ihren Häusern durch Krankenhauskeime verstorbenen Patienten als Grundlage verwenden.
    Natürlich werden die Hygiene- und Abstandsregeln und viele weiteren Maßnahmen im Zuge von Corona nicht nur die Zahl der Influenzatoten reduzieren, sondern sehr wahrscheinlich auch einen massiven Rückgang der Krankenhauskeimtoten zur Folge haben. Womit die Heuchelei der Politik bewiesen wäre, weil sie mit einfachsten und zudem vergleichsweise preiswerten Maßnahmen schon seit Jahrzehnten Hunderttausende Leben hätte retten können. Aber Krankenhauskeimtote haben nun mal keine Lobby.

  4. @Gerd Kofler, wer der geistige Überflieger ist, beweisen Sie am laufenden Band mit Ihren Kommentaren. Entweder Sie vergleichen die laborbestätigten Todesfälle miteinander, oder die Exzess-Schätzungen. Da diese für die Saison 2019/20 noch nicht vorliegt, bleiben also nur die laborbestätigten Fälle. Und das sind 1.674 : 525 (Stand Juni 2020)
    https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2019_2020/2020-24.pdf

    Was Ihren letzten Satz angeht: Tote haben im Allgemeinen keine Lobby, die brauchen sie nämlich nicht mehr.

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