Folgen Sie uns

Allgemein

Coronakrise 2.0: Double-Dip-Rezession in Südeuropa unvermeidlich?

Was für eine fatale Lage: Gerade hatte man große Hoffnung aus der Erholung im dritten Quartal 2020 geschöpft, dann kam die Coronakrise 2.0!

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Was für eine fatale Lage in der Coronakrise: Gerade hatte man große Hoffnung aus der Erholung im dritten Quartal 2020 geschöpft (V-Erholung), die besonders in einigen Mittelmeerstaaten besonders deutlich ausgefallen war. Dann kam die Rückkehr von Covid-19 mit exponentiell steigenden Zahlen, verbunden mit heftigen staatlichen Maßnahmen, um das Schlimmste in den Krankenhäusern zu verhindern. Aus der Hoffnung auf weitere Erholung wird fast schon die Gewissheit auf ein zweites Rezessionsquartal – eine Double-Dip-Rezession.

Coronakrise: Q3, der schöne Blick in den Rückspiegel

Was für Konjunkturzahlen für Europa und vor allem für die südlichen Staaten im dritten Quartal 2020! Für die Eurozone wurde dabei ein Wachstum von 12,7 Prozent festgestellt, für Frankreich aber von 18,2 Prozent, 16,7 Prozent für Spanien und 16,1 Prozent für Italien, im Quartalsvergleich und überall war es besser, als es die Regierungen erwartet hatten. Da kommt das deutsche Wachstum von 8,4 Prozent gleich ein bisschen bescheiden daher. Doch die Zahlen des Sommers sind metaphorisch gesprochen „Schnee von gestern“: die Zahl der Infektionen explodiert weiter, die Freizeit – und Reisetätigkeit vieler Menschen kollabiert erneut in der Coronakrise 2.0.

Coronazahlen schnellen nach oben

Über 50 Tausend Infektionen pro Tag in Frankreich und Spanien, über 25 Tausend in Italien und fast schon 20 Tausend in Deutschland: klar dass den Gesundheitsbehörden Angst und Bange wurde, angesichts einer Verdoppelung der Zahlen innerhalb von 7 bis 10 Tagen. Die Coronakrise 2.0 schlägt mit voller Macht zu. Auch ohne weitere Steigerung ergäben 50 Tausend pro Tag bereits eine Million Infizierter binnen drei Wochen und bei einer Hospitalisationsrate von drei bis fünf Prozent wäre dies ein Schrecken für das Pflegepersonal in und außerhalb der Intensivstationen.

Noch ein paar Zahlen zu Deutschland:

17,5 Millionen Menschen im Alter über 65 Jahre gibt es hierzulande, 3,5 Millionen Pflegebedürftige, von denen 75 Prozent zu Hause versorgt werden sowie Hunderttausende mit Corina-relevanten Vorerkrankungen. Bei allen Überlegungen zum besonderen Schutz dieser Personengruppen, das so genannte Cocooning, kein leichtes Unterfangen in unserem Sozialgefüge.

Der Lockdown light und die Konjunktur

Die Bremswirkung der Eindämmungsmaßnahmen für Covid-19 ist den Politikern und Ökonomen durchaus bewusst. In Frankreich geht Wirtschaftsminister Le Maire von einer Schrumpfung der Wirtschaft in Q4 von 5 Prozent aus. Für das Gesamtjahr kommt er auf eine Rezession mit düsteren neun Prozent und liegt dabei noch im oberen Bereich der aktuellen Schätzungen.

In Spanien glaubt man noch an ein Nullwachstum im vierten Quartal, revidiert von zuletzt plus neun Prozent. Dies dürfte gravierende Folgen für das von der Coronakrise im Frühling so stark gebeutelte Land haben – mit Folgen für Unternehmen und Arbeitslosigkeit und einer Rekordrezession für 2020, die über minus 10 Prozent hinausgehen dürfte.

In Italien rechnet das Kontrollorgan, welches die italienischen Staatsfinanzen überwacht, mit einem Wachstumseinbruch von minus 3,5 bis minus acht Prozent im vierten Quartal. Auch dort war man für das Schlussquartal bis vor Kurzem noch von einem Wachstumsquartal ausgegangen. Was wird eine Rezession von 10 Prozent im Jahr 2020 für eine Explosion der Staatsverschuldung für das südliche Land zur Folge haben? Ist damit eine Ausweitung des Notprogramms der Europäischen Zentralbank (PEPP) um 500 Milliarden Euro nicht bereits eine unausweichliche, wenngleich noch nicht beschlossene Maßnahme gegen die erneute Coronakrise?

Was heißt das alles für Deutschland?

Sicherlich nichts Gutes, denn das Exportland Deutschland verkauft viele seiner Güter in diesen europäischen Ländern. Werden wir eine Schrumpfung der Wirtschaft in Q4 erleben? Noch geht die Regierung von einem schwachen Wachstum von 0,4 Prozent aus, manch Wirtschaftsinstitut rechnet allenfalls mit einer schwarzen Null, noch.

Fazit

Ein für die Masse der Menschen harmloses, für viele vorbelastete und ältere Menschen höchst gefährliches Virus, hält einen Kontinent im Bann. Man hat noch keine Lösung gefunden im Umgang mit demselben, auch wenn es unter Berücksichtigung der Dunkelziffer schon Länder mit einer 20-prozentigen Herdenimmunität geben mag. So gehen die Regierungen aus ihrer Verpflichtung zur Gefahrenabwehr und zum Schutz von Leib und Leben zu Lockdown-Maßnahmen über, die – geeignet, erforderlich und angemessen = verhältnismäßig – sind oder auch nicht. Dabei leidet die Wirtschaft und vermutlich werden mehrere Länder in Q4 wieder in eine wirtschaftliche Schrumpfung abgleiten – in eine so genannte Double-Dip-Rezession. Mit all den Konsequenzen für Verschuldung und weiteren gesellschaftlichen Folgen. Ausgerechnet die Länder, die es bereits im Frühjahr so schwer getroffen hat, werden in der Coronakrise 2.0 erneut auf die Probe gestellt. Es ist schon verflixt, von den Coronainfizierten sind nach neuesten Erkenntnissen nur 10 bis 20 Prozent hoch infektiös, der Rest wenig bis gar nicht. Aber wie diese herausfinden?

So bleibt die Hoffnung auf einen Impfstoff oder verbesserten Kenntnissen zur Verhinderung der gegenseitigen Ansteckung, denn noch ein paar Shutdowns wird man nicht ohne gewaltige Kollaterialschäden überstehen.

Unsere Kanzlerin spricht im Übrigen schon in infantiler Sprache, um möglichst viele Adressaten von ihrer Botschaft zu überzeugen.

Die Coronakrise 2.0 zerstört die Hoffnungen auf eine Konjunkturerholung

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Tino Gruchmann

    4. November 2020 13:57 at 13:57

    Sichtweise aus Spanien: Das mit der Hospitalistationsrate von 3-5% ist stark übertrieben. Viele bleiben nur einen Tag im Krankenhaus und kommen oftmals nicht mal wegen dem Virus rein da jeder getestet wird der ins Krankenhaus kommt. Und bei 14% positivenquote von den aktuellen Tests im ganzen Land trägt auch eine vielzahl der Menschen den Virus in sich was nicht bedeutet das der Mensch dann krank ist. Von der Million positiv getesten in den letzten drei Monaten in Spanien(Dunkelziffer bei einem vielfachen von vielleicht bis zu 10Mio.) sind aktuell 2700Menschen auf Intensivstationen und das bei 47Mio Einwohnern. Das ist nur problematisch (mal abgesehen von den betroffenen Personen ) weil der Süden viel zu wenig Krankenhausbetten hat. Ca. ein drittel pro Kopf im Vergleich zu Deutschland.

  2. Avatar

    Gerd Kofler

    8. November 2020 00:13 at 00:13

    Im April dieses Jahres hatte das RKI die diesjährige Grippewelle für beendet erklärt. Behauptung RKI: „24.589 weniger Grippetote als vor zwei Jahren“
    „Nur 411 Todesfälle durch die Grippe“ habe es nach aktuellen Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in diesem Jahr gegeben. Im Vergleich dazu seien vor zwei Jahren 25.100 Menschen an der Grippe gestorben, „das sind 24.589 weniger“, heißt es weiter.

    Meine Anmerkung
    Nein, natürlich hat man die diesjährigen Grippetoten nicht in Covid-19-Tote umgewandelt. Auf solch einen absurden Gedanken kommen nur Verschwörungstheoretiker und das ist völlig abwegig. Also wirklich.

    Aktuell, also mehr als ein halbes Jahr später und mitten in der schlimmsten Pandemie aller Zeiten hat Deutschland laut RKI 11.226 Corona-Tote.

    Meine Anmerkung
    Und es ist klar, in dieser Zahl ist freilich nach wie vor kein einziger der jährlich 40.000 Lungenerkrankungstoten enthalten und natürlich auch kein einziger der jährlich 40.000 Krankenhauskeimtoten (laut Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene DGKH) und schon erst recht kein einziger der jährlich ca. 15.000 Grippetoten. Nein, die sterben selbstverständlich alle separat. Und natürlich hatten die 95.000 Lungenerkrankungs-, Krankenhauskeim- und Grippetoten auch nie die Betten auf den Intensivstationen deutscher Krankenhäuser ausgelastet, weil sie ja alle ganz still und friedlich zu Hause verstarben. Das kann doch nun wirklich niemand ernsthaft anzweifeln.
    Es ist also völlig verhältnismäßig, wenn unsere Regierung bei 11.226 Covid-19-Toten schon zum 2. Mal die deutsche Wirtschaft abwürgt, Millionen Existenzen in den Ruin treibt, das ganze Land in Angst und Schrecken versetzt und Millionen Kinder traumatisiert.

    Ich unterstütze die Maßnahmen unserer Regierung deshalb voll und ganz. OK, die Krankenhauskeimtoten hätte man mit nur 2% der derzeitigen Corona-Kosten ganz leicht um 90% verringern können und zwar jährlich, aber solch kleine Versäumnisse sind doch verzeihlich, oder?

    • Avatar

      Jan

      8. November 2020 17:43 at 17:43

      @Gerd Kofler, soll das jetzt so eine Art Ironie oder Sarkasmus sein? Falls ja, empfehle ich, noch etwas zu üben. Bis dahin könnten Sie erst einmal versuchen, Ihre schieren Behauptungen durch etwas wie Zahlen, Fakten, Statistiken usw. zu untermauern. Tatsächlich „mit laborbestätigter Influenza-Infektion“ an das RKI gemeldet wurden 2018 nämlich 1.674 Todesfälle (und nicht fast 25.000) – und das ist die Zahl, die man für einen Vergleich der Grippewellen korrekterweise heranziehen müsste, weil sich darauf auch die Zahl von 434 (das ist die korrekte Zahl, nicht 411) Todesfällen in 2020 bezieht.

      Der Vollständigkeit halber: 2017 waren es 722 Todesfälle, 2019 gab es 954 bestätigte Fälle. Das zeigt, dass 2018 eine besonders schwere Grippewelle zu verzeichnen war. Wäre es zudem nicht denkbar, dass die Hygiene- und Abstandsregeln sowie die Kontaktbeschränkungen im Frühjahr 2020 auch eine signifikante Wirkung auf die Influenzafälle hatten?

      https://influenza.rki.de/Saisonberichte/2018.pdf
      Siehe Tabelle Seite 47 Spalten 1 und 2. Und nicht wieder Exzess-Schätzungen und laborbestätigte Todesfälle durcheinander würfeln, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

  3. Avatar

    Gerd Kofler

    10. November 2020 14:37 at 14:37

    @Jan
    Wie naiv sind Sie denn, wenn Sie nur die an das RKI gemeldeten laborbestätigten Grippetoten zählen wollen? Sie müssen auch nur Ihre Augen einmal etwas weiter aufmachen als gewöhnlich, dann sehen Sie nämlich, dass das RKI auf der von Ihnen zitieren Seite selbst in einer konservativen Schätzung eben von den zitierten 25.100 Influenza-Toten für die Saison 2017/2018 ausgeht. Kompliment, Sie sind wirklich ein geistiger Überflieger.
    Dann können Sie auch gleich nur die offiziell zugegebene Zahl der von den Helios-Kliniken in ihren Häusern durch Krankenhauskeime verstorbenen Patienten als Grundlage verwenden.
    Natürlich werden die Hygiene- und Abstandsregeln und viele weiteren Maßnahmen im Zuge von Corona nicht nur die Zahl der Influenzatoten reduzieren, sondern sehr wahrscheinlich auch einen massiven Rückgang der Krankenhauskeimtoten zur Folge haben. Womit die Heuchelei der Politik bewiesen wäre, weil sie mit einfachsten und zudem vergleichsweise preiswerten Maßnahmen schon seit Jahrzehnten Hunderttausende Leben hätte retten können. Aber Krankenhauskeimtote haben nun mal keine Lobby.

  4. Avatar

    Jan

    10. November 2020 16:11 at 16:11

    @Gerd Kofler, wer der geistige Überflieger ist, beweisen Sie am laufenden Band mit Ihren Kommentaren. Entweder Sie vergleichen die laborbestätigten Todesfälle miteinander, oder die Exzess-Schätzungen. Da diese für die Saison 2019/20 noch nicht vorliegt, bleiben also nur die laborbestätigten Fälle. Und das sind 1.674 : 525 (Stand Juni 2020)
    https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2019_2020/2020-24.pdf

    Was Ihren letzten Satz angeht: Tote haben im Allgemeinen keine Lobby, die brauchen sie nämlich nicht mehr.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Brexit: Angeblich Einigung an diesem Wochenende

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Laut einem Insider-Bericht wird es bereits an diesem Wochenende eine Einigung auf einen Deal für den Brexit zwischen der EU und Großbritannien geben. Damit würde dann laut diesem Bericht ein „Last-Minute“-Deal erreicht.
Möglich sei, dass die EU dann am 10. oder 11.Dezmeber einen Gipfel abhalten würden, so der Insider weiter.
Zuletzt war es vor allem zwischen Frankreich und Großbritannien zu Konflikten um Fischerei-Recht in britischen Gewässern gekommen..

Der Dax mit leichten Anstiegen auf die Meldung, ebenso das britische Pfund..

Gibt es auf den letzten Drücker einen Deal zum Brexit?

weiterlesen

Allgemein

Atemmasken: Deutschland produziert sie ab Mitte 2021

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Es klingt ein bisschen wie ein Scherz, dass man jetzt den ersten Förderbescheid für die Produktion von Atemmasken seitens der Regierung erteilt hat, eine Allzweckwaffe für die Eindämmung von Covid-19. Im Frühjahr hatte man schmerzlich die Abhängigkeit von China in Sachen medizinischer Schutzausrüstung erkennen müssen. Der kleine Schönheitsfehler dabei: Die Produktion von Atemmasken beginnt erst im Sommer des neuen Jahres.

Der unvorhergesehene Mangel bei Atemmasken

Es war im Frühjahr ein kleiner Schock für das Hochtechnologieland Deutschland: Wir haben hierzulande zwar einen der Weltmarktführer für Beatmungsgeräte (Drägerwerk in Lübeck – Nummer drei für Intensivstationen, Nummer eins für mobile Geräte), aber bei Atemmasken war man in großem Maße abhängig von China. Die weltweite Ausbreitung von Covid-19 sorgte rasch für Ausfuhrverbote medizinischer Schutzausrüstungen und der Bundesregierung wurde klar, dass man handeln musste. Es wurde im Frühjahr ein Förderprogramm für alle Arten von Schutzmasken aufgelegt – und jetzt wurde der erste Förderbescheid an ein deutsches Unternehmen von Wirtschaftsminister Peter Altmaier übergeben. Vorher wurden notfallmäßig Mund-Nasen-Schutzmasken produziert. Unglaublich, wer sich dabei alles an der Produktion beteiligt hat.

Die erste Firma ist Skylotec aus dem rheinland-pfälzischen Neuwied, ein Unternehmen, welches vorher hauptsächlich Absturzsicherungen für Kletterer in der Industrie und im Freizeitbereich hergestellt hat.

Der Bund gab 3,2 Millionen Euro an Fördermitteln, zur Produktion von einer halben Milliarde Masken, ab Sommer diesen Jahres. Anschließend sollen auch die effektiveren FFP2- Masken hergestellt werden, 54 Millionen Stück. Skylotec bekommt damit ein Drittel der Investitionssumme vom Staat. Insgesamt liegen dem Wirtschaftsministerium 270 Anträge für eine staatliche Unterstützung in dieser Produktion vor. Wirtschaftsminister Peter Altmaier weiß natürlich, dass es kritische Fragen geben wird, warum es so lange dauert, bis ein so einfaches Produkt in die Massenfertigung geht. Seine Antwort:

„Man kann solche Programme nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen. Wir wissen nicht, wie lange es dauert, bis wir alle, die geimpft werden wollen, auch impfen können.“ Die Atemmasken würden in jedem Fall gebraucht werden. „Ob Corona oder nicht, es wird auch künftig Pandemien geben“, so der Minister.

Aber anscheinend hätte die Firma auch ohne Fördergelder mit der Investition begonnen, so der Geschäftsführer von Skylotec, Kai Rinklake.

Ob man im Spätherbst wirklich gleich noch Millionen an Atemmasken (zusätzlich) benötigen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Fazit

Inmitten der Euphorie um die Impfstoffzulassungen, bereits mit ganz konkreten Zahlen – in Hamburg plant man anfangs mit 7000 Impfungen pro Tag, in Berlin mit 5000 -, kommt die Meldung über die ersten Subventionsbescheide der Regierung in Sachen Atemmasken. Irgendwie ein grotesker Widerspuch: Eine Impfstoffentwicklung in noch nie gesehener Geschwindigkeit und die planerische Vorbereitung eines „Hightech-Produktes“ mit Produktionsbeginn in ein paar Quartalen. Ein Gutes hat die Sache: Laut dem Countrymeter liegt die Weltbevölkerung aktuell bereits bei über 7,85 Milliarden Menschen, der Zuwachs 2020 beträgt schon fast 89 Millionen neue Erdenbürger. Da ist es nicht verkehrt, sich prophylaktisch mit Infektionsschutzgerät auszurüsten: nach dem Virus ist vor dem Virus.

Deutschland produziert Atemmasken ab Sommer 2021

weiterlesen

Allgemein

Autoindustrie: Alles Euphorie oder was? Nur Tesla boomt!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Autos auf Parkplatz

Tesla boomt, aber so richtig! Aber dazu später mehr in diesem Artikel. Haben wir uns geirrt? Was ist hier los? Nein, schauen wir genauer hin. Gestern berichteten wir über die Meldung des ifo-Instituts zu den Geschäftsaussichten (!) der Autoindustrie für die nächsten Monate. Und die haben sich übelst verschlechtert dank dem zweiten Corona-Lockdown. Sie werden von ifo in einem Punkte-Index gemessen. Die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sanken demnach dramatisch von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November (hier die Details).

Verband der Autoindustrie erwähnt bei Inlandsproduktion erstes Plus in diesem Jahr

Aber die stark verfinsterten Aussichten der Autoindustrie sind ja etwas anderes als der derzeitige Zustand der Branche. Und geht man danach, dann ist die Laune gerade heute am 3. Dezember ziemlich gut. Da wäre zunächst der Automobilverband VDA mit seiner ganz frischen Meldung zu nennen. Die deutsche Autoindustrie hat im November zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Im abgelaufenen Monat liefen – unterstützt durch einen zusätzlichen Arbeitstag – 7 Prozent mehr Pkw in Deutschland vom Band (449.900 Einheiten). Damit wurde erstmals in diesem Jahr das Produktionsniveau eines Vorjahresmonats übertroffen. Zwar erwartet der VDA für das Gesamtjahr 2020 ein Volumen von rund 2,9 Millionen Neuzulassungen. Das sei ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber für den Pkw-Inlandsmarkt erwartet man im kommenden Jahr ein Wachstum von 9 Prozent auf 3,1 Millionen Neuzulassungen. Damit sei das Vor-Krisenniveau allerdings noch in weiter Ferne.

Analysten mit aktuellem Kommentar

Die Analysten der Commerzbank sehen in ihrem aktuellen Kommentar die Lage für die Autoindustrie recht optimistisch. Die deutsche Automobilindustrie habe den Einbruch aus dem Frühjahr wettgemacht. Im November wurden in Deutschland zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Dies sei ein weiterer Hinweis darauf, dass zumindest die Industrie bisher durch die gestiegenen Infektionszahlen und die neuerlichen Corona-Einschränkungen nicht spürbar beeinträchtigt wurde, so der Analyst Dr. Ralph Solveen. Er erwähnt, dass auf Basis einer Saisonbereinigung fast 19 Prozent mehr Autos produziert worden seien als im Oktober. Damit seien die saisonbereinigten Produktionszahlen sogar etwas höher ausgefallen als im Durchschnitt des Jahres 2019, also vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Weiter sagt er, hier auszugsweise im Wortlaut: Zunächst einmal zeigen die heutigen Zahlen aber einmal mehr, dass die Industrie von den deutlich gestiegenen Infektionszahlen und den neuerlichen von der Politik verhängten Corona-Einschränkungen kaum beeinträchtigt wird.

Autozulassungen

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat heute Mittag Daten für die Autozulassungen im November veröffentlicht. Die zeigen einen guten Ist-Zustand für die Autoindustrie. Im November wurden in Deutschland 290.150 Neuwagen zum Straßenverkehr zugelassen. Damit liegt man 3,0 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahresmonats. Die Anzahl privater Zulassungen nahm um +22,8 Prozent zu, ihr Anteil betrug 39,4 Prozent. Die gewerblichen Zulassungen gingen um -14,7 Prozent zurück. Die Autozulassungen bei Tesla explodieren mit +500 Prozent! Hier weitere Details des KBA, auszugsweise im Wortlaut:

Die deutschen Marken Opel (+17,1 %), Audi (+3,1 %) und Mercedes (+0,5 %) erzielten Zulassungssteigerungen. Bei den weiteren deutschen Marken zeigten sich Rückgänge, die bei Smart (-49,2 %), VW (-18,4 %) und Ford (-15,8 %) zweistellig ausfielen. Mit 17,6 Prozent erreichte VW erneut den größten Neuzulassungsanteil.

Bei den Importmarken fiel die Neuzulassungsbilanz im November überwiegend positiv aus. Zweistellige Zuwächse von mehr als 30 Prozent zeigten sich bei Tesla (+500,0 %), Fiat (+42,7 %) und Toyota (+33,1 %). Um mehr als 20 Prozent waren die Zulassungen bei Renault (+29,2 %) und Citroen (+28,6 %) gestiegen. Ein Zulassungsminus von mehr als 20 Prozent zeigte sich hingegen bei Ssangyong (-48,0 %), Jaguar (-34,8 %), Mitsubishi (-27,0 %), Alfa Romeo (-21,9 %) und Seat (-21,6 %). Den größten Neuzulassungsanteil verzeichnete hier Skoda mit 5,9 Prozent.

Neuzulassungen mit alternativen Antrieben erfuhren im November eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vergleichsmonat. Mit 28.965 Elektrofahrzeugen legte diese Antriebsart um +522,8 Prozent zu. 71.904 Hybridfahrzeuge bescherten ein Plus von +177,2 Prozent, darunter 30.621 Plug-in-Hybride, die einen Zuwachs von +383,4 Prozent erreichten. Flüssig- und Erdgasfahrzeuge erzielten zusammen ein Plus von +51,9 Prozent wobei der Anteil 0,5 Prozent betrug. Den größten Anteil bildeten dennoch mit 40,4 Prozent die Benziner, deren Neuzulassungsvolumen gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um -32,3 Prozent zurückging, gefolgt von den Diesel-Pkw, deren Anteil nach einem Minus von -25,2 Prozent 24,3 Prozent betrug.

Die folgende Grafik zeigt vor allem ganz rechts mit den roten Balken, wie alle Hersteller bei den Neuzulassungen (teils dramatisch) verlieren im Vergleich Januar-November 2020 zu Januar-November 2019. Nur Tesla boomt mit +37,2 Prozent!

Heute Statistik zeigt im Zulassungsrückgänge für die Autoindustrie

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage