Konjunkturdaten

Coronakrise: April, der Tiefpunkt in Deutschlands Wirtschaft?

Obwohl es mehr als logisch war, dient es als große Schlagzeile in allen Medien: Wirtschaftseinbruch im April – Deutschlands Exportwirtschaft, seine Industrieproduktion, seine Gastronomie, Hotellerie und nahezu der gesamte Dienstleistungssektor lagen im Monat April wegen der Coronakrise am Boden. Als jetzt die Zahlen für diesen Schreckensmonat kommen, ist das Wehklagen laut. Wie konnte es denn aber aber anders sein, bei einem Lockdown, wenn im April 10 Millionen Anträge auf Kurzarbeit gestellt wurden, in unseren Nachbarländern sogar noch strengere Corona-Regeln gegolten haben und die Grenzen weitgehend geschlossen waren? Ein volkswirtschaftliches (Kurzzeit)Fiasko durch die Coronakrise war vorprogrammiert.

Coronakrise: Die Weltbank bringt es auf den Punkt

„Deutsche Exporte im April um 31 Prozent eingebrochen“, so die gestrige Schlagzeile im Börsenfernsehen und damit doppelt so stark wie noch im März. Für das deutsche Bruttoinlandsprodukt sehr dramatisch, denn fast 30 Prozent der Wirtschaft hängen von den Ausfuhren ab. Einen wesentlichen Anteil daran hatte die für Deutschland so essenzielle Automobilproduktion, die in diesem Monat mit minus 74,6 Prozent regelrecht kollabiert war.

Dass es unseren Außenhandel so stark in Mitleidenschaft gezogen hat, ist nicht nur der Abschottungsstrategie unserer EU-Nachbarmärkte zu verdanken, sondern einer historisch ungewöhnlichen Situation.

Nach einer Prognose der Weltbank wird die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 5,2 Prozent schrumpfen und noch nie in der Zeit nach 1870 sind weltweit gleichzeitig so viele Länder in eine Rezession gestürzt. Daher habe ich schon seit Wochen davor gewarnt, diese besondere Lage mit früheren Rezessionen zu vergleichen. Ein Lockdown ist ein ganz spezielles Ereignis, mit dem kein lebender Investor etwas anfangen kann. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sprach davon, dass man in zwei Monaten so viel Einbruch erleben konnte, wofür es selbst in der schweren Finanzkrise Monate gebraucht hat. Aber das Schlimmste sei vorbei, wenngleich der Aufschwung eines Exportlandes sehr von der Entwicklung des Auslands abhänge.

Die Sorgen der Entwicklungsstaaten

Auch wenn die Pandemie und die Coronakrise die Industrieländer laut Weltbank um durchschnittlich sieben Prozent in die Rezession treiben wird, sollte es die Entwicklungsstaaten vermutlich härter treffen. Deren Bruttoinlandsprodukt könnte zwar „nur“ um 2,5 Prozent sinken, aber man braucht aus den verschiedensten Gründen ein höheres Wachstum als die „Developed Countries“, um wenigsten den mageren Mininimumstatus zu erhalten.

Die Coronakrise sorgt auch bei den Emerging Markets für Extreme. Laut Weltbank erleben die Entwicklungs- und Schwellenländer seit 60 Jahren zum ersten Mal eine gemeinsame Rezession. Mit voraussichtlich schlimmen Folgen, die Weltorganisation rechnet mit mindestens 60 Millionen Menschen, die in extreme Armut abgleiten sollten.

Dabei kommen derzeit gleich mehrere negative Entwicklungen zusammen. Der Zusammenbruch der internationalen Lieferketten, Rückgänge in der Rohstoffproduktion (insbesondere beim Öl), eine Kapitalflucht internationalen Geldes und jetzt sogar noch in manchen Regionen ein Anstieg der Corona-Infektionszahlen. Dies hat zu verschärften Lockdown-Maßnahmen geführt und die Abwärtsspirale in der Coronakrise weiter verstärkt.

Anders als in Deutschland, wo es gar nicht schnell genug gehen kann, mit den Lockerungen. Die Aprilzahlen verstärken einmal mehr den Druck auf die Politik.

Fazit

Der Lockdown hat Schlimmeres in vielen Ländern verhindert. Man konnte in dieser Zeit künftige Abwehrstrategien entwickeln – und muss aber feststellen, dass man Volkswirtschaften nicht über Monate schließen kann, ohne auf der anderen Seite gigantische Kollateralschäden zu erzeugen. Wie oft war von Millionen Hungertoten die Rede, vom juristisch stets zu prüfenden Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Kein weiterer Lockdown, lautet die Devise in vielen Ländern, selbst dort, wo die Pandemie noch richtig tobt (USA).

In Deutschland, einem Land mit einer schlussendlich (bisher) sehr effektiven Eindämmungsstrategie werden in den nächsten Wochen die wirtschaftlichen Schäden addiert und der Versuch gestartet die Wirtschaft auf das Niveau von vor der Coronakrise zu bringen. Unvollstellbare Summen werden zur Abmilderung von Covid-19 aufgebracht, um die Folgen abzumildern. Dabei hatte unser Shutdown in seiner strengen Form eigentlich nur vom 22. März bis Anfang Mai gedauert.

Die Coronakrise ist anders als andere Krisen zuvor



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1 Kommentar

  1. Ob sich im Zuge der finanziellen Unterstützung der Bundesregierung die Wirtschaft wieder erholt ist mehr als fraglich.
    Wenn man den aktuellen Wrtschaftsmeldungen glauben mag („Continental plant neue massive Entlassungswelle“ Quelle: DWN ) wird das noch ein langer Weg bis dahin.
    Aber Dank der endlosen Geldeschöpfung können wir nun unser Geld über die steigenden Aktienkurse verdienen.
    Man kann gar nicht verliehren!

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