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Coronakrise: Das schleichende Ende des Kapitalismus hat begonnen

Immer mehr Menschen werden als „Arbeitende“ faktisch überflüssig. Wichtig sind sie einzig und alleine noch als Konsumenten. So kommt der Sozialismus durch die Hintertür zurück

Markus Fugmann

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am

Die Coronakrise macht das Jahr 2020 zu einer Art Wendepunkt der Geschichte: es markiert das schleichende Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kannten! Faktisch haben wir jetzt bereits das, was als MMT (Modern Monetary Theory) bezeichnet wird: die Staaten schütten wie in den USA Helikoptergeld aus (und zwar so viel, dass mehr als zwei Drittel der arbeitslosen Amerikaner mehr Geld bekamen als zuvor mit einem, zwei oder drei Jobs, die sie zuvor ausübten). Andere Staaten wie Deutschland setzten die Insolvenzordnung ausser Kraft, angeblich natürlich vorübergehend – oder verlängern das Kurzarbeitergeld bis zum Jahr 2022 (oder dann schließlich bis zum Sankt Nimmerleinstag).

Natürlich helfen solche Maßnahmen, einen sofortigen wirtschaftlichen Kollaps durch die Coronakrise zu verhindern – aber sie sind letzlich der Anfang vom Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kannten. Denn das große Problem der derzeitigen Maßnahmen ist doch, dass ein Ausstieg aus diesen Maßnahmen kaum mehr möglich ist: der nächste Scheck muß kommen, sonst machen die vorherigen Schecks keinen Sinn, wenn die Arbeitslosigkeit weiter hoch ist (so in den USA). Die verlängerte Aussetzung der Pflicht zur Insolvenzanmeldung wie in Deutschland wiederum bedeutet, dass man einen Tsunami an Insolvenzen bekommt, sobald man die Insolvenzordnung wieder in Kraft setzt – was dann unzählige Firmen die Existenz kosten und viele Arbeitsplätze vernichten würde. Und wer will das schon, zumal wenn wir in Deutschland 2021 Wahlen vor der Tür stehen haben?

Also verlängert man die am Anfang als Ausnahme gedachten Maßnahmen immer weiter und macht sie zum Dauerzustand. Damit aber setzt man die Markt-Kräfte ausser Kraft: wenn Zombie-Firmen nicht mehr sterben, gibt es keine „kreative Zerstörung“, können also neue, produktive Firmen sich nicht mehr entfalten, weil die alten unproduktiven Firmen Kapital und Menschen an sich binden. Hans-Werner Sinn hat das auf den Punkt gebracht:

„Die schöpferische Zerstörung, die den Keim des neuen Aufschwungs legt, wird heute allerdings von den Zentralbanken der Welt verhindert, indem sie die Zinsen so tief und die Vermögenswerte durch den Kauf von Wertpapieren so hoch halten, dass die Blasen nicht mehr platzen, beziehungsweise wenn sie platzen, die vollständige Rückkehr der Vermögenswerte auf ihr Normalniveau verhindert wird. Zombie-Banken und mit ihnen ihre Zombie-Kunden aus der Realwirtschaft, also Einrichtungen, die eigentlich nicht mehr wettbewerbsfähig sind, werden so am Leben gehalten, verharren wie lebende Tote aktivitätslos in ihren Positionen und halten die Plätze besetzt, die nun eigentlich junge Unternehmer mit neuen Produkten einnehmen müssten. Eine harte Krise wird damit zwar vermieden, doch rutscht die Wirtschaft stattdessen in eine Dauerkrise.“

Coronakrise: Der Staat ersetzt den Markt

Und wie reagiert man auf die selbst verursachte Dauer-Krise? Richtig, mit neuen Krisen-Maßnahmen, die die Symptome der Krise bekämpfen, nicht aber deren Ursache. Letztlich werden also immer mehr Menschen alimentiert –  und zwar so, dass der Anreiz eine Arbeit aufzunehmen oder ein Unternehmen zu gründen, immer geringer wird.

Gleichzeitig werden auch die Investoren ausgebailt, indem die von ihnen eingegangenen Risiken praktisch übernommen bzw. garantiert werden: wer sich wundert, warum etwa die Aktienmärkte trotz Coronakrise neue Allzeithochs erreichen, muß wohl bedenken, dass die Notenbanken eben den Aktien-Investoren eine Art Garantie gegeben haben, dass sich ein solcher Abverkauf wie im März nicht mehr wiederholt. Wenn aber Investition kein echtes Risiko mehr ist, dann ist der Fehl-Allokation von Kapital keine Grenze mehr gesetzt. Fehlallokiertes Kapital wiederum macht Wachstum schwierig bis unmöglich, was dann wiederum die Notwenidgkeit neuer Krisen-Maßnahmen erhöht. Das ist ein Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt und geben kann.

Man spannt also wegen der Coronakrise überall Sicherheitsnetze – und finanziert diese Sicherheitsnetze über die Notenbanken. Die Bedeutung des Staates und seiner Organe wird für die Wirtschaft dabei immer größer, der Staat wird der dominante Player im Wirtschafts-Leben: er wird zum Beispiel eher früher als später die Mieten derjenigen bezahlen, die keine Einkommen mehr haben – und als Gegenleistung für diese garantierte Zahlung von den Vermietern eine Art Mietendeckel erzwingen – womit man dann von einem „Markt“ nicht mehr wirklich sprechen kann. Die zunehmende Bedeutung des Staates für die Wirtschaft geht also einher mit einer verringerten Bedeutung von Märkten als System von Angebot und Nachfrage.

Coronakrise: Der Sieg des Sozialismus über den Kapitaismus durch die Hintertür

Wie aber nennt man Wirtschaftssysteme, die keine echten Märkte haben? Sie sind jedenfalls eher sozialistisch als kapitalistisch. Man könnte also sagen, dass spätestens die Coronakrise den schleichenden Beginn des Ende des Kapitalismus (wie wir ihn kannten) eingeläutet hat. Es gibt also keinen größeren Treppenwitz der Geschichte als den späten Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus – während der westliche Kapitalismus triumphierend geglaubt hatte, den System-Feind mit Untergang der Sowjetunion besiegt zu haben. Jener Untergang der Sowjetunion war also nicht – wie Fukyama meinte – das „Ende der Geschichte„. Es war vielmehr das Ende der Sieges-Geschichte des Kapitalismus.

Die Coronakrise dient dabei nur als Katalysator für einen ohnehin dominanten Trend: die Entwertung von menschlicher Arbeit durch die Digitalisierung. Immer mehr Menschen werden als „Arbeitende“ faktisch überflüssig. Wichtig sind sie einzig und alleine noch als Konsumenten. Weswegen man sie ja auch mit staatlich ausgeschütteten Geld ausstatten muß, damit sie konsumieren können – sonst würde die Wirtschaft vollends kollabieren.

Gunnar Heinsohn hat erkannt, dass unser derzeitiges Notenbank-System starke Ähnlichkeiten mit der Notenbank der DDR aufweist. Die DDR wie auch der reale Sozialismus sind schließlich untergegangen, weil es mit dem scheinbar viel dynamischeren und effektiveren Kapitalismus eine überlegene System-Alternative zu geben schien. Nun aber zeigt sich spätestens durch die Coronakrise, dass diese Alternative nur solange funktionierte, als die kapitalistische Wirtschaft schneller wuchs als die Schulden – aber diese Zeit ist spätens seit der Finanzkrise vorbei und durch demografische Trends wohl auch unumkehrbar.

Fazit: „TINA“

Alle ziehen an einem Strang: überall auf der Welt betreibt man faktisch schon MMT, es gibt keine System-Alternative mehr. Wähler wie auch Gewählte wollen den eigentlich notwendigen Schmerz immer weiter in die Zukunft verschieben – das ist das Prinzip „TINA“ („there is no alternative“), das bereits an den Aktienmärkten vorherrscht. Insofern zeigen die Aktienmärkte dann also doch in der Coronakrise, wie unsere Zukunft aussehen wird!

Die Coronakrise markiert einen Wendepunkt des Kapitalismus

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    franko33

    2. September 2020 14:50 at 14:50

    Alternativlos ! Ein Begriff,schon lange von Frau Merkel genutzt.

    Kann man im Endeffekt nicht verstehen,daß die „östlichen Bundesländer“ sich so vehement
    der „Neuen Politik“ wiedersetzen ?

    Wir können einiges vom „Osten“ lernen.Beispielsweise auch: Warum entziehen sich Länder
    wie Ungarn/Polen etc von „dieser Art der Politik“ ?
    Selbstbestimmung = Unsolidarisch ? Wenn das keine Staatsform mehr aushält ist diese
    Staatsform für den Bürger gemacht ? (natürlich eine naive Frage)
    Mehr und mehr haben wir eine sozialistische Diktatur und wenn die Menschen wirklich
    irgendwann mehrheitlich auf die Straße gehen sollten, haben sie nichts mehr wofür sie kämpfen können.(Entrechtet + verarmt) Mann kann es mit einem stark fallenden Chart vergleichen:
    Selbst wenn Positionen ohne Absicherung da sein sollten,aus Angst mache ich lieber gar nichts / bin wie gelähmt und klammere mich an die Vergangenheit (die in der Form nie
    wieder kommen wird)

  2. Pingback: Die heutigen Meldungen (2.September 2020) sollte man kennen! | das-bewegt-die-welt.de

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    thinkSelf

    2. September 2020 16:58 at 16:58

    Sie haben ja Recht, Herr Fungmann. Trotzdem möchte ich ihren Titel anpassen. Es muss nicht heißen „Das schleichende Ende des Kapitalismus hat begonnen“, sondern „Die Abwicklung des Kapitalismus geht nun in die Schlussphase“. Eigentlich ist der nämlich schon in den 80er Jahren gestorben.

    • Avatar

      marco

      3. September 2020 07:37 at 07:37

      80er? Die USA waren Ende der 60er Pleite, weswegen ’71 vom Gold abgekoppelt wurde

  4. Avatar

    Besserwisser

    2. September 2020 19:41 at 19:41

    Und nun? Hab ich das nicht schon zu Beginn der Maßnahmen gesagt?
    Es war doch schon immer das Ziel. Wen wundert es noch? Und jedes mal empört man sich wieder darüber. Erst über die niedrigen Zinsen die (welch oh Wunder) nicht mehr angehoben werden. Dann über die Zombiefirmen und Banken. Über Preismanipulationen der Notenbanken am Goldmarkt… Und immer redet man sich den Crash herbei. Es wird aber keinen Crash geben. Im Sozialismus kann nur die Gesellschaft crashen. Und so lange der Magen voll ist, geht Niemand auf die Straße.
    Der Kapitalismus ist seit der Einführung der Notenbanken gestorben.

    Es geht doch schon lange nicht mehr um die Wahrheit, oder um etwas zu verhindern, es geht doch nur noch um Empörung. Der Deutsche Michel muss sich über jeden Scheiß aufregen können.

    Lieber Fugi, wenn du dieses System so scheiße findest, dann wandere doch einfach aus, anstatt dich scheinheilig jedes Mal aufs Neue dich über solche Banalitäten aufzuregen. Wen wundert denn bitte auch noch irgendetwas in Bezug auf dieses Thema? Wen?
    Lege bitte diese Naivität ab. Sie bringt Niemandem etwas. Es geht immer schlimmer und abartiger, als du hoffst. Du hast noch zu viel Hoffnung. aber leider ist all das geplant und ein abgekartetes Spiel. Das System ist kaputt, aber seine Elite will nicht die Kontrolle aufgeben. also baut man das System für den Machterhalt um…

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      ZEPP

      9. September 2020 07:53 at 07:53

      Genau, weil die Leute noch so naiv sind, durchschauen sie das Spiel nicht

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    Asmus Festersen

    2. September 2020 20:13 at 20:13

    Hallo Herr Fugmann,
    eine sehr gute Zusammenfassung!

    • Avatar

      Stressbolzen

      3. September 2020 10:47 at 10:47

      Auch mit leerem Magen bleiben die Leute zu Hause. Das Proletariat wir nie von sich aus revoltieren. Dazu braucht es Geld, Logistik und Waffen. Das kommt alles von den Reichen oder einer ausländischen Macht.
      Der Kapitalismus wird crashen sobald das Vertrauen weg ist. Aber auch hier, die unteren Schichten werden die oben einfach ignorieren und ein eigenes Ding durchziehen. Kartoffeln auf dem Balkon pflanzen, eine Tauschwährung einrichten und heute wahrscheinlich alle Telekommunikation abschalten. Brenzlig wird es erst, wenn die Reichen kein Vertrauen mehr haben, denn sie verlieren alles und nur sie haben ein Interesse dies gewaltsam zu verhindern.
      Allerdings ist die Elite auch keine heterogene Gruppe. Diese Verallgemeinerung ist zu simpel.

  6. Avatar

    Stressbolzen

    2. September 2020 21:18 at 21:18

    Der real existierende Sozialismus ist 1989 nicht kollabiert weil ihn die Menschen unerträglich fanden. Auch die Korruption und das wichtige Getue der oberen Funktionäre, man hat darüber gelacht oder den Kopf geschüttelt. Aber, das war egal. Was dem Kommunismus letztlich das Genick brach, war die Wirtschaft. Die Menschen konnten sich für ihr Geld nichts kaufen, der Lebensstandard blieb tief. Was sie kaufen konnte, hatte oft eine mindere Qualität.
    Eine subventionierte Wirtschaft wird denselben Effekt haben. Zwar ist in den Produkten gegenwärtig noch viel „bling-bling“ drin, aber der Effekt wird sich über die Zeit abflachen, die Innovation für Neues bleibt aus, die Menschen werden sich langweilen. Verstärkt wird dieser Effekt durch das endlose rumsitzen zu Hause. Ich kenne das persönlich, bin seit 18 Jahren arbeitslos und wenn man das nicht zu Beginn schon in den Griff nimmt, wird es das Leben aus einem raussaugen.
    Es wird sich über kurz oder lang auch die Frage stellen, ob man überhaupt noch arbeiten soll, denn die, die es nicht tun, sind ja nicht benachteiligt. Wenn aber nichts mehr produziert wird, was nutzt dann das schöne Geld? Mit Importen wird man es nicht richten können, denn die Währung wäre im Vergleich zu Währungen anderer Systeme wertlos. Selbst billigster Ramsch würde unerschwinglich.

    Auf dem Papier und in Zahlen mag die Rechnung aufgehen, aber nicht in der Realität.

  7. Avatar

    Sozialer Marktwirtschaftler

    2. September 2020 22:11 at 22:11

    Der Kapitalismus und die netten Märchen einer selbst-regulatorischen freien Wettbewerbsordnung haben sich doch bereits Jahrzehnte vor Corona in sich selbst ad absurdum geführt. Perfekt sichtbar am Beispiel Amerika. Wer finanzielle Mittel in Form von Kohle, Schotter, Kies, Flins, Öl, Gas, Cash, Gold oder Aktien besitzt, bestimmt die Schicksale ganzer Nationen.

    In free and great forever USA brach ein Viertel des gesamten nationalen Stromnetzes wegen eines Sonnenwindchens zusammen, nur weil ein einziges lokales schwaches Glied in der Technik-Kette ausgefallen war. Dort tröpfeln verbreitet krebserregende Substanzen aus den Wasserhähnen und sacken Eigenheime in sich zusammen, weil es in der Nähe was zu fracken gibt. Dort haben nicht die wirklich Begabten und Intelligenten Zugang zu den besten Universitäten, sondern die Zahlungskräftigen mit reichen Eltern oder die muskulös Talentiertesten im American Football, Scheibenschubsen auf dem Eis oder Körbchenwerfen mit schweren Bällen. Analoges gilt für das Gesundheitssystem. Sozial- und Wirtschaftsdarwinismus pur. Natur, Umwelt, Tierwelt und Klima gelten im besten darwinistischen Sinne nach wie vor als Feinde, die dem Homo finans im Wege stehen, obwohl sie doch untertan sein müssen.

    Die freie Wettbewerbsordnung schafft letztendlich nichts als wirtschaftlich-politischen Inzest, kartellartige Großkonzerne und die Konzentration von Macht und Herrschaft. Sie nivelliert Gewaltenteilung und konzentriert sich im Ergebnis als Selbstzweck auf sich selbst. Und scheut sich am Ende nicht einmal, sich selbst zu blamieren und ad absurdum zu führen, indem sie dem reinsten Ausdruck von Sozialismus Ausdruck verleiht: Nämlich nicht finanzierbare Steuergeschenke für die eine und Helikoptergeld für die andere Seite über die Gesellschaft zu ergießen.

    Und das in einem Ausmaß und Tempo, das selbst den legendären und unvergesslichen Mafio Droghi als kleinen Schulbuben verblassen lässt.

    • Avatar

      Stressbolzen

      9. September 2020 11:04 at 11:04

      Die selbst-regulatorische freie Wettbewerbsordnung würde schon funktionieren, so wie auch der Kommunismus funktionieren würde. Der Mensch kann diese Instrumente nur nicht sauber handhaben.

  8. Avatar

    susiklatt

    2. September 2020 22:14 at 22:14

    die Frage ist doch: wenn juckt es?
    Solange es den Menschen einigermaßen gut geht, man sich in seiner Komfortzone
    sicher fühlt, ist doch scheinbar alles Bestens.
    und der Staat sorgt für „brot und Spiele“

  9. Avatar

    Nicola

    2. September 2020 23:03 at 23:03

    Warscheinlich habe ich Anfang der 80iger, in der DDR doch dass richtige in Staatsbürgerkunde(8-10 Klasse) gelernt!? Stinkender,faulender Kapitalismus der enden muss(bei höheren Wohlstand als in der DDR).Klasse Analyse Markus, wie es weiter gehen könnte.Ich denke die letzten fast 40 Jahre ging es den Menschen im stink.faulenden Kapitalismus ziemlich gut.

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Sparquote explodiert – der deutsche Michel sorgt in der Krise vor!

Claudio Kummerfeld

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am

Stapel an Geldmünzen als Symbol für höhere Sparquote

Zur Sparquote kommen wir gleich noch. Aber erstmal eine Frage für Sie: Was macht man in Krisenzeiten, wenn extrem viel Unsicherheit herrscht? Das Konsumverhalten hat sich schon nachweislich geändert. Die Deutschen geben weniger für Bekleidung aus, dafür mehr für die Einrichtung ihrer vier Wände, was aktuelle Daten belegen. Aber wenn man nicht gerade arbeitslos geworden ist, und nun dank entfallender Events, Restaurantbesuche und Urlaubsbuchungen viel Geld übrig hat, was macht man? Während die Amerikaner wie die Geisteskranken seit Monaten ihr Geld in die Börse pumpen, macht der deutsche Michel was?

Ja, Sie haben richtig geraten. Der deutsche Michel pumpt sein Geld aufs Sparbuch – offensichtlich ist es egal, dass man real sogar Geld verliert. Gut, seit drei Monaten schwankt die Inflation in Deutschland an der Null-Linie und ist derzeit sogar negativ. Aber seit Jahren verzeichnen die Sparer bei Nullzinsen nach Abzug der Inflation reale Wertverluste. Nimmt man an, dass die Inflation wieder über die Null-Linie steigt, geht dieser Trend so weiter. Aber wie wir es schon mehrmals die letzten Jahre thematisiert hatten – was der Sparer am Zins verliert, gleicht er ganz einfach aus, in dem er Monat für Monat einfach mehr Geld zurücklegt!

Sparquote in Deutschland explodiert

Dieses Verhalten untermauert eine heute veröffentlichte Studie des Bundesverbands der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Die Sparquote, also der Anteil vom verfügbaren Einkommen der Bürger, der auf die hohe Kante gelegt wird, lag von 2015-2019 immer im Bereich zwischen 10,1 und 10,8 Prozent. Jetzt soll dieser Anteil (die Sparquote) in 2020 aber laut BVR auf 15 Prozent hochspringen! Was sich auf das gesamte Einkommen bezogen nicht nach viel anhört, ist aber mal eben ein Plus von grob gesagt 50 Prozent in der Sparquote bei den privaten Haushalten.

Laut dem Bankenverband sei dieser massive Anstieg des Sparens ist ein Corona-Sondereffekt. Ausgefallene Urlaubsreisen und verschobene Autokäufe würden nur allmählich nachgeholt. Auch in 2021 dürfte die Sparquote noch erhöht bleiben und erst danach wieder auf rund 11 Prozent zurückgehen, so der BVR. Und der Verband bestätigt unsere These, dass die Menschen bei ausbleibenden Zinsen einfach mehr Geld auf die Hohe Kante packen, als Ausgleich. Zitat BVR:

Die Sparquote sei in Deutschland im internationalen Vergleich in den vergangenen Jahren vergleichsweise hoch und stabil geblieben, so der BVR. Martin: „Die Sparkultur ist in Deutschland fest verankert.“ Die historisch niedrigen Zinsen senkten die Sparanreize, erhöhten aber wegen des fehlenden Zinseszinseffekts das für ein Vorsorgeziel nötige Sparvolumen. Ein nachlassendes Sparen war in den vergangenen Jahren allerdings bei Sparern mit niedrigen Einkommen festzustellen.

Der deutsche Michel bleibt Sparbuch-Liebhaber, und kann mit der Börse nach wie vor kaum etwas anfangen. Dies kann man aus den folgenden Aussagen des BVR herauslesen:

Die Deutschen seien bei der Geldanlage weiterhin risikoscheu. Dies zeigten die vorliegenden Zahlen zur Geldvermögensbildung der Bundesbank. Im Zeitraum vom zweiten Quartal 2019 bis zum ersten Quartal 2020 hätten die privaten Haushalte 282 Milliarden Euro neues Geldvermögen gebildet. Dieser Betrag ergebe sich im Wesentlichen aus dem Sparen zuzüglich der Netto-Kreditaufnahme und abzüglich der Sachinvestitionen, hauptsächlich in Form des Wohnungsbaus. Mit 49 Prozent sei fast die Hälfte der Geldvermögensbildung in Form von Bargeld und Bankeinlagen geflossen, sehr hoch liege mit 28 Prozent auch der Anteil des Versicherungssparens.

Der Anteil des Wertpapiersparens, wozu neben Investmentfonds, Aktien und an anderen Anteilsrechten auch Schuldverschreibungen zählen, habe bei 23 Prozent gelegen. Wertpapiere hätten als Anlageform zuletzt etwas an Bedeutung gewonnen, im internationalen Vergleich sei ihr Anteil aber ausbaufähig. Beispielsweise liege der Anteil der Wertpapieranlage in Schweden und Finnland bei rund 50 Prozent. Martin: „Mit einer stärkeren Geldanlage in Investmentfonds und Aktien können Sparer höhere Renditechancen bei überschaubaren Risiken erreichen, wenn grundlegende Anlageprinzipien eingehalten werden.“ Hierzu zählt eine breite Streuung der Investments, wie sie über Investmentfonds erreicht werden kann, eine langfristige Anlageperspektive und ausreichende Liquiditätspolster für den Fall unvorhergesehener Ausgabenotwendigkeiten.

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Einzelhandelsumsätze: Krise vorbei – nur Bekleidungsgeschäfte haben ein Problem

Claudio Kummerfeld

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Frau mit Einkaufstaschen

Erst vorgestern berichteten wir über das veränderte Konsumverhalten der Deutschen im Zuge der Coronakrise. Die Menschen würden den Rotstift zuerst bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck ansetzen. Und diese Erkenntnis, gewonnen aus Umfragedaten von Creditreform, erkennt man auch in den heute veröffentlichten Einzelhandelsumsätzen vom Statistischen Bundesamt für den Monat August. Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau sind demnach nämlich die Einzelhandelsumsätze in den Bereichen Textilien, Bekleidung, Schuhe, Lederwaren, sowie der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser) mit real -10,1 % und -2,5 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Aber abgesehen davon sind die gesamten Einzelhandelsumsätze im Vergleich zu Februar und auch im Jahresvergleich zu August 2019 inzwischen wieder höher! Damit kann man also sagen: Die Menschen konsumieren wieder mehr als vor der Krise, von daher ist die Konsum-Angst offenbar verflogen – nur das Konsumverhalten hat sich verschoben, zum Beispiel von Bekleidung hin zu Wohnungseinrichtung. Deutlich zugenommen hat auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem realen Plus von 8,1 Prozent.

Die gesamten Einzelhandelsumsätze sind im August im Jahresvergleich um 3,7 Prozent gestiegen (der August 2019 hatte sogar einen Verkaufstag mehr), und im Monatsvergleich um 3,1 Prozent. Hier weitere Details der Statistiker im Wortlaut:

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im August 2020 real 2,6 % und nominal 5,4 % mehr um als im August 2019. Dabei lag der Umsatz bei den Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten real 2,9 % und nominal 5,6 % über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 0,3 % und nominal 3,7 % mehr um. Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen die Umsätze im August 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 4,5 % und nominal um 5,4 %. Das größte Umsatzplus zum Vorjahresmonat mit real 23,0 % und nominal 24,4 % erzielte der Internet- und Versandhandel.

Grafik zeigt Details der Einzelhandelsumsätze im August

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Das ist die erfolgreichste deutsche Anlegerin – Werbung

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Lieber Börsianer,

vorgestern ist Beate Sander mit 82 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Hierzulande wurde sie bekannt als die „Börsen-Oma“, die in den 90er-Jahren völlig unbeleckt an die Börse startete und aus 60.000 DM weit über 2 Millionen Euro machte. Sie gilt zu Recht als die erfolgreichste Privatanlegerin Deutschlands.

Dabei war ihr der Börsenerfolg definitiv nicht in die Wiege gelegt. Sie wuchs in Rostock auf und hat im Arbeiter- und Bauernstaat sicherlich nicht viel über den freien Markt gelernt. Als Jugendliche kam sie nach Süddeutschland und schlug dort eine Laufbahn als Realschullehrerin ein.

Im Alter von 60 Jahren hat sie dann ihrem Leben eine Wende gegeben und wurde Börsianerin, ohne dabei ihre Aufgaben als Pädagogin zu vernachlässigen. Ich wiederhole mich, ihrem Sohn hinterlässt sie nun ein Depotvermögen von weit über 2 Millionen Euro. Daneben setzte sie sich erfolgreich für die Aktienkultur in Deutschland ein, schrieb einige Börsenratgeber und verfasste regelmäßig Börsen-Kolumnen etwa in der Bild-Zeitung.

Ihre Erfolgsformel: Kaufen, wenn die Welt vermeintlich untergeht

Was war ihr Erfolgsrezept? Frau Sander pflegte einen offensiven Anlagestil und war in besonderem Maße an Technologie und Innovation interessiert. Gewissermaßen war das Silicon Valley ihre zweite Heimat. Daneben zeichnete sie sich durch einen streng antizyklischen Ansatz aus. So nutzte sie die Finanzkrise bzw. den Börsen-Crash von 2008, um ihr Depot nochmals auszubauen. Sie hat damals, als viele Anleger…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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