Folgen Sie uns

Allgemein

Coronakrise: Das Verhalten der EZB anhand der Spieltheorie

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Coronakrise hält für die Notenbanken extreme Herausforderungen bereit – auch und vor allem für die EZB, die einen sehr heterogenen Raum mit einer Währung zusammen halten muß. Die europäische Notenbank ist seit Jahren in einer kaum lösbaren Situation: sie setzt einen Leitzins, der gleichsam für starke wie auch für schwache Länder gilt – und damit eigentlich keinem Land wirklich entspricht. Während Deutschland nach Anfangsschwierigkeiten mit dem Euro ein großer Profiteur der schwachen Gemeinschaftswährung ist, aber eigentlich einen viel höheren Leitzins in den letzten Jahren hätte vertragen können, gilt für Länder wie Grichenland oder Italien das Gegenteil: sie können im Grunde nur durch die Nullzinspolitik der EZB überleben. Auch und gerade in der Coronakrise.

Wie aber ist das derzeitige Verhalten der EZB in der Coronakrise aus spieltheoretischer Sicht zu beurteilen? Was bedeutet Spieltheorie?

„Ein Spiel im Sinne der Spieltheorie ist eine Entscheidungssituation mit mehreren Beteiligten, die sich mit ihren Entscheidungen gegenseitig beeinflussen. Im Unterschied zur klassischen Entscheidungstheorie modelliert diese Theorie also Situationen, in denen der Erfolg des Einzelnen nicht nur vom eigenen Handeln, sondern auch von dem anderer abhängt (interdependente Entscheidungssituation).“

Dazu äussert sich Prof. Dr. Christian Rieck von der Frankfurt University of Applied Sciences. Er warnt vor der durch die EZB ermöglichte Sucht nach billigem Geld, die nun in der Coronakrise noch radikaler ausgelebt wird.

In der Coronakrise greift die EZB nun zu verheerenden Maßnahmen, die Dirk Schuhmanns in seinem Artikel „Die EZB akzeptiert bald auch IHREN Hund als Kreditsicherheit!“ als „perpetuum mobile der Geldschöpfung“ bezeichnet hat:

„Weiter gehts damit, dass die Zentralbanken des Eurosystems ab sofort auch staatlich garantierte Krisenkredite an Selbständige und Verbraucher als Kreditsicherheit akzeptieren dürfen. Also die Kredite, bei denen manche schon über Ausfallraten von 50% spekulieren. Da die Kredite staatlich garantiert wurden, müssten sich die Staaten neues Geld über Anleihen beschaffen, die die EZB natürlich postwendend über ihr Anleihekaufprogramm aufkauft. Also ein perpetuum mobile der Geldschöpfung: Die Banken geben Kredite ohne größere Bonitätsprüfung an Selbständige und Verbraucher aus, die sie bei der EZB bzw. als Zentralbank als Sicherheit hinterlegen dürfen, um zusätzliches Geld zu bekommen. Sollten die Kredite platzen, dann kauft die EZB selbst die Anleihen, die herausgegeben werden müssen, um die bei der EZB als Sicherheit hinterlegten Kredite zu tilgen.“

Aber hören wir dazu die interessanten Einschätzungen von Christian Rieck:

Die EZB in der Coronakrise anhand der Spieltheorie

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Incamas SRL- Asuncion / Paraguay

    18. April 2020 14:10 at 14:10

    Würde die EZB Hühnermist zu festen Preisen ankaufen, würde es als Abfallprodukt Eier geben. Es würde also bei Eiern zu einer Deflation kommen. Was kommt beim Ankauf von Coronabonds für ein Abfallprodukt ?

  2. Avatar

    Marco Polanzke

    18. April 2020 17:25 at 17:25

    „Während Deutschland nach Anfangsschwierigkeiten mit dem Euro ein großer Profiteur der schwachen Gemeinschaftswährung ist…“
    Soso, Sie meinen wohl die Deutsche Industrie provitiert. Der Deutsche Bürger provitiert nämlich genau 0,0 vom Euro. Das was die deutsche Industrie in Europa mehr erwirtschaftet wird mit Krediten bezahlt, welche die deutschen in 500 Jahren oder sagen wir gleich niemehr zurückbezahlt bekommen. So dämlich und für nix arbeiten sind nur die Deutschen und bekommen dann noch von Euro-Fanboys eingeredet, sie wären die großen Eurogewinner. So dämlich sind nur die Deutschen und lassen sich die Verarschung von ihrem Laienkasperletheater in Berlin, die von nix Ahnung haben, wie geduldige Muliesel gefallen.

  3. Avatar

    Neo mit der roten Kapsel

    19. April 2020 18:12 at 18:12

    Apropos Spieltheorie: Boris Johnson hat in der Virus-Epidemie seine ganz persönlichen Schicksalswochen erlebt. Auf der Intensivstation des Londoner St. Thomas-Krankenhauses kämpfte der britische Premierminister gegen das Corona-Virus um sein Leben. „Das britische Gesundheitswesen hat ohne Frage mein Leben gerettet“, sagte der sichtlich ergriffene Ministerpräsident nach seiner Entlassung am Osterwochenende per Videobotschaft.

    Leider hat er vergessen zu erwähnen, dass ihm alleine persönlich der beste Lungenarzt des Landes, die besten Spezialisten, die besten Kliniken zur Seite standen. Und wegen ihm ein paar Handvoll unbedeutenderer Bürger sterben mussten. Prioritäten setzen, Collateral Damage akzeptieren, zum Wohle der All-Gemeinheit.

    Mitten in dieser größten Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte will Boris Johnson die Beziehungen zur EU, dem wichtigstem Handelspartner Großbritanniens, völlig neu verhandeln. Niemand, der bei klarem Verstand ist, würde auf die Idee kommen, ausgerechnet in einer Jahrhundertepidemie neue Hürden für den Handel zu errichten, wenn Lieferketten ohnehin zusammenbrechen. Niemand würde riskieren wollen, weitere Unsicherheit für Unternehmen zu erzeugen, wenn sie sowieso schon vor der Zukunft zittern. Doch genau das ist der Plan des Premierministers.

    Die angelsächsischen Blondies weltweit sind wieder aktiv, back again, great again, open-ass-again.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

Avatar

Veröffentlicht

am

Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

weiterlesen

Allgemein

Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

weiterlesen

Allgemein

Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen