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Coronakrise: Der notwendige V-Optimismus des Peter Altmaier

Claudio Kummerfeld

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Psychologie ist wichtig, vor allem in Krisenzeiten. Was wäre gestern passiert, wenn Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier verkündet hätte, dass es zwar aufwärts geht, dass aber zahlreiche Probleme im Hintergrund schlummern, und dass die Coronakrise die Wirtschaft stark beeinträchtige, dass viele Menschen sich auf ganz harte Zeiten einstellen müssten usw? Na, was wäre dann? Der deutsche Michel hätte gestern Abend in der Tagesschau diese Botschaft vernommen. Und nach solchen Worten würde die Neigung, ein neues Auto zu kaufen, eine Reise zu buchen, neue Klamotten zu kaufen, deutlich sinken. Der Bürger würde mehr als ohnehin schon sein Geld zusammenhalten, und schauen ob sich die Zeiten wieder bessern. Diese Zurückhaltung würde die Wirtschaft noch mehr lähmen.

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By the way. Dass die jüngste Mehrwertsteuersenkung (wirksam seit 1. Juli) verpufft ist, sieht man an den rückläufigen Einzelhandelsumsätzen, mit minus 0,9 Prozent von Juni auf Juli. Aber zurück zur Psychologie. Damit die Volkswirtschaft möglichst gut durch die Krise kommt, braucht es Optimismus. Dazu muss man erst mal möglichst viele negative Aspekte ausblenden, und jede Menge Optimismus versprühen nach dem Motto „Alles wird gut, wir haben das im Griff, wird schon werden“.

Peter Altmaier verbreitet gute Laune

Und so kam es dann gestern, dass Peter Altmaier selbst titelte, dass die Rezession weniger stark sei als befürchtet, und dass der Aufschwung schneller laufe als erwartet. Über sein Ministerium verkünden ließ er die Headline „Interimsprojektion der Bundesregierung: Deutliche Erholung nach historischem Einbruch“. Natürlich soll das Foto von Peter Altmaier mit dem V-Chart eine Wirkung erzielen. Der Chart, der auch von der „Welt“ auf ihrer Titelseite abgedruckt wurde, suggeriert: Es gab einen schnellen Absturz, aber jetzt kommen wir auch schnell wieder raus aus dem Loch – alles wird gut. Hier auszugsweise einige Aussagen vom Bundeswirtschaftsministerium:

Der Aufholprozess der Wirtschaft nach dem Lockdown im Frühjahr hat eingesetzt und unterstreicht die Stärke und Widerstandskraft der Unternehmen in Deutschland und die hohe Leistungsbereitschaft Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Er zeigt auch, dass der beispielslose Schutzschirm, den die Bundesregierung aufgespannt hat und das auf den Weg gebrachte Konjunkturpaket – beides mit einem Gesamtvolumen von über 1 Billion Euro – bei den Menschen und Unternehmen ankommen und klare Impulse gegeben, um die Wirtschaft wieder auf einen Wachstumspfad zurückzubringen.

Für das dritte Quartal des laufenden Jahres erwarten wir ein deutliches Wirtschaftswachstum. Die Stimmung in den Unternehmen war zuletzt wieder überwiegend positiv und die Geschäftserwartungen sogar besser als vor der Corona-Krise. Auch der Arbeitsmarkt sendet erste positive Signale.

Der Tiefpunkt der Rezession wurde aber bereits im Mai durchschritten. Die Monatsindikatoren zeigen seitdem deutliche Erholungstendenzen. Für das kommende Jahr wird angesichts des sich abzeichnenden Aufholprozesses ein Plus von 4,4 % erwartet.

Die Bundesregierung geht in ihrer Projektion davon aus, dass es nicht noch einmal zu solch weitreichenden Maßnahmen zur Beschränkung der sozialen Kontakte im öffentlichen Raum zum Schutz von Gesundheit und Leben kommen muss wie in der zweiten Hälfte des März und im April.

Probleme der Coronakrise ausgeblendet

Blenden Peter Altmaier, Olaf Scholz und Co zahlreiche Probleme der Coronakrise aus? Oder, was noch weitaus schlimmer wäre – sind ihnen diese Probleme gar nicht bewusst? Schaut man auf Wirecard, G20, CumEx etc, dann könnte die zweite Option durchaus denkbar sein! Selbst Deutsche Bank-Chef Christian Sewing warnt heute höchstpersönlich, dass es gravierende Auswirkungen hätte, falls jedes sechste Unternehmen durch Rettungsgelder und faktisch ausgesetzte Insolvenzmeldungen ein Zombie werden würde.

Frage unsererseits: Ist es nicht schon längst soweit? Durch die Aussetzung der Insolvenzanmeldungspflicht und die Genehmigung, dass Banken ausgefallene Kredite nicht als solche deklarieren und abschreiben müssen, entsteht eine Art gigantisches schwarzes Loch, von dem man erst weiß wie schwarz und wie tief es ist, wenn der große Knall stattfindet. Vorher kann man es nicht sehen, weil der Staat den schwarzen Vorhang gezogen hat vor die Themenbereiche Insolvenzen und Kreditausfälle. Diese Grundproblematik des immer weiter ansteigenden Problembergs wird von der Politik gänzlich ausgeblendet. Wie gesagt, aus psychologischer Sicht scheint das gut nachvollziehbar zu sein. Denn nur der optimistische Konsument kauft auch Autos, Fernseher und Kino-Tickets.

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Peter Altmaier schwärmt davon, dass Billionenbeträge vom Staat aufgewendet würden für die Rettung von Unternehmen in der Coronakrise. Das mag auch sein. Aber wie jüngst Berichte zeigen, kommt zum Beispiel das milliardenschwere Rettungspaket der Bundesregierung für kleinere und mittlere Unternehmen kaum bis gar nicht bei den Betroffenen an. Nur ein Prozent (als Zahl: 1) der eingeplanten Mittel von insgesamt 24,6 Milliarden Euro seien bisher an notleidende Unternehmen ausbezahlt worden. Die Bürokratie erstickt zunehmend alles? Will die Politik jetzt lieber drei Mal hingucken, wo es bei den Corona-Soforthilfen zu desaströsen „Geldgeschenken“ für Kriminelle kam, die sich einfach bedienten?

Dass die Zahl der Insolvenzen in der Coronakrise sogar rückläufig ist, ist ein dramatisches Warnsignal. Eine Rezession, wie es sie seit Jahrzehnten nicht mehr gab, und die Insolvenzen gehen sogar zurück? Selbst die staatlichen Statistiker verweisen darauf, dass dies maßgeblich an der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht liegt. Aber der Bund hat diese Aussetzung ja gerade erst bis Ende des Jahres verlängert. Also ist das Problem verschoben – aber nicht aufgehoben. Nein, es wird immer größer, und bleibt dabei unsichtbar.

Zahlreiche Alarmzeichen in der Coronakrise

Tja, erholt sich die Wirtschaft gerade mit voller Kraft aus der Coronakrise, wie Peter Altmaier es wohl sagen würde? Oder sind wir mitten in der wirtschaftlichen Coronakrise? Erst gestern hörte man vom Giganten unter den Autozulieferern Continental mal eben so, dass nochmal 30.000 Stellen abgebaut werden müssen, davon 13.000 in Deutschland. Deutschlands großer Kreditversicherer Euler Hermes will laut Informationen des „Finance Magazin“ zahllosen Unternehmen mit schwacher Bonität zum Jahresende die Warenkreditversicherung entziehen. Am Factoring-Markt sollen bereits sämtliche Alarmglocken klingeln.

Solo-Selbstständige, die von der Coronakrise betroffen sind, werden freundlich darum gebeten doch Hartz4 zu beantragen. Für hunderttausende Veranstaltungstechniker, Musiker, Künstler uvm gibt es keine Rettungsgelder, sondern nur das trockene Brot. Fröhlich konsumieren kann diese Personengruppe auf absehbare Zeit gar nichts. Jüngst warnte ein Experte, dass viele Selbständige spätestens im Herbst wohl ihr Geschäft aufgeben müssen (mehr dazu hier).

Was passiert im großen Bild? Lesen Sie dazu beim Klick an dieser Stelle eine aktuelle Veröffentlichung von Markus Fugmann mit dem Titel „Das schleichende Ende des Kapitalismus hat begonnen“. Und beim Klick an dieser Stelle finden Sie die aktuellsten Äußerungen von Markus Krall zu den Themen Coronakrise, Aktienmarkt-Hausse, Inflation, Geld und Gold. Hochinteressant!

Peter Altmaier im Jahr 2019
Peter Altmaier. Foto: Olaf Kosinsky CC BY-SA 3.0 de

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    asisi1

    3. September 2020 11:35 at 11:35

    Um gute Laune zu verbreiten, da sollte man nicht so einen hässlichen Kerl einsetzen, besser wäre es mit Models!

    • Avatar

      Scheer

      3. September 2020 14:35 at 14:35

      Volle Zustimmung!
      Dann hat wenigstens das Auge was

      • Avatar

        Scheer

        3. September 2020 15:42 at 15:42

        Mit einem novitiatus erectio soll die Welt untergehen. Ich liebe diesen Humor

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Rüdiger Born: Was der Markt bei Gold noch benötigt für einen Long-Einstieg

Rüdiger Born

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Coronakrise vorbei? So stark verlieren die „kleinen“ Leute in den USA

Claudio Kummerfeld

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Verrammelte Einzelhandelsgeschäfte

Ist die Coronakrise überstanden? Die ersten Corona-Impfungen könnten schon in den nächsten Tagen erfolgen. Und außerdem, der Dow Jones steht bei 30.000 Punkten, während er vor Ausbruch der Coronakrise noch bei 29.300 Punkten im Januar lag. Auch der S&P 500 Index und vor allem der Nasdaq notieren deutlich höher als im Januar. Klarer kann die Börse doch nicht signalisieren, dass die Krise überwunden ist. Richtig? Nun ja. Schauen wir uns mal folgende Charts an. Sie sind Teil einer Datenbank, welche unter anderem von der Harvard University betrieben wird.

Geringverdiener in den USA verlieren in der Coronakrise brutal, Besserverdiener legen sogar zu

Anhand unzähliger Daten werden möglichst aktuell ökonomische Verläufe in den USA angezeigt, aus denen man den Verlauf der wirtschaftlichen Erholung aus der Coronakrise in diesem Jahr erkennen kann. Da wäre zum einen folgende Grafik interessant, wenn es um die Beschäftigung geht. Sie zeigt die Beschäftigungsquoten in den USA von Januar bis Ende September. Für die Besserverdiener mit mehr als 60.000 Dollar Jahresgehalt ist die Beschäftigungsquote seitdem sogar um 0,2 Prozent gestiegen. Man darf vermuten: Jede Menge neue Jobs für Webseitenprogrammierer, Cloud-Experten uvm. Alles was eben in der Coronakrise vermehrt gefragt ist. Die Beschäftigung in der Mittelschicht (27.000-60.000 Dollar) hat um 4,7 Prozent abgenommen.

Und jetzt kommt´s. Die Geringverdiener mit weniger als 27.000 Dollar Jahresgehalt hat eine um 19,2 Prozent sinkende Beschäftigungsquote in den USA. Es ist klar. Gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab es für eine große Masse gering- oder gar nicht qualifizierter Menschen (bisher) massenweise Jobs in der Gastronomie oder im Entertainment-Bereich (Restaurants, Bars, Freizeitparks etc). Und gerade diese Bereiche leiden under Lockdowns in der Coronakrise (siehe jüngst Walt Disney mit zehntausenden Entlassungen in Freizeitparks). Die kleinen Leute verlieren in der Coronakrise massiv, die gut Qualifizierten sind unterm Strich die Gewinner. Die drei Linien zeigen die Verläufe der jeweiligen Beschäftigungsquoten seit Januar.

Chart zeigt Beschäftigungsquoten in den USA

Fast 30 Prozent der kleinen Geschäfte seit Januar geschlossen

Die folgende Grafik zeigt zum aktuellsten Stichtag 16. November mit Verlauf über das Jahr hinweg, wie viele kleine Unternehmen im Vergleich zu Januar noch geöffnet sind. Landesweit sind es in den USA derzeit 28,9 Prozent weniger, und die Tendenz ist negativ. Im derzeit zweiten Lockdown gibt es dank der Streitigkeiten zwischen Republikanern und Demokraten in den letzten Monaten keine neuen Hilfspakete. Kann Joe Biden ab dem 20. Januar als neuer US-Präsident einiges bewegen mit neuen Billionen-Hilfsprogrammen? Kann die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen als neue Finanzministerin womöglich bei den Republikanern im US-Kongress etwas herausschlagen für neue Hilfsprogramme? Die sogenannte Unterschicht und kleine Geschäftsinhaber drohen völlig abzustürzen und auch nach der Coronakrise zu den großen Verlierern zu gehören. Langfristig dürfte die Massenarmut in den USA wohl massiv zunehmen.

Chart zeigt Verlauf der geöffneten kleinen Geschäfte in den USA

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Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

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Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

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