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Coronakrise: Der Weg Deutschlands durch die Krise

Wolfgang Müller

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Die viertgrößte Wirtschaftsnation steht derzeit in vielerlei Hinsicht im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit: Die Erfolge bei der Eindämmung in der Pandemie, die Rolle in den EU-Verhandlungen, der im Verhältnis zu anderen Staaten geringere Wirtschafteinbruch in der Coronakrise sowie die niedrigen Arbeitslosenzahlen durch das Rezept der Kurzarbeit. Kann dies so bleiben? Dazu ein paar Fakten.

Der deutsche Arbeitmarkt in der Coronakrise

Die deutsche Arbeitslosenrate steigt. Von 2,34 Millionen im März auf 2,85 Millionen im Juni. Was im Vergleich zu anderen Ländern wie eine Petitesse aussieht, erscheint unter einem anderen Blickwinkel, wenn man die Kurzarbeiter hinzuzählt, die nach amerikanischer Lesart zu den Arbeitslosen addiert werden müssten. Die Entwicklung:

März/April: 10,7 Millionen
Mai: 7,3 Millionen
Juni: 6,7 Millionen

Interessant ist auch der Anteil der Kurzarbeiter aufgeschlüsselt nach Branchen (Quelle: Bundesagentur für Arbeit):

Gewerbe: 7,0 Mio Beschäftigte – 2,31 Mio, oder 33,1 Prozent
Dienstleistungen: 9,94 Mio – 2,199 Mio, oder 22,1 Prozent
Handel: 4,492 Mio – 0,963 Mio, oder 21,4 Prozent
Bau: 0,527 Mio – 17.189, oder 3,3 Prozent
Sonstige: 11,439 Mio – 1,227 Mio, oder 10,7 Prozent

Kein Wunder also, dass es immer noch so schwer ist, einen Handwerker zu bekommen. Würde man diese knapp sieben Millionen Kurzarbeiter zu den 2,85 Millionen Arbeitslosen addieren, käme man natürlich auf eine ganz andere Statistik. Für das ganze Jahr rechnet man allerdings mit einer Zahl von durchschnittlich „nur“ 2,2 Millionen Kurzarbeitern. Das System der Kurzarbeit hat sich bereits in der Finanzkrise bewährt und viele Firmen gerettet, vor allem wenn eine Krise rasch überwunden werden kann.

Dabei wird ein substanzielles Problem verdeckt, welches sich schon längere Zeit aufgebaut und durch eine „Notgesetzgebung“ der Bundesregierung verzögert hat.

Die drohende Pleitewelle

Durch die Hilfen in der Coronakrise wird überdeckt, dass tausende Unternehmen eigentlich pleite sind. Deshalb wird auch schon fast gebetsmühlenartig vor der größten Insolvenzwelle seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland gewarnt.

Laut den Prognosen des Kreditversicherers Euler Hermes, einem Spezialisten für Solvenzbewertung, soll eine drastische Pleitewelle auf die deutsche Wirtschaft zukommen. Allerdings steht es um die heimische Ökonomie einmal mehr besser, als es in vielen anderen Staaten der Fall ist. Euler Hermes geht im nächsten Jahr von einem Anstieg der globalen Insolvenzen aufgrund der Coronakrise um mehr als ein Drittel im Vergleich zu 2019 aus. Für Deutschland rechnen die Experten damit, dass die Zahl der Pleiten bis Ende 2021 um 12 Prozent auf etwa 21 000 Fälle zunehmen wird.

Nach einer globalen Insolvenzstatistik könnten in den USA 2021 nicht weniger als 57 Prozent der Firmen aufgrund der Coronakrise Insolvenz anmelden. Damit liegen die USA einsam an der Spitze des Rankings, der internationale Durchschnitt beträgt 35 Prozent – und auch hier liegt Deutschland mit 12 Prozent am Ende der Tabelle, aber im positiven Sinne.

Skeptischer ist das Ifo-Institut, das nach einer Umfrage von Anfang Juli sogar jedes fünfte deutsche Unternehmen in Existenznot sieht. Noch liegt die Zahl der Insolvenzen niedriger als im Vorjahr, das staatliche (Ausnahme)Insolvenzrecht macht es möglich. Aber die Schäden durch den Lockdown sind für manche Unternehmen schon irreparabel.

Die Liste der betroffenen Unternehmen ist lang, betroffen sind vor allem Firmen aus Branchen, die schon länger unter Druck sind: Luftfahrt, Kaufhaus- und Modeketten, die seit Jahren mit geringen Margen, hohem Wettbewerb und Strukturwandel kämpfen. Automobilzulieferer und natürlichGastronomie und Tourismus, denen im Lockdown die Umsätze weggebrochen sind.

Tickende Zeitbomben

Die Pleitewelle kommt mit einem ziemlichen Zeitverzug, bedingt durch Staatshilfen und der Kurzarbeit. Und: Die Regierung hatte im März, zeitgleich mit dem Lockdown, die Pflicht zum Insolvenzantrag aufgehoben. Ansonsten müssten überschuldete oder zahlungsunfähige Firma binnen drei Wochen Insolvenz beantragt haben. Kommt jetzt in gut acht Wochen ein kleiner Insolvenz-Tsunami?

Eine Möglichkeit dagegen wäre, dass die Bundesregierung diese Verpflichtung über den 30. September hinaus verlängert. Darüber hat man im Bundesjustizministerium bereits nachgedacht und werde „eine zeitgerechte Entscheidung“ fällen. Die aktuelle Ausnahmeregel hat dazu geführt, dass sich trotz Coronakrise die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr um 8,2 Prozent auf 8900 Fälle im Jahresvergleich verringert hat. Ein Stau, der im Widerspruch zur realwirtschaftlichen Situation steht, der aber aufgelöst werden muss.

Da wären wir beim Thema Zombifizierung der Unternehmenslandschaft.

Inzwischen haben über 75.000 Firmen und Selbstständige bei der staatlichen Förderbank KfW Kreditanträge im Volumen von gut 50 Milliarden Euro gestellt – fast 73.000 wurden bereits genehmigt. Es sollen nur solche Firmen Hilfskredite erhalten, die nachweislich erst wegen der Coronakrise in Schwierigkeiten geraten sind. Dies verlangt eine EU-Auflage.

Man will verhindern, dass „Zombies“ am Leben erhalten werden. Denn laut Euler Hermes gibt es in der EU-Zone schon 13.000 Firmen mit Umsätzen von einer halben Billion Euro, die unter diese Kategorie fallen.

Coronakrise und die kalte Jahreszeit – die bedrohte Gastronomie

Wem ist es nicht aufgefallen, wie viele Gastbetriebe in der warmen Jahreszeit ihre Flächen erweitert haben, selbst auf Parkplätzen stehen plötzlich Tische und Stühle? Damit könnte es in ein paar Wochen zügig vorbei sein. Allerdings ist diese Maßnahme nur ein Teilersatz für entfallene Umsötze, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts nahelegen.

Im Mai lag der Umsatz der Gastronomie um 54,6 Prozent unter dem Vorjahresmonat. Derzeit sei die Lage laut Ingrid Hartges, der Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga zweigeteilt: „Gastronomie in Feriengebieten und mit großen Terrassen erzielen bis zu 80 Prozent ihrer alten Umsätze. Kleine Restaurants und Kneipen kommen gerade mal auf 30 bis 40 Prozent“. Thema ist weiterhin das Abstandsgebot und die damit verbundenen Ausnahmefälle.

Noch im Juni sahen sich laut einer Umfrage des Ifo-Instituts zwei Drittel der Gastronomen in Gefahr, ein Drittel könnte aufgeben müssen. Ein Grund dafür seien auch viele Stundungen von Miet- oder etwa Stromzahlungen, die nachgeholt werden müssen.

Fazit

Momentan ist noch das große Thema für die Politik, wie auch für die Virologen – die Urlaubszeit mit der möglichen Ausbreitung des Virus bei der Völkerwanderung der Touristen. Aber eigentlich besteht die große Sorge der Gesundheitsbehörden vor einer zweiten Welle in der kalten Jahreszeit –  wenn man sich mehr in geschlossenen Räumen aufhält, mit entsprechend geringerem Luftaustausch. Damit beginnt auch wieder das Zittern vieler Indoor-Branchen, wie der Gastronomie.

Insgesamt stellt sich während der Pandemie die Frage: Wie lange kann der Staat Unternehmen vor einer Pleite schützen, wie differenzieren zwischen Coronaopfern und Betrieben, die auch ohne das Virusgeschehen kaum überlebt hätten? Sehr kritische Gedanken hat einmal mehr Professor Sinn, der langjährige Chef des Ifo-Instituts: Es sei nun einmal schwierig, den goldenen Mittelweg zu finden zwischen „wir retten jeden und wir retten niemanden“. Er befürchtet, dass der Staat inzwischen des Guten zu viel getan habe in der Coronakrise.

Der Herbst wird nicht nur für die USA eine spannende Periode..

Deutschland und seine Wirtschaft hält sich in der Coronakrise im Vergleich zu vielen anderen Ländern besser

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    Scheer

    29. Juli 2020 10:27 at 10:27

    Zitat: „Eine Möglichkeit dagegen wäre, dass die Bundesregierung diese Verpflichtung über den 30. September hinaus verlängert.“
    Genau damit rechne ich ebenfalls, die Bundesregierung kann sich eine höhere Arbeitslosenquote nicht leisten. Da ist schnell mal der Unmut auf den Straßen und diesen zu bändigen wird viel schwieriger werden.
    Daher agiert die Bundesregierung nach dem Schma des geringsten Widerstands. Die Kurzarbeitszeitunterstützung wird verlängert und die Notenbanken werden angewiesen noch mehr Geld zu schöpfen. Das kann so lange funktionieren – bis der große Knall kommt.

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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am

Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Aktien

Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

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