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Coronakrise: Die große Kluft zwischen Fernost und West

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Allzu verwunderlich ist in der Coronakrise die divergente Entwicklung der Wirtschaftszahlen und Aktienmärkte in Asien und in Europa/Amerika nicht: schließlich ist das Coronavirus schon Ende November 2019 in China aufgetaucht, ab Januar wurden die extrem restriktiven Maßnahmen in Wuhan eingeleitet und nach erfolgreicher Eindämmung Im März langsam wieder aufgehoben. Auch das Wirtschaftsleben nimmt wieder Fahrt auf. Unbestritten ist die von der Luft aus zu beobachtende Zunahme des Verkehrs oder auch die Tatsache, dass Volkswagen in allen seinen 23 Werken in China die Produktion wieder aufgenommen hat. Die Pandemie um SARS-CoV-2 hatte sich von Ost nach West schrittweise entwickelt, ebenso müsste es auch mit der wirtschaftlichen Entwicklung geschehen.

Coronakrise: Die Signale der wirtschaftlichen Erholung

Als am 1. April der chinesische Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe für den Monat März auf 52 Punkte von vorher 35,7 Punkten gestiegen war, sorgte dies in den westlichen Staaten für manches Kopfschütteln. Aber solche Zahlen sind eben der Finanzmathematik geschuldet. Wenn ein auf kurzer Basis berechneter Indikator um 30 Prozent gefallen ist, so muss er schon um 45 Prozent steigen, um seinen Ausgangswert wieder zu erreichen. Derartige Kapriolen dürfte es in der historisch einmaligen Phase des wirtschaftlichen Shutdowns in Bälde des Öfteren zu sehen geben.

Desto tiefer die Rezession wegen der Coronakrise ausfallen wird, desto extremer werden einige Unterindikatoren aussehen – und umso heftiger werden die ersten Erholungen erscheinen. Selbiges gilt auch für die Aktienmärkte, wie wir es derzeit erleben dürfen. Diese Konstellation erinnert mich an den Jahrhundertcrash im Dax von 2000 bis 2003. Im Zuge der Jahrhundert-Baisse markierte der Dax am 12. März 2003 mit 2202 Punkten ein neues Achtjahrestief und hatte damit 73 Prozent seines Wertes verloren. Bereits nach gut drei Monaten stand er beim Indexstand von 3304 Punkten 50 Prozent höher, knapp sieben Monate darauf lag er bereits wieder bei über 4000 Punkten – ein Plus von über 80 Prozent.

Und man hatte noch nicht einmal ganz die Hälfte des Standes des Jahres 2000 erreicht.

Was die Aktienmärkte allgemein gestern nach der sensationelle Osterwoche mit Anstiegen um 10 Prozent in den Indizes ein weiteres Mal befeuert hat, waren Daten aus China, die den Glauben an eine rasche wirtschaftliche Erholung bestärkt haben. Chinas Handel war wider Erwarten im März deutlich weniger geschrumpft, als erwartet.

Die Exporte gingen im vergangenen Monat um 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück, die Einfuhren sanken nur um 0,9 Prozent. Erwartet hatten Analysten Rückgänge um 14 beziehungsweise 9,5 Prozent.

Auch der Handelsüberschuss hatte nach Wiederaufnahme von vielen Betrieben im März 19,9 statt der erwarteten 18,5 Milliarden Dollar betragen.

Die Aktienmärkte im ersten Quartal 2020

Wir haben schon öfters darüber berichtet: Angesichts eines Jahrhunderteinbruchs der Wirtschaft infolge Covid-19, sind die Börsen um den Globus eigentlich viel zu wenig gefallen. Hier noch einmal ein kurzer Blick auf die Quartalsbilanz einiger großer Aktienindizes.

Die großen Weltbörsen waren nach dem Überschwappen von Covid-19 auf den Westen um 33-40 Prozent in kürzester Zeit eingebrochen. Trotz einer einsetzenden, rekordverdächtigen Erholung war das erste Börsenquartal tiefrot, allerdings mit Unterschieden:

  • Der Dow Jones fiel um satte 23,2 Prozent, es war das schlechteste Auftaktquartal des letzten Jahrhunderts und auch der jüngere S&P 500 erlebte mit minus 20 Prozent das schlechteste erste Quartal seiner Geschichte wegen der Coronakrise.
  • In Europa fiel der deutsche Leitindex rund 26 Prozent, in etwa so viel wie auch die Börsen in Frankreich, Großbritannien und Italien.
  • In Asien stürzten die Philippinen, Vietnam, Indonesien und Thailand bis zu minus 30 Prozent in die Tiefe.
  • Besser liefen die Märkte in Japan, Korea und Taiwan mit Abschlägen um die 20 Prozent.
  • Am geringsten fielen die Quartalsverluste in China, dem Ursprungsland für die Pandemie, aus. Der Hang-Seng-Index in Hongkong verlor seit dem Jahreswechsel rund 16 Prozent, der Shanghai Composite gar nur um knapp zehn Prozent.
  • Damit sahen wir wir bereits in China ein Phänomen, welches wir derzeit auch in westlichen Märkten beobachten können. Die Börsen fallen wegen Covid-19 nicht so stark, wie es fundamentale Wirtschaftsdaten anzeigen würden (immerhin war die Kfz Produktion in China in den Monaten Januar und Februar um 80-90 % gefallen).

Die Börse rechnete bereits in China mit einer raschen Eindämmung der Pandemie und einem Wiederhochfahren der Wirtschaft. Anscheinend scheint sich dies mit Zeitverzögerung auch im Rest der Welt zu wiederholen. Allerdings ist ein Großteil der Erholung den astronomisch hohen Rettungspaketen von Regierungen und Notenbanken geschuldet.

Am gestrigen Tag lag der Shanghai Composite nur noch neun Prozent hinter seinem Stand von zu Jahresbeginn. Dabei kommt mir immer wieder ein Interview mit dem Auslandskorrespondenten des Handelsblatts, Frank Sieren in den Sinn, der bereits Jahrzehnte in Peking lebt. Er berichtete dabei von seiner Verwunderung, wie rasch China nach der Sars-Infektion im Jahr 2002/2003 die Produktion und das Leben im Lande wieder normalisiert hatte. Ähnliches erwartet er gegenwärtig wieder, allerdings mit dem Unterschied, dass der Export in fremde Staaten aufgrund der dortigen Wirtschafteinbrüche nicht so ohne Weiteres wieder auf alte Höhen steigen kann.

Fazit

Auch wenn die Virusinfektion nach wie vor viele Rätsel aufwirft und es in der Coronakrise auch keine volkswirtschaftlichen historischen Vergleichsdaten gibt, so könnte ein Blick nach Asien lohnen. Denn dort wird man am ehesten registrieren, ob es nach der Gesundung mit Covid-19 tatsächlich zu einer Immunisierung kommt – oder ob es Rückfälle geben wird. Als Nächstes könnte die Frage nach dem Auftreten einer zweiten Welle beantwortet werden, wenn die großen Lockdown-Maßnahmen aufgehoben sind. Zudem wird man beobachten können, wie das Wiederhochfahren des gesamten gesellschaftlichen Lebens von der Schule über das Geschäftsleben, über eventuelle Massenveranstaltungen sowie der Aufnahme der Industrieproduktion klappt oder auch nicht. Auch wenn es gewaltige Kulturunterschiede gibt: wo sonst könnte man von Erfahrungen mit der Coronakrise sonst lernen können?

China, Hongkong, Taiwan und Südkorea waren zuerst von Covid-19 betroffen und geben jetzt in vielerlei Hinsicht Anschauungsunterricht über die Bewältigung der Jahrhundertkrise.

Die Coronakrise in Asien und im Westen

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    Lausi

    15. April 2020 10:04 at 10:04

    Hier eine – aus meiner Sicht – recht objektive Abschätzung über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie:

    https://youtu.be/3z0gnXgK8Do

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Diese prima Stimmung bei den Erwartungen an die Exporte ist schon erstaunlich, so möchten wir anmerken, bei den aktuellen Massenentlassungen bei den Auto-Zulieferern (hier eine kleine Übersicht). Und auch die großen Autohersteller selbst bauen weiter ab, siehe aktuell MAN und Daimler. Hier weitere aktuelle Detailaussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

In der Chemischen Industrie erwarten deutlich mehr Unternehmen im vierten Quartal, dass ihre Exporte zunehmen. Gleiches gilt für die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen. Auch die Automobilbranche rechnet mit Umsatzzuwächsen beim Auslandsgeschäft. Der Maschinenbau hingegen erwartet vorerst keine größeren Sprünge, dort zeigen sich die Unternehmen eher zurückhaltend. Mit deutlichen Einbußen beim Export rechnen die Hersteller von Bekleidung, Lederwaren und Schuhen.

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