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Konjunkturdaten

Coronakrise: Die tiefste und kürzeste Rezession aller Zeiten?

Es mag geradezu ketzerisch klingen, dass die jetzige Rezession in der Coronakrise eine kurze Lebensdauer haben könnte..

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Es mag geradezu ketzerisch klingen angesichts der Coronakrise, derzeit von der Möglichkeit zu sprechen, dass die jetzige Rezession eine kurze Lebensdauer haben könnte. Schließlich stecken wir noch mitten drin und es es noch nicht einmal erkennbar, wie tief sie noch werden wird. Doch diese Schrumpfung der Wirtschaft ist anders als alle anderen – und die Art der Berechnung von Rezessionen könnte zu etwas führen, was aus heutiger Sicht geradezu als absurd zu betrachten ist. Denn durch die Art und Weise des Vergleichs von Wachstumsdaten, könnte sie schneller vorbei sein, als es das allgemeine Empfinden signalisiert: Die Besonderheiten der Finanzmathematik.

Coronakrise: Der Lockdown und seine Folgen

Diese Gedanken waren mir schon vor etwa vier Wochen gekommen: Die Welt wird aufgrund eines Virus in einen Lockdown gezwungen, in dem zwei Drittel der arbeitenden Weltbevölkerung in der Coronakrise in häusliche Quarantäne gedrängt werden.

Ein großer Teil der Weltproduktion lief nur noch auf dem essentiell Notwendigen: Wirtschaftsleben- und Ölverbrauch kollabierten. Jetzt nach dem Höhepunkt des Ausbruchs (ausgenommen USA, Brasilien, Russland) wird der Lockdown in Dutzenden Ländern zurückgefahren, die Produktion läuft von Ost nach West wieder an und die Kennziffern werden wahre Kursprünge vollziehen – weil eben die Basis sehr niedrig ist. Ich habe dies bereits am Beispiel der Luftfahrtbranche einmal vorgerechnet: Wenn eine Luftfahrtgesellschaft ihre Flugtätigkeit um 95 % reduziert und jetzt – wie gesehen bei South West Airlines – diese um 200 Prozent steigern wird, so ist man immer noch fast 80 Prozent unter dem Ausgangsniveau. Was heißt das jetzt für die Konjunkturdaten?

2020 – ein Rezessionsjahr der Superlative

Betrachtet man dieses von der Coronakrise geprägte Wirtschaftsjahr nach knapp fünf Monaten, so stehen für die USA folgende Wachstumszahlen zum Teil „fiktiv“ im Raum: Erstes Quartal minus 4,8 Prozent, Q2 erwartet (selbst von Fed-Chef Powell) minus 25 bis 30 Prozent, Q3 Rückkehr zu Wachstum und Q4 erhoffte fünf Prozent Wachstum.

Dies könnte auch für das Gesamtjahr zur tiefsten Rezession in der jüngeren Geschichte führen. Die Finanzkrise mit einem Rückgang des BIP von minus 5,1 Prozent war die bisher schwerste seit dem Zweiten Weltkrieg, das Jahr 2020 könnte dies leicht übertreffen. Bei einem Vergleich zur großen Depression von 1929 bis 1932 muss man erst einmal schlucken. Damals fiel das BIP vom Beginn bis zum Ende der Krise um erschreckende 26,7 Prozent. Es herrschte bittere Not.

Selbst wenn die erhoffte Rückkehr zu Konjunkturwachstum in diesem Jahr aufgrund der Coronakrise nicht in diesem Umfang gelingen sollte, wird der Rückgang der Lockdown-Katastrophenzahlen zu einer Abflachung der negativen Daten führen müssen.

Der weltweit fast parallele Lockdown, der in der Wirtschaftsgeschichte ohne Beispiel ist, wird dazu führen, dass es 2021 mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu positiven Wachstumsraten gegenüber dem Frühjahr 2020 kommen muss. Denn was müsste aus viraler und dann wirtschaftlicher Sicht passieren, dass es parallel in über 100 Ländern der Welt wieder einen so heftigen Einbruch in der Wirtschaft geben wird, wie in der Coronakrise im Februar/März/April 2020. Dagegen sprechen einige Argumente.

Coronakrise: Die zweite Welle

Auch wenn wir noch mehrere Quartale im negativen Wachstum stehen sollten, so kann es selbst nur unter extrem ungünstigen Umständen bei einer zweiten Welle zu so tiefen Einbrüchen kommen.

Alle Gesundheitsbehörden der Länder haben aus der Pandemie und der Coronakrise gelernt: Bei einem Auftreten von Ausbrüchen wird es zu regionalen Quarantänemaßnahmen kommen – und nicht gleich zu einem nationalen Shutdown. Die Testverfahren für Covid-19 sind in Anzahl, Auswertungszeit und Verfügbarkeit dann um Potenzen besser als im Winter 2020.

Die Vorsichtsmaßnahmen während der Coronakrise werden aber Nachwirkungen zeigen: Händeschütteln, Begrüßungsküsschen, Massenveranstaltungen, das Vorhandensein von Milliarden Atemschutzmasken (in jedem Haushalt verfügbar), besonderer Schutz von Altenheimen und Risikopatienten, Dauereinsatz von Trennscheiben, Handy-Tracing-Apps, Corona-Antikörpertests und vielleicht schon Medikamente gegen Covid-19 oder ein Impfstoff – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.
Die Immunisierung der Bevölkerung könnte schon ein ansehnliches Ausmaß erreicht haben (Dunkelziffer selbst in Deutschland bereits über 2 Mio. und erst in Italien, Spanien, ableitbar aus den Todesziffern). Diese Menschen müssten dann nicht mehr in die Quarantäne mit Folgen für das (Basis)Wirtschaftsleben. Die Einzelfälle für Mehrfach-Infektionen mit Covid-19 können noch nicht als ein Beweis für eine fehlende Immunität gelten. Selbst Professor Drosten sprach von Messproblemen.

Zu guter Letzt: Wenn es in einem Land zu einem Massenausbruch von Covid-19 käme, würden im Rest der Welt die Alarmglocken klingen. Man würde sich von dem Land distanzieren und nicht wie am Anfang der Coronakrise (im Februar 2020) warten, bis es sich von Land zu Land und von Kontinent zu Kontinent fortpflanzt. Wie lange hatte selbst die WHO die Lage nicht erkannt und erst spät die Pandemie erklärt? Das passiert nicht ein zweites Mal.
Ergo: Selbst das Auftreten von neuen Wellen könnte infolge der Lernkurve der Menschen und der Gesundheitsbehörden den 2020-er- Lockdown und damit die Coronakrise insgesamt in seiner Dimension zu einem einmaligen Ereignis werden lassen.

Fazit

Diese ganzen Überlegungen dürfen nicht in der Fehlinterpretation münden, dass wir in 2021 wieder ähnliche Wirtschaftsverhältnisse wie in den Jahren vor der Coronakrise vorfinden werden. Zu tief und zu nachhaltig wird der Lockdown in manchen Lebensbereichen nachwirken. Das Thema lautete Rezession – wann endet diese?

Wachstum kann auch von einem sehr niedrigen Niveau aus wieder beginnen und dieses wurde im historisch einmaligen Lockdown im Frühjahr 2020 herbeigeführt. Die kurzzeitig tiefste Rezession seit vielleicht 90 Jahren (außerhalb der Weltkriege) wird zu diesem Phänomen führen, zur vielleicht kürzesten Rezession aller Zeiten (gemessen am Einbruch). Rekordjahr in den USA war die Rezession 1980 mit sechs Monaten, gefolgt von 1991 und 2000 mit jeweils acht Monaten. Auch nach der Finanzkrise 2008/09 wuchs ab 2010 die Wirtschaft wieder, allerdings dauerte es auch noch Jahre bis das Vor-Finanzkrisen-Niveau erreicht wurde. Manche Länder – wie Italien – haben sehr lange gebraucht.

Es wird wahrscheinlich sehr verwirrend werden: die Rezession ist vorbei, aber wo ist der Wohlstand? Denn bis die wirtschaftlichen Verhältnisse wieder erreicht werden, wie sie zum Ende des 11-jährigen Zyklus geherrscht haben, das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Die Coronakrise - erleben wir die kürzeste Rezession der Geschichte?

3 Kommentare

3 Comments

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    franko33

    21. Mai 2020 11:14 at 11:14

    Sehr gut die Anmerkung zum Schluß:
    Die Krise ist vorbei – wo ist der Wohlstand ?

    Genau das ist die Kernaussage,denn die Schlussfolgerung sind die positiven Steigerungen
    an den Börsen und das Resümee Wohlstand für 1% der Bevölkerung auf Kosten der “übrigen”
    99%.Zur Erinnerung:Wieviel Kapital wurde in den letzten zwei Monaten ins System gepumpt ?
    Wird der EUR dies überleben ?
    Nachher stehen wir mit tollen Wachstumsraten von ganz unten da und sind doch alle ärmer
    mit einer schleichenden unaufhaltsamen Reduzierung unserer persönlichen Freiheiten.
    Unter diesen Umständen kann man sich nur mit viel mehr Kapital etwas an seinen persönlichen “Freiheiten” zurückholen – oder besser noch: Du zählst zu den 1%…………

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    thinkSelf

    21. Mai 2020 12:40 at 12:40

    Es ist ja die Frage, was man unter Rezession versteht. Natürlich wird die Wirtschaftsleistung im nächsten Jahr wieder steigen. Wenn man auf dem Boden aufgeschlagen ist, geht´s halt wieder nach oben. Womit die Rezession per Definition vorbei ist. Nur das bedeutet noch lange nicht, wie schnell und für wen.

    So ist auch die Aussage mit dem 11 jährigen Aufwärtstrend nicht korrekt. So sind die Einkommen der unteren 30% seit 1991 real deutlich gefallen. Für weitere 20% hat sich nichts getan und nur die Hälfte der Bevölkerung die über relevantes Vermögen, z.B. eine eigene Immobilie verfügt, ist es nach oben gegangen. Merklich aber nur für die oberen 10%.

    Zusätzlich wurde in dieser Zeit ein ganz erheblicher Teil des Kapitalstocks verzehrt. Wozu der nicht aufgezogene Nachwuchs ebenso zählt wie die in allen “alten” Industrieländern verfallende Infrastruktur. Völlig unbemerkt z.B. ist geblieben, das die Investitionen der Wirtschaft seit 2008 in Deutschland unterhalb der Abschreibungen liegen.

    Eine kleine Korrektur: Italien hat das Vorkrisenniveau von vor 2008 nie wieder erreicht. Und jetzt geht´s die nächste Treppenstufe nach unten.

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    Pessi-Mist

    21. Mai 2020 15:08 at 15:08

    @Thinkself, immer realistische Kommentare. Noch zu beachten ,die weltweit extrem gestiegene Verschuldung, u.die dank stark gefallenen Zinsen fehlende Altersvorsorge. Das heisst ,die gesparten Zinsen der Schuldner werden Riesenlöcher in Zukunft für die Vorsorgewerke bewirken.Dies muss durch höhere Lohnabzüge oder Steuern ausgeglichen werden.Alle diese Komponenten werden die Wirtschaft ausbremsen.Ganz einfach: Schulden sind vorgezogener Konsum, In letzter Zeit wurde ein wenig sehr viel vorgezogen. Wenn Schulden wirklich kein Problem sind wie Viele meinen, dann weiter so, u.dieGegenseite,die Schulden als Vermögen betrachten wird auch glücklich.

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US-Verbrauchervertrauen Uni Michigan: Amerikaner werden skeptischer

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Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan (2.Veröffentlichung für Mai) ist mit 72,3 leicht schlechter ausgefallen als erwartet (1.Veröffentlichugn wrar 73,3, Vormonat war 71,8).

Die Einschätzung der aktuellen Lage liegt bei 82,3 (Vormonat war 74,3)

Die Konsumentenerwartung liegt bei 65,9 (Vormonat war 70,1)

Dazu schreibt Richard Curtin, der die Umfrage verantwortet:

“Consumer sentiment has remained largely unchanged during the past two months, with the final May estimate just a half index point above the April reading. The CARES relief checks and higher unemployment payments have helped to stem economic hardship, but those programs have not acted to stimulate discretionary spending due to uncertainty about the future course of the pandemic. It should not be surprising that a growing number of consumers expected the economy to improve from its recent standstill, or that the majority still thought conditions in the economy would remain unfavorable in the year ahead. This has been a common occurrence in past cycles (see the chart). Expectations for economic growth have always dominated at the ends of recessions, and favorable assessments about the current state of the economy are more frequent near the ends of expansions. The gap between economic growth and the current performance of the economy is likely to grow significantly when the disastrous 2nd quarter GDP is announced. More widespread price discounting as well as low interest rates have helped to improve buying plans, but those plans still remain well below the levels recorded three months ago. Adding to consumers’ concerns about a significant expected drop in income growth, year-ahead inflation expectations rose sharply, putting extra pressure on consumers’ abilities to maintain their living standards.”

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Aktuell: Einkommen der Amerikaner steigen trotz Massenarbeitslosigkeit; US-Verbraucherpreise (PCE) tiefer

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Die US-Verbraucherpreise (PCE, Personal Consumption Expenditure; April) sind zum Vormonat mit -0,4% tiefer ausgefallen wie erwartet (Prognose war -0,3%; Vormonat war -0,1%). Zum Vorjahresmonat stiegen die Preise um +1,0% (Prognose war +1,1%; Vormonat war +1,7%).

Die Einkommen der Amerikaner liegen bei +10,5% (Prognose war -6,5%; Vormonat war -2,0%, nun auf -2,2% nach unten revidiert) – das ist eine Folge der großzügigen Zuwendungen des US-Staates, ca. 60% der nun abreitslosen Amerikaner haben dadurch mehr Einkommen als zuvor, als sie arbeiteten!
Die Ausgaben der Amerikaner liegen bei -13,6% (Prognose war -12,6%; Vormonat war -7,5%, nun uf -6,6% nach oben revidiert)

Die PCE-Verbraucherpreise werden nur in der Kernrate berechnet (ohne Nahrung und Energie) und sind seit dem Jahr 2000 die von der Fed erklärtermaßen wichtigste Inflationskennzahl für ihre Geldpolitik..

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Verbraucherpreise Eurozone jetzt direkt an der Schwelle zur Deflation!

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Soeben wurden die Verbraucherpreise für die Eurozone für den Monat Mai als Vorabschätzung veröffentlicht. Im Jahresvergleich steigen sie nur noch um 0,1 Prozent, nach +0,3 Prozent, +0,7 Prozent und +1,2 Prozent in den Vormonaten. Der Grund für den Absturz ist eindeutig. Die Verbraucherpreise für Energie reißen den Gesamtschnitt brutal nach unten. Jetzt wirkt der Ölpreis-Crash mit gut zwei Monaten Verzögerung auch voll auf die Preise an der Tankstelle.

Die Energiepreise für die Verbraucher sinken im Jahresvergleich um 12 Prozent nach -9,7 Prozent und -4,5 Prozent in den Vormonaten. Die Lebensmittelpreise können mit +3,3 Prozent den Gesamtschnitt gerade so noch vor dem Abrutschen in die Deflation retten! Aber Rettung naht, womöglich! Denn wie wir es gestern bereits für die deutschen Verbraucherpreise erwähnten, so gilt wohl das selbe auf Eurozonen-Ebene. Der Ölpreis ist die letzten Wochen wieder gestiegen, und so könnte sich die Inflation wieder etwas nach oben bewegen.

Schaut man auf die einzelnen Länder, dann sieht man, dass beispielsweise Länder wie Spanien oder Griechenland längst deutlich in der Deflation sind mit Werten von -0,9 Prozent und -0,7 Prozent.

Statistik der Mai Verbraucherpreise für die Eurozone

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