Konjunkturdaten

Coronakrise: Die unsinnigen Vergleiche mit den jüngsten Wirtschaftsdaten

Die Coronakrise wird demnächst zu großen Sprüngen und Verzerrungen in den Konjunkturdaten führen – negativ wie positiv! Der sehr beachtete Ifo-Index etwa ist gestern von seinem Allzeittief von 74,3 auf 79,5 Punkte gestiegen. Keine Überraschung, denn was sollte denn anderes herauskommen, schließlich vergleicht man in Deutschland ab sofort jedes Monat mit dem Tiefpunkt im April, mit einer historisch einmaligen, noch nie dagewesenen Situation. Auch die vom Ifo-Institut befragten 9000 Unternehmenslenker konnten im April nicht wissen, wie tief und wie langwierig der weltweite Einbruch durch die Coronakrise werden wird. Deshalb sind auch die meisten Konjunktur- und Wirtschaftsdaten als Vergleichsparameter nicht besonders werthaltig. Anders für die Politik, die manche Daten benötigt, und die Rettungspakete für die betroffenen Menschen und Firmen schnürt, um die besondere Lage zu überbrücken.

Coronakrise: Der Basiseffekt

Wie bereits mehrfach in Artikeln angedeutet, stellt die ökonomische Situation eines weltweiten Lockdowns eine absolute Ausnahmelage dar. In Deutschland ab dem 22. März bis Anfang Mai, in Asien schon um einiges früher. Denn was muss denn mit Wirtschaftsdaten passieren, wenn ich staatlicherseits ganze Industriebereiche von einem Tag auf den anderen dichtmache? Wenn zwei Drittel der werktätigen Bevölkerung weltweit in eine häusliche Quarantäne versetzt werden? Wirtschaftsdaten müssen in Tiefen abgleiten, wie es dies noch nicht einmal in der Weltwirtschaftskrise 1929 ff gegeben hat.

Beispiel deutsche Gastronomie: Als man ab 22.März bis in den Mai hinein alle Gaststättenbetriebe bis auf den Lieferservice schloss – laut statista 71.800 Restaurants, rund 35.500 Imbissstuben, über 4.300 Bars, Diskotheken, Tanz- und Vergnügungslokale und etwa 11.600 Cafés, mit immerhin 1,09 Millionen sozialpflichtig Beschäftigten – so hatte dies bereits im März 45 Prozent an Umsatzeinbußen zur Folge, und jetzt kommt erst noch der April! Aber wie sehen dann die Zahlen ab Mitte Mai aus, als die Ministerpräsidenten den Beschluss gefasst haben, unter Auflagen allen Betrieben innerhalb des Monats die Wiedereröffnung zu gestatten? Die Zahlen müssen prozentual nach oben schnellen – es ist schlicht der Basiseffekt.

Wie schnell sich Wirtschaftsdaten aus einem Lockdown erholen können, sieht man mit Abstrichen in China, welches bereits im Januar große Teile der Produktion lahmlegen musste. Automobilproduktion: Von über 90 Prozent minus im Januar, über minus 40 Prozent im März bis zu minus 5 Prozent im April. Dass dies nicht nur geschönte Zahlen sein können, beweist Volkswagen, das im April alle 23 Werke in China bereits in Betrieb genommen hatte und sogar einen Zuwachs der Produktionszahlen im Vergleich zum Vorjahr vermelden konnte.

Was bedeutet das für die Indikatoren?

Bei einer Datenerhebung auf Monatsbasis müssen sich nach dem Lockdown der Coronakrise geradezu seltsame Steigerungsraten ergeben. Besonders deutlich wird dies seIbst im Rohstoff- und Energiesektor. Die Ölnachfrage hatte im Jahr 2019 die 100 Millionen-Barrel-Grenze pro Tag überschritten, ein gigantischer Verbrauch, der infolge des Lockdowns um geschätzt 35 bis 40 Prozent nach unten gekracht ist. Da man sich dummerweise von Seiten der OPEC + nicht zu Förderkürzungen durchringen konnte – den Höhepunkt bildete Saudi-Arabien, das seine Ölförderung während der Krise sogar auf die Rekordhöhe von 13 Millionen Barrel pro Tag erhöhen wollte, um die Konkurrenten aus dem Markt zu drängen –, so musste dies zu einem Ölpreiskollaps führen. Jetzt deutet sich eine Wende an, die Ölförderstaaten kürzten erzwungenermaßen radikal, während China der große Ölnachfrager der Welt seinen Ölhunger bereits wieder auf über 13 Millionen Barrel pro Tag gesteigert hat.

Eine Eintagsfliege? Wohl kaum. Der Transportsektor macht fast 60 Prozent der Nachfrage aus, der Produktionssektor nur 20 Prozent, es gibt 1,3 Milliarden Kfz weltweit und stellt man stellt in allen Ländern bereits wieder die Weichen für einen Beginn des Sommertourismus. Wenn noch nicht mit dem Flugzeug, dann mit den virengeschützten eigenen vier Rädern. Außerdem sind von den über vier Milliarden Werktätigen im Lockdown anscheinend schon wieder zwei Milliarden an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt. Produktion und Mobilität steigen in Relation zum Hochpunkt der Coronakrise – und damit auch der Energieverbrauch.

Klar hinkt Energieverbraucher Nummer eins in der Welt – die USA – noch hinterher, aber Donald Trump setzt alle Hebel in Bewegung, um die Gouverneure in den Bundesstaaten zur Aufhebung des Lockdowns zu animieren.

Deshalb sind alle Steigerungsraten von Indikatoren derzeit mit Vorsicht zu genießen. Nach und nach werden die Zahlen aus ihren Untergeschoßen wieder nach oben klettern – aber was bedeutet dies zur Beurteilung der Gesamtlage? Was sind die Schlüsselzahlen für die Beurteilung der Konjunktur?

Aus meiner Sicht sind die bedeutendsten Zahlen derzeit Daten, die darauf hinweisen, wie es künftig um die Firmen und deren Beschäftigte bestellt ist. Welche Firmen können nach Ende des Lockdowns am Leben erhalten werden (auch Zombiefirmen) und wie viele der Beschäftigten, die derzeit arbeitslos sind oder sich in Kurzarbeit befinden, werden zu Dauerarbeitslosen (sichtbar in den USA anhand der fortgesetzten Anträge auf Arbeitslosenhilfe)?

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