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Coronakrise, die Wall Street und die Abwanderung aus New York

Die Coronakrise ist ein "game changer"! Welche Folgen wird sie haben etwa für die Großstädte, vor allem bei Immobilien? New York zeigt, was passieren wird!

Die Coronakrise ist ein „game changer“! Welche Folgen wird sie haben etwa für die Großstädte, vor allem bei Immobilien? Teure Mieten in Großstädten sind nicht nur ein Problem für den deutschen Einzelhandel. Selbst die Hochfinanz in New York ist davon betroffen. Goldman Sachs kehrt mit einem Teil der Firma der „Financial Capital of the Word“ den Rücken.

Die Coronakrise beschleunigt Entwicklungen

Was werden Historiker in ein paar Jahren über die Phase dieser großen Pandemie, die in über 200 Ländern grassierte, über deren Wirkungen konstatieren? Sicherlich hat das Digitale einen großen Schub erhalten, der Onlinehandel zu Lasten der Innenstädte, das Homeoffice zu Ungunsten teurer Büros, überhaupt der Wandel im Verhältnis der Menschen zu überquellenden Innenstädten. Auf jeden Fall gibt es einige Metropolen, die im Begriff sind, sich zu verändern, wie zum Beispiel New York – die Stadt, die niemals schläft, aber vor allem die Wall Street, das weltweite Symbol für den Kapitalismus.

Viele Firmen zieht es aus der Metropole

Was waren das in diesem Jahr der Cornakrise für Bilder aus dem Handelssaal der Wall Street, ohne die lärmenden Händler, mit leeren Büroetagen, aus denen unser Wall Street-Kommentator Markus Koch phasenweise verwaist aus einer ganzen Büroetage berichtete.

Vielen Firmen dämmert es natürlich nicht zum ersten Mal, welche exorbitante Summen sie dafür aufbringen müssen, um in Manhattan präsent zu sein – 2020 sogar dann, wenn die Mitarbeiter zuhause im Homeoffice tätig waren. Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass das Urgestein der Wall Street (seit 1896 an der NYSE) Teile seiner Vermögensverwaltung nach Miami auslagern will – Goldman Sachs. Auch wenn dies schon andere Finanzunternehmen getan haben, die Geschichte der Wall Street ist doch eng mit Goldman Sachs verknüpft.

Für New York bahnt sich ein finanzieller Aderlass an, denn einer Untersuchung zufolge möchte jedes vierte Finanzunternehmen seine Präsenz in der Metropole verringern. In der Studie „Partnership for New York City“, heißt es weiterhin, dass auch Firmen aus der Tech-Branche umziehen wollen. Dem Standort könnten in den nächsten zwei Jahren so Steuereinnahmen in Höhe von 37 Milliarden Dollar verloren gehen. Bevorzugtes Ziel für viele Finanzfirmen ist das warme Florida: ob Hedgefonds wie Elliott Management, oder die bekannte Firma von Carl Ican, oder auch der Riese Blackstone, man kehrt New York den Rücken.

Oder wie Markus Koch gestern berichtet hat, selbst die Deutsche Bank möchte in den nächsten fünf Jahren 4600 Angestellte von New York aus in andere Regionen versetzen.

Was sind die Gründe für den Wechsel?

Dabei wären wir aktuell bei der Coronakrise. Die Firmen überdenken ihre Strategie, teure Büros zu unterhalten, wenn die Mitarbeiter vermehrt im Homeoffice arbeiten. Dies gilt insbesondere für New York mit seinen hohen Mieten, den hohen Einkommenssteuern, die gleich dreimal fällig werden: Für die Stadt, für den Bundesstaat und den amerikanischen Fiskus. Der Bundesstaat hat sich zu einem wirtschaftsfeindlichen Standort entwickelt, in dem die Steuerbelastung für Gutverdienende schon die 50 Prozent touchieren kann – und jetzt kommt auch noch Präsident Joe Biden mit seiner Unternehmenssteuererhöhung von 21 auf 28 Prozent.

Deshalb ist das Steuereldorado Florida eindeutig Profiteur dieser Entwicklung. Aktuell erwägen tatsächlich zehn Finanzfirmen ganz von New York wegzuziehen und nicht nur Außenstellen im Süden zu bilden. Eine Entwicklung, die durch die Coronakrise nur noch beschleunigt wurde, denn in den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der Finanzinstitute in Miami fast verdoppelt. Das verwaltete Finanzvermögen ist über 60 Prozent gestiegen und man hat auch noch den Vorteil, in derselben Zeitzone wie die Wall Street zu arbeiten. In einer (noch) bezahlbaren Gegend zu leben, in einer anderen Klimazone und bei einem Einkommenssteuersatz, der sich auf Höhe des US-Leitzinses bewegt.

Fazit

Sollte es die Coronakrise, die hohen Mieten, die hohen Steuern und Preise tatsächlich schaffen, an der Ikone der Finanzwelt in New York zu rütteln? Der Teilabzug von Goldman Sachs ist überaus medienwirksam, schließlich ist diese Bank nicht nur so etwas wie ein Symbol des Kapitalismus, sondern beschäftigte auch stets Führungspersönlichkeiten, die nach ihrem Ausscheiden wichtige Posten in der Welt antraten. Die US-Finanzminister Steven Mnuchin, Henry Paulson und Paul Rubin, EZB-Präsident Mario Draghi, die italienischen Premiers Mario Monti und Romano Prodi, selbst ein Stellvertreter des deutschen Finanzministers Olaf Scholz, Jörg Kukies, und viele andere waren auf der Lohnliste von Goldman Sachs. Dies ist nur eine Randnotiz – die aber darauf hindeutet, dass man sicherlich auf das Urgestein der Wall Street blickt, die schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in dieser berühmten Ecke Manhattans firmiert.

Die Coronakrise beschleunigt die Abwanderung aus New York - auch die Wall Street ist betroffen



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