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Coronakrise: Die Zeit der (Fehl-)Prognosen – und die Realität

Wolfgang Müller

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am

Die Coronakrise macht Prognosen umso interessanter, weil die Wirtschaft Derartiges noch nie erlebt hat! Es ist eigentlich immer Zeit für Prognosen, über das Wirtschaftswachstum, über Unternehmensergebnisse und auch über Börsenindizes – je länger, je unsicherer – „Trial und Error“ oder Versuch und Irrtum. Aktuell bescherte uns eine Pandemie aber einen weltweiten Lockdown und einen Einbruch im Wirtschaftsleben, wie es ihn noch nie zu Friedenszeiten in so kurzer Zeit gegeben hat. Viele alte Prognosen verloren in kürzester Zeit jegliche Aussagekraft.

Dennoch giert der Mensch nach „validen“ Aussagen über die Zukunft, besonders über die wirtschaftliche. Was in normalen Jahren schon nur leidlich funktioniert, ist zu Zeit der Coronakrise fast schon garantiert zum Scheitern verurteilt.

Die Lage vor der Coronakrise

Natürlich ist diese Pandemie so etwas wie ein „Schwarzer Schwan“, welcher von keinem Wirtschaftsinstitut vorhergesehen werden konnte. Zwar gab es Virologen, die sich mit Pandemien beschäftigen und die abstrakt von einer solchen Gefahr sprachen –  aber ohne Zeitangabe. Selbst Professor Christian Drosten, der dieses Virus genau studiert hat, sprach aber noch im Februar von einer Grippe, die an Deutschland vorbeigehen wird. Und die Wirtschaft?

Diese war nach fast elf Jahren Hausse auch vor der Coronakrise reif für einen Abschwung, der IWF rechnete noch im Januar mit einem Wachstum von gut drei Prozent für die Weltwirtschaft, trotz des Einbruchs in China und der Schwächeanzeichen in der westlichen Welt. Ein paar Wochen später sprach man von einer schwarzen Null und im April von der tiefsten Rezession (auf das Jahr gesehen) aller Zeiten. Darüber bin ich mir bereits jetzt nicht mehr so sicher. Schrumpfung ja, aber wie schnell das Ganze wieder drehen kann (!) sehen wir in Ansätzen. Vor ziemlich genau 15 Wochen ist in Deutschland der erste Coronafall entdeckt worden – und gestern haben in Bayern die Biergärten wieder geöffnet.

Der historische Wirtschaftseinbruch durch die Coronkrise

Jüngst wurden die Zahlen für das erste Quartal 2020 veröffentlicht. Obwohl der Lockdown erst im März so richtig begonnen hat, rauschte Deutschland mit minus 2,2 Prozent in eine technische Rezession, andere Industriestaaten noch viel deutlicher, wie ich in meinem großen Bild gestern dargestellt habe. Und erst der Arbeitsmarkt. Die US-Arbeitslosigkeit sprang auf Monatsfrist von 4,4 Prozent auf 14,7 Prozent und Powell sprach bereits von kommenden 25 Prozent. Auch in Deutschland kommt das Schlimmste noch, allerdings ist dies aus heutiger Sicht teilweise ein Blick in den Rückspiegel: 10,1 Millionen Anträge auf Arbeitslosigkeit und eine Schrumpfung des Wirtschaftswachstums von minus 14 Prozent im zweiten Quartal. Wird es ganz so schlimm kommen, wenn Anfang Mai fast alle Geschäfte wieder geöffnet haben und jetzt Gastronomie, Hotels, Freizeiteinrichtungen und Tourismus nachziehen?

Irreal ist doch die Wende der Prognosen bei der amerikanischen Notenbank. Sprach man vor einigen Wochen noch von einer stabilen US-Konjunktur, so rechnet man jetzt bereits mit einem 20 bis 30-Prozent-Einbruch im zweiten Quartal. Powell wird gewiss von mehreren Hundert promovierten Ökonomen mit Daten beliefert, die alles können – nur nicht in die Zukunft blicken. Das eherne Gesetz hat ein weiteres Mal gehalten: Noch nie hat eine Großorganisation (IWF, Weltbank, OECD) nach dem Krieg eine Rezession zeitnah vorhersagen können, obwohl im Besitz aller Daten – auch diese nicht.

Langzeitprognosen von Branchen

Klar gibt es Industriebereiche, die sich nicht von heute auf morgen nach der Coronakrise oder von Quartal zu Quartal erholen können, als ob nichts geschehen wäre. Wie zum Beispiel die Luftfahrt- oder die Automobilbranche. Aber etwas befremdlich hört es sich schon an, wenn Chefs von Fluggesellschaften davon sprechen, dass es bis 2024 dauern wird, bis sich die Verkehrszahlen auf alte Höhen einpendeln können. Will man hiermit um staatliche Gelder werben?

Wie war es nach dem 11. September 2001, dem schwersten Angriff auf die zivile Luftfahrt?

Bereits ein Jahr später hatten die Passagierzahlen wieder das Niveau von vor den Terrorangriffen erreicht, bis 2004 das Niveau von 2000, dem Beginn des Platzens der Dotcom-Blase. Und damals gab es Todesängste, aufgrund der Terrorgefahr, Ängste, die heutige gesunde 30 oder 40-jährige Fluggäste wegen Covid-19 nicht zu haben brauchen.

Oder wieso soll es auch so lange in der Automobilindustrie dauern, wo beispielsweise das Durchschnittsalter der 47,7 Millionen in Deutschland zugelassenen Pkw derzeit schon fast 10 Jahre beträgt?

Kommt ein U oder doch ein L nach der Coronakrise?

Oder ein V mit einem kurzen rechten Arm nach der Coronakrise? Das große Problem bei allen Vorhersagen, ob Börse, Wirtschaft oder Politik, ist die schwere Vorhersehbarkeit menschlichen Verhaltens.

An der Börse beherrscht das Prinzip der Reflexität einen Teil des Geschehens. Das bedeutet, dass die Anleger zugleich Beobachter und Teilnehmer sind, die durch ihr Verhalten das System ändern, ohne Rücksicht auf die Kausalität der vorherigen Analyse. Derzeit besonders erkennbar: Nicht die aktuellen Zahlen und Informationen in der Coronakrise bestimmen die Aktienkurse, sondern die Erwartungen, was künftig der Fall sein wird (V-förmige Erholung, Eindämmung, Fed-Put, Impfstoff). In jeder Rezession, an die ich mich erinnern kann, waren die Nachrichten am schlechtesten, während die Börsenkurse schon wieder am steigen waren. Nur kann man halt vorher nicht wissen, wann am „schlechtesten“ ist. So ist Börse.

Soziale Systeme wirken auf sich selbst, verändern sich und entziehen sich objektiver Analysen. Für die kommende wirtschaftliche Entwicklung im Gefolge der Coronakrise kann keiner seriös vorhersagen, ob in naher Zukunft Angstsparen angesagt ist, oder Freude über das Überwinden der aktuellen Krise und Konsumieren.

Ich habe es schon ein paar Mal in Artikeln erwähnt: Der sehr einflussreiche Verhaltenspsychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahnemann sprach hinsichtlich der Voraussehbarkeit von Wirtschaft und Politik von einem „Zero-Validity Environment“, also von einer Umgebung, in der es aufgrund unsicherer Rahmenbedingungen zu keinen zuverlässlichen Prognosen kommen kann. Haben wir nicht erst mit Brexit und der Trumpwahl zwei Polit-Überraschungen erlebt? Vermutlich wird es auch bis November noch wenig Klarheit zum Ausgang der Wahlen um das Präsidentenamt geben.

Fazit

Auch wenn man sich noch so sehr bemüht, im jetzigen Umfeld der Coronakrise und dem Bestreben von wesentlichen Staaten mit Hilfe von Geldschwemmen biblischen Ausmaßes alle Schäden zuzudecken und zu kaschieren, sind Prognosen unsicherer denn je. Es stehen sich viele Unwägbarkeiten gegenüber: Ein unsichtbares Virus (100 nm), ein nicht sichtbares Immunsystem des Menschen mit all seinen Anpassungsfähigkeiten und Wirtschaftssubjekte, die in ihrem Handeln kaum einschätzbar sind.

Aber eines ist relativ gewiss: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wenn es Covid-19 zulässt, wird er rasch zu seinen alten Gewohnheiten zurückkehren, allen jetzigen Prognosen und der Coronakrise zum Trotze.

In der Coronakrise sind Prognosen besonders schwierig

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Klempner

    19. Mai 2020 10:04 at 10:04

    Es gibt doch real nur eine Frage .Haben die G7 Zentralbanken es geschafft die Kreditkrise 2020 samt Deflation vollständig abzuwehren oder nur teilweise?
    Alles andere ist Schnullibulli.Sobald an den Repomärkten wieder schlechtes Wetter
    aufkommt ,wissen wir ob. Dann kommt wie durch ein Wunder die böse zweite Welle und
    noch mehr frischer Kredit.Wie? Easy, es geht doch nur um die Interpetation des
    vermeindlichen Risikos.Wir werden wieder Bilder mit Kindern und Särgen sehen.

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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am

Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

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