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Coronakrise: Die Zweite Welle ist da – in Israel

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Jeden Tag ist davon die Rede, von einer zweiten Welle der Coronakrise. Während in den USA die Infektionszahlen im Land weiter angestiegen sind, sich der Schwerpunkt in den Süden verlagert hat und man damit noch mitten in der ersten Welle steckt, gibt es ein Land, in dem eine erfolgreiche Eindämmung sich plötzlich als verfrüht erweist – ausgerechnet die High-Tech-Nation Israel.

Die Eindämmung von Welle 1 der Coronakrise

Als im Frühling die Zahl der Infektionen in Israel bis auf 750 pro Tag in die Höhe schnellten, reagierten Regierung und Gesundheitsbehörden mit aller Härte und Konsequenz und verhängte einen der ersten westlichen Lockdowns. Mit drastischen Methoden wie die Beschlagnahme von Hotels zu Quarantänemaßnahmen und dem Einsatz geheimdienstlicher Mittel zur Erkennung von Infektionen. Mit großem Erfolg, denn die Infektionszahlen sanken binnen kurzer Zeit so bis auf unter zehn Fälle pro Tag. Bis Ende Mai und man feierte das Land schon für seine Erfolge im Kampf gegen die Coronakrise.

Das Auftreten von Welle 2 und die Ursachen

Urplötzlich stiegen die Fallzahlen wieder an und wie man es schon oft vorgerechnet bekam, die exponentielle Ausbreitung von Virusinfektionen, war man innerhalb von sechs Wochen von unter 10 auf neue Höhen von 1500 Fällen, pro Tag, angekommen. Und dies bei einer Bevölkerungszahl von neun Millionen, etwa in der Größenordnung von Österreich.

Hier die graphische Darstellung der Infektionswellen:

Grafik zeigt zweite Welle der Coronakrise in Israel

Jetzt droht Israel das erste Land zu werden, welches wieder in den Lockdown zurückkehren muss. Die Regierung hat in Windeseile ein Notstandsgesetz  gegen die Coronakrise verabschiedet, welches den langen Genehmigungsweg über das Parlament verkürzt. Der Regierungsberater Eli Waxman sprach schon davon, dass die Regierung die Kontrolle über Covid-19 verloren habe. Erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt: Schließung von Hallen, Schwimmbädern, Bars, Cafés, wie bereits erlebt. Social Distancing, Kapazitätsbeschränkungen in Restaurants, Gebetshäusern, aber auch in Transportmitteln.

Zeitgleich beginnt die Suche nach den Ursachen für das Wiederaufflammen der Coronakrise. Einig ist man sich darüber, dass die Lockdown-Maßnahmen zu schnell aufgehoben wurden, bereits im April und aufgrund des öffentlichen Drucks. Dabei hat man die rasche Öffnung der Schulen als große Ursache festgestellt. Als man wegen der großen Hitze die Maskenpflicht aufgehoben hatte und zu alter Klassenstärke zurückkehrte, schnellten die Infektionszahlen nach oben.

In Jerusalem wurden allein in einem Gymnasium 130 Fälle an Coronainfektionen festgestellt. Derzeit liegen die absoluten Fallzahlen bei über 33.000 und man hat über die Hälfte davon ausgewertet. Obwohl die Infektionskette in vielen Fällen nicht mehr rekonstruierbar ist, stellte man fest, dass die Ansteckung hauptsächlich innerhalb der eigenen Wohnung geschah, ein Familienmitglied schleppte die Lungenseuche von außerhalb ins Haus.

Das Versagen der Corona-App

Diese App mit dem Namen „Schutzschild“ brachte nicht den gewünschten Erfolg. Zum einen, weil sie in zu geringer Zahl heruntergeladen wurde und zum anderen, weil sie technisch anscheinend nicht ausgereift genug war, um Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln und diese in Quarantäne zu stecken.

Ausgerechnet im Hightech-Land Israel und unter Einbeziehung der Überwachungserfahrungen des Geheimdienstes hat das Tracking nicht gut genug funktioniert. Die eigentliche Detektivarbeit in der Coronakrise wurde anscheinend von Krankenschwestern geleistet, was den früheren Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, Gabi Barbash, einem Professor für Epidemiologie, zu der Bemerkung veranlasste: „Technik allein reicht nicht!“ Die Aufgabe sei viel komplizierter und bedürfe der Zusammenarbeit Vieler.

Die Folgen für Israel

Wieder blickt man nach Israel. Kommt ein zweiter kompletter Lockdown? Seitens des Gesundheitsministeriums versucht man nun mit Hilfe von Studenten die Ermittlung von Kontaktpersonen zu gewinnen. Denn, wenn die Infektionskurve nicht bald in den Griff bekommen wird, so könnte das Gesundheitssystem zusammenzubrechen, so die Worte des Regierungsberaters Waxman. Bereits in dieser Woche wolle man eine Entscheidung über den Lockdown treffen.

Und wieder einmal steht die Wirtschaft eines Landes im Feuer. Die Arbeitslosigkeit in Israel ist bereits über 20 Prozent geklettert. Die bekannte nationale Fluglinie El Al steht kurz vor der Insolvenz. Wenn es keine große staatliche Unterstützung gibt, stehen viele Unternehmen und Restaurants vor der Pleite.

Fazit

Ausgerechnet im modernen Nahost-Staat Israel entfacht sich ein neues Infektionsgeschehen. Damit werden zwei Hoffnungen zerstört. Zum einen die Annahme, dass in heißer, sommerlicher Umgebung das Virus in seiner Verbreitung eingedämmt wird (vielleicht sind die Klimaanlagen in reichen Industrieländern eine Virusschleuder?) und zum anderen, dass mit technischen Hilfsmitteln eine neue Coronakrise sofort gestoppt werden könnte. Schon irgendwie frustrierend. Es bleibt bei den alten Präventionsmaßnahmen, der Hoffnung auf einen Impfstoff oder ganz langfristig, die Immunisierung der Bevölkerung. Oder etwas ganz anderes, von dem wir heute noch keine Ahnung haben.

Ich verweise an dieser Stelle auch auf meinen Artikel von gestern mit dem Titel „Die Jungen zahlen die Rechnung, Beamte und Rentner nicht!“.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Jürgen

    10. Juli 2020 10:23 at 10:23

    Oh je…..schlechter Journalismus und Angstverbreitung auch hier.
    Es fehlen Angaben zur Erhöhung der PCR-Tests, der Vergeich zu Vor-Wochen, Veränderungen bei der Sterbestatistik.
    Wer diese Zahlen hat, sieht deutlich: keine zweite Welle !!

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    thinkSelf

    10. Juli 2020 10:49 at 10:49

    Und wenn da 100.000 Infektionen am Tag festgestellt werden ist das vollkommen irrelevant, da der Virus für Menschen ohne Probleme mit dem Immunsystem kein relevantes Risiko darstellt.

    Da aber anscheinend auch die ansonsten so rationalen Israelis es nicht schaffen sich von der Corona Paranoia zu lösen, wird der vollständige wirtschaftliche und damit auch gesellschaftliche Kollaps der westlichen Gesellschaften in den nächsten 24 Monaten nun wahrscheinlicher.

    Ein Spieler allerdings dürfte diese Entwicklung enorm begrüßen. Der Goldene Drache im Osten der seinem Ziel zum Aufstieg zur globalen Supermacht nun erstaunlich schnell näher kommt. Er nutzt seit langem konsequent und geschickt die ausufernden Dekadenzerscheinungen des Westens zur Ausdehnung seiner Machtansprüche.

    Sein Durchbruch rückt nun in greifbare Nähe. Wahrscheinlich noch zu meinen Lebzeiten. Womit ich bis vor kurzem nicht gerechnet habe.

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      Tino Gruchmann

      10. Juli 2020 15:48 at 15:48

      Achtung das sind aktuell 1-1400 positive PCRs, das bedeutet nicht das die alle Infiziert sind. Ansonsten stimme ich Ihnen zu. Insgesamt sind jetzt bei 36000 positiven PCRs mit und durch Covid 350 Menschen gestorben. Das bedeutet bei einer Asymptomatischen Rate von dem bis zu 10 fachen können wir von 0,08-0,3% Todesrate ausgehen = mittlere – schwere Grippewelle und das obwohl sich kaum Kinder angesteckt haben, die bekanntlich noch weniger auf den Virus reagieren. Die induzierte Wirschaftskrise wird aber Millionen Menschen weltweit in den Hungertot treiben und hunderte Millionen in die extreme Armut.

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    Tino Gruchmann

    10. Juli 2020 11:00 at 11:00

    Warum versucht man nicht den Schwedischen Weg, die haben kaum noch Tote und in Israel gibt es sogar noch weniger Bevölkerung. Abgesehen davon Israel hat immer noch nur ca. 350 Tote mit positivem PCR bei der hälfte der Fälle von Schweden. Jetzt im Sommer könnte man doch versuchen so etwas wie eine Durchseuchung im kleinen Maßstab durchzuführen.

    • Avatar

      Columbo

      10. Juli 2020 19:58 at 19:58

      @Tino Gruchmann

      Ihre Worte sind echt grauslig.
      Sind Sie Bestatter von Beruf?

  4. Avatar

    Scheer

    10. Juli 2020 21:56 at 21:56

    Die Herndenimmunität können wir laut diesen Berichts mal gut in die Tasche stecken.
    Zitat:
    „Die Prävalenz selbst im stark von Covid-19 betroffenen Spanien ist also gering und weit entfernt von einer Herdenimmunität, so die Wissenschaftler. Sie könne nur „durch den Kollateralschaden vieler Toten in der gefährdeten Bevölkerung und durch eine Überlastung des Gesundheitssystems“ entstehen. Soziale Distanzierung und Identifizierung der Infizierten und ihrer Kontakte seien weiterhin wichtig. Unklar bleibt auch weiterhin, ob Menschen, die Antikörper gebildet haben, dadurch auch gefeit vor einer Wiederansteckung sind und wie lange diese erhalten bleiben. Die Idee eines Immunitätsausweises aufgrund von Antikörpertests, wie dies die britische Regierung weiter verfolgt, ist nach dem jetzigen Stand des Wissens weiter unsinnig.“
    Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Covid-19-Viele-asymptomatisch-Infizierte-bilden-keine-Antikoerper-aus-4840167.html

    Ob das die Börsen inzwischen eingepreist haben ist mehr als fraglich.
    Willkommen in der neuen Welt.

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Wie die Entwicklungsländer versuchen die Krise zu überleben

Hannes Zipfel

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Coronakrise sorgt in Entwicklungsländern für immense Probleme

Viele Schwellenländer standen bereits vor dem Ausbruch der Pandemie vor großen finanziellen Problemen. Einige von ihnen waren bereits unmittelbar vom Staatsbankrott bedroht. Wie gehen die Entwicklungsländer mit der Zusatzbelastung durch die Corona-Krise um, trotz bereits zum Teil überbordender Schuldenstände und weniger effizienter Staatsstrukturen und Sozialsysteme? Können sie die Krise finanziell überhaupt überleben oder lösen sie eine globale Pleitewelle bei Staaten aus?

Lage der Entwicklungsländer spitzt sich zu

Momentan schauen in Zeiten der Pandemie die westlichen Ökonomen vor allem auf die Entwicklungen vor der eigenen Haustür. Doch gerade das stark vom Export abhängige Deutschland sollte auch die Entwicklungen jenseits der Hauptabsatzmärkte Europa und USA im Auge behalten. Der Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer für die Weltwirtschaft betrug bislang immerhin drei Viertel des globalen Gesamtwachstums. Dieser Trend soll sich laut dem Analysehaus Ashmore und dem IWF auch in Zukunft fortsetzen (Daten aus 2019). Doch dazu müssen die Schwellenländer zunächst die Pandemie ökonomisch und gesellschaftlich überleben.

Grafik zeigt globalen Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer

Wuchsen die Ökonomien der als Schwellenländer eingestuften Staaten in den letzten 20 Jahren durchschnittlich um 5,9 Prozent pro Jahr, so droht ihnen im Jahr 2020 die erste Rezession mit einer wirtschaftlichen Kontraktion in Höhe von durchschnittlich 3,3 Prozent. Davon geht der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner aktuellen Publikation „Emerging And Frontier Markets: Policy Tools In Times Of Financial Stress“ aus. Doch es könnte noch viel schlimmer kommen, wenn sich die Konjunkturlage im Zuge wirtschaftlicher Einschränkungen durch die Pandemie nochmals verschlechtert und bereits jetzt stark geschwächte Länder weitere Belastungen verkraften müssen.

Besonders Staaten wie Venezuela, Argentinien, Pakistan, die Türkei, Chile, Indien etc. haben jetzt schon massive wirtschaftliche Probleme bis hin zu Währungskrisen und der teilweisen Zahlungsunfähigkeit zu meistern. Am Anfang der Pandemie hatte eine beispiellose Kapitalflucht eingesetzt, bei der innerhalb kürzester Zeit über 100 Milliarden US-Dollar von internationalen Investoren aus Schwellenländern abgezogen wurden. Die Situation war von der Dimension her damit bereits im Frühling 2020 dramatischer als während der Weltfinanzkrise. Länder wie Argentinien, die Ukraine und Chile gerieten an den Rand des Staatsbankrotts. Und so könnte die sich mit der Pandemie weiter ausbreitende Rezession lediglich der Vorbote einer neuen Schwellenländerkrise sein.

Ein globales Problem

Die Budgets und logistischen Möglichkeiten zur Stützung der heimischen Wirtschaft, zur Gesundheitsversorgung und zur Aufrechterhaltung sozialer Mindeststandards sind im Gegensatz zu den entwickelten Volkswirtschaften in den Schwellenländern deutlich geringer ausgeprägt und damit anfälliger für Krisen. Selbst der Kollaps einzelner Entwicklungsländer ist nicht mehr auszuschließen (Failed States).

Wird diese Entwicklung zum Massenphänomen, bekommen auch die Industrieländer ernste Probleme. Dabei geht es nicht nur um die finanzielle Kosten, die über die Anteile der Industriestaaten an der Weltbank und dem IWF in Form von Nothilfen oder Kreditstundungen gewährt werden, sondern auch um massive Migrationsbewegungen, die sich längst in Gang gesetzt haben und zu gesellschaftliche Spannungen führen können. So sind allein wegen der sich weiter zuspitzenden humanitären Katastrophe in Venezuela ca. 4,8 Millionen Menschen oder 15,6 Prozent der Gesamtbevölkerung seit 2016 aus dem Land geflohen. Diese Massenbewegung, auch bekannt als Bolivarian diaspora, wirkt sich auch auf die Aufnahmeländer belastend aus.

Dabei ist Venezuela alles andere als ein Einzelfall: Laut der UNO Flüchtlingshilfe waren noch nie so viele Menschen wie heute auf der Flucht vor Armut und bewaffneten Konflikten. Ende 2019 lag die Zahl der Menschen, die weltweit auf der Flucht waren, bei knapp 80 Millionen – mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung. Im Vergleich zum Vorjahr waren das fast neun Millionen Menschen mehr. Seit 2010 hat sich die Zahl der Menschen auf der Flucht verdoppelt. Für das kommende Jahr wird mit einer deutlichen Intensivierung der globalen Fluchtbewegung in Folge steigender Armut gerechnet. Für die Entwicklungsländer und vor allem für ehemalige Kriegsgebiete wie Syrien bedeutet dies, dass für den Wiederaufbau und für die Erwirtschaftung von Wohlstand und Steuereinnahmen dringend benötigte Menschen dauerhaft verloren gehen.

Maßnahmen gegen den Kontrollverlust in den Entwicklungsländern

Der IWF und die Weltbank haben bereits im April Mittel mobilisiert, um die Corona-Folgen für die Entwicklungsländer abzufedern. Dadurch sind zunächst die akuten Zahlungsbilanzprobleme vieler ärmerer Länder abgemildert worden. Doch das war lange vor der zweiten Corona-Welle. Im Sommer war es durch Notkredite des IWF in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar, die in Rekordgeschwindigkeit ausgezahlt wurden, noch gelungen, den sofortigen finanziellen Kollaps der Entwicklungsländer abzuwenden.

Zusätzlich zu den Notfallmaßnahmen des IWF hatten die G20-Staaten ein Schuldenmoratorium für die ärmsten 43 Entwicklungsländer beschlossen. Laut Weltbank sorgt diese Maßnahme in den betroffenen Staaten für eine Entlastung beim Schuldendienst von 11,5 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr. Nun ist in Anbetracht der zweiten Corona-Welle bei den G-20-Staaten bereits eine Verlängerung des Schuldenmoratoriums bis Mitte 2021 im Gespräch. Doch auch das könnte nicht reichen, wenn die Pandemie und deren ökonomische Folgen den nach wie vor recht optimistischen Prognosen der IWF-Ökonomen folgen.

Geld spielt keine Rolle

Auch der am 27. Dezember 1945 gegründeten IWF war in seiner 75-jährigen Geschichte bisher noch nie mit einer derartigen Krise globalen Ausmaßes konfrontiert. Und so fordert die Direktorin dieser supranationalen Institution, Kristalina Georgieva, das Vermögen des Fonds von einer Billion Euro auf 2 Billionen Euro zu verdoppeln, da andernfalls im Zuge einer zweiten oder sogar dritten Corona-Welle dem Fonds die Mittel auszugehen drohen.

Doch woher kommt das Geld des Internationalen Währungsfonds (IWF)? Zum einen kann der IWF sogenannte Sonderziehungsrechte vergeben, die nichts anderes als Buchkredite der Institution an seine Mitglieder darstellen. Zum anderen kommt Geld (und Gold) über Quotenregelungen direkt von den Mitgliedsstaaten, die zu den Nettozahlern gehören, wie z B. Deutschland oder die USA. Diese Staaten müssen sich gleichwohl für die Zahlung dieser gigantischen Summen selbst zusätzlich verschulden. Da der private Kapitalmarkt diese Schuldenmassen zu für die Schuldner tragfähigen Zinsen nicht mehr schultern kann, springen die Notenbanken ein und drucken das Geld (digital).

Nichts anderes tun aktuell auch die Zentralbanken vieler Entwicklungsländer, um ihre Staaten flüssig zu halten. Da dies bei Staaten mit ohnehin schwachen Währungen gleichwohl gefährlich ist und schnell zu einem Kollaps des Außenwertes der Währung führen kann, müssen die Geldpolitiker der Schwellen- und Entwicklungsländer andere Wege zur Unterstützung der Wirtschaft und des Staates gehen.

Nahezu alle Zentralbanken senkten daher zunächst die Zinssätze. Die größten Notenbanken intervenierten an den Devisenmärkten, entweder mit eigenen Reserven oder mit Geldern des IWF bzw. US-Dollar-SWAP-Linien der US-Notenbank Fed. Etwa die Hälfte der Institute senkte die Mindestreserveanforderungen für Banken, um das Finanzsystem liquide zu halten und die Kreditbedingungen zu lockert. Rund 20 Zentralbanken der Entwicklungsländer haben zum ersten Mal überhaupt quantitative Lockerungen vorgenommen (Geldmengenausweitung), um Staats- und Privatschulden am Sekundärmarkt zu erwerben, die sonst keine Käufer mehr fanden.

Die Folgende Grafik zeigt sehr anschaulich, dass anders als in den Industrieländern mit vermeintlich starken Währungen die Notenbanken der Entwicklungsländer primär über qualitative Maßnahmen agierten. Aber nicht aus purer Vernunft, sondern weil ihnen schlicht und einfach das Privileg der momentan noch konsequenzlosen Gelddruckens in beliebiger Höhe verwehrt ist. Daher ist es nur fair, dass Staaten wie die USA oder Länder der Eurozone ihre Geldschöpfungsprivilege im Interesse der durch die Pandemie in Existenznöte geratenen Entwicklungsländer einsetzen.

Grafik zeigt Unterstützung der Notenbanken

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Bundesbank: Erholung der Industrie läuft, Dienstleistungen problematisch

Claudio Kummerfeld

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Deutschland Flagge

Die Bundesbank hat heute ihren Monatsbericht für Oktober veröffentlicht. Demnach verliert der wirtschaftliche Aufschwung deutlich an Schwung. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland dürfte im dritten Vierteljahr 2020 stark angestiegen sein. Gemessen am vierteljährlichen Bruttoinlandsprodukt könnte die deutsche Wirtschaft damit bereits etwas mehr als die Hälfte des drastischen Einbruchs im ersten Halbjahr wieder wettgemacht haben. Trotzdem dürften noch etwa 5 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenniveau vom letzten Vierteljahr 2019 fehlen.

Aus heutiger Perspektive dürfte sich die wirtschaftliche Erholung im laufenden Vierteljahr zwar fortsetzen, dabei jedoch eine erheblich langsamere Gangart einlegen. Die Industrie ist gemäß der Bundesbank-Aussagen nicht das Problem, sondern der Bereich Dienstleistungen, der ja von erneuten Corona-Restriktionen direkt betroffen ist. Die deutsche Exportindustrie profitiert derweil zum Beispiel durch die wieder gut laufende Konjunktur in China. Hier die Bundesbank mit ihrer Headline-Aussage zur Industrie:

Dem Monatsbericht zufolge hat die Industrie nach dem besonders starken Einbruch im Frühjahr bis Juli bemerkenswert aufgeholt. Im August habe die Erholung zwar eine Verschnaufpause eingelegt, im Mittel der Monate Juli und August sei die Industrieproduktion dennoch gegenüber dem stark gedrückten Frühjahrsquartal kräftig angestiegen (+13,5 %). Gleichwohl verfehlte sie das Vorkrisenniveau aus dem vierten Quartal 2019 immer noch um gut ein Zehntel. Die Auftragseingänge hätten jedoch weiter zugenommen und beinahe wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

Und hier die Headline-Aussagen zum Dienstleistungssektor:

Während sich die Stimmung bei den Industrieunternehmen laut Umfrage des ifo Instituts etwas aufhellte, trübte sie sich bei den Dienstleistungsunternehmen im September zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder etwas ein, schreibt die Bundesbank. Insbesondere Branchen wie das Gastgewerbe dürften durch die zuletzt stark gestiegenen Infektionszahlen und die deshalb in einigen Regionen ausgeweiteten Eindämmungsmaßnahmen belastet werden. Die Fachleute gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im laufenden Vierteljahr wohl nur noch vergleichsweise wenig steigen wird.

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Hans-Werner Sinn bei Marc Friedrich – die große Krise

Claudio Kummerfeld

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Hans-Werner Sinn ist als ehemaliger Leiter des ifo-Instituts immer noch ein bundesweit hoch anerkannter und gern gesehener Gesprächspartner rund um ökonomische Themen. Seine Meinung hat Gewicht. Aktuell wurde er vom (durch große Medien als Crashprophet bezeichneten) Marc Friedrich interviewt zur aktuellen großen Krise.

Hans-Werner Sinn über zweite Corona-Welle und China

Laut Hans-Werner Sinn sei die zweite Corona-Welle längst da. Einen zweiten, echten und harten Lockdown könne Deutschland nicht verkraften – deswegen werde es ihn auch nicht geben. Man werde stattdessen versuchen Brandherde einzeln und lokal zu löschen. Besprochen werden von den beiden zahlreiche bestehende ökonomische Probleme, darunter die Südländer in Europa, für die der Euro nach wie vor zu teuer sei. Auch die Krise der Autohersteller wird angesprochen. Hier gehe es um Regulierungsprobleme.

Marc Friedrich spricht die starke Überschuldung in China an. Hans-Werner Sinn erwähnt hier aber die in wenigen Jahren stark gestiegene Bedeutung Chinas für Deutschland. Vor vier Jahren sei China noch das viert wichtigste Exportland für die deutsche Wirtschaft gewesen, heute sei es das wichtigste Land. Die dortige rasche konjunkturelle Erholung helfe derzeit auch sehr stark der deutschen Exportwirtschaft.

Schulden-Vergemeinschaftung

Auch besprechen Hans-Werner Sinn und Marc Friedrich ausführlich das Thema der neuen EU-Anleihen und der zunehmenden Staatsfinanzierung durch die EZB. Angesprochen werden auch die ursprünglichen Grundsätze zu Zeiten der Euro-Einführung, wonach die EZB die Staaten nicht direkt finanzieren dürfe. Aus der Formulierung hätte Juristen dann den Schluss gezogen, dass eine indirekte Finanzierung erlaubt sei, so wie sie jetzt laufe (Banken kaufen Staatsanleihen in der Erstauktion, verkaufen sie kurz danach an die EZB).

Auch werden von den beiden Themen angesprochen wie eine mögliche Hyperinflation, das massive Rentenproblem und die großen wirtschaftlichen Probleme, die in Deutschland schon in zehn Jahren sichtbar sein sollen. Hans-Werner Sinn formuliert es drastisch und klar. Europa gehe über in ein dauerhaftes Siechtum bestehend aus dauerhaften Transfers nach Südeuropa, und ohne ausreichende Produktivität.

Bankenkrise

Egal ob die Zinsen nun wieder steigen würden, oder ob man weiter auf der Null-Linie bleibe. Auf die Banken in Europa werden laut Hans-Werner Sinn immense Probleme zukommen, die nicht ewig mit Sondermaßnahmen (wie es derzeit passiert) kaschiert werden könnten. Ein sehenswertes Gespräch, es lohnt sich! Nehmen Sie sich die Zeit.

Finden Sie beim Klick an dieser Stelle die fünf Investment-Ideen von Marc Friedrich.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: blu-news.org CC BY-SA 2.0

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