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Coronakrise: Die Zweite Welle ist da – in Israel

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Jeden Tag ist davon die Rede, von einer zweiten Welle der Coronakrise. Während in den USA die Infektionszahlen im Land weiter angestiegen sind, sich der Schwerpunkt in den Süden verlagert hat und man damit noch mitten in der ersten Welle steckt, gibt es ein Land, in dem eine erfolgreiche Eindämmung sich plötzlich als verfrüht erweist – ausgerechnet die High-Tech-Nation Israel.

Die Eindämmung von Welle 1 der Coronakrise

Als im Frühling die Zahl der Infektionen in Israel bis auf 750 pro Tag in die Höhe schnellten, reagierten Regierung und Gesundheitsbehörden mit aller Härte und Konsequenz und verhängte einen der ersten westlichen Lockdowns. Mit drastischen Methoden wie die Beschlagnahme von Hotels zu Quarantänemaßnahmen und dem Einsatz geheimdienstlicher Mittel zur Erkennung von Infektionen. Mit großem Erfolg, denn die Infektionszahlen sanken binnen kurzer Zeit so bis auf unter zehn Fälle pro Tag. Bis Ende Mai und man feierte das Land schon für seine Erfolge im Kampf gegen die Coronakrise.

Das Auftreten von Welle 2 und die Ursachen

Urplötzlich stiegen die Fallzahlen wieder an und wie man es schon oft vorgerechnet bekam, die exponentielle Ausbreitung von Virusinfektionen, war man innerhalb von sechs Wochen von unter 10 auf neue Höhen von 1500 Fällen, pro Tag, angekommen. Und dies bei einer Bevölkerungszahl von neun Millionen, etwa in der Größenordnung von Österreich.

Hier die graphische Darstellung der Infektionswellen:

Grafik zeigt zweite Welle der Coronakrise in Israel

Jetzt droht Israel das erste Land zu werden, welches wieder in den Lockdown zurückkehren muss. Die Regierung hat in Windeseile ein Notstandsgesetz  gegen die Coronakrise verabschiedet, welches den langen Genehmigungsweg über das Parlament verkürzt. Der Regierungsberater Eli Waxman sprach schon davon, dass die Regierung die Kontrolle über Covid-19 verloren habe. Erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt: Schließung von Hallen, Schwimmbädern, Bars, Cafés, wie bereits erlebt. Social Distancing, Kapazitätsbeschränkungen in Restaurants, Gebetshäusern, aber auch in Transportmitteln.

Zeitgleich beginnt die Suche nach den Ursachen für das Wiederaufflammen der Coronakrise. Einig ist man sich darüber, dass die Lockdown-Maßnahmen zu schnell aufgehoben wurden, bereits im April und aufgrund des öffentlichen Drucks. Dabei hat man die rasche Öffnung der Schulen als große Ursache festgestellt. Als man wegen der großen Hitze die Maskenpflicht aufgehoben hatte und zu alter Klassenstärke zurückkehrte, schnellten die Infektionszahlen nach oben.

In Jerusalem wurden allein in einem Gymnasium 130 Fälle an Coronainfektionen festgestellt. Derzeit liegen die absoluten Fallzahlen bei über 33.000 und man hat über die Hälfte davon ausgewertet. Obwohl die Infektionskette in vielen Fällen nicht mehr rekonstruierbar ist, stellte man fest, dass die Ansteckung hauptsächlich innerhalb der eigenen Wohnung geschah, ein Familienmitglied schleppte die Lungenseuche von außerhalb ins Haus.

Das Versagen der Corona-App

Diese App mit dem Namen „Schutzschild“ brachte nicht den gewünschten Erfolg. Zum einen, weil sie in zu geringer Zahl heruntergeladen wurde und zum anderen, weil sie technisch anscheinend nicht ausgereift genug war, um Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln und diese in Quarantäne zu stecken.

Ausgerechnet im Hightech-Land Israel und unter Einbeziehung der Überwachungserfahrungen des Geheimdienstes hat das Tracking nicht gut genug funktioniert. Die eigentliche Detektivarbeit in der Coronakrise wurde anscheinend von Krankenschwestern geleistet, was den früheren Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, Gabi Barbash, einem Professor für Epidemiologie, zu der Bemerkung veranlasste: „Technik allein reicht nicht!“ Die Aufgabe sei viel komplizierter und bedürfe der Zusammenarbeit Vieler.

Die Folgen für Israel

Wieder blickt man nach Israel. Kommt ein zweiter kompletter Lockdown? Seitens des Gesundheitsministeriums versucht man nun mit Hilfe von Studenten die Ermittlung von Kontaktpersonen zu gewinnen. Denn, wenn die Infektionskurve nicht bald in den Griff bekommen wird, so könnte das Gesundheitssystem zusammenzubrechen, so die Worte des Regierungsberaters Waxman. Bereits in dieser Woche wolle man eine Entscheidung über den Lockdown treffen.

Und wieder einmal steht die Wirtschaft eines Landes im Feuer. Die Arbeitslosigkeit in Israel ist bereits über 20 Prozent geklettert. Die bekannte nationale Fluglinie El Al steht kurz vor der Insolvenz. Wenn es keine große staatliche Unterstützung gibt, stehen viele Unternehmen und Restaurants vor der Pleite.

Fazit

Ausgerechnet im modernen Nahost-Staat Israel entfacht sich ein neues Infektionsgeschehen. Damit werden zwei Hoffnungen zerstört. Zum einen die Annahme, dass in heißer, sommerlicher Umgebung das Virus in seiner Verbreitung eingedämmt wird (vielleicht sind die Klimaanlagen in reichen Industrieländern eine Virusschleuder?) und zum anderen, dass mit technischen Hilfsmitteln eine neue Coronakrise sofort gestoppt werden könnte. Schon irgendwie frustrierend. Es bleibt bei den alten Präventionsmaßnahmen, der Hoffnung auf einen Impfstoff oder ganz langfristig, die Immunisierung der Bevölkerung. Oder etwas ganz anderes, von dem wir heute noch keine Ahnung haben.

Ich verweise an dieser Stelle auch auf meinen Artikel von gestern mit dem Titel “Die Jungen zahlen die Rechnung, Beamte und Rentner nicht!”.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Jürgen

    10. Juli 2020 10:23 at 10:23

    Oh je…..schlechter Journalismus und Angstverbreitung auch hier.
    Es fehlen Angaben zur Erhöhung der PCR-Tests, der Vergeich zu Vor-Wochen, Veränderungen bei der Sterbestatistik.
    Wer diese Zahlen hat, sieht deutlich: keine zweite Welle !!

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    thinkSelf

    10. Juli 2020 10:49 at 10:49

    Und wenn da 100.000 Infektionen am Tag festgestellt werden ist das vollkommen irrelevant, da der Virus für Menschen ohne Probleme mit dem Immunsystem kein relevantes Risiko darstellt.

    Da aber anscheinend auch die ansonsten so rationalen Israelis es nicht schaffen sich von der Corona Paranoia zu lösen, wird der vollständige wirtschaftliche und damit auch gesellschaftliche Kollaps der westlichen Gesellschaften in den nächsten 24 Monaten nun wahrscheinlicher.

    Ein Spieler allerdings dürfte diese Entwicklung enorm begrüßen. Der Goldene Drache im Osten der seinem Ziel zum Aufstieg zur globalen Supermacht nun erstaunlich schnell näher kommt. Er nutzt seit langem konsequent und geschickt die ausufernden Dekadenzerscheinungen des Westens zur Ausdehnung seiner Machtansprüche.

    Sein Durchbruch rückt nun in greifbare Nähe. Wahrscheinlich noch zu meinen Lebzeiten. Womit ich bis vor kurzem nicht gerechnet habe.

    • Avatar

      Tino Gruchmann

      10. Juli 2020 15:48 at 15:48

      Achtung das sind aktuell 1-1400 positive PCRs, das bedeutet nicht das die alle Infiziert sind. Ansonsten stimme ich Ihnen zu. Insgesamt sind jetzt bei 36000 positiven PCRs mit und durch Covid 350 Menschen gestorben. Das bedeutet bei einer Asymptomatischen Rate von dem bis zu 10 fachen können wir von 0,08-0,3% Todesrate ausgehen = mittlere – schwere Grippewelle und das obwohl sich kaum Kinder angesteckt haben, die bekanntlich noch weniger auf den Virus reagieren. Die induzierte Wirschaftskrise wird aber Millionen Menschen weltweit in den Hungertot treiben und hunderte Millionen in die extreme Armut.

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    Tino Gruchmann

    10. Juli 2020 11:00 at 11:00

    Warum versucht man nicht den Schwedischen Weg, die haben kaum noch Tote und in Israel gibt es sogar noch weniger Bevölkerung. Abgesehen davon Israel hat immer noch nur ca. 350 Tote mit positivem PCR bei der hälfte der Fälle von Schweden. Jetzt im Sommer könnte man doch versuchen so etwas wie eine Durchseuchung im kleinen Maßstab durchzuführen.

    • Avatar

      Columbo

      10. Juli 2020 19:58 at 19:58

      @Tino Gruchmann

      Ihre Worte sind echt grauslig.
      Sind Sie Bestatter von Beruf?

  4. Avatar

    Scheer

    10. Juli 2020 21:56 at 21:56

    Die Herndenimmunität können wir laut diesen Berichts mal gut in die Tasche stecken.
    Zitat:
    “Die Prävalenz selbst im stark von Covid-19 betroffenen Spanien ist also gering und weit entfernt von einer Herdenimmunität, so die Wissenschaftler. Sie könne nur “durch den Kollateralschaden vieler Toten in der gefährdeten Bevölkerung und durch eine Überlastung des Gesundheitssystems” entstehen. Soziale Distanzierung und Identifizierung der Infizierten und ihrer Kontakte seien weiterhin wichtig. Unklar bleibt auch weiterhin, ob Menschen, die Antikörper gebildet haben, dadurch auch gefeit vor einer Wiederansteckung sind und wie lange diese erhalten bleiben. Die Idee eines Immunitätsausweises aufgrund von Antikörpertests, wie dies die britische Regierung weiter verfolgt, ist nach dem jetzigen Stand des Wissens weiter unsinnig.”
    Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Covid-19-Viele-asymptomatisch-Infizierte-bilden-keine-Antikoerper-aus-4840167.html

    Ob das die Börsen inzwischen eingepreist haben ist mehr als fraglich.
    Willkommen in der neuen Welt.

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Dr. Jens Ehrhardt: Dax 2021 bei 16.000 Punkten, Deflation statt Inflation

Claudio Kummerfeld

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Laut Dr. Jens Ehrhardt wird der Dax weiter kräftig ansteigen

Dr. Jens Ehrhardt (hier mehr zu seiner Person) ist ein anerkannter Börsianer. Aber auch seine Meinung ist nur eine von vielen. Er betont in einem ganz aktuellen Videobeitrag, dass er auch im Tief des Börsencrash im März diesen Jahres seine Prognose bestätigt hatte. Der Dax werde nächstes Jahr bei 16.000 Punkten notieren.

Dax 16.000 Punkte laut Dr. Jens Erhardt

Und heute erneuert er diese Prognose. 16.000 Punkte für das nächste Jahr, das sei für den Dax sogar eher eine bescheidene Prognose. Bei Börsenkursen gehe es nun mal nicht um wirtschaftliche Realitäten, sondern um Angebot und Nachfrage im Handel, so seine Aussage. Die Notenbanken würden immer weiter Liquidität in die Märkte pumpen. Und irgendwo hin müsse all dieses neue Geld fließen. Es treibe die Börsenkurse an. Auch bei seiner letztjährigen Gold-Prognose von 2.000 Dollar hätte ihn so mancher schief angeguckt. Und jetzt sei sie eingetreten. Und warum der Dax derzeit noch so gut aussehe? Die Börsianer würden nun mal in den Kursen die realwirtschaftliche Entwicklung ein halbes Jahr vorwegnehmen! Und wie Dr. Jens Erhardt schon richtig sagt im Video… so weit entfernt sind die 16.000 Punkte von heutiger Sicht aus gar nicht mehr. Nur noch ein klein wenig zusätzliche Euphorie… der Sprung von 12.500 Punkten rauf auf 16.000 ist ja nicht mehr so groß?

Inflation?

Wo viele andere Kommentatoren wie Markus Krall etc eine Hyperinflation oder zumindest eine deutlich spürbare Inflation anrollen sehen, da spricht Dr. Jens Ehrhardt heute eher von Deflation. Er nennt dafür auch konkrete Gründe. Ob er Recht hat oder doch eher die Krall-Fraktion? Wir werden das wohl erst in gut einem Jahr genauer wissen. Erhardt meint, dass Inflation für die nächsten 1-2 Jahre gar kein Thema sei.

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Künstliche Intelligenz: Die nächste Generation der Robo Advisor?

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Künstliche Intelligenz pusht den Robo Advisor in der Geldanlage?

Vor wenigen Jahren noch völlig unbekannt, ist die Geldanlage über einen Robo Advisor für viele deutsche Verbraucher heute zu einer echten Alternative geworden. Jeder dritte Deutsche (29 Prozent) weiß bereits was ein Robo Advisor ist. Von denjenigen, die mit dem Begriff vertraut sind, kann sich sogar jeder fünfte (20 Prozent) vorstellen, sein eigenes Geld über einen Robo Advisor verwalten zu lassen. (Info: Begriffserklärung Robo Advisor) Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die vom Marktforschungsinstitut Toluna durchgeführte Studie ,,Robo Advice in Deutschland – Status quo und Entwicklungsperspektiven 2020“, welche von der European Bank for Financial Services in Auftrag gegeben wurde.

370,10 Prozent Anstieg des Anlagevolumens bis 2024 erwartet

Belief sich das Anlagevolumen im Segment Robo Advisor im Jahr 2017 in Deutschland noch auf 756 Millionen Euro, wird für das Jahr 2024 ein satter Anstieg auf insgesamt 29,860 Milliarden Euro Anlagevolumen prognostiziert. Bereits in diesem Jahr (2020) wird mit einem Anlagevolumen von über 8 Milliarden Euro allein in Deutschland gerechnet. (Quelle: Statista.com) Kein Wunder also, dass Banken und Finanzdienstleister weiterhin massiv in Neuentwicklungen und Verbesserungen der Analysefähigkeiten der digitalen Berater investieren. Nachdem anfängliche Kinderkrankheiten nach und nach beseitigt wurden, sollen Robo Advisor in Zukunft deutlich cleverer werden als ihre ,,Vorfahren“.

Die nächste Generation kommt – mit ihr die Künstliche Intelligenz

War der Anlagevorschlag der „ersten Generation“ noch aufgrund einer einfachen Risikoabfrage und Auswahl an möglichen Anlageklassen relativ statisch und konnte sich bei kurzfristigen Marktveränderungen nur bedingt schnell anpassen, wird die nächste Generation schneller und individueller arbeiten.

Die laufenden Verbesserungen der Künstlichen Intelligenz bieten besonders im Segment Robo Advisor ein enormes Potenzial. Es ist bereits in naher Zukunft denkbar, dass Robo Advisor eine smarte Steuerung des Portfolios durch eine Echtzeit Risikosteuerung ermöglichen und besondere Anlegerwünsche wie ESG-Investing (Environment, Social and Governance – sprich: Ethisches Investieren) vermehrt berücksichtigen.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz könnte mittel- und langfristig ganzheitlichen Charakter erlangen, welcher ein solides Cashflow-Management, einen entscheidenden Teil der Altersvorsorge, die übergreifende Investitionsplanung, das Finanzrisikomanagement und individuelle Steuerplanungen des Anlegers begleitet.

Fazit: Wo führt das hin?

Dort wo Wachstum stattfindet, wird investiert. Dort wo investiert wird, entstehen neue Möglichkeiten. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Geschwindigkeit der Veränderung in Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz nie wieder so langsam sein wird wie heute. Von diesem Standpunkt aus betrachtet wird die Zukunft viele Chancen bieten, aber auch enorme Risiken in sich bergen, die heute noch kaum vorstellbar sind. Eine kritische Betrachtung möglicher Veränderungen ist daher durchaus gesund.

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TikTok: Opfer des US-Monopols? Trump und Microsoft in Aktion

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TikTok App auf einem Smartphone

Achtung Verschwörungstheorie? Oder jede Menge heiße Luft? Nein, hier geht es um mehr als nur ein Geschmäckle. Offiziell zumindest geht es um Datenschutz. Es ist ja bekannt, dass der Social Media-Dienst TikTok mit Sitz in China auch im “Freien Westen” eine ernsthafte Gefahr für Instagram und YouTube geworden ist. Noch schlimmer. TikTok ist erfolgreicher und beliebter. Mit alleine 46 Millionen Downloads in den USA alleine im Jahr 2019 ist TikTok als Plattform für kurze Videos richtig angesagt. Die allermeisten Nutzer konsumieren nur Inhalte, wie auf anderen Plattformen auch.

TikTok als einzig ernsthafte Gefahr für das US-Monopol

Damit ist TikTok die erste wirklich ernsthafte Gefahr für das Social Media-Monopol der USA. Denn mal ehrlich. Es ist ein Monopol, wenn man danach geht, aus welchem Land die Anbieter kommen. YouTube, Google, Twitter, Instagram, Facebook, Whatsapp, LinkedIn. Was man in Europa und Nodamerika und in den meisten anderen Teilen des Planeten nutzt, kommt aus den USA. Und TikTok wird offenbar immer beliebter und erfolgreicher. In den App Stores wird die App häufiger geladen als die Apps von den großen US-Anbietern. Und das auch noch völlig ohne Zwang. Die Kids und jungen Erwachsenen in Europa und den USA finden etwas aus China viel besser als etwas aus den USA?

Das kommt noch hinzu zum Angriff auf das Monopol der USA. So was darf doch nicht sein, dass die Chinesen etwas anbieten, was die Leute im Westen besser finden? Und dann wie gesagt noch das schöne Monopol der USA, das bedroht ist. Dagegen musste etwas unternommen werden? Schon seit Wochen gab es Drohungen gegen TikTok vorzugehen, zum Beispiel seitens des US-Kongress oder durch US-Außenminister Pompeo. Als Grund führt man Datenschutzbedenken an. Nutzerdaten könnten bei der chinesischen Regierung landen. Ob es so ist? Man weiß es nicht. Aber dass gerade die US-Regierung nun mit dem Datenschutz kommt (Thema NSA-Skandale), ist schon witzig, oder eher traurig?

Trump droht, Microsoft will kaufen

Und jetzt ganz frisch droht Donald Trump damit TikTok als App in den USA komplett verbieten zu wollen. Und upsss, ohhhh Wunder. Exakt zur selben Zeit, nämlich am letzten Wochenende, wird bekannt, dass Microsoft mit dem chinesischen Betreiber von TikTok (der Firma ByteDance) in Verhandlungen stehe (hier die offizielle Mitteilung von Microsoft). Man wolle der Firma das TikTok-Geschäft für die USA, Kanada, Australien und Neuseeland abkaufen. Offenbar geht es um eine Kaufsumme in Höhe von 50 Milliarden Dollar. Bis zum 15. September wolle man eine Einigung erreichen. Warum bis dahin? Laut Berichten soll die Trump-Administration bis dahin Zeit gegeben haben. Schafft Microsoft bis dahin keine Einigung zur Übernahme, wolle man TikTok in den USA verbieten. Was für ein zeitlicher Zufall zwischen aktueller ganz konkreter Verbotsandrohung und der Microsoft-Verhandlung? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

Denn was wäre ohne die Verbotsandrohung durch Donald Trump passiert? Welchen Grund hätte ByteDance haben sollen, nun womöglich zügig TikTok für die angelsächsischen Märkte verkaufen zu müssen? Gar keinen. Aber gibt es keinen Käufer und die USA verbieten TikTok im eigenen Markt einfach, dann ginge ByteDance ein gigantischer Milliardenbetrag durch die Lappen, beziehungsweise ein beträchtlicher Wertverlust für den chinesischen Anbieter als Gesamtunternehmen.

Nur eine dumpfe Verschwörungstheorie rund um TikTok?

Ist es ein abgesprochenes Spiel hinter den Kulissen? Ich (Trump) drohe mit Verbot, und damit wird TikTok genötigt sein Geschäft für die USA schnell und günstig zu verkaufen, und zwar an einen US-Konzern? Wenn nicht, drohe ich einfach weiter mit Verbot? Ja, das ist natürlich rein spekulativ und klingt schon stark nach Verschwörungstheorie. Aber der zeitliche Zusammenhang von ganz konkreter Androhung eines schnellen Verbots von TikTok, und der Kaufverhandlung durch Microsoft, das wirkt sehr, sehr, sehr stark wie Geschmäckle hoch 10!

Natürlich kann man auch argumentieren, dass die Trump-Administration derzeit ja eh grundsätzlich die Krallen ausfährt gegen China, siehe die Konsulats-Schließung, verschärfter Handelskrieg, Vorwürfe in Sachen Covid-19 usw. Da könnte TikTok nur ein weiterer Eskalations-Baustein sein. Aber ich denke mal: Man sollte das bisherige Social Media-Monopol der USA nicht außer Acht lassen, und dass TikTok derzeit in der Tat dem Monopol den Rang abläuft. Holt man TikTok in die USA und bringt die App in die Hände eines US-Konzerns, kann die Monopol-Party weitergehen, im Zugriffsbereich der NSA versteht sich. Aber, da darf man wenigstens beruhigt sein… dann gäbe es immerhin keine Datenschutzbedenken mehr, dass die chinesische Regierung Daten abgreift.

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