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Coronakrise: Erste Diskussionen zur Lösung der Staatsschuldenprobleme

Wie geht man mit der explodierenden Schuldenlast in der Coronakrise um – insbesondere in den südlichen Staaten?

Wolfgang Müller

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Es war klar, dass diese Diskussionen nicht lange auf sich warten lassen würde: Wie geht man mit der explodierenden Schuldenlast in der Coronakrise um – insbesondere in den südlichen Staaten? Hierzu werden bereits Vorschläge verbreitet, die man vor der Pandemie nicht ohne Weiteres hätte aussprechen können.

Coronakrise: Die Kehrseite der Rettungspakete

Die Maßnahmen der Staaten zur Abmilderung der Folgen der Coronakrise sind wohl „alternativlos“. Leider bringen sie viele Euro-Staaten, die schon vor der Krise meilenweit von den Maastricht-Kriterien entfernt waren, erst recht in die Bredouille. Seitens der europäischen Kommission geht man auf von einem Anstieg der Staatsschulden von durchschnittlich 86 auf 102,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Klar ist dies auch ein neuer Höchststand, auch im Vergleich zur Eurokrise, bei der man 93 Prozent erreicht hatte.

Das große Augenmerk liegt einmal mehr auf den Südstaaten und dabei ganz besonders auf Italien. Dessen Schuldenlast könnte in diesem Jahr von 135 auf fast 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Wenn da die EZB nicht wäre, mit all ihren Käufen und Stützungsmaßnahmen sowie des Rettungsschirms Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM), hätte man bereits eine neue Eurokrise. Damit besteht weiterhin die Möglichkeit Finanzierungsprobleme der Länder abzuwehren. Allerdings wird diese allgemeine Schuldenfinanzierung für Deutschland durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts künftig nicht unbedingt leichter.

Derzeit ist ein 540 Milliarden Euro schweres Hilfspaket der EU fast schon in trockenen Tüchern: Bestehend aus Unternehmenskrediten der Europäischen Investitionsbank und aus Krediten, die die EU-Kommission für die Bezahlung der Kurzarbeit an die Mitgliedstaaten vergibt. Mit 240 Milliarden Euro stammt der größte Anteil aus Krediten des ESM. In Italien nicht unumstritten, da man sich dabei strengen Vorgaben der Geldgeber unterwerfen soll. Doch was passiert anschließend, sollte man die Coronakrise in den Griff und durch die weitere Verschuldung eine Eurokrise abwehren können?

Die Vorschläge der Ökonomen

Der Präsident des Ifo-Instituts, Professor Clemens Fuest, denkt dabei bereits an einen Schuldenschnitt für Italien, die Last sei nicht länger tragbar. Aber wie könne dies organisiert werden, ohne eine Bankenkrise hervorzurufen? Der sehr im stillen agierende Ökonom Dr. Daniel Stelter sieht eine Lösung langfristig in der Streichung der Schulden aus der Bilanz der Europäischen Zentralbank, aber vorher könne sie noch auf Zins und Tilgung verzichten. Man habe in Zukunft schlicht und ergreifend keine andere Wahl, so der Autor des Buches „Das Märchen vom reichen Land. Wie die Politik uns ruiniert.“

Diese Vorschläge rufen derzeit noch heftigen Widerstand von anderen Ökonomen hervor. Zum Beispiel von Gabriel Felbermayr, dem Präsidenten des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), der vor den Folgewirkungen warnt: andere Staaten würden dann Gleiches fordern, zudem wäre der Druck für Reformen zur Haushaltskonsolidierung dahin. Noch deutlicher der langjährige Chef des Ifo-Instituts Professor Sinn: „Das Bundesverfassungsgericht hat diese Woche noch einmal verfügt, dass Staatspapiere niemals dauerhaft bei der EZB abgelegt werden dürfen. Sollte der EZB-Rat das dennoch beschließen, dürfte die Bundesbank nicht mitmachen, und der Euro würde sofort platzen.”

Außerdem würde eine solche Staatenfinanzierung schlussendlich in eine Hyperinflation münden.

Coronakrise: Wie geht es dem Sparmeister Deutschland?

Auch Deutschland wird nach gut 10 Jahren Schuldenabbau (wenngleich sehr stark begünstigt durch die Reduktion der Zinslasten) die Maastricht-Kriterien im neuen Jahr verfehlen. Wo lag der Zinssatz für eine deutsche Staatsanleihe im Jahr 2009? Bei 3,27 Prozent und heute bekommt der Staat (noch) Geld für die Schuldenaufnahme. Und künftig müsste man von gut 70 Prozent Staatsschulden – falls es die konjunkturellen Umstände erlauben – einen neuen Start in die verhasste Austeritätspolitik wagen. Bei einer Bevölkerung, die jetzt schon in Teilen schwer unter der Coronakrise zu leiden hat.

Eine Studie der Postbank: Viele erleiden durch die Coronakrise Einbußen

Die Postbank hat eine Studie zur Vermögenssituation der Deutschen im Zusammenhang mit dem mehrwöchigen Shutdown in der Coronakrise in Auftrag gegeben und diese am Wochenende in der Sonntagsausgabe der „Welt“ veröffentlicht. Aus meiner Sicht zeigt die Umfrage einmal mehr eine ganz schöne Spreizung in unserer Gesellschaft:

  • 2,6 Prozent oder 2,1 Millionen Bürger erleiden existenzbedrohliche Verluste
  • 4,2 Prozent (3,5 Mio) erhebliche Einbußen
  • 14,4 Prozent leichtere Einbußen
  • Aber das heißt aber auch, dass fast 80 Prozent der Bundesbürger (nach eigenen Angaben) keine Einkommenskürzungen befürchten.

Die Coronakrise hat zudem Einfluss auf das Sparverhalten und die künftige Anschaffungsneigung der Deutschen. Viele werden auch nach Normalisierung der Lage weder den Konsum steigern, noch Geld zurücklegen können. Besonders ausgeprägt sei dieser Studie zufolge dies bei der Gruppe der 30 bis 39-jährigen, wo 20 Prozent gar nichts mehr sparen können.

Auf der anderen Seite haben über 11 Prozent der Bevölkerung ihre Sparrate sogar noch erhöht, weil sie von Kürzungen nicht betroffen sind, wie Beamte oder Rentner – und ihnen einfach die Gelegenheit gefehlt hat, mehr Geld auszugeben. Die Studie sprach davon, dass weder der Bildungsabschluss noch das Haushaltsnettoeinkommen einen Einfluss darauf hätten, ob Befragte Einkommenskürzungen hinnehmen müssen oder nicht. Was aber eine sehr vage Aussage sein dürfte, denn Einbuße ist in den verschiedenen Schichten nicht gleich Einbuße.

Fazit

Ist ein Schuldenschnitt irreale Zukunftsmusik? Wahrscheinlich nicht – angesichts der Dimension der Coronakrise. Schuldenstände in dieser Höhe kann man mit Wirtschaftswachstum, vor allem in älteren Gesellschaften nie und nimmer auf gewünschte Levels reduzieren. Deshalb ist es eines der harmlose Szenarios – im Vergleich zu einer Währungsumstellung – sogar das milde Szenario.. Wir werden es vor allem in Japan sehen, wo die Staatsschulden über astronomische 250 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt steigen werden. Einen Schuldenschnitt, sprich ein Ausbuchen und Vernichten der Bestände um vielleicht 50 Prozent durch die Bank of Japan, halte ich dort für ein unglaublich realistisches Szenario.

In Europa, einem Staatenbund der vielen Geschwindigkeiten und Systeme, ist so etwas ungleich schwerer. Würde man in einem Mitgliedstaat einen Schuldenschnitt durchführen, so hätte man einen Präzedenzfall geschaffen. Aus wäre es mit der (sowieso sehr geringen) Schuldendisziplin, die immer mit schmerzhaften Einschnitten für die Bevölkerung verbunden ist, weil es ja auch viel einfacher gehen kann. Der Auftakt zur Hyperinflation – der Schuldenschnitt, ein scheinbares Wunderheilmittel mit unglaublich verhängnisvollen Nebenwirkungen.

Die Schulden explodieren in der Coronakrise - wo ist eine tragfähige Lösung dafür?

 

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Brigitte

    11. Mai 2020 11:34 at 11:34

    „Der sehr im stillen agierende Ökonom Dr. Daniel Stelter sieht eine Lösung langfristig in der Streichung der Schulden aus der Bilanz der Europäischen Zentralbank,….“
    So einfach ist das nun auch wieder nicht Herr Stelter. Auch wenn auf der Aktivseite der EZB-Bilanz zB deren Forderung gegenüber Italien „gestrichen“ wird, so fehlt auf der Passivseite der Gegenposten für diese Buchung.
    Dies bedeutet entweder, dass die an der EZB beteiligten Länder diesen Posten auffüllen müssen, sprich für diese Streichung aufkommen müssen
    oder z.B. die Position „Banknotenumlauf“ auf der Passivseite gekürzt werden müsste. Doch wie kommt man dann bloss an die sich im Umlauf befindlichen Geldscheine? Naja, die Geldeinlagen der Banken könnte man ja auch noch reduzieren. Doch wie werden darauf die Banken und deren Kunden reagieren?
    Vorschlag: Sammeln der auslaufenden Staatsanleihen, ab einer bestimmten einheitlichen Stellung zum BIP bei der EZB und Tilgung durch eine Sondersteuer auf jeglichen Gewinn. Begründung: Damit Gewinn (BIP) entstehen kann, bedarf es hauptäschlich der Verschuldung von Personen.

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    Herbert

    11. Mai 2020 12:32 at 12:32

    Daniel Stelter hat kürzlich einen weitaus besseren Vorschlag unterbreitet, über den leider kaum berichtet wurde:

    „Eine einmalige Vermögensabgabe von 20 Prozent würde genügen, die Staatsschulden Italiens um 100 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt zu senken. Soweit muss man ja nicht gehen, aber schon eine Abgabe von 10 Prozent würde rund 990 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen. Auch dann wären die Italiener noch deutlich vermögender als wir Deutschen.“

    https://www.wiwo.de/finanzen/vorsorge/daniel-stelter-die-italiener-sind-noch-reicher-als-die-schweizer-es-waere-gut-sie-wuerden-einen-eigenanteil-bringen/25789326.html

    Da die italienischen Haushalte im Europavergleich als wohlhabend anzusehen sind, wäre dies für mein Dafürhalten die fairste und naheliegendste Lösung. Während andere Länder ihre Haushalte konsolidiert haben, herrscht in Italien nämlich eine ganz andere Mentalität:

    https://www.n-tv.de/politik/Italien-wandert-mit-Spendierhosen-in-den-Ruin-article21755701.html

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      thinkSelf

      11. Mai 2020 13:09 at 13:09

      Nur er hat dabei etwas übersehen. Nämlich das die Italiener im Gegensatz zu den depperten Deutschen gar nicht einsehen warum sie ihr Vermögen opfern sollten, wenn man einen anderen Blöden findet, der das macht.

      Ich finde da Stelter letzten Vorschlag interessanter. Da sowieso alles monetarisiert wird hören wir endlich damit auf uns dagegen zu wehren und investieren mal kräftig in sinnvolle Dinge wie Infrstatrukur, Bildungseinrichtungen, Krankenhäuder, etc. (also Schulden einfach mal ordentlich rauf, allerdings nicht für Konsum, sondern für Invest).
      Das verhindert zwar den Knall nicht, aber wir können danach auf deutlich mehr Substanz wieder starten. Denn wenn beim Knall auch die reale Substanz weg ist, dann gibt´s auch keinen Wideraufstieg mehr.

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    thinkSelf

    11. Mai 2020 13:01 at 13:01

    Das sind doch alles Spiegelfechtereien. Die Schulden = Geldvermögen waren schon vor der aktuellen Krise nicht mehr einbringbar, sprich verloren.
    Es geht also nur noch darum, die Luft so aus dem Ballon zu lassen, das uns bei einer unvermeidlichen massiven Verarmung in der EU das ganze Ding nicht auch noch chaotisch politisch/gesellschaftlich um die Ohren fliegt.
    Das geht entweder über Schulden streichen = Geldvermögen streichen (danke, Brigitte), oder über eine länger anhaltende Inflation ohne Kaufkraftausgleich.

    Dazu müssten aber zwei Dinge passieren:
    1. Man muss die globalen Finanzcasinos schließen um die Umfverteilung von unten nach oben zu beenden
    2. Man muss das seinen Bürgern klar kommunizieren

    Beides wird aber nicht passieren. Denn das hat schon die letzte Finanzkrise gezeigt. Genau dazu fehlte damals der politische Mut. Und dieser Mut wird mit zunehmender Fallhöhe nicht wachsen. Der Point of no return war also bereits damals überschritten.

    Daher wird jetzt folgendes passieren:
    1. Die Leitzinsen und damit die Zinsen für beleihungsfähige Assets bleiben bei 0. Damit ist die Schuldentragfähigkeit unendlich.
    2. Die Staatsfinanzierung aus der Druckerpresse wird unedlich fortgesetzt.
    3. Die Zombifizierung der Wirtschaft wird weiter zunehme, damit die Produktivität weiter sinken und die in die in die Rente gehenden Boomer werden in breiter Front Richtung echte Armut fallen.

    Die sogenannten „Eliten“ hoffen nun auf die Gnade der frühen Geburt. Also darauf, das man sie persönlich für den angerichteten Schaden nicht mehr haftbar machen kann.

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      Brigitte

      11. Mai 2020 17:45 at 17:45

      @ THINKSELF,
      danke für die Blumen :-)
      Da vielfach Geld bereits in anderweitigem Vermögen, zu einem großen Teil im Ausland befindlich, umgewandelt wurde und wird, schröpft man durch die Streichung von Geldvermögen vorwiegend den Mittelstand, welcher sich steuersparende Anlagen, ua in das Ausland und den dazu gehörigen Beratern, nicht leisten können. Insofern stehe ich dafür, dass direkt an der Quelle der Entstehung von Vermögen/Schulden abgeschöpft wird, z.B. durch eine Sondersteuer auf jeglichen!! Gewinn.
      Haben Sie sich schon einmal überlegt, was eine Inflation bei Gütern und Leistungen ohne Kaufkraftausgleich bedeutet. Hierzu wäre ein Blick auf die Verteilungsseite des BIP interessant. Zu finden sind dort das Arbeitnehmerentgelt, Unternehmens- und Vermögenseinkommen, Produktions- und Importabgaben,.. (u.a. die Mehrwertsteuer), Abschreibungen und Saldo der Primäreinkommen. Kein Kaufkraftausgleich bedeutet gleichbleibende Arbeitnehmerentgelte. Die Abschreibungen werden es wohl nicht sein, da wohl weniger/gleich viel investiert wird, wenn die Kaufkraft fehlt. Welche Position wird/sollte dann steigen – die Unternehmens- und Vermögenseinkommen?

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      Lausi

      11. Mai 2020 19:45 at 19:45

      @Thinkself: Die Gnade der frühen Geburt? Um da ein bisschen nachzuhelfen wurde wohl das Coronavirus von der Leine gelasssen – lol!

  4. Avatar

    pippi langstrumpf

    11. Mai 2020 13:34 at 13:34

    Es läuft so oder so alles auf den globalen Schuldenschnitt aus.

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    MIke Lohmann

    11. Mai 2020 14:27 at 14:27

    Die Schulden der Staaten gehören jemandem, auch dann wenn es heisst sie seien in Zukunft nur ein auf alle Ewigkeit schlummernder Bilanzposten der EZB. Wenn das gedruckte Geld einen Wert hätte, müssten doch auch die Gläubiger diese Wertpapiere am Markt verpfänden können. Nur das Problem ist, dass niemand diese Schuldpapiere am Markt akzeptiert. Nur die EZB und ein paar Ökonomen in abhängiger Auftragsposition vertreten die Meinung, dass es sich um marktfähige Werte handle.

    Hand aufs Herz, möchten Sie solche Schuldpapiere die die EZB vom Markt genommen hat, zur Altersvorsorge gegen echte Werte eintauschen? Wohl kaum!! Auch sind vermehrt Börsianer wegen den Notenbanker in einem Hype, der ebenfalls nichts mehr mit der Realität zu tun hat. Die Aktienkurse sind auf eine Höhe gestiegen, die vorwegnimmt, dass in Zukunft irgendwann mit Hilfe der EZB diese Unternehmen diesen Wert hätten. Nach diesem Irrsinn und Logik kann man ja heute schon Preise von Häusern verlangen, die auf einem Wert in x-Jahren mal haben werden. Glaubt ein normaler Mensch – also nicht diese EZB-Ökonomen – dass man einen spekulativen Wert der Zukunft heute schon marktfähig als Pfand bei einer Bank hinterlegen könnte. Mit Bestimmtheit nicht einmal bei der EZB selbst. Also warum glauben ausgebildete Ökonomen, dass man von echten Werten reden und rechnen könne. Sind die Hochschulen denn nicht mehr in der Lage, vernünftig und logisch denkende Ökonomen auszubilden?

  6. Avatar

    Prognosti

    11. Mai 2020 17:01 at 17:01

    @ Mike Lohmann, vollkommen richtig, ich habe schon oft gesagt die Lehrbücher der Wirtschaft müssten neu geschrieben werden.Nein sicher nicht , aber die Glaübiger der Gelddruckorgien sind während Jahren daran ein Desaster anzurichten, das die grosse Masse ausfressen muss.Wenn genug umverteilt ist ,wird es Bürgerkrieg geben.Es gibt doch gerade jetzt Länder wo der Kampf um Lebensmittel mit Waffen geführt wird.

  7. Avatar

    Helmut

    12. Mai 2020 10:26 at 10:26

    Hallo Zusammen,
    kann mir bitte einmal jemand erklären, warum es zur Hyperinflation kommen soll / wird, wenn den EU-Krisenländern deren Schulden von der EZB gestrichen werden, danke.

    • Avatar

      Lausi

      12. Mai 2020 12:25 at 12:25

      Meiner Meinung nach hängt eine mögliche (Hyper)inflation einzig und alleine von der Bilanzsumme der EZB ab (wenn man die Umlaufgeschwindigkeit mal aussen vor läßt). Sollte diese in astronomische Höhen steigen dürfte peu a peu das Vertrauen in den Euro schwinden. Vielleicht vergleichbar mir einer Goldmünze wo stetig der Goldanteil reduziert wird. Sollten irgendwelche Schulden von der EZB gestrichen bzw. monetarisiert werden, ändert sich ja dadurch nicht die Bilanzsumme der EZB. Jedenfalls denke ich es so verstanden zu haben.

    • Avatar

      Volante

      12. Mai 2020 12:50 at 12:50

      Hyperinflation entsteht mit hyper Gelddrucken. Sprich sind die Schulden gestrichen gibt es ohne Ende Geld das nicht mehr zur Tilgung aufgewendet wird. Diese sollte dann in den Wirtschaftskreislauf fließen, das Angebot von Geld bestimmt die Nachfrage und die wiederum das Entgelt für die Ware.

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Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

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Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Extrem schwach! Der Amazon-Effekt in brutaler Klarheit

Claudio Kummerfeld

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USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 245.000 Stellen für November, was deutlich schlechter war als erwartet (Prognose 470.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 245.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 99.000 Stellen beim Staat. Somit gibt es im November 344.000 neu geschaffene Stellen im Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es insgesamt einen Zuwachs von nur 55.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +1.000. Auf dem Bau waren es +27.000 Stellen, und in der Industrie +27.000. Die folgende Grafik zeigt die gesamten Daten für das Verarbeitende Gewerbe im November.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt US-Arbeitsmarktdaten für November im Detail

Verbleibt bei den neu geschaffenen Stellen im November noch ein Plus von 289.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Ein sehr schwacher Wert nach +783.000 im Oktober. Der Einzelhandel baute 34.700 Stellen ab. Das ist dramatisch, wo der Sektor doch als einer der Jobmaschinen gilt. Elektronikgeschäfte bauten netto 11.300 Stellen ab, Sport- und Buchgeschäfte 12.100 Stellen, und Kaufhäuser sowie große Supercenter (Walmart etc) verloren netto 20.800 Stellen. Gleichzeitig explodieren die Neueinstellungen bei Amazon und Co (also vor allem Amazon). Alleine im November wurden netto 81.900 neue Kurierfahrer eingestellt, und 36.800 Mitarbeiter in Warenlagern.

Grafik zeigt Details zu Job-Änderungen im US-Einzelhandel

Der Sektor „Professional and Business Services“ konnte 60.000 Stellen hinzugewinnen (sehr schwach), wobei hier alleine fast 70.000 neue Jobs bei Zeitarbeit und Hilfsarbeit entstanden. Andere Teilsegmente in dem Bereich bauten also eher Stellen ab. Der Bereich „Pflege und Bildung“ ist mit nur +54.000 Stellen auch sehr schwach dabei. Wobei der Bereich Bildung 5.700 Stellen abgebaut hat. Die Pflege schuf 59.600 neue Stellen. Der mit Abstand größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc.  Hier ist die Schaffung neuer Stellen im November extrem schwach ausgefallen mit gerade mal +31.000. Innerhalb dieses Segments wurden bei Restaurants und Bars sogar 17.400 Stellen abgebaut. Die zweite Corona-Welle lässt grüßen.

Grafik zeigt Details zu verschiedenen US-Jobdaten

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Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

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Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

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