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Coronakrise in Japan: Nach Notprogramm jetzt Ausnahmezustand

Hannes Zipfel

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Kommt Japan durch die Coronakrise? Der Berg Fuji als Nationalsymbol

Abgesehen von der Tragödie auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess im Hafen von Yokohama schien Japan bisher glimpflich durch die Coronakrise zu kommen. Doch plötzlich steigen die Infektions- und Todeszahlen stark an und zwingen die Regierung in Tokio zu drastischen Maßnahmen.

Auch die japanische Regierung versuchte die Coronakrise zu ignorieren

Anfang Februar löste die schnelle Verbreitung der Covid-19-Seuche und die hohe Opferzahl auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess im Hafen von Yokohama ganz in der Nähe von Tokyo weltweites Entsetzen aus. Von den 3.600 Passagieren und Crewmitgliedern hatten sich innerhalb kürzester Zeit 712 mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert. Insgesamt 91 von ihnen starben, sieben Patienten sind nach wie vor ernsthaft erkrankt. Darüber hinaus schien Japan die Covis-19-Seuche trotz der geografischen Nähe zu China glimpflich zu überstehen. Die Zahl der täglichen Todesopfer lag durchschnittlich im einstelligen Bereich, die Infektionszahlen bildeten sich von in der Spitze 743 am 11. April auf 267 Fälle am 15. April zurück. Doch am Donnerstagmorgen schnellten die Zahlen fast um den Faktor drei wieder auf 741 Infektionen nach oben. Die Zahl der Todesopfer hat sich sogar von drei auf 32 mehr als verzehnfacht – ein neuer Rekord. Da vor allem die Hauptstadt Tokyo von der Ausweitung der Seuche betroffen ist, gibt es unter Mediziner nun die Befürchtung, dass die Coronakrise wie in der US-Metropole New York die medizinischen Notfalleinrichtungen überlasten könnte.

Mediziner in Japan wundert der Rückschlag bei der Eindämmung der Seuche nicht, hatte die Regierung von Ministerpräsident Shinzō Abe die Durchführung von flächendeckenden Tests zur Eindämmung der Coronakrise zuvor als „Verschwendung von Ressourcen“ bezeichnet. Dabei hatte Japan viel Zeit, sich vorzubereiten und zu reagieren. Obwohl der erste SARS-CoV-2-Fall bereits Anfang Januar in Japan nachgewiesen wurde, beschränkten sich die Viren-Tests nur auf einen winzigen Prozentsatz der Bevölkerung. Wäre man dem Beispiel Südkoreas gefolgt und hätte flächendeckende Tests und andere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, hätte das Wiederaufflammen der Coronakrise vielleicht verhindert werden können.

Regierung ruft den landesweiten Notstand aus

Obwohl die Infektionszahlen im Vergleich zu den USA, China und Teilen Europas immer noch relativ niedrig sind, treibt die Regierung in Tokyo die Angst vor der Überlastung des heimischen Gesundheitssystems um. Dies gilt vor allem für die Metropolregion Tokio-Yokohama. Sie zählt mit den dicht angelagerten Vororten insgesamt über 38 Millionen Einwohner: Das sind mehr als die Gesamtbevölkerung Kanadas. Am Donnerstagmorgen rief Ministerpräsident Shinzō Abe einen landesweiten Ausnahmezustand aus, der zunächst bis zum 6. Mai Bestand hat. Die Bürger sollen bis dahin möglichst zu Hause bleiben und soziale Kontakte vermeiden. Bereits am 8. April war für sieben der insgesamt 47 japanischen Präfekturen ein einmonatiger Ausnahmezustand ausgerufen worden. Nun gilt er landesweit.

Rechtliche Sanktionen haben die Japaner bei Zuwiderhandlung gegen die Notstandsverordnungen gleichwohl nicht zu befürchten. Der Schritt ermöglicht es den Regionalregierungen lediglich, die Menschen zu drängen, zu Hause zu bleiben. Die japanische Regierung verfügt nicht über die rechtlichen Befugnisse, eine Ausgangssperre mit entsprechend harten Sanktionen, wie zum Beispiel in Frankreich oder Italien, durchzusetzen. Stattdessen hoffen die japanischen Beamten auf die Einsicht und die Disziplin der Bürger. Unternehmen und Personen, die sich nicht an die Präventionsmaßnahmen halten, sollen, wie in Japan üblich, öffentlich beschämt werden. Über 80 Prozent der Japaner unterstützen den Ausnahmezustand, nachdem bereits 75 Prozent der Bevölkerung die vorherigen Eindämmungsmaßnahmen für unzureichend erachtet hatten.

Größtes Hilfsprogramm aller Zeiten für die drittgrößte Volkswirtschaft

Für die Weltwirtschaft ist der flächendeckende Ausnahmezustand in der drittgrößten Volkswirtschaft nach den USA und China keine gute Nachricht. Japan ist im Außenhandel vor allem im Bereich Automobile und Maschinenbau sehr stark und liefert elektronische Komponenten in die ganze Welt. Für die globalen Lieferketten ist Japan von großer Bedeutung. Problematisch ist die Coronakrise für die Lebensmittelversorgung, da nur rund 15 Prozent der Landfläche des Inselreichs kultivierbar sind, da es vor allem aus zerklüfteten Bergmassiven besteht. Aufgrund der im internationalen Vergleich hohen Grundstückspreise und Lebenshaltungskosten ist die japanische Landwirtschaft hoch subventioniert und durch Importzölle geschützt. Japan versorgt sich durch Landwirtschaft und Fischfang zu etwa 40 Prozent selbst mit Nahrungsmitteln. Der Rest des Bedarfs muss importiert werden. Das wird jetzt schwieriger und zeitlich aufwendiger.

Um vor allem die starke Exportwirtschaft zu schützen und die Binnenkonjunktur vor der Rezession zu bewahren, hatte die Regierung in Tokyo Anfang April das größte Konjunkturpaket in der Geschichte des Landes in Höhe von 13 Billionen Yen aufgelegt (110 Mrd. Euro). Insgesamt soll das Paket im Land der aufgehenden Sonne eine Wirkung von etwa 26 Billionen Yen entfalten (220 Mrd. Euro), weil auch private Ausgaben durch den staatlichen Anschub angeregt werden sollen, so zumindest die Hoffnung der Regierung.

Dass dieses Hilfspaket für die Wirtschaft Japans dringend notwendig ist, zeigen die jüngsten Projektionen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Dieser war für das laufende Jahr noch vor der Coronakrise nur von einem anämischen Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts Japans in Höhe von +0,47 Prozent ausgegangen. In dem am vergangenen Mittwoch vorgelegten „World Economic Outlook“ des IWF wurde dieses Wachstum auf -5,2 Prozent drastisch nach unten revidiert.

Fazit

Am Beispiel Japans wird deutlich, dass die wirtschaftlichen Folgen durch die Coronakrise für die Weltwirtschaft noch lange nicht überstanden sind. In Folge der jetzigen Beschränkungen werden viele Unternehmen und damit auch Arbeitsplätze sowie Kaufkraft verloren gehen, bevor die Welt wieder auf den Wachstumspfad zurückkehrt. Dass dies gelingen kann, zeigt das Beispiel Südkorea. Selbstverständlich werden auch die massiven und in ihrer Dimension einmaligen Finanzhilfen aus der Notenpresse dazu beitragen – aber noch dominiert der ökonomische Abwärtsdruck durch die Coronakrise.

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Markus Krall über das große Debakel als Resultat der Gelddruck-Orgie

Claudio Kummerfeld

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Dunkle Wolken über Frankfurt

Markus Krall erlebt man in letzter Zeit leider öfters vor allem bei Twitter mit zweifelhaften Äußerungen zu Corona-Themen. Aber dennoch wollen wir seine hochinteressanten Aussagen zur Geldpolitik und Wirtschaftsordnung präsentieren. Denn seine inhaltlichen Aussagen zu diesen Themen sind bestechend. Sicherlich kann man bei einigen seiner Aussagen anderer Meinung sein, dennoch erweitern seine Thesen den Horizont und regen zum Nachdenken an.

Der folgende gestern veröffentlichten Vortrag stammt zwar schon vom 24. Oktober 2020, dennoch ist er auch heute noch aktuell. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen der Coronakrise werden besprochen. Dabei zeichnet Markus Krall ein düsteres Bild über eine bevorstehende massive Inflation und das Ende des Euro. Richtig los geht es ab Minute 12:40 im Video. Banken und Zombieunternehmen sind Klassiker-Themen in seinen Vorträgen, die auch dieses Mal zur Sprache kommen. Auf jeden Fall ist dies mal wieder ein spannender Vortrag von Markus Krall.

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Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

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