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Coronakrise: Kommt der große Boom im Jahr 2021?

Die aktuelle Coronakrise und die finanzielle Repression haben eine Sonderstituation geschaffen: Kommt der große Boom im Jahr 2021?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die aktuellen Börsenkurse orientieren sich in der Coronakrise nicht an der nahen Zukunft, an einem harten Coronawinter infolge der großen Infektionszahlen, partiellen Lockdowns und dem nicht gleich wirksamen Impfschutz. Man erwartet aus monetären und auch verhaltenspsychologischen Gründen einen gewaltigen Aufholprozess in manchem Teil der Wirtschaft im Jahr 2021.

Boom nach der Coronakrise?

So auch meine Sichtweise in meinem gestrigen Artikel über den zeitlichen Horizont der Börsen. Jetzt schlägt auch der bekannte Historiker, Niall Ferguson, in dieselbe Kerbe, gleichzeitig warnt er auch vor einem deutlichen Anspringen der Inflation. Hier seine Aussagen dazu aus dem gestrigen Beitrag im „Handelsblatt“.

„Es wird eine Einkaufstour gigantischen Ausmaßes geben“

Der Professor von der Universität Stanford bringt seine Sichtweise auf die aktuelle Coronakrise gleich zu Beginn des Gesprächs auf einen Punkt.

Menschen werden ihr Verhalten nach Corona nicht ändern: „Auch zu Zeiten der mittelalterlichen Pest kehrten die Menschen immer wieder zu ihrem früheren Verhalten zurück – bis zum nächsten Ausbruch der Seuche. Das wird jetzt nicht anders sein.“

Hier auszugsweise seine Thesen zur Krise und deren Folgen:

Ökonomisch betrachtet wird die Coronakrise die stärkste, aber auch kürzeste Rezession sein, die es je gegeben hat. Nur etwa fünf Prozent unserer Volkswirtschaft (USA) mussten wir zum Stillstand bringen, um das Virus zu bekämpfen. Der Rest lief weiter. Obwohl der wirtschaftliche Schaden momentan groß ist, werden wir in 2021 das Schlimmste überstanden haben. Unterm Strich sind die ökonomischen Auswirkungen der Pandemie viel geringer als die Schäden nach der Finanzkrise 2008.
Zur Notwendigkeit der Staatshilfen: Der hohe Einsatz der Geld- und Fiskalpolitik, zum Beispiel in den USA, wird im nächsten Jahr zu Problemen führen. Die Inflationsrate wird schneller die Zielmarke von zwei Prozent überschreiten, als die US-Notenbank das erwartet.
Zur Sparrate der Amerikaner: Die US-Haushalte haben 2020 rund eine Billion Dollar zwangsweise gespart. Dieses Geld wird ausgegeben, wenn das nach der Coronakrise wieder möglich ist. Es wird eine Einkaufstour gigantischen Ausmaßes geben, und die Sparrate in den USA wird wieder auf ihr historisches Maß sinken.
Anmerkung: Aktuell 27,4 Millionen hungernde Amerikaner sind für die Gesamtökonomie und nach dem 5. Stimulus anscheinend nicht das große Problem.

Zur Reaktion auf einen Inflationsanstieg: Der kommende Boom 2021 wird die Strategie der Fed über den Haufen werfen. Die amerikanischen Zentralbanker wollten die Inflation etwas über ihren Zielwert hinausgehen lassen, um die Dürrejahre mit geringerer Inflation auszugleichen. Wenn jedoch die Inflationserwartungen zunehmen, wird auch der Druck auf die Notenbank wachsen, ihre Strategie zu ändern und früher als gewollt ihre Anleihekäufe zurückzufahren. Wenn Anleihen an den Finanzmärkten nicht mehr ohne Weiteres von der US-Notenbank aufgekauft werden, wird das den Dollar weiter schwächen. Wahrscheinlich wird es im zweiten Halbjahr 2021 dazu kommen.

Droht eine Schuldenkrise? Die Schuldenquote der USA wird deutlich über den Stand nach dem Zweiten Weltkrieg steigen. Das Haushaltsbüro des Kongresses sagt voraus, dass die steigenden Zinslasten und die wachsenden Sozialausgaben das gesamte Budget auffressen werden.
Aber die Zinsen werden doch niedrig bleiben: Es kann sein, dass die vom früheren US-Finanzminister Larry Summers prognostizierte säkulare Stagnation weiter anhält. Anders jedoch als nach der Finanzkrise wird sich die Wirtschaft jetzt nach der Coronakrise viel schneller erholen. Damit steigt auch das Zinsrisiko. Auch wenn niemand mehr das schmutzige Wort „Austerität“ in den Mund nehmen will, wird es ohne schmerzhafte Anpassungen der Fiskalpolitik nicht gehen.

Zum Einstieg von Präsident Biden: Entscheidend wird sein, ob die Demokraten die Stichwahlen für den Senat in Georgia Anfang Januar gewinnen können. Nur dann kann Joe Biden sein ehrgeiziges Wiederaufbauprogramm für die Wirtschaft umsetzen. Behalten dagegen die Republikaner ihre Mehrheit im Senat, bestimmt ihr Anführer Mitch McConnell die politische Agenda in den USA. Das würde die Biden-Regierung zur politisch schwächsten Regierung in den USA seit 1884 machen, als der Demokrat Grover Cleveland weder das Repräsentantenhaus noch den Senat gewinnen konnte. Bidens Pläne, die Staatsausgaben und die Steuern für die Reichen zu erhöhen, würden im Senat blockiert.

Also ein möglicher Fehlstart Bidens? Nicht unbedingt. Biden werde laut Ferguson von dem wirtschaftlichen Boom profitieren, der mit Beginn der Immunisierung nach der Coronakrise einsetzen wird. Die US-Wirtschaft kommt im Frühjahr vermutlich auch ohne eine große staatliche Konjunkturhilfe aus. Die Impfstoffe bringen die Wirtschaft auf Touren.

Zur Gesamtbeurteilung des Jahres 2020: Ich habe im Januar vorausgesagt, dass die Pandemie einen schweren wirtschaftlichen Schock auslösen und die Welt mehr als ein Jahr lang unter Dauerstress setzen werde. Das ist so eingetroffen. Die Zahl der Toten ist etwa mit der Mortalität durch die asiatische Grippe (H2N2) von 1957/58 vergleichbar. Es ist wichtig, dass wir das Coronavirus und die Coronakrise im historischen Kontext anderer Pandemien sehen. Nur dann kann man verstehen, was wir 2020 erlebt haben.

Zur historischen Einordnung der Pandemie: Wir sollten zum Beispiel im Kopf behalten, dass die Aids-Pandemie mehr als 30 Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Das ist viel schlimmer, als Corona jemals sein wird. Das Covid-19-Virus wird es nicht unter die 20 schlimmsten Pandemien schaffen, die es je gegeben hat. Die schnelle Entwicklung der Impfstoffe wird dafür sorgen, dass die Pandemie Ende 2021 in den meisten Orten der Welt Geschichte ist. Und dann setzt die kollektive Amnesie ein, durch die wir auch frühere Pandemien schnell vergessen haben.

Dazu die Beurteilung der Regierungsmaßnahmen druch Ferguson: Die Lockdowns sind ein sehr grobes Mittel. Aber für viele westliche Länder gab es dazu keine Alternative, da die dortigen Regierungen es versäumt haben, die Pandemie frühzeitig und effizient zu bekämpfen, wie es etwa Ländern wie Taiwan und Südkorea gelungen ist.

Persönliche Anmerkungen

Die aktuelle Coronakrise hat mit der sowieso schon laufenden finanziellen Repression an den Märkten eine Sonderstituation geschaffen, für das die Volkswirte kein brauchbares Modell besitzen, auch nicht die in den Notenbanken. Deshalb setzt man auf die Wirkung des billigen Geldes und hofft so über eine kontrollierte Inflation aus der Verschuldungssituation herauszukommen. Auch unter Inkaufnahme von teilweiser Blasenbildung in Teilbereichen der Märkte (bei Einzelaktien, Tech, Nebenwerten und Immobilien) – von Anleihen erst gar nicht zu reden. Dass es gleich eine Aktien-Bubble wie 2000 sein soll, ist beim S&P 500 nicht zwingend gegeben. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei den für 2021 erwarteten Gewinnen bei 21,5, beim Dax sogar nur bei 15. Und dies bei dem weiter bestehenden Notstand, in dem weltweit immer noch über 30 Billionen Dollar an Anleihen mit einer negativen Realrendite notieren.

Das Jahr 2021 könnte zwar insgesamt ruhiger werden als 2020 mit seinen Frühjahrsturbulenzen im Gefolge der Coronakrise, Einbrüche dürften aber weiter kommen – und zwar ziemlich deutliche. Weil eben die Geldpolitik immer wieder rettend zur Seite stehen wird. Ungeachtet dessen ist ein Aufholprozess in der Wirtschaft aufgrund der Sehnsucht der Menschen nach Normalität sehr wahrscheinlich. Ob Restaurants, Hotels, oder Flugreisen. Wer sich an bestimmte Formen des „Luxus“ gewöhnt hat, wird diesen nach Zeiten der Entbehrungen wiederhaben wollen. In einer Konsumgesellschaft mit kurzen Lebenszeiten von Produkten (geplante Obsoleszenz) wird das sofort wieder in Wachstum münden. Wenn Geld da ist sowie die Sorge vor Verlust des Arbeitsplatzes schwindet, aber das zeigt die Sparrate in Deutschland (18 Prozent) und das disponible Vermögen in den USA (lt. Ferguson) – daran wird es nicht mangeln.

Der Knackpunkt ist meines Erachtens, wie schon oft erwähnt, eine trabende Inflation nach der Coronakrise, die eine Lawine ins Rollen bringen könnte!

Komtm nach der Coronakrise der große Boom?

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    jürgen

    18. Dezember 2020 11:54 at 11:54

    Nun ja, da wird wohl zuviel Hoffung in den Impfstoff gesetzt. Wenn er zu 60% wirkt, wird das viel sein. Viele lassen sich ausserdem nicht impfen, Corona wird weiter seine Kreise ziehen und mutieren, vielleicht wird es viel gefährlicher. Vielleicht muss man den Impfstoff auch nach einiger Zeit vom Markt nehmen, da zu viele dran sterben und er zu wenig wirkt.
    Ich glaube nicht das die Pandemie zu bekämpfen ist, sie wird das System nach und nach zerlegen.
    Ich shorte den Markt auf dem Niveau für längere Zeit.

  2. Avatar

    Peter Sallister

    18. Dezember 2020 11:56 at 11:56

    Sie haben es schön beschrieben.
    Noch nie wurde die Austerität so mit den Füßen getreten wie dieser Tage.
    Noch nie fragten sich so viele Marktteilnehmer ob die redlichen, altbewährten Prinzipien ganz neuen Mechanismen weichen werden.
    Aber aufgepaßt. Die vermeintliche neue Börsenwelt könnte auch eine Falle sein. Wenn die konservativen Mahner ins Lager der Optimisten wechseln!
    Gelten die Gesetze von Mathematik, Physik und Vernunft nicht mehr in der neuen Welt unbegrenzter, unendlicher Gewinne?
    Wo ist eigentlich die grausame Seite der Börse geblieben? Kursstürze, jahrelange Stagnation der Kurse? Die zu den Gewinnen gehören wie die zweite Seite jeder Medaille? Muß das Ausbleiben nicht stutzig machen?
    Glauben wir plötzlich, daß die Tinktur, die der Quacksalber am Marktplatz unter dem Kirchturm verkauft wirklich ewiges Leben bietet? Wenn jetzt plötzlich alle aus dem Städtchen die letzten Goldstücke zusammenkratzen um noch eine Tinktur zu erhaschen bestätigt das nicht doch seine Wirksamkeit?

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    Columbo

    18. Dezember 2020 12:37 at 12:37

    @Jürgen

    Seite ca. 80 Jahren gibt es Impfungen. Zu 99,99% ein Erfolg, schwere Nebenwirkungen sind Raritäten.
    Man sieht keine durch Kinderlähmung verkrüppelte Menschen mehr.
    Ausgerechnet dieser Impfstoff soll jetzt gefährlich, tödlich, schlimmer als Covid selbst oder wirkungslos sein?
    Eher unwahrscheinlich, oder?
    Für eine laute Minderheit in den sozialen Medien ist einfach alles schlecht: Masken, Lockdowns, Tests, Impfungen, Virologen, Ärzte…
    Diese Minderheit bietet keine Lösung an, sie „glaubt, daß sich das System nach und nach zerlegen wird“ und freut sich darauf. Desperado-Mentalität!

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    Mike Lohmann

    18. Dezember 2020 17:46 at 17:46

    Der Glaube an die universelle, ganz grosse Methode die alle Probleme lösen wird, hatten früher schon die Alchemisten, spater dann die Physiker mit ihrem Perpetuum-Mobile, und heute im Jahrhundert der Wissenschaft glauben nun ein paar Notenbanker und ihre Seilschaften, die allumfassende Lösungsmethodik mit der Gelddruckmaschine und Eigentumsumverteilung gefunden zu haben. Ob da vielleicht ein nachträglicher Intelligenztest noch den kommenden Leidensdruck noch etwas entschärfen könnte?

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    Wirrologe

    19. Dezember 2020 06:42 at 06:42

    @ Columbo. Zuerst die Pandemie schöngeredet, dann 180 Grad Wende, jetzt werden die Gefahren des Notfall- Schnellschuss- Impfstoffes verniedlicht. Wenn es schlecht läuft könnten sie dann auch noch die Folgen schönreden. Sie wären dann dreimal grossartig danebengelegen. Für einen Arzt? , der Andere in dieser Sache auch schon als Laien taxierte eine sehr rühmliche Angelegenheit.
    Die Aussage, dass 99,9% der Impfungen problemlos waren , bezieht sich doch eher auf vergangene Impfungen mit Langzeittests und nicht auf Notzulassungen.
    Dass z.B. nur 46% der Franzosen impffreundlich sind rührt daher, dass sie einige schlechte Erfahrungen mit Medikamenten machten.
    Herr Columbo, sie wollen etwas WAS NIEMAND weis einfach besser wissen.Ihre früheren Einschätzungen bestehen die Langzeittest auch bei weitem nicht.

  6. Avatar

    Peter

    19. Dezember 2020 09:47 at 09:47

    Die Pandemie ist lediglich ein Brandbeschleuniger. Nehmen wir das letzte Quartal von 2019 als Benchmark, dann wird klar wohin die Reise geht. China produzierte schon in 2019 mehr deutsche Autos als in Deutschland produziert wurde. Ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend verstärken wird, mir erheblichen Auswirkungen auch auf die Zulieferer. Das neue freihandelsabkommen das China auf den Weg gebracht hat, wird diesen Trend (Verlagerung der Produktion) erheblich verstärken. Nicht anders geht’s dem Maschine-und Anlagenbau. Freuen können sich also die fff-kits sowie die Technologienblockierer. Corona selbst ist eine Episode an die bald niemand mehr denken wird. Da sie die wirtschaftliche Verschiebung nach Asien beschleunigt habe wird, sind die Konsequenzen letztlich erheblich.

  7. Avatar

    Convid 20

    20. Dezember 2020 07:39 at 07:39

    Soeben am Radio gehört, in England sei eine neue Variante des Virus aufgetreten.Holland macht die Grenze zu England dicht.Für die Impfstoff und Börsen-Optimisten gibet es neue Argumente für steigende Börsen.

  8. Avatar

    Columbo

    20. Dezember 2020 12:09 at 12:09

    @Wirrologe

    Intelligente Menschen ändern ihre Meinung, gelegentlich auch um 180 Grad. Warum nicht? Je anpassungsfähiger die Spezies, desto besser ihre Überlebenschance, sagt uns die Entwicklungsgeschichte. Aber das wissen Sie sicher, trotz Ihres Nicknamens.
    Und noch etwas Herr Wirrologe: Ich sprach nie von besser Wissen, sondern von Wahrscheinlichkeiten.
    Sind Sie auch einer dieser Desperados, die prinzipiell gegen Alles sind, keine Lösung haben und sich freuen, wenn „sich das System endlich zerlegen wird“?

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Jerome Powell – seine Aussagen auf der PK + Live-Feed – Impressionen einer surrealen Veranstaltung..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Was wird Jerome Powell heute sagen? Im Statement der Fed kein Wort zu den jüngsten spekulativen Exzessen – werden die Journalisten diesmal nachhaken und die wirklich wichtigen Fragen stellen?

– Powell muss erstmal tiefer durchatmen..

– Wirtschaftsentewicklung hängt von Virus ab – Wirtschaft hat sich wieder abgeschwächt, Konsum hat sich abgeschwächt

– Immobilienmarkt hat sich erholt (FMW: eine Umschreibung für massiv steigende Preise..)

– Arbeitsmarkt bleibt schwach, Menschen mit geringem Einkommen am stärksten betroffen

– Inflation bleibt niedrig, aber könnte anziehen wegen Impfungen

– Wirtschaft aber robuster als zu befürchten war

Ups, das war kurz – Powell „hat schon fertig“, jetzt kommen Fragen..

—–

Und gleich die Frage nach Gamestop, wow.. Powell: ich äussere mich nicht zu bestimmten Firmen (FMW: sondern behaupte einfach, dass wir mit unserer Geldpolitik nicht Blasen begünstigen…)

– Powell: beobachten Finanzbedingungen sehr genau

– jetzt Steve Liesman von CNBC zu Bewertungen, am Beispiel von Bitcoin, Gamestop etc. (FMW: Liesman ist der einzige, der ernsthafte Fragen stellt!). Und sinngemäß sagt Powell: wir kümmern uns um die Wirtschaft, nicht um Blasen..

– Powell: es ist nicht die Geldpolitik der Fed, die Bewertungen der Märkte bedingt, sondern die Sache mit dem Impfstoff (FMW: viel dreister kann man eigentlich nicht die Unwahrheit sagen! Klar: der Impftstoff ist ein zentraler Treiber, aber wo stünden die Aktienmärkte ohne die Fed??)

– Powell zu Inflation: wird vielleicht vorübergehend steigen, aber nicht nachhaltig, weil deflationäre Trends seit langem bestehen. Es sei viel schwieriger, mit Deflation umzugehen als mit Inflation (FMW: puh..)

– jetzt die Frage, ob die Fed-Mitglieder bereits geimpft seien..Powell: ich wurde einmal geimpft und hoffe die zweite Dosis bald zu bekommen

– jetzt redet Powell über die Wirtschaft und Menschen – aber was hat die Fed mit Menschen und Wirtschaft zu tun??

– Frage von einem Bloomberg-Moderator: seid ihr als Fed überhaupt noch handlungsfähig, weil ihr die Zinsen weder senken noch anheben könnt? Powell: unsere Geldpolitik funktioniert, zum Beispiel am Immobilienmarkt

– Powell: es gibt keinen Grund. bei Erholung der Wirtschaft nicht die Zinsen anzuheben und unsere ultralaxe Geldpolitik einzustellen (FMW: is klar, Jerome..)

– Powell insistiert: nachhaltige Inflation unwahrscheinlich..

– Powell: werde gut mit Yellen zusammen arbeiten, habe aber mit ihr noch nicht gesprochen, auch nicht mit Biden

– Frage nach Furcht vor Immobilienblase oder Blase bei Unternehmensanleihen – Powell: extrem steigende Nachfrage nach Immobilien vorübergehend, bei Unternehmensanleihen sehe ich die Tatsache, dass es weniger Insolvenzen gibt (FMW: es wird immer surrealer, wie Powell versucht, die Blasen-Bildungen weg-zureden!)

FMW: bleiben sie dran bei FMW – wir bringen die Zahlen von Tesla, Facebook und Apple und die Marktreaktionen darauf!

Der Live-Feed:

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Jerome Powell über das Evangelium der Fed

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Fed: Das sagt das Statement der US-Notenbank – weit und breit keine Blasen, nirgends..

Markus Fugmann

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am

Von der US-Notenbank Fed ist eigentlich heute nicht viel neues zu erwarten. Eigentlich. Aber wird dennoch etwas gesagt im Statement der Notenbank zur derzeitigen Spekulations-Euphorie? Hier die wichtigsten Aussagen der Notenbank in Stichpunkten:

– Wirtschaftswachstum hat sich abgeschwächt: „The pace of the recovery in economic activity and employment has moderated in recent months, with weakness concentrated in the sectors most adversely affected by the pandemic“
Beim letzten Statement hatte es noch geheißen in Sachen Wirtschaft: „Economic activity and employment have continued to recover but remain well below their levels at the beginning of the year.“

– keine Erwähnung spekulativer Exzesse (Gamestop!)

– wenn Situation verschlechtert, wird Notenbank handeln: „would be prepared to adjust the stance of monetary policy as appropriate if risks emerge that could impede the attainment of the Committee’s goals“

– Inflation bleibt moderat wegen Ölpreisen: „Weaker demand and earlier declines in oil prices have been holding down consumer price inflation“

FMW: Subtext der Fed – kauft alles, wir bailen euch aus. Gamestop ist cool!

Das Statement im Wortlaut:

The Federal Reserve is committed to using its full range of tools to support the U.S. economy in this challenging time, thereby promoting its maximum employment and price stability goals.

The COVID-19 pandemic is causing tremendous human and economic hardship across the United States and around the world. The pace of the recovery in economic activity and employment has moderated in recent months, with weakness concentrated in the sectors most adversely affected by the pandemic. Weaker demand and earlier declines in oil prices have been holding down consumer price inflation. Overall financial conditions remain accommodative, in part reflecting policy measures to support the economy and the flow of credit to U.S. households and businesses.

The path of the economy will depend significantly on the course of the virus, including progress on vaccinations. The ongoing public health crisis continues to weigh on economic activity, employment, and inflation, and poses considerable risks to the economic outlook.

The Committee seeks to achieve maximum employment and inflation at the rate of 2 percent over the longer run. With inflation running persistently below this longer-run goal, the Committee will aim to achieve inflation moderately above 2 percent for some time so that inflation averages 2 percent over time and longer‑term inflation expectations remain well anchored at 2 percent. The Committee expects to maintain an accommodative stance of monetary policy until these outcomes are achieved. The Committee decided to keep the target range for the federal funds rate at 0 to 1/4 percent and expects it will be appropriate to maintain this target range until labor market conditions have reached levels consistent with the Committee’s assessments of maximum employment and inflation has risen to 2 percent and is on track to moderately exceed 2 percent for some time. In addition, the Federal Reserve will continue to increase its holdings of Treasury securities by at least $80 billion per month and of agency mortgage‑backed securities by at least $40 billion per month until substantial further progress has been made toward the Committee’s maximum employment and price stability goals. These asset purchases help foster smooth market functioning and accommodative financial conditions, thereby supporting the flow of credit to households and businesses.

In assessing the appropriate stance of monetary policy, the Committee will continue to monitor the implications of incoming information for the economic outlook. The Committee would be prepared to adjust the stance of monetary policy as appropriate if risks emerge that could impede the attainment of the Committee’s goals. The Committee’s assessments will take into account a wide range of information, including readings on public health, labor market conditions, inflation pressures and inflation expectations, and financial and international developments.

Voting for the monetary policy action were Jerome H. Powell, Chair; John C. Williams, Vice Chair; Thomas I. Barkin; Raphael W. Bostic; Michelle W. Bowman; Lael Brainard; Richard H. Clarida; Mary C. Daly; Charles L. Evans; Randal K. Quarles; and Christopher J. Waller

Die Fed - was wird sie heute sagen?

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Aktien

Mit Zocken reich werden – der neue „American dream“ ersetzt den Traum vom eigenen Haus

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

American Dream Symbolfoto

Man erinnere sich an die Zeiten von Bill Clinton und George Bush, und auch von Notenbank-Chefs wie Alan Greenspan. Die inoffizielle Staatsraison der 1990er und 2000er in den USA war (unter anderem): Jedem Amerikaner solle es möglich sein in seinem eigenen Haus zu leben. Das war der American Dream. Unterschwellig (so meine Meinung) war damit die Aussage an die eigene Bevölkerung verbunden, dass man sagen konnte: Schaut her, wir sind das größte, reichste und stärkste Land der Welt. Unsere Bürger können sich alle ein eigenes Haus leisten.

Die Regulierungen am US-Häusermarkt wurden dramatisch runtergefahren. Millionenfach wurden von der Regierung befeuert Hauskredite vergeben an Menschen, die in vielen Fällen noch nicht mal eine Arbeit hatten. Sie hatten noch nicht mal bei beschönigender Betrachtung irgendeine Art von Bonität. Die Katastrophe war vorprogrammiert, und das ganze Kartenhaus brach ab 2007 zusammen – was wir heute als Finanzkrise 2008 bezeichnen. Es war ein großer Traum, der für viele Amerikaner zum Albtraum wurde und für viele mit einem Schlafplatz unter einer Brücke endete.

Im Corona-Jahr 2020 entstand offenbar ein neuer American Dream. Nicht mehr Häuser auf Kredit kaufen, sondern ohne Arbeit, Wissen, Recherche oder sonst etwas reich werden, vom eigenen Computer, von zuhause aus. Durch stumpfes, sinnbefreites Zocken in Aktien, die man selbst gar nicht kennt. Einfach drauf los zocken, und schnell und einfach reich werden. Das ist wohl der neue amerikanische Traum. In der Coronakrise hockten auf einmal Millionen Amerikaner zuhause, betätigungslos. Sehr üppige staatliche Hilfen beschwerten Millionen arbeitsloser Amerikaner ein höheres monatliches Einkommen, als sie es vor Corona mit Arbeit hatten.

Klar erkennbar war die daraufhin folgende Welle an Millionen neuer Brokerkonten in den USA. Unglaublich aber wahr. Unzählige Menschen kauften sich von den staatlichen Hilfen nichts zu essen (sinnbildlich ausgedrückt), sondern überwiesen die Gelder auf ihre frisch eröffneten Brokerkonten. Hinzu kommen die neuen Broker wie „Robinhood“, bei denen man ganz ohne Gebühren zocken kann. Dadurch wurde es möglich auch mit Kleinstbeträgen von mehreren hundert Dollar drauf los zu zocken. Rein, raus, rein, raus, immer weiter.

Robinhood-Chef beschreibt den neuen American Dream

Vlad Tenev, CEO und Mitbegründer von Robinhood, des bekanntesten dieser neuen Broker für die junge wilde Zocker-Meute, hat heute einen Gastkommentar auf CNBC veröffentlicht (hier nachzulesen). Er spricht davon, dass es der neue American Dream sei ein „Investor“ zu werden, nach dem vormaligen Traum vom eigenen Haus. Er erwähnt, dass viele seiner Kunden Aktien kaufen und dann langfristig halten würden. Will da jemand Kritik am stumpfen und sinnbefreiten Zocken vorbeugen? Die Mission von Robinhood sei es nach seinen Worten, das Finanzwesen zu demokratisieren – dies sei im amerikanischen Idealismus verwurzelt. Amerika sei schon immer stolz auf seine Fähigkeit gewesen, Aufwärtsmobilität und Chancen mit wenigen Barrieren zu fördern. Dieses nationale Ethos des „American Dream“ sei so alt wie die Nation selbst. Im 20. Jahrhundert habe sich alles um den Erwerb von Wohneigentum gedreht, was unter anderem durch die 30-jährige Hypothek vorangetrieben wurde. Jetzt, wo es im Börsenhandel keine Provisionen und Mindestbeträge mehr gibt, sei die Bühne frei für einen neuen amerikanischen Traum, bei dem nahezu 100 Prozent der US-Bürger Investoren werden sollen. „Lassen Sie uns das schaffen – gemeinsam“, so seine finalen Worte.

Dazu möchte ich final anmerken: Ist das noch „Investieren“, was wir derzeit am US-Aktienmarkt sehen? Wohl kaum. Völlig wertlose Unternehmen unbegrenzt nach oben traden, ohne jeglichen Sinn und Verstand? Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Wir haben es auf finanzmarktwelt.de die letzten Tage mehrfach angesprochen (hier der letzte Video-Kommentar von Markus Fugmann heute früh). Die ganz frische Generation von Tradern hat das Platzen der Dotcom-Blase und die Finanzkrise 2008 gar nicht erlebt. Damals waren diese Trader gerade erst geboren oder noch in der Grundschule. Sie kennen nur steigende Kurse, nur Party, nur nach oben, völlig sinnbefreit. Auch sie werden wohl eines Tages einen großen Knall erleben. Einige von ihnen werden auch nach so einem Crash immer noch kräftig Geld auf der Kante haben – andere werden nach dem „All In“ wohl ähnliches erleben wie viele Menschen nach der Zwangsräumung ihrer Häuser in den Jahren 2005, 2006 und 2007.

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