Folgen Sie uns

Allgemein

Coronakrise: Rekordjahr für deutschen Konsum – trotz Pandemie!

„Wir könnten die Schöpfer unseres Schicksals werden, wenn wir aufgehört haben, als seine Propheten zu posieren.“ Über das deutsche Konsumwunder in der Coronakrise

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Das Jahr 2020 wird in jedem Fall in die Wirtschaftsgeschichte eingehen: Die Pandemie um Covid-19 hat zu einem Lockdown geführt, damit zur Coronakrise mit weltweit bis zu vier Milliarden Arbeitnehmern in temporärer, häuslicher Quarantäne. Mit einem Wirtschaftseinbruch auf kurzer Sicht, für den es keine Modelle in volkswirtschaftlichen Aufzeichnungen gibt, mit V-förmigen Erholungen von Börsen, aber auch mit steigenden Wirtschaftsindikatoren – immer gemixt mit der Unsicherheit, dass es wieder nach unten gehen kann. Oder dass in manchen Branchen die Erholung bis zum Ausgangsniveau von vor der Coronakrise jahrelang dauern kann. Deshalb wurde von dieser Seite ständig darauf hingewiesen, dass so ziemlich alle Experten im Nebel stochern (müssen). Liegen nicht Luftfahrt- Kreuzfahrt- , und Veranstaltungsindustrie tief im Rezessionsbereich, während Hightech boomt – aber auch der Konsum, wie neueste Daten aus Deutschland zeigen.

Das HDE-Konsumbarometer für September und die Coronakrise

Das aus einer repräsentativen Befragung von Verbrauchern entstehende Konsumbarometer des Handelsverbandes HDE ist im Monat September ein weiteres Mal gestiegen, allerdings nur sehr moderat um 0,2 Punkte auf 98,34 Zähler. Es war der vierte Monatsanstieg in Folge, übrigens wie auch beim Ifo-Geschäftsklimaindex. Wenn man jetzt noch die neuen Daten des Ifo-Instituts zur Beschäftigungslage subsumiert, in denen ein weiterer Rückgang der Kurzarbeit und erste Ansätze für Neueinstellungen prognostiziert werden, so kann man eigentlich nur zu einer ungewöhnlichen Schlussfolgerung kommen:

Das Problemjahr 2020 wird zu einem weiteren Rekordjahr für den Einzelhandel! Und das trotz Coronakrise!

Denn, so unglaublich es auch klingen mag: in den ersten sieben Monaten des Jahres haben Einzelhändler bereits mehr als 2,6 Prozent mehr umgesetzt als im Rekordjahr 2019. Natürlich gepusht durch den Internet- und Versandhandel, der 20,4 Prozent mehr als im letzten Jahr umgesetzt hat und das große Minus des Einzelhandels in den Städten ausgleicht. Aber während es der Textil-, Bekleidungs-, und Lederwarenbranche in der Coronakrise richtig schlecht geht, haben Einzelhändler mit Lebensmitteln, oder Tabak auch um 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr mehr umgesetzt. Bei allen Zahlenspielen sollte man eines nicht außer Acht lassen: Auch Deutschland ist eine Konsumökonomie, zwar nicht mit einem 70-prozentigen Anteil am BIP wie in den USA, aber immerhin mit einer 50 Prozentquote am Bruttoinlandsprodukt, Tendenz steigend.

Die Konjunkturprognosen für 2020

Auch wenn die Coronakrise viele Branchen noch am Boden hält, ist jetzt, nicht einmal mehr vier Monate vor dem Jahresende, zu registrieren, dass die Frühjahrsbefürchtungen für die Konjunktur des Jahres 2020 in Deutschland deutlich zu pessimistisch ausgefallen waren. Wenngleich man in der damaligen Gemengelage kaum zu halbwegs positiven Prognosen kommen konnte. Waren die Prognosen für das Gesamtjahr in dieser Periode zunächst noch im zweistelligen Minus-Prozentbereich angesiedelt, sprach man bald von sieben Prozent, gefolgt vom Gutachten der Bundesregierung mit minus 6,3 Prozent, zuletzt die Revision auf 5,8 Prozent – und jetzt gibt es schon aktuelle Schätzungen von Ökonomen von einem Jahresminus mit minus 4,5 Prozent. Aufgrund des deutlichen Wachstums im dritten Quartal. Die gesamte Ökonomenzunft ging bisher von der größten Rezession in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg aus, das bisherige Maximum brachte die Finanzkrise 2009 mit minus 5,7 Prozent.

Fazit

Wer glaubt, irgendwie im wirtschaftlichen Tollhaus zu sitzen, dürfte im Jahr 2020 gar nicht so falsch liegen. In der Coronakrise ist so vieles passiert, was man vor diesem Jahr nicht für möglich gehalten hatte – mit einem noch nie dagewesenen Lockdown und einem entsprechend schrecklichen Quartals-Minus (Q2), noch nie gesehenen globalen Niedrigzinsen, den größten jemals erlebten Rettungspaketen und einer Wirtschaft, die sich in vielen Bereichen rasant schnell erholt.

Bisher – und dies ist aus finanzmathematischen Gründen eigentlich gar nicht anders möglich: Wenn eine Ökonomie „Par Ordre du Mufti“ stillgelegt wird, muss es in Bälde zu einem überproportionalen Aufschwung kommen. Die Frage ist nur, wie stark dieser ausfallen wird. Für das jetzige Umfeld gibt es keine Blaupause. Nach wie vor schwebt die Frage im Raum: Was wird SARS-CoV-2 in den nächsten Monaten an medizinischen, wirtschaftlichen und vor allem psychologischen Effekten auslösen, seitens der Politik und der Verbraucher? Es ist das ewige „Mysterium Wirtschaft“, die aktuellen Konsumdaten sind wieder so ein Beispiel. Das gilt um so mehr in der Coronakrise. Wieso ist es ganzen Legionen von Volkswirten noch nicht gelungen eine Rezession seriös vorherzusagen? Vielleicht sollte man sich hin und wieder den Spruch des bekannten Philosophen Karl Popper zu Gemüte führen: „Wir könnten die Schöpfer unseres Schicksals werden, wenn wir aufgehört haben, als seine Propheten zu posieren.“

Und die Börsen? Eigentlich sollten die Börsen den Fundamentalfaktoren der Wirtschaft folgen. Eigentlich, jedoch gibt es dort derzeit ein paar Sonderfaktoren, aber dies ist wiederum eine andere Geschichte.

Trotz Coronakrise erlebt der deutsche Einzelhandel insgesamt ein Rekordjahr

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Tino

    8. September 2020 10:51 at 10:51

    Dazu muss man sagen das 17-20 Billionen Dollar welweit ins System bzw. an die Börse geflossen sind. Ohne die neuen Schulden sähe es ganz anders aus.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Markus Krall über das große Debakel als Resultat der Gelddruck-Orgie

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Dunkle Wolken über Frankfurt

Markus Krall erlebt man in letzter Zeit leider öfters vor allem bei Twitter mit zweifelhaften Äußerungen zu Corona-Themen. Aber dennoch wollen wir seine hochinteressanten Aussagen zur Geldpolitik und Wirtschaftsordnung präsentieren. Denn seine inhaltlichen Aussagen zu diesen Themen sind bestechend. Sicherlich kann man bei einigen seiner Aussagen anderer Meinung sein, dennoch erweitern seine Thesen den Horizont und regen zum Nachdenken an.

Der folgende gestern veröffentlichten Vortrag stammt zwar schon vom 24. Oktober 2020, dennoch ist er auch heute noch aktuell. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen der Coronakrise werden besprochen. Dabei zeichnet Markus Krall ein düsteres Bild über eine bevorstehende massive Inflation und das Ende des Euro. Richtig los geht es ab Minute 12:40 im Video. Banken und Zombieunternehmen sind Klassiker-Themen in seinen Vorträgen, die auch dieses Mal zur Sprache kommen. Auf jeden Fall ist dies mal wieder ein spannender Vortrag von Markus Krall.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage