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Coronakrise, Schulden – und das Sparverhalten der Deutschen

Der deutsche Staat geht in der Coronakrise in die Vollen, die Schulden steigen, die Deutschen sparen. Was aber passiert nach Corona?

Januar 2020: die Coronakrise ist in der zweiten Runde, die Verlängerung des Lockdowns steht an, weil es mit den Infektionszahlen nicht rasch genug nach unten gehen kann. Damit erhöhen sich automatisch die Staatsschulden sowie die Nöte vieler Kleinunternehmer, das Thema Unternehmens-Pleiten wird immer brisanter. Und dennoch haben die Deutschen in Summa ein gewaltiges finanzielles Polster angehäuft, ablesbar an ihrem Geldvermögen. Es ist auf über sieben Billionen Euro gestiegen, das Volk der (Geld)Sparer hat die Quote während der Coronakrise gewaltig erhöht.

Coronakrise: Die Finanzlage der Deutschen

Der deutsche Staat geht in der Coronakrise in die Vollen. Zur Abwendung einer ökonomischen Katastrophe werden Rettungspakete geschnürt, Kurzarbeitergeld bezahlt, die Staatsverschuldung von 60 auf fast 80 Prozent (2021) hochgefahren. Dennoch wird es im Jahre 2021 viele Pleiten in der Privatwirtschaft geben, die Lasten des Corona-Jahres noch Jahre spürbar sein. Aber was hatte dies für die 44,8 Millionen Erwerbstätigen im Herbst 2020 sowie den etwa 21 Millionen Rentnern, deren Bezüge im Jahr 2020 sogar noch gestiegen sind (3,5 bis 4,2 Prozent) für finanzielle Folgen gehabt?

Viele dieser Menschen haben Geld weggelegt, aus welchen Gründen auch immer. Die Sparquote der deutschen Haushalte ist nach Berechnungen der DZ-Bank auf 16 Prozent gestiegen, der Bankenverband BVR sprach jüngst sogar von 17 Prozent. Dies bedeutet, dass man die bisher höchsten Sparquoten in Deutschland in den Jahren 1991 und 1992 (Statistisches Bundesamt) mit jeweils 12,9 Prozent weit übertroffen hat. Erst recht die des Jahres 2019, da waren es nur 10,9 Prozent.

Dies führt zu der absonderlich anmutenden Feststellung, dass ausgerechnet in der Coronakrise das Geldvermögen der privaten Haushalte um 393 Milliarden Euro auf den Rekordwert von 7,1 Billionen Euro zugenommen hat.

Was für Banken und Sparer (Inflation) zugleich fatal ist, ist die Tatsache, dass viele Bürger aus Unsicherheit über die Verwendung der freien Anlagesumme über 2 Billionen Euro in Form von Sichteinlagen auf dem Girokonto oder als Tagesgeld geparkt haben.

Wo bleibt die Aktienanlage?

Aber auch die Anlage in Dividendentitel hat in Deutschland eine kleine Wiederauferstehungin der Coronakrise erlebt. Insbesondere junge Anleger habe diese Anlageform entdeckt, die Zahl der Depoteröffnungen schossen, wie bereits dargestellt, gewaltig in die Höhe. Nach bisherigen Zahlen ist im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres die Aktienanlage zur Vermögensbildung auf 28,5 Milliarden Euro gestiegen, fast auf das Dreifache des Vorjahres. Hinzu kommen die Investitionen in Fonds und Zertifikate – sichtbar etwa bei den Umsätzen der Broker Lang & Schwarz sowie Tradegate.

Was passiert nach Corona?

Die Frage aller Fragen und ein wichtiger Aspekt für die wirtschaftliche Erholung in vielen Branchen. Es ist ziemlich sicher, dass sich ein gewaltiges Nachholpotenzial für Reisen, Freizeitvergnügen, Restaurantbesuche, oder auch jede Art von Kulturveranstaltungen gebildet hat. Wie sehr es die Menschen aus ihren vier Wänden nach draußen treibt, sieht man derzeit an den Wintersportgebieten, in denen auch ohne Liftbetrieb das Besucheraufkommen explodiert – mit allen Nebenerscheinungen. Ein Boom nach der Coronakrise ist nahezu garantiert, dafür sorgt das Prinzip der menschlichen Gewohnheit, von einem deutlichen Absinken der Sparquote ist auszugehen. Die Börse hat vieles davon eingepreist und außerdem haben künftige Profiteure im Unternehmensbereich keine Börsenpräsenz.

Fazit

Staatsschulden, die wieder deutlich über zwei Billionen Euro gestiegen sind, Target 2-Salden von über einer Billion Euro, eine große implizite Verschuldung des Staates aufgrund seiner Pensionsverpflichtungen der nächsten Jahrzehnte (Beamtenpensionen, demographischer Faktor), da könnte einem schon etwas Angst werden. Aber es gibt eben auch diese gewaltige Summe an Geldvermögen, die auf deutschen Konten lagert. Mittlerweile das Doppelte des deutschen Bruttoinlandsprodukts und es wäre nominal sogar das drittgrößte BIP der Welt. Aber zur Finanzierung der staatlichen Verpflichtungen und Ausgaben wird der Fiskus in Zukunft genau an diese Quelle heranwollen – das Mittel der finanziellen Repression wird schon eingesetzt, was kommt noch? Ein Corona-Soli zur Finanzierung der Coronakrise?

Die Coronakrise, die Schulden und die Sparquote der Deutschen



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1 Kommentar

  1. Europa steht aufgrund des laschen Umgangs mit Gelddrucken und fröhlichem Schulden machen vor grösseren Herausforderungen und dürfte insbesondere bei Börsianer zukünftig beachtet werden.
    Das was Prof. Sinn im Rahmen der Fiskalpolitik etc. darlegt, dürfte für alle von grosser Bedeutung sein und die Zukunft gravierend mitbestimmen https://www.youtube.com/watch?v=L-dCADYr2AM

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