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Coronakrise und die langjährige Wirtschaftsleistung

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Coronakrise sorgt für Absturz in der Wirtschaftsleistung

In den letzten Tagen wurden die Zahlen für das Frühjahrsquartal veröffentlicht. FMW berichtete über die allgegenwärtigen Einbrüche in der Wirtschaftsleistung. Auch wenn sich die Unternehmen nach der Coronakrise auf eine Aufholjagd einstellen, die in manchen Branchen sogar mehrere Jahre in Anspruch nehmen könnte (Luftfahrt und Tourismus), so sind die Wachstumseinbrüche tief, so tief, dass manche EU-Länder auf eine Wirtschaftsleistung zurückfallen, die sogar den Stand bei der Einführung des Euro unterschreitet.

Die aktuelle Wirtschaftskrise

Die Coronakrise hat überall wirtschaftliche Einbrüche verursacht, für die Wirtschaftshistoriker schon sehr lange in den Statistiken nach Vergleichbarem suchen müssen. Wann hat es schon so etwas gegeben, dass aufgrund von staatlichen Anordnungen viele Wirtschaftsbereiche, teilweise wochenlang, ihre Tätigkeit einstellen mussten, auch kerngesunde? In Europa hat die Virusinfektion nicht nur die Wirtschaft vieler Staaten in den vergangenen Monaten stark geschrumpft, es wurden teilweise die Wachstumsraten von vielen Jahren zunichte gemacht. Kein Wunder, dass man vor gut einer Woche den EU-Aufbaufonds in Höhe von 750 Milliarden Euro, nach zähem Ringen, ins Leben rief. Zu verheerend wütet die Wirtschaftskrise in manchen Ländern. Dies wird an einer Übersicht deutlich, die in der „Welt“ am Wochenende erschienen ist: Italien und Griechenland werden durch Corona wirtschaftlich auf ein Niveau zurückgeworfen, welches noch tiefer ist, als vor der Einführung des Euro am 31.12. 1998.

Sonderfall Italien während der Coronakrise

Zwar stürzt das Spanien in seinen Q2-Zahlen mit minus 18,5 Prozent stärker ab als Italien (minus 12,4%), jedoch liegen hinter der achtgrößten Volkswirtschaft der Welt nun schon zwei Jahrzehnte an dürftigem Wirtschaftswachstum. Durch den Einbruch wird das große Land im Süden mit seinen 60 Millionen Bewohnern sogar in die Vor-Euro-Periode zurückgeworfen. Dies wird einmal mehr eine bestimmte Diskussion befeuern.

In Zahlen: Das Bruttoinlandsprodukt Italiens lag vor dem Ausbruch der Pandemie gerade mal bei 109 Prozent des Standes von Ende 1998 und ist nach zwei Rezessionsquartalen auf 91 Prozent zum damaligen Ausgangswert zurückgefallen. Spanien hingehen, das in Q2 dank der Coronakrise noch stärker geschrumpft ist, tat dies von einem Niveau von 148 Prozent aus. Erste Schätzungen deuten darauf hin, dass selbst Griechenland mit gut 92 Prozent noch auf einem höheren Niveau stehen könnte, relativ gesehen.

Das ist der Jetzt-Zustand. Aber wie tief wird der Konjunktureinbruch Italiens im ganzen Jahr 2020 ausfallen? Um minus acht Prozent, wie es die Regierung in Rom prognostiziert oder doch um 11,2 Prozent, wie es die EU-Kommission erwartet? Wobei Italien damit wieder einen Spitzenwert in Europa einnehmen könnte.

Das Land hat sich zweifelsohne durch strenge Maßnahmen und sehr diszipliniert gegen die Pandemie zur Wehr gesetzt. Die Coronazahlen sind seit einigen Wochen schon sehr zurückgekommen. Wahrscheinlich kann man auch schon auf eine hohe Immunitätsrate im wirtschaftlich starken Norden zählen, wie manche Experten aus Antikörpertests schlussfolgern. Aber wie lange werden die 209 Milliarden Euro aus dem gemeinsamen Corona-Aufbaufonds der EU reichen, mit Zuschüssen in Höhe von 81 Milliarden Euro, die man nicht zurückzahlen muss?

Deutschland fällt auf das Niveau von 2011

Die führende Wirtschaftsnation in Europa, Deutschland, kommt anscheinend auch in der Coronakrise besser weg, als viele EU-Staaten. Dies konnte man bereits bei den BIP-Zahlen zum ersten Quartal 2020 erkennen, mit minus 2 Prozent im Vergleich zu Spanien mit minus 5,2 Prozent und Italien mit minus 5,4 Prozent.

Auch wenn die minus 10,1 Prozent für das zweite Quartal sehr dramatisch sind, liegt bisher nur Österreich mit minus 10,7 Prozent auf dem Niveau Deutschlands. Ein gewaltiger Einbruch bis auf das Niveau von 2011 in punkto Wirtschaftsleistung, aber immer noch um 17 Prozent höher als bei der Euro-Einführung.

Fazit

Auch wenn es immer wieder Aufstellungen gibt über das Vermögen der Bürger der EU-Staaten in punkto Immobilienbesitz und Privatvermögen (besonders der Vergleich zwischen Italien und Deutschland – laut Dr. Stelter: Italien 5,5-mal BIP, Deutschland 3,8-mal BIP), so werden sicherlich im Verlauf der nächsten Monate die Stimmen der Europakritiker lauter werden – dem Aufbaufonds zum Trotze. Die Coronakrise bringt einmal mehr das Thema Einheitswährung mit dem Nord-Süd-Gefälle in einem Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf das Tablett. Sollte die Wachstumsschwäche infolge Corona länger als erwartet andauern, wird es wieder um das Thema Stabilität der Eurozone gehen. EZB, „Einer Zahlt Bestimmt“, hat Robert Halver einmal die Rolle der Europäischen Zentralbank persifliert. Dabei sollte es nicht bleiben, es gibt noch andere.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Matteo

    3. August 2020 11:36 at 11:36

    Ein interessanter Artikel zu Italien der nichts gutes verheisst:
    https://www.n-tv.de/politik/Der-Corona-Fonds-Italiens-letzte-Hoffnung-article21941155.html

  2. Avatar

    thinkSelf

    3. August 2020 19:42 at 19:42

    Der Blick ist hier nicht weit genug gefasst. Das Wirtschaftswachstum war über die letzten 10 Jahre deutlich kleiner als angegeben. Hinzu kommt, das selbst bei dieser geschönten Sichtweise das untere Einkommensdrittel in Westeuropa real an Einkommen verloren hat (in den östlichen Ländern sieht es besser aus).
    Hinzu kommt die Ausdehnung der Lebensarbeitszeit, die dramatische Absenkung der Rentenbezüge und Sozialleistungen (übrigens nicht nur in Deutschland), usw.
    Weite Teile der Bevölkerung haben also bereits ein schrumpfendes Einkommen hingenommen.Ich empfehle da mal Gespräche mit Spaniern unter 40.

    Zusätzlich wurde die Infrastruktur auf Verschleiß gefahren und beim Nachwuchs kann man ja schon froh sein, wenn er die vier Grundrechenarten beherrscht.

    Hinzu kommt, dass der Einbruch im wertschöpfenden Teil der Wirtschaft eingeschlagen hat. Der macht aber nicht mal mehr die Hälfte der Wirtschaft in der EU aus. Dem hat es also so richtig die Beine weggetreten.

    Kommt es, wie alle Spatzen von den Dächern pfeifen, in den USA oder Europa zu einem (ausschließlich machtpolitisch motivierten) zweiten Lock Down, dann war´s das.

    Klar,irgendwann erholt sich das wieder. Tut´s immer. Aber wahrscheinlich nicht mehr zu meinen Lebzeiten. Und ich würde auch nicht auf die Lebensspanne meiner Kindern wetten.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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