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Coronakrise und die langjährige Wirtschaftsleistung

Wolfgang Müller

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Coronakrise sorgt für Absturz in der Wirtschaftsleistung

In den letzten Tagen wurden die Zahlen für das Frühjahrsquartal veröffentlicht. FMW berichtete über die allgegenwärtigen Einbrüche in der Wirtschaftsleistung. Auch wenn sich die Unternehmen nach der Coronakrise auf eine Aufholjagd einstellen, die in manchen Branchen sogar mehrere Jahre in Anspruch nehmen könnte (Luftfahrt und Tourismus), so sind die Wachstumseinbrüche tief, so tief, dass manche EU-Länder auf eine Wirtschaftsleistung zurückfallen, die sogar den Stand bei der Einführung des Euro unterschreitet.

Die aktuelle Wirtschaftskrise

Die Coronakrise hat überall wirtschaftliche Einbrüche verursacht, für die Wirtschaftshistoriker schon sehr lange in den Statistiken nach Vergleichbarem suchen müssen. Wann hat es schon so etwas gegeben, dass aufgrund von staatlichen Anordnungen viele Wirtschaftsbereiche, teilweise wochenlang, ihre Tätigkeit einstellen mussten, auch kerngesunde? In Europa hat die Virusinfektion nicht nur die Wirtschaft vieler Staaten in den vergangenen Monaten stark geschrumpft, es wurden teilweise die Wachstumsraten von vielen Jahren zunichte gemacht. Kein Wunder, dass man vor gut einer Woche den EU-Aufbaufonds in Höhe von 750 Milliarden Euro, nach zähem Ringen, ins Leben rief. Zu verheerend wütet die Wirtschaftskrise in manchen Ländern. Dies wird an einer Übersicht deutlich, die in der „Welt“ am Wochenende erschienen ist: Italien und Griechenland werden durch Corona wirtschaftlich auf ein Niveau zurückgeworfen, welches noch tiefer ist, als vor der Einführung des Euro am 31.12. 1998.

Sonderfall Italien während der Coronakrise

Zwar stürzt das Spanien in seinen Q2-Zahlen mit minus 18,5 Prozent stärker ab als Italien (minus 12,4%), jedoch liegen hinter der achtgrößten Volkswirtschaft der Welt nun schon zwei Jahrzehnte an dürftigem Wirtschaftswachstum. Durch den Einbruch wird das große Land im Süden mit seinen 60 Millionen Bewohnern sogar in die Vor-Euro-Periode zurückgeworfen. Dies wird einmal mehr eine bestimmte Diskussion befeuern.

In Zahlen: Das Bruttoinlandsprodukt Italiens lag vor dem Ausbruch der Pandemie gerade mal bei 109 Prozent des Standes von Ende 1998 und ist nach zwei Rezessionsquartalen auf 91 Prozent zum damaligen Ausgangswert zurückgefallen. Spanien hingehen, das in Q2 dank der Coronakrise noch stärker geschrumpft ist, tat dies von einem Niveau von 148 Prozent aus. Erste Schätzungen deuten darauf hin, dass selbst Griechenland mit gut 92 Prozent noch auf einem höheren Niveau stehen könnte, relativ gesehen.

Das ist der Jetzt-Zustand. Aber wie tief wird der Konjunktureinbruch Italiens im ganzen Jahr 2020 ausfallen? Um minus acht Prozent, wie es die Regierung in Rom prognostiziert oder doch um 11,2 Prozent, wie es die EU-Kommission erwartet? Wobei Italien damit wieder einen Spitzenwert in Europa einnehmen könnte.

Das Land hat sich zweifelsohne durch strenge Maßnahmen und sehr diszipliniert gegen die Pandemie zur Wehr gesetzt. Die Coronazahlen sind seit einigen Wochen schon sehr zurückgekommen. Wahrscheinlich kann man auch schon auf eine hohe Immunitätsrate im wirtschaftlich starken Norden zählen, wie manche Experten aus Antikörpertests schlussfolgern. Aber wie lange werden die 209 Milliarden Euro aus dem gemeinsamen Corona-Aufbaufonds der EU reichen, mit Zuschüssen in Höhe von 81 Milliarden Euro, die man nicht zurückzahlen muss?

Deutschland fällt auf das Niveau von 2011

Die führende Wirtschaftsnation in Europa, Deutschland, kommt anscheinend auch in der Coronakrise besser weg, als viele EU-Staaten. Dies konnte man bereits bei den BIP-Zahlen zum ersten Quartal 2020 erkennen, mit minus 2 Prozent im Vergleich zu Spanien mit minus 5,2 Prozent und Italien mit minus 5,4 Prozent.

Auch wenn die minus 10,1 Prozent für das zweite Quartal sehr dramatisch sind, liegt bisher nur Österreich mit minus 10,7 Prozent auf dem Niveau Deutschlands. Ein gewaltiger Einbruch bis auf das Niveau von 2011 in punkto Wirtschaftsleistung, aber immer noch um 17 Prozent höher als bei der Euro-Einführung.

Fazit

Auch wenn es immer wieder Aufstellungen gibt über das Vermögen der Bürger der EU-Staaten in punkto Immobilienbesitz und Privatvermögen (besonders der Vergleich zwischen Italien und Deutschland – laut Dr. Stelter: Italien 5,5-mal BIP, Deutschland 3,8-mal BIP), so werden sicherlich im Verlauf der nächsten Monate die Stimmen der Europakritiker lauter werden – dem Aufbaufonds zum Trotze. Die Coronakrise bringt einmal mehr das Thema Einheitswährung mit dem Nord-Süd-Gefälle in einem Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf das Tablett. Sollte die Wachstumsschwäche infolge Corona länger als erwartet andauern, wird es wieder um das Thema Stabilität der Eurozone gehen. EZB, „Einer Zahlt Bestimmt“, hat Robert Halver einmal die Rolle der Europäischen Zentralbank persifliert. Dabei sollte es nicht bleiben, es gibt noch andere.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Matteo

    3. August 2020 11:36 at 11:36

    Ein interessanter Artikel zu Italien der nichts gutes verheisst:
    https://www.n-tv.de/politik/Der-Corona-Fonds-Italiens-letzte-Hoffnung-article21941155.html

  2. Avatar

    thinkSelf

    3. August 2020 19:42 at 19:42

    Der Blick ist hier nicht weit genug gefasst. Das Wirtschaftswachstum war über die letzten 10 Jahre deutlich kleiner als angegeben. Hinzu kommt, das selbst bei dieser geschönten Sichtweise das untere Einkommensdrittel in Westeuropa real an Einkommen verloren hat (in den östlichen Ländern sieht es besser aus).
    Hinzu kommt die Ausdehnung der Lebensarbeitszeit, die dramatische Absenkung der Rentenbezüge und Sozialleistungen (übrigens nicht nur in Deutschland), usw.
    Weite Teile der Bevölkerung haben also bereits ein schrumpfendes Einkommen hingenommen.Ich empfehle da mal Gespräche mit Spaniern unter 40.

    Zusätzlich wurde die Infrastruktur auf Verschleiß gefahren und beim Nachwuchs kann man ja schon froh sein, wenn er die vier Grundrechenarten beherrscht.

    Hinzu kommt, dass der Einbruch im wertschöpfenden Teil der Wirtschaft eingeschlagen hat. Der macht aber nicht mal mehr die Hälfte der Wirtschaft in der EU aus. Dem hat es also so richtig die Beine weggetreten.

    Kommt es, wie alle Spatzen von den Dächern pfeifen, in den USA oder Europa zu einem (ausschließlich machtpolitisch motivierten) zweiten Lock Down, dann war´s das.

    Klar,irgendwann erholt sich das wieder. Tut´s immer. Aber wahrscheinlich nicht mehr zu meinen Lebzeiten. Und ich würde auch nicht auf die Lebensspanne meiner Kindern wetten.

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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am

Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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