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Konjunkturdaten

Coronakrise und Lockdown: Aufatmen – aber wie geht es weiter?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Das ging jetzt doch alles sehr schnell: Am Mittwoch entschlossen sich Bundesregierung und Länderchefs nach ihrer Konferenz zu einen Riesenschritt in Richtung Lockerung von Lockdown, man gab dem Druck der wegen der Coronakrise gebeutelten Bevölkerung und Wirtschaft nach. Davon sehr erfreut auch die personalintensive Gastronomiebranche – aber die Umsätze dürfte noch sehr gedeckelt sein. Im Zeitraum vom 9. bis 22. Mai soll es in allen Bundesländern wieder losgehen, die zuletzt erlaubten Liefer-und Abholservices waren in keinster Weise kostendeckend.

Coronakrise: Spitzenreiter bei den Anträgen auf Kurzarbeit

Die Branche der Gastronomie mit all ihren Sparten beschäftigt seit Jahren über eine Million sozialabgabenpflichtige Personen. Als es im März zum kompletten Lockdown kam, brachen die Umsätze zusammen und bei den Anträgen auf Kurzarbeit lag man mit 99 Prozent laut Info-Institut in Deutschland an der Spitze. Diese Aussicht dürfte sich seit dem Mittwoch drastisch geändert haben. Allerdings werden die Sicherheitsvorschriften mit Abständen, Bestuhlung u.ä. verhindern, dass die Umsätze der Branche bald in alte Höhen klettern können.

Die Geschäftsführerin des deutschen Hotel und Gaststättenverbandes (DEHOGA), Ingrid Hartges, sprach davon, dass man im Vergleich zum Vorjahr mit 30 bis 50 Prozent der Umsätze rechnen könne.

Erleichterung auch in der Hotel- und Tourismusbranche

Mit einem ganz schwarzen Jahr hatte man auch in der Touristik- und Freizeitbranche gerechnet. Der völlige Zusammenbruch des Luftverkehrs im Gefolge der Coronakrise und damit das Ausbleiben auswärtiger Touristen sowie die speziellen Abstandsregeln ließen nichts Gutes erahnen. Als die Bundesländer bereits in diesem Monat auch grünes Licht für Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze gegeben haben, stürzten sich viele auf den Urlaub im Lande. Besonders an Ost- und Nordsee, wo nach der Entscheidung der Ministerpräsidenten die Buchungen für Hotels für die Sommerurlaubsphase explosionsartig nach oben schossen und manche Region in Windeseile ausgebucht war. Aus den beiden genannten Branchen wird ersichtlich, dass die erst vor Kurzem genannte Zahl der Anträge auf Kurzarbeit von 10,1 Millionen sicher nicht annähernd oder etwa auf längere Zeit in Anspruch genommen wird. Denn bei der Entscheidung am Mittwoch wurde auch der Wiederbetrieb des gesamten Einzelhandels in allen Sparten in Deutschland in Aussicht gestellt.

Von der aktuellen Entwicklung überrannt

Wer hätte das noch vor wenigen Wochen erwartet? Gesundheitspolitiker und Virologen übertrafen sich mit ihren Warnungen vor einem zu frühen Zurückschrauben der Lockdown-Maßnahmen, den Höhepunkt bildeten zweifelsohne die Forderungen des SPD-Politikers und zugleich ausgebildeten Epidemiologen, Professor Karl Lauterbach, der nicht nur von erforderlichen Lockdown-Maßnahmen in den nächsten ein bis zwei Jahren sprach, sondern auch davon, dass die Schüler in diesem Jahr gar nicht mehr in die Schule gehen sollten. Und am 6. Mai beschloss man (unter der besonderen Vorsichtsmaßnahme – maximal 50 Infizierte unter 100.000 Einwohnern) noch im Mai alle Geschäfte öffnen zu wollen. Ich habe bereits mehrfach darauf hingewiesen, wie unsinnig ich es erachte, derzeit Konjunkturdaten auszuwerten oder Prognosen zu stellen. Wenn ich in einer Branche alle Geschäfte schließe, dann fallen in dem betreffenden Zeitraum die Umsätze auf null und die Anträge auf Kurzarbeit (in den USA die Jobless Claims) schießen auf ungeahnte Höhen – aber was passiert dann mit den kommenden Wirtschaftsdaten bei einer Wiedereröffnung? Ein schönes mathematisches Verwirrspiel.

Vergleiche mit früheren Rezessionen sind aus meiner Sicht unsinnig, denn wann wurden schon einmal Millionen Arbeitnehmer quasi in Hausarrest gestellt, um acht Wochen (am Beispiel Deutschland) später zum Großteil wieder an die Arbeitsplätze zurückgerufen zu werden?

Natürlich kann man nicht von heute auf morgen die Wirtschaft wie bei einem Kraftwerk hochfahren, zu zerstört sind (lockdown-bedingt) Lieferketten und auch das Vertrauen der Konsumenten in die nahe Zukunft, nebst ihrer notwendigen Ausgabenfreude. Aber wie bereits öfters erwähnt, wir können nur auf Sicht fahren – und es könnte zu Extremszenarien in der Coronakrise kommen.

Etwas verwirrend ist auch die Warnung vor einer bevorstehenden zweiten Welle, vor allem wenn man nach Fernost blickt.

Wie um Himmelswillen kann es in China nur noch 260 aktive Infektionsfälle geben, bei einer Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen und 49 Millionenstädten? Selbst wenn die Zahlen 100-fach so hoch wären wie offiziell angegeben, also 26.000, dann hätte man immer nur einen Bruchteil der Fälle von Deutschland, angesichts der Tatsache, dass unsere Bevölkerung nur 1/17 der von China ausmacht. China hat im Januar begonnen Covid-19 mit aller Kraft zu bekämpfen und damit hätte man schon nach vier Monaten eine Eindämmung von 99,8 Prozent erreicht. Jetzt springen die Industriedaten nach oben, Autoproduktion, Flugverkehr und vieles mehr.

Beeindruckend aber auch die Coronazahlen aus Hongkong, Taiwan, Australien oder Neuseeland.

Was wäre, wenn uns etwas Ähnliches gelänge? Ich möchte jetzt kein Traumtänzer-Szenario entwerfen, aber wenn man sich die Infektionskurven so manch westlicher Staaten betrachtet (Österreich, Schweiz, Norwegen, Luxemburg) wo sich die Kurve schon asymtotisch der x-Achse nähert, könnte man schon ins Grübeln geraten. Auf jeden Fall sind die Prognosen der Wirtschaftsinstitute inmitten der Coronakrise so unsicher, wie ich es noch nie erlebt habe. Im Januar dachte man noch, dass man von Covid-19 kaum beeinträchtigt würde und dass zumindest ein kleines Wirtschaftswachstum herausspringen könnte (die Weltwirtschaft plus 3 %). Im Februar sprach man von der Möglichkeit einer Rezession, im März kamen die großen Horrorzahlen und wenig später die Projektion der tiefsten Rezession aller Zeiten. Dazu die Vorhersage eines monatelangen Shutdown der Wirtschaft, mündend in der Meldung von 10,1 Millionen Anträge auf Kurzarbeit.

Und jetzt bereits nach sechs bis acht Wochen – die Öfnnung aller Geschäfte und sogar grünes Licht für den Tourismus, mit der raschen Buchungsreaktion der Urlauber für die Ost- und Nordseebäder (allerdings bei Deckelung auf 50 bis 60 Prozent).

Wen es noch längere Zeit treffen könnte – trotz aller Vorsichtsmaßnahmen –  ist die Luftfahrtbranche. Wie soll man auch, eingepfercht über einige Stunden in einem Flugzeugrumpf mit wenigen 100 Kubikmeter Luft, irgendwelche Sicherheitsabstände einhalten und dabei noch Maske tragen, in einer Umgebung mit einem Luftdruck der einer Höhe von 2500 Metern entspricht?

Warren Buffett hat sich vielleicht deshalb von all seinen Aktien aus dieser Branche getrennt.

Covid-19 stellt die Welt vor Rätsel, jegliche Aussagen zur Entwicklung – negativ oder positiv – haben meines Erachtens Glücksspielcharakter.

Die Coronakrise und die Aufweichung des lockdown

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Europa

ifo Index schwächer – aber hätte viel schlimmer kommen können..

Markus Fugmann

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am

Soeben hat das ifo Institut den ifo Index für Januar veröffentlicht:

– ifo Geschäftsklimaindex 90,1 (Prognose war 91,8; Vormonat Dezember war 92,1)

– aktuelle Lage 89,2 (Prognose war 90,6; Vormonat war 91,3)

– Erwartungen: 91,1 (Prognose war 93,2; Vormonat war 92,8)

Na gut, schwächer als erwartet, aber viel besser, als es hätte im schlimmsten Fall kommen können! Sehr bullisch..

Dazu ifo in einer Pressemeldung:

„Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich verschlechtert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Januar auf 90,1 Punkte gefallen, nach 92,2 Punkten im Dezember. Die Unternehmer beurteilten ihre aktuelle Lage schlechter als im Vormonat. Auch ihre Erwartungen fielen pessimistischer aus. Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft vorläufig beendet.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Index nach zuletzt acht Anstiegen in Folge wieder gesunken. Dies war auf deutlich weniger optimistische Erwartungen der Industriefirmen zurückzuführen. Die aktuelle Lage bewerteten sie hingegen merklich besser. Die Kapazitätsauslastung stieg um 1,6 Prozentpunkte auf 81,8 Prozent. Sie liegt damit aber immer noch unter ihrem langfristigen Durchschnitt von 83,5 Prozent.

Im Dienstleistungssektor ist der Geschäftsklimaindikator merklich gesunken. Die Unternehmen korrigierten ihre Einschätzungen zur aktuellen Lage nach unten. Zudem nahm der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate deutlich zu. Der Auftragsbestand, insbesondere im Bereich Transport und Logistik, entwickelte sich schwächer.

Im Handel ist der Geschäftsklimaindex eingebrochen. Der Indikator zur aktuellen Lage stürzte in den negativen Bereich. Dies war der stärkste Rückgang seit April 2020. Auch die Erwartungen fielen deutlich pessimistischer aus. Die Stimmung verschlechterte sich, teilweise massiv, in nahezu allen Einzelhandelssparten. Anders als im Dezember zeigten diesmal auch im Großhandel viele Indikatoren nach unten.

Auch im Bauhauptgewerbe verschlechterte sich das Geschäftsklima. Die Einschätzungen zur aktuellen Lage fielen etwas schlechter aus. Zudem blickten mehr Unternehmer pessimistisch auf die kommenden Monate.“

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Konjunkturdaten

Aktuell: Öl-Lagerbestände +4,4 Mio Barrels (jetzt 486,6 Mio)

Claudio Kummerfeld

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am

Die wöchentlich vermeldeten Öl-Lagerbestände in den USA (Rohöl) wurden soeben mit 486,6 Mio Barrels veröffentlicht. Dies ist im Vergleich zur Vorwoche ein Plus von 4,4 Mio Barrels, wobei die Erwartungen zur Vorwoche bei -1,1 lagen.

Die Benzinbestände wurden im Vergleich zur Vorwoche mit -0,3 Millionen Barrels veröffentlicht. Die Erwartungen gegenüber der Vorwoche lagen bei +2,8 Millionen Barrels.

Die Dienstag Abend um 22:35 Uhr veröffentlichten API-Lagerbestände wurden mit +2,6 Mio Barrels beim Rohöl gemeldet (-0,3 erwartet).

Der Ölpreis (WTI) reagiert in den ersten Augenblicken nach Verkündung mit -7 Cents bei 52,43 Dollar.


source: tradingeconomics.com

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Konjunkturdaten

US-Verkäufe bestehender Häuser besser

Markus Fugmann

Veröffentlicht

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Die Verkäufe bestehender US-Häuser (Dezember) sind mit +0,7% auf eine Jahresrate von 6,76 Millionen deutlich besser ausgefallen wie erwartet (Prognose war -2,0% auf eine Jahresrate von 6,55 Millionen; Vormonat war -2,2% auf eine Jahresrate von 6,71 Millionen).
Die Daten aus dem Dezember sind Transaktionen, die in der Regel im November abgeschlossen und dann im Dezember finalisiert werden..

Die Verkäufe bestehender Häuser machen etwa 90% des amerikanischen Immobilienmarkts aus und sind daher von besonderer Bedeutung!

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