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Coronakrise USA: Eine Million Infizierte – Ende der wirtschaftlichen Talfahrt in Sicht?

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Der Vergleich wird ins Auge springen: Die USA erreichen heute mit einer Million Coronainfizierten eine viel beachtete Rekordmarke in der Coronakrise, während das viel größere Ausbruchsland China bereits seit Tagen und Wochen sich bei gut 82.000 Fällen nahezu konstant verhält. Doch die US-Leitbörse, der S&P 500, steht bei einem immer größer werdenden ökonomischen Schaden gerade mal 16,4 Prozent im Minus seit seinem am 20. Februar erreichten Allzeithoch. Kommt es bald zu einen Realitätscheck in der Coronakrise?

Coronakrise: Bisher Unterstützung durch die „Big Five“

Man muss es sich immer wieder vor Augen halten. Der S&P 500 repräsentiert aktuell eine Marktkapitalisierung von 22,9 Billionen Euro (während unser Dax mit der Ein-Billionen-Euro-Grenze kämpft) und nur fünf Werte davon  im S&P 500 stehen für 20 Prozent des Marktwertes: Eine unglaubliche Klumpenbildung durch die Tech-Giganten Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft, die den großen Index während des Abverkaufs in der Coronakrise nicht nur gestützt haben, sondern teilweise auch noch von der Pandemie profitierten. In den nächsten Tagen werden die Quartalsergebnisse zeigen, ob die Bewertungen in einer Rezession unbekannter Tiefe aufrechterhalten werden können.

Die taumelnden Wirtschaftsindikatoren

Dass die aktuellen Daten zu Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätzen oder Verbraucherertrauen in ungeahnte Tiefen rauschen, ist weder verwunderlich noch besonders sensationell, denn wann wurde in den letzten Jahrzehnte eine Wirtschaft derart abrupt und ohne vor Ankündigung in eine Phase des fast vollständigen Stillstandes gebracht? Deshalb sind auch Vergleiche mit 2008, 1987 oder auch 1929 gar nicht passend, weil sich damals der konjunkturelle Einbruch in Schritten vollzog und nicht „par ordre du mufti“. Auch sind jegliche Konjunkturprognosen, so kompetent die Autoren auch sein mögen, schlicht und ergreifend ein Stochern im Nebel. Die Vorhersage einer V, U, W, oder L-Formation im Konjunkturverlauf – who knows? Jedoch wird eine V-förmige Erholung von Woche zu Woche unwahrscheinlicher, denn schließlich kann man weltweit vernetzte Volkswirtschaften nicht von einem Tag auf den anderen wieder hochfahren, so wie ein Energiekraftwerk.

Was hingegen sehr nachdenklich machen muss, ist der aktuelle Sturz des Ifo-Index in neue historische Tiefen – und zwar nicht in seiner aktuellen
Lagebeschreibung, sondern in der Komponente Geschäftserwartungen, die auch für das kommende halbe Jahr desaströs ausgefallen waren. Die Unternehmenschefs wissen, ob sie Vorbestellungen vorgenommen haben für in der Zukunft zu produzierenden Waren.

Coronakrise: Hoffnungen auf einen Beginn des Lockdowns

Der Gouverneur des Staates New York, Andrew Cuomo, versucht Zuversicht zu verbreiten. Die Zeit chaotischer Zustände in den Krankenhäusern New York sei vorbei, die Zahl der Todesopfer von Covid-19 nehme ab, auch die Geschwindigkeit der Zunahme an Infizierten. Das „Financial Center of the World“ wurde auch zum Epizentrum der weltweiten Infektionen. Aber allein im US-Bundesstaat New York sind laut einer Antikörper-Studie bereits etwa 14 Prozent der Menschen infiziert.

Einige Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer der Coronavirus-Infizierten in den USA möglicherweise bis zu 50-mal höher liegt als bisher angenommen. Die Antikörpertests werden auch das große Thema der nächsten Wochen sein, ob in Österreich, Italien, Deutschland oder den USA. Denn eine sehr hohe Zahl an bereits Infizierten brächte auch bestimmte Vorteile für den weiteren Verlauf der Virusinfektion.  In den USA planen die Staaten Georgia, Texas, Tennessee, Ohio und Montana eine rasche Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit für einige Arbeitsplätze.

Auch Gouverneur Andrew Cuomo legte bereits New Yorks Plan vor, den Staat schrittweise wieder für Unternehmen zu öffnen, wenn die Covid-19-Pandemie endet.

Hoffnung auf Eindämmung und den Impfstoff

Eine sehr große Rolle in der Entwicklung der Börsen hängt natürlich mit den Meldungen über den Fortgang der Forschungen an einem Impfstoff gegen Sars-CoV-2 zusammen. Derzeit arbeiten mittlerweile mindestens 97 Unternehmen und Forschungseinrichtungen unabhängig voneinander an diesem Projekt.

Noch nie in der Geschichte der Menschheit habe so viele Wissenschaftler gleichzeitig gegen eine Virusinfektion gekämpft. Im Februar lag die Zahl  der bei der WHO gemeldeten Impfstoffprojekte erst bei 21. Auch wenn es bereits fünf Unternehmen geschafft haben, die Freigabe für klinische Studien der Menschen zu bekommen (Biontech aus Deutschland und jeweils zwei Unternehmen aus den USA und China) ist der Weg für einen Impfstoff noch weit. Normalerweise dauert so etwas 10 Jahre, der Rekord liegt anscheinend bei vier Jahren – und dieses Mal hofft man auf ein bis eineinhalb Jahre.

Hier ein paar Übersichten über Länder mit großen Fortschritten in Sachen Corona-Eindämmung:

Die Coronkrise in der Schweiz

Die Coronakrise in Südkorea

Die Coronakrise in Deutschland

 

Und zu guter Letzt China:

 

Die Coronakrise in China

 

Fazit

Viele Aktienmärkte haben in der Coronakrise in ziemlichem Gleichschritt die Phasen der Panik (Februar/März), der Erleichterung nach den Rettungspaketen (bis Mitte April) und jüngst der Unsicherheit durchlaufen. Man rechnet eigentlich überall mit einer raschen Eindämmung von Covid-19, analog einigen Ländern in Fernost – ohne einkalkulieren zu können, wie groß der ökonomische Schaden bereits ist, beziehungsweise erst werden wird. Jetzt beginnt die Phase, in der die Unternehmen ihre Quartalszahlen auf den Tisch legen und auch etwas zu ihren Aussichten verlautbaren müssen. Könnte da nicht etwas Ernüchterung für die hochgelaufenen Börsen anstehen? Vor allem, weil die Big Five in den USA melden, die für fast fünf Billionen Dollar Marktkapitalisierung stehen.

Der Bedarf an Prognosen ist immer und ewig vorhanden, auch zu Zeiten absoluter Ungewissheit. Was soll man mit einer Vorhersage der Anlagegesellschaft BNY Mellon in der vergangenen Woche hinsichtlich der Wahrscheinlichkeiten für eine V-, U-, W- oder L-artige Entwicklung unserer Wirtschaft im Gefolge der Coronakrise mit jeweils 35 Prozent, 35 Prozent, 15 Prozent und 10 Prozent anfangen? Werˋs braucht!

Trotz Coronakrise entwickeln sich die Aktienmärkte gut

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Eric

    27. April 2020 16:37 at 16:37

    Vorsicht!
    Die bekannten Konjunkturindikatoren sind nutzlos, weil dies keine konjunkturelle Krise ist. Im ersten Teil des Artikels haben Sie das auch selbst erwähnt.

    Es ist anzunehmen, dass das V umso wahrscheinlicher ist, je eher wir zu kulturellen Verhaltensänderungen mit ähnlicher Effektivität wie ein Lockdown kommen. Bis dahin, dass wir im Sommer vielleicht wieder im Restaurant sitzen können, anders als früher gewohnt, aber das Leben muss ja schließlich weitergehen.

    Dann gibt’s eine Mischung aus Nachholeffekt und staatlichem Stimulus der einen kräftigen Aufschwung aus dem Tal befeuert, irgendwann im Verlauf des nächsten Jahres, vermutlich eher später als früher, wären wir dann wieder annähernd beim Vorkrisenstand.

    Die große Unbekannte ist hier weder die Ökonomie, noch die Medizin, sondern der Mensch.
    Es wird direkt proportional davon abhängen, wie diszipliniert aber auch ruhig und gelassen die Bevölkerung die Maßnahmen als Teil eines neuen Alltags akzeptiert ob diese ausreichen. So wie es bisher undenkbar war in aller Öffentlichkeit Popel aus der Nase zu ziehen und es zu guter Erziehung gehörte den Handschlag nicht zu verweigern, so ist es nun eben selbstverständlich die Stoffmasken zu tragen wenn wir uns nicht Zuhause oder alleine im Büro befinden und Abstand zu halten. Das sind im Grunde kostenlose Kulturtechniken die konsequent betrieben keinerlei negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben müssen. Und je eher die Leute das pragmatisch und gelassen übernehmen und praktizieren, desto weniger drückt es auch auf weiche Faktoren zB der Konsumfreudigkeit.

    Hätten wir im Januar gewusst was wir jetzt wissen und unser Verhalten bereits dann radikal umgestellt hätten wir nie in den lockdown gehen müssen. Und das gilt auch für die Zukunft.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      27. April 2020 17:16 at 17:16

      @Eric. Hallo. Da haben Sie auch zwischen meinen Zeilen gelesen. Es gibt natürlich auch ein optimistisches Szenario. Dass die Infektionszahlen in unseren Breiten so stark fallen wie in Australien, Neuseeland, Südkorea, Thailand, von China gar nicht zu reden. Vielleicht spielen Sonne und Temperaturen doch eine Rolle. Auch in Europa zeigen Österreich, Schweiz, Dänemark, Norwegen, Finnland u.a. auch starke Rückgänge in wenigen Wochen.
      Sie erwähnen auch das Verhalten des Menschen als nicht kalkulierbaren Faktor. Der größte Teil unserer Bevölkerung gehört zur Gruppe der 55 bis 65-Jährigen, die Gruppe mit dem höchsten Wohlstand. Wie werden diese sich nach dem Lockdown verhalten? Sparen oder das Leben genießen, nach dem Warnschuss angesichts Covid-19 und dem Anschauungsunterricht, wie schell das gewohnte Leben vorbei sein kann? Wie öfters erwähnt, wir können nicht in die Zukunft blicken. Nicht umsonst bezeichnet Nobelpreisträger Daniel Kahnemann Vorhersagen, die mit menschlichem Handeln zu tun haben (Börse, Politik, Gesellschaft) als „zero-validity environment“.
      Viele Grüße

  2. Avatar

    Pessi- Mist

    27. April 2020 19:43 at 19:43

    Die schon vorher begonnene Rückabwicklung der Globalisierung wird da völlig ausser auch gelassen. Die Millionen von jüngeren Menschen ,die noch nie Arbeitsplatzangst oder Existenzangst haben mussten, werden in Zukunft ev.mehr sparen.Dass die Ökonomie keine Rolle spielt ist naiv, denn viele Menschen werden nach Firmenkonkursen gezwungen sein anderst zu leben. Zudem war doch die Rezession schon vor Corona im Anzug. Warum @ Eric so auffallend optimistisch ist weiss ich nicht,( berufsbedingt? ) bei Herr Müller mit seinem immensen Wissen über die katastrophale Lage erstaunt mich seine Einschätzung.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Corona und SAP

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die Corona-Anstiege in den USA und Europa sind heute ein Thema. Aber auch die aktuelle Revision der Aussichten von SAP sind in New York aktuell Thema.

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Dax: Unterschreitet der Dax dieses Niveau droht Abverkauf!

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In Bezug auf die jüngste Prognose hat sich der deutsche Leitindex, Dax 30, durch die Weiterführung der Korrektur, nahezu mustergültig verhalten. Auch wenn die Performance vom letzten Handelstag (Freitag letzter Woche) einen positiven Eindruck hinterlassen könnte, konnte auch diese Minirallye noch keine richtungsweisende Entscheidung bewirken. Das Einhalten des Fahrplanes konnte einer Umstellung des Szenarios entgegenwirken, wie der Chart es zeigt. Nach wie vor sehe ich relativ optimistisch in die nähere Zukunft, erwarte ich übergeordnet auch künftig schönes Wetter, für den Dax.

Ausblick für den Dax:

Mit der Fortführung der Korrektur (c) konnte der Dax Welle (c) nahezu mustergültig ausbilden. Aktuell liegt noch kein regelkonformer Abschluss dieser Welle noch nicht vor, doch deutet der Verlauf vom Freitag darauf hin, dass der Dax diesen Schritt begehen möchte. Ein Schlusskurs über dem Widerstand bei 12.704 Punkten (0.62-Retracement) würde Welle (c) abschließen und einen neuen, zunächst sehr begrenzten, Aufwärtstrend ins Leben rufen.

Der Dax und seine entscheidende Unterstützung bei 12290 Punkten

Eine größere Aufwärtsbewegung würde sich indes erst durch ein nachhaltiges Überschreiten der 0.76-Linie (13.096 Punkte) einstellen.
Dieser Schritt würde den Dax mindestens bis zur 1.38-Linie bei 13.914 Punkten steigen lassen. Auf der anderen Seite würde sich die Situation signifikant eintrüben, sollte sich der Aktienindex zum nachhaltigen Bruch der 1.00-Unterstützung (12.290 Punkte) entscheiden. Gesetzt den Fall, schließt sich eine größere Korrektur an, deren erste Anlaufstelle durch das große 0.50 Retracement (11.694 Punkte) gebildet wird.

Fazit:

Momentan befindet sich der Dax noch im Korrekturmodus, sodass ein erneutes auf längere Sicht angelegtes Engagement (noch) nicht zu empfehlen ist.

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Aktienmärkte: Was für fallende Kurse spricht – die Belastungsfaktoren

Im ersten Teil („Aktienmärkte vor US-Wahl: Wer siegt, Bulle oder Bär? Das Bullen-Szenario“) hatte ich die Positiv-Faktoren für die Aktienmärkte benannt. Was aber spricht für fallende Kurse?

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Im ersten Teil hatte ich die Positiv-Faktoren für die Aktienmärkte benannt. Was aber spricht nun für fallende Kurse?

Aktienmärkte: Die zweite Corona-Welle ist da

Die zweite Coronawelle ist da: Die Marke von 500.000 Neuinfizierten weltweit und pro Tag, wurde kürzlich erreicht. Durch den Anstieg der Infektionen mit Covid-19 auf über 11.000 zum Ende der letzten Woche in Deutschland, befanden sich bereits 350.000 Menschen in Quarantäne, Ende September waren es noch 140.000.

Rekordzahlen, wohin man blickt: USA 83.000 Neuinfektionen, Frankreich 45.000, Italien 21.000, Spanien 20.000, aber auch Deutschland mit über 14.000. Deshalb sollen ab Montag in Italien wieder viele Freizeiteinrichtungen geschlossen werden, in Spanien erinnern die Maßnahmen an den Alarmzustand des Frühjahrs.

Aber gemessen an der Bevölkerung sind die kleinen EU-Länder Tschechien und Belgien mit ihrer Bevölkerungszahl von 10-11 Millionen Einwohner am härtesten getroffen. Die Infektionszahlen je 100.000 Einwohner waren in den vergangenen 14 Tagen nach Angaben der zuständigen Stelle in der EU jeweils fast zehn Mal so hoch wie in Deutschland.

Das hat Aktienmärkte wie den Dax bereits belastet – und dürfte mehr und mehr Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Immer mehr Volkswirte sprechen von einer möglichen Double-Dip-Recession, sollte der Anstieg der Infektionszahlen nicht bald gestoppt werden. Und das dürfte die Aktienmärkte zunächst nicht kalt lassen!

Weltweit hat man deshalb die Marke von einer halben Million Infektionen täglich überschritten. Was viel klingt aber eigentlich wenig ist im Hinblick auf eine Herdenimmunisierung angesichts einer Weltbevölkerung von über 7600 Millionen Menschen. Allerdings dürfte die wahre Infektionszahl – Stichwort Dunkelziffer – weitaus höher legen, vielleicht sogar bei Faktor 10.

Antikörpertests aus den Metropolen Indiens oder Brasiliens (auch Mexikos), wo die Ausbreitung durch die Verhältnisse explodiert sein muss, geben Hinweise darauf. Denn die Infektionszahlen in diesen beiden Ländern haben sich seit ihren Höchstständen vor zwei Monaten etwa halbiert – in gegensätzlicher Entwicklung zur westlichen Welt. Ebenso in Israel, wo sich die Infektionszahlen nach dem Lockdown bereits gefünftelt haben.

Dass sich die Corona-Entwicklung bald auch im Konsumsektor in Deutschland bemerkbar machen könnte, der immerhin 51 Prozent des BIP ausmacht, sieht man an der Entwicklung des GFK-Konsumklimas. Das Verbrauchervertrauen fiel von minus 1,7 auf minus 3,1 Prozent im November. Von seinem Tief im Mai von minus 23,1 Punkten war es bis in den August hinein auf minus 0,3 Punkte geklettert, um angesichts der Sorgen um einen Lockdown wieder langsam nach unten zu gleiten. Das GfK-Konsumklima als eine Art zweiter Infektionsindex?

Aber auch Tourismus leidet weiter. Die jüngsten Zahlen zu den Flugbuchungen sind stark rückläufig und liegen bereits wieder 73 Prozent hinter den Vorjahreszahlen, vor zehn Wochen waren es noch minus 56 Prozent. Ähnliches geben die neuesten Daten des Tourismuskonzerns TUI wieder.

Ausblick auf die Woche

Die Konjunkturdaten dieser Handelswoche beginnen mit dem Ifo-Index aus Deutschland, der nicht nur in der jüngsten Vergangenheit gute Hinweise auf die Entwicklung der Wirtschaft gegeben hat. Deutschland ist ein Exportland, der Dax ein Exportindex, deshalb sind die Ausblicke der insgesamt 9000 Unternehmenschefs ein wichtiger Konjunkturindikator für Deutschland. Und erstmals seit fünf Monaten, das zeigen die heute vormittag veröffentlichten ifo-Zahlen, ging der Index wieder zurück.

Außerdem ist die Veröffentlichung der Daten für das Bruttoinlandsprodukt für die USA (Donnerstag) und Deutschland (Freitag) sehr interessant. Hat der antizipatorische deutsche Leitindex nicht ein sehr heftiges V fabriziert, bis Anfang Juni? Dort hatte er sein Hoch bei 12913 Punkten erreicht, seitdem pendelt er in einer Range und steht heute ungefähr 250 Punkte tiefer. Könnte also bedeuten, dass das Wachstum in Q4 erst einmal sehr mager (oder geringer) ausfällt.

Ja und dann haben wir auch noch die Woche mit dem größten Aufkommen an Quartalszahlen im S&P 500. Melden doch am Donnerstag dieser Woche tatsächlich gleichzeitig Alphabet, Amazon, Apple und Facebook ihre Zahlen. Das dürfte für die Aktienmärkte ein entscheidender Tag sein angesichts der Marktkapitalisierung der Tech-Schwergewichte! Sind die Erwartungen diesmal zu hoch – siehe die Reaktion auf die SAP-Zahlen heute?

Fazit

Vielleicht ist die Wahl am 3. November gar nicht das große Ereignis für die Börsen. Der Artikel „Präsidentschaftszyklen und die Börse“ gibt ein paar Hinweise darauf, wie sich die Aktienmärkte entwickeln. Sollte sich Corona nicht bald eindämmen lassen, bleibt den Regierungen und Notenbanken in den nächsten Wochen gar nichts anderes übrig, als zu „retten“ und zu „drucken“, was das Zeug hält. Das wiederum könnte paradoxerweise jedoch die Aktienmärkte stützen.

Die Gefahrenabwehrbehörden können gar nicht anders, als bei Zunahme der Inzidenzzahlen zumindest regionale Lockdowns anzuordnen. Bei allen Diskussionen über das Übermaßverbot gibt es in Deutschland den Schutzbereich des Art. 2 Grundgesetz mit dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit/Leben.

Und für die USA könnte demnächst gelten: Die schönen Wahlprogramme sind zunächst erst einmal zweitrangig. Vorrang hat für alle Nationen die wirtschaftliche Entwicklung, die Verhinderung weiterer Lockdowns, somit stochern alle ein wenig im Nebel, Volkswirte, Kommentatoren und auch Politiker. Die Halbwertszeit und die Validität von Wirtschafts-und Politiknews gehen für mich daher aktuell ziemlich in den Keller.

Und was die Eingangsfrage betrifft – eher Vorsicht, immer mit dem Blick auf die Statistiken der John-Hopkins-Universität oder des RKI.

Die Belastungsfaktoren für die Aktienmärkte - Steilvorlage für Bären?

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