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Coronakrise USA: Eine Million Infizierte – Ende der wirtschaftlichen Talfahrt in Sicht?

Wolfgang Müller

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am

Der Vergleich wird ins Auge springen: Die USA erreichen heute mit einer Million Coronainfizierten eine viel beachtete Rekordmarke in der Coronakrise, während das viel größere Ausbruchsland China bereits seit Tagen und Wochen sich bei gut 82.000 Fällen nahezu konstant verhält. Doch die US-Leitbörse, der S&P 500, steht bei einem immer größer werdenden ökonomischen Schaden gerade mal 16,4 Prozent im Minus seit seinem am 20. Februar erreichten Allzeithoch. Kommt es bald zu einen Realitätscheck in der Coronakrise?

Coronakrise: Bisher Unterstützung durch die „Big Five“

Man muss es sich immer wieder vor Augen halten. Der S&P 500 repräsentiert aktuell eine Marktkapitalisierung von 22,9 Billionen Euro (während unser Dax mit der Ein-Billionen-Euro-Grenze kämpft) und nur fünf Werte davon  im S&P 500 stehen für 20 Prozent des Marktwertes: Eine unglaubliche Klumpenbildung durch die Tech-Giganten Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft, die den großen Index während des Abverkaufs in der Coronakrise nicht nur gestützt haben, sondern teilweise auch noch von der Pandemie profitierten. In den nächsten Tagen werden die Quartalsergebnisse zeigen, ob die Bewertungen in einer Rezession unbekannter Tiefe aufrechterhalten werden können.

Die taumelnden Wirtschaftsindikatoren

Dass die aktuellen Daten zu Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätzen oder Verbraucherertrauen in ungeahnte Tiefen rauschen, ist weder verwunderlich noch besonders sensationell, denn wann wurde in den letzten Jahrzehnte eine Wirtschaft derart abrupt und ohne vor Ankündigung in eine Phase des fast vollständigen Stillstandes gebracht? Deshalb sind auch Vergleiche mit 2008, 1987 oder auch 1929 gar nicht passend, weil sich damals der konjunkturelle Einbruch in Schritten vollzog und nicht „par ordre du mufti“. Auch sind jegliche Konjunkturprognosen, so kompetent die Autoren auch sein mögen, schlicht und ergreifend ein Stochern im Nebel. Die Vorhersage einer V, U, W, oder L-Formation im Konjunkturverlauf – who knows? Jedoch wird eine V-förmige Erholung von Woche zu Woche unwahrscheinlicher, denn schließlich kann man weltweit vernetzte Volkswirtschaften nicht von einem Tag auf den anderen wieder hochfahren, so wie ein Energiekraftwerk.

Was hingegen sehr nachdenklich machen muss, ist der aktuelle Sturz des Ifo-Index in neue historische Tiefen – und zwar nicht in seiner aktuellen
Lagebeschreibung, sondern in der Komponente Geschäftserwartungen, die auch für das kommende halbe Jahr desaströs ausgefallen waren. Die Unternehmenschefs wissen, ob sie Vorbestellungen vorgenommen haben für in der Zukunft zu produzierenden Waren.

Coronakrise: Hoffnungen auf einen Beginn des Lockdowns

Der Gouverneur des Staates New York, Andrew Cuomo, versucht Zuversicht zu verbreiten. Die Zeit chaotischer Zustände in den Krankenhäusern New York sei vorbei, die Zahl der Todesopfer von Covid-19 nehme ab, auch die Geschwindigkeit der Zunahme an Infizierten. Das „Financial Center of the World“ wurde auch zum Epizentrum der weltweiten Infektionen. Aber allein im US-Bundesstaat New York sind laut einer Antikörper-Studie bereits etwa 14 Prozent der Menschen infiziert.

Einige Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer der Coronavirus-Infizierten in den USA möglicherweise bis zu 50-mal höher liegt als bisher angenommen. Die Antikörpertests werden auch das große Thema der nächsten Wochen sein, ob in Österreich, Italien, Deutschland oder den USA. Denn eine sehr hohe Zahl an bereits Infizierten brächte auch bestimmte Vorteile für den weiteren Verlauf der Virusinfektion.  In den USA planen die Staaten Georgia, Texas, Tennessee, Ohio und Montana eine rasche Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit für einige Arbeitsplätze.

Auch Gouverneur Andrew Cuomo legte bereits New Yorks Plan vor, den Staat schrittweise wieder für Unternehmen zu öffnen, wenn die Covid-19-Pandemie endet.

Hoffnung auf Eindämmung und den Impfstoff

Eine sehr große Rolle in der Entwicklung der Börsen hängt natürlich mit den Meldungen über den Fortgang der Forschungen an einem Impfstoff gegen Sars-CoV-2 zusammen. Derzeit arbeiten mittlerweile mindestens 97 Unternehmen und Forschungseinrichtungen unabhängig voneinander an diesem Projekt.

Noch nie in der Geschichte der Menschheit habe so viele Wissenschaftler gleichzeitig gegen eine Virusinfektion gekämpft. Im Februar lag die Zahl  der bei der WHO gemeldeten Impfstoffprojekte erst bei 21. Auch wenn es bereits fünf Unternehmen geschafft haben, die Freigabe für klinische Studien der Menschen zu bekommen (Biontech aus Deutschland und jeweils zwei Unternehmen aus den USA und China) ist der Weg für einen Impfstoff noch weit. Normalerweise dauert so etwas 10 Jahre, der Rekord liegt anscheinend bei vier Jahren – und dieses Mal hofft man auf ein bis eineinhalb Jahre.

Hier ein paar Übersichten über Länder mit großen Fortschritten in Sachen Corona-Eindämmung:

Die Coronkrise in der Schweiz

Die Coronakrise in Südkorea

Die Coronakrise in Deutschland

 

Und zu guter Letzt China:

 

Die Coronakrise in China

 

Fazit

Viele Aktienmärkte haben in der Coronakrise in ziemlichem Gleichschritt die Phasen der Panik (Februar/März), der Erleichterung nach den Rettungspaketen (bis Mitte April) und jüngst der Unsicherheit durchlaufen. Man rechnet eigentlich überall mit einer raschen Eindämmung von Covid-19, analog einigen Ländern in Fernost – ohne einkalkulieren zu können, wie groß der ökonomische Schaden bereits ist, beziehungsweise erst werden wird. Jetzt beginnt die Phase, in der die Unternehmen ihre Quartalszahlen auf den Tisch legen und auch etwas zu ihren Aussichten verlautbaren müssen. Könnte da nicht etwas Ernüchterung für die hochgelaufenen Börsen anstehen? Vor allem, weil die Big Five in den USA melden, die für fast fünf Billionen Dollar Marktkapitalisierung stehen.

Der Bedarf an Prognosen ist immer und ewig vorhanden, auch zu Zeiten absoluter Ungewissheit. Was soll man mit einer Vorhersage der Anlagegesellschaft BNY Mellon in der vergangenen Woche hinsichtlich der Wahrscheinlichkeiten für eine V-, U-, W- oder L-artige Entwicklung unserer Wirtschaft im Gefolge der Coronakrise mit jeweils 35 Prozent, 35 Prozent, 15 Prozent und 10 Prozent anfangen? Werˋs braucht!

Trotz Coronakrise entwickeln sich die Aktienmärkte gut

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Eric

    27. April 2020 16:37 at 16:37

    Vorsicht!
    Die bekannten Konjunkturindikatoren sind nutzlos, weil dies keine konjunkturelle Krise ist. Im ersten Teil des Artikels haben Sie das auch selbst erwähnt.

    Es ist anzunehmen, dass das V umso wahrscheinlicher ist, je eher wir zu kulturellen Verhaltensänderungen mit ähnlicher Effektivität wie ein Lockdown kommen. Bis dahin, dass wir im Sommer vielleicht wieder im Restaurant sitzen können, anders als früher gewohnt, aber das Leben muss ja schließlich weitergehen.

    Dann gibt’s eine Mischung aus Nachholeffekt und staatlichem Stimulus der einen kräftigen Aufschwung aus dem Tal befeuert, irgendwann im Verlauf des nächsten Jahres, vermutlich eher später als früher, wären wir dann wieder annähernd beim Vorkrisenstand.

    Die große Unbekannte ist hier weder die Ökonomie, noch die Medizin, sondern der Mensch.
    Es wird direkt proportional davon abhängen, wie diszipliniert aber auch ruhig und gelassen die Bevölkerung die Maßnahmen als Teil eines neuen Alltags akzeptiert ob diese ausreichen. So wie es bisher undenkbar war in aller Öffentlichkeit Popel aus der Nase zu ziehen und es zu guter Erziehung gehörte den Handschlag nicht zu verweigern, so ist es nun eben selbstverständlich die Stoffmasken zu tragen wenn wir uns nicht Zuhause oder alleine im Büro befinden und Abstand zu halten. Das sind im Grunde kostenlose Kulturtechniken die konsequent betrieben keinerlei negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben müssen. Und je eher die Leute das pragmatisch und gelassen übernehmen und praktizieren, desto weniger drückt es auch auf weiche Faktoren zB der Konsumfreudigkeit.

    Hätten wir im Januar gewusst was wir jetzt wissen und unser Verhalten bereits dann radikal umgestellt hätten wir nie in den lockdown gehen müssen. Und das gilt auch für die Zukunft.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      27. April 2020 17:16 at 17:16

      @Eric. Hallo. Da haben Sie auch zwischen meinen Zeilen gelesen. Es gibt natürlich auch ein optimistisches Szenario. Dass die Infektionszahlen in unseren Breiten so stark fallen wie in Australien, Neuseeland, Südkorea, Thailand, von China gar nicht zu reden. Vielleicht spielen Sonne und Temperaturen doch eine Rolle. Auch in Europa zeigen Österreich, Schweiz, Dänemark, Norwegen, Finnland u.a. auch starke Rückgänge in wenigen Wochen.
      Sie erwähnen auch das Verhalten des Menschen als nicht kalkulierbaren Faktor. Der größte Teil unserer Bevölkerung gehört zur Gruppe der 55 bis 65-Jährigen, die Gruppe mit dem höchsten Wohlstand. Wie werden diese sich nach dem Lockdown verhalten? Sparen oder das Leben genießen, nach dem Warnschuss angesichts Covid-19 und dem Anschauungsunterricht, wie schell das gewohnte Leben vorbei sein kann? Wie öfters erwähnt, wir können nicht in die Zukunft blicken. Nicht umsonst bezeichnet Nobelpreisträger Daniel Kahnemann Vorhersagen, die mit menschlichem Handeln zu tun haben (Börse, Politik, Gesellschaft) als „zero-validity environment“.
      Viele Grüße

  2. Avatar

    Pessi- Mist

    27. April 2020 19:43 at 19:43

    Die schon vorher begonnene Rückabwicklung der Globalisierung wird da völlig ausser auch gelassen. Die Millionen von jüngeren Menschen ,die noch nie Arbeitsplatzangst oder Existenzangst haben mussten, werden in Zukunft ev.mehr sparen.Dass die Ökonomie keine Rolle spielt ist naiv, denn viele Menschen werden nach Firmenkonkursen gezwungen sein anderst zu leben. Zudem war doch die Rezession schon vor Corona im Anzug. Warum @ Eric so auffallend optimistisch ist weiss ich nicht,( berufsbedingt? ) bei Herr Müller mit seinem immensen Wissen über die katastrophale Lage erstaunt mich seine Einschätzung.

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Nikkei 225: Das Comeback des japanischen Leitindex

Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Nikkei 225 – trotz explodierender Schulden

Wolfgang Müller

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Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Sammelindex Nikkei 225, inmitten der Corona-Krise und bei explodierenden Staatsschulden. Dieser bemüht sich nach Kräften, endlich das Trauma des Immobilien-Crashs von 1989 zu neutralisieren, der Index kletterte jüngst auf ein fast 30-Jahreshoch.

Der japanische Index – auf dem Weg zu alten Höhen?

Immer wieder wird von Aktienpessimisten Japan als Negativbeispiel angeführt. Der unheimliche Aktien-Boom in den 1980-er-Jahren, verbunden mit der Immobilienblase (Hans-Werner Sinn: Für Tokyo hätte man ganz Kanada kaufen können!) führte zu abstrusen Börsenbewertungen:

 

Die Mutter aller Index-Fahnenstangencharts (bis zur Corona-Krise):

Die Aktienmärkte - hier der Nikkei

Der Höchststand des Nikkei 225 vom 29. Dezember 1989 lag auf Schlusskursbasis bei 38.913 Punkten, dann erfolgte ein Absturz ohnegleichen mit vielen erratischen Schwankungen und einem Tief am Ende der Finanzkrise von 7054 Punkten.

Aber wer hat im Jahr 1989 all sein Geld in den Nikkei 225 investiert und nicht vorher und danach? Im Übrigen hätte ein monatlicher Sparplan auf den Index über viele Jahre eine gewaltige Rendite gebracht, durch den Cost-Average-Effekt, nur muss der Index irgendwann einmal kräftig anziehen, dann schießt der Wert mit all den billig erworbenen Anteilen kräftig in die Höhe. So wie es beim Nikkei 225 schon seit geraumer Zeit aufwärts geht.

Ein Vergleich der Marktperformance:

Seit dem Corona-Tief:

S&P 500: plus 60 Prozent
Dax: plus 52 Prozent
Nikkei: plus 50 Prozent

Seit dem Tief in der Finanzkrise 2009:

S&P 500: plus 436 Prozent
Dax: plus 362 Prozent
Nikkei: plus 364 Prozent
Jetzt ist der Index noch weiter gestiegen und erreichte gestern 26.537 Punkte.

Wobei hier wieder einmal festzustellen ist, dass bei unserem Dax als Performanceindex die ausgeschütteten Dividenden mit eingerechnet wurden, anders als bei den international üblichen Kursindizes. Was im Jahresvergleich nicht viel ausmacht, verzerrt das Bild bei einem 11-Jahreszeitraum durch den Zinseszinseffekt doch sehr deutlich.

Was also fast nach einem Gleichlauf aussieht, wird im 3-Monatsvergleich nach dem Einstieg von Warren Buffett deutlicher, Japan fiel im Oktober nicht mehr so stark und erholte sich stärker.

S&P 500: plus 4 Prozent
Dax: plus 1 Prozent
Nikkei: plus 13 Prozent

Die Entwicklung der Wirtschaft

Dass die Börse in Japan so stark gestiegen ist, liegt zum einen natürlich an der Bank of Japan, die bereits 53 Prozent der japanischen Staatsanleihen in ihren Büchern hält und immer wieder ETFs auf den Aktienmarkt erwirbt.

Der Nikkei 225 mit seinen über 12 Billionen Euro Marktkapitalisierung hat natürlich noch andere Investoren.

Aber vonseiten der Wirtschaft gibt es auch einige Signale der Hoffnung.

Doch zunächst zum Einstieg von Warren Buffett. Seine Gesellschaft Berkshire Hathaway kaufte im Herbst etwas mehr als fünf Prozent der Aktien der fünf großen japanischen Handelshäuser, die jahrzehntelang Japans Außenhandel bestimmt haben. Für uns relativ unbekannte Namen wie Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo. Und seine Gesellschaft sei bereit, den Einsatz auf bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen.

Japan ist verglichen mit den USA erheblich preiswerter. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des Dow Jones liegt bei 2,9, jenes des Nikkei 225 hingegen nur mit bei 1,1.

Japans Wirtschaft erholt sich derzeit von einer Rezession, die schon im vierten Quartal 2019 begonnen hatte. Japans Konsumenten erhöhten ihre Ausgaben im Sommer um 4,7 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal auf Jahresbasis um 21,4 Prozent, 2,5 Prozent stärker als von Analysten erwartet wurde.

Hinzu kommt, dass die XXVII. Olympischen Sommerspiele in Tokyo doch vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 stattfinden sollen, wie IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bei seinem letzen Besuch in Japan angekündigt hat.

Ein Schub durch das Freihandelsabkommen RCEP

Das vor knapp zwei Wochen abgeschlossene Freihandelsabkommen RCEP, abgekürzt für Regional Comprehensive Economic Partnership, zwischen 15 Ländern Ostasiens und Ozeaniens, gab der Börse einen weiteren Kick. Japan erhält dadurch erstmals bevorzugten Zugang zu China und Südkorea. Die Annäherung der drei Länder gilt als historischer Vorgang. Das Abkommen wird als Wegbereiter für ein künftiges asiatisches Wirtschaftswachstum gesehen, auch zu einer Zeit, in der sich die Region ohnehin aufgrund der Eindämmung der Pandemie konjunkturell besser als der Rest der Welt entwickelt.

Fazit

Was kann man aus der diesjährigen Entwicklung des Nikkei für Lehren ziehen? Staatsschulden, selbst in astronomischer Höhe (über 250 % zum Bruttoinlandsprodukt), führen nicht zwangsläufig zum Einbruch. Nämlich dann, wenn die Bürger an die Stabilität der eigenen Währung glauben und genügend Sparvermögen bilden und natürlich von der Funktionsfähigkeit der eigenen Notenbank überzeugt sind, die viele der Staatssschulden in ihren Büchern hält. Das Vertrauen in das Geld ist Grundvoraussetzung für die Schuldentragfähigkeit.

Dann sollte die eigene Währung eine gewisse Stabilität aufweisen, damit die Exportwirtschaft nicht unter die Räder gerät, aber auch ausländische Produkte für die Bürger erschwinglich bleiben. Ganz besonders wichtig ist natürlich die Stabilität des Geldes im Hinblick auf die Inflation. In Japan lag die Teuerungsrate über 20 Jahre gerade mal bei 0,5 Prozent per annum. Aber aus dieser Argumentation könnte man auch schlussfolgern, dass es dann krachen wird, wenn auch nur einer der drei Faktor nicht mehr gegeben ist, insbesondere wenn die Inflation zu galoppieren beginnt. Inflation, das Thema der nächsten Jahre nach der epochalen Geldschwemme des Corona-Jahres 2020?

 

Der Nikkei in Japan mit zuletzt starker Entwicklung

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Dax mit 40 Aktien – ist die Reform wirklich eine Wende?

33 Jahre nach Einführung des Dax 30 kommt im nächsten Jahr eine Reform – ändert sich dadurch seine Bedeutung in der weltweiten Börsenszene? Zweifel sind angebracht!

Wolfgang Müller

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33 Jahre nach Einführung des Dax 30 kommt im nächsten Jahr eine Reform des deutschen Leitindex, unter anderem mit einer Erweiterung auf 40 Werte. Anstoß war der Skandal um Wirecard, seiner Insolvenz und seinem wochenlangen Verbleib im Index, weil es eben den Regeln so entsprach. Aber wird diese Indexaufstockung wirklich eine gravierende Änderung seiner Bedeutung in der großen Börsenszene einleiten? Zweifel sind angebracht, denn ein Alleinstellungsmerkmal des deutschen Index bleibt bestehen.

Dax 30, der Underperformer unter den großen Börsenindizes

Das Grundproblem unseres Leitindex ist zunächst einmal seine Grundkonstruktion. Es handelt sich bei ihm – im Gegensatz zu den anderen großen internationalen Indizes – um einen Performanceindex, bei dem die jährlichen Dividendenausschüttungen miteingerechnet werden. Der Dax steht in dieser Berechnung mit 13300 Punkten (Stand 26. November) weniger als vier Prozent unter seinem Allzeithoch vom Februar diesen Jahres. In einer Kalkulation als internationaler Kursindex (ohne Dividenden) liegt er mit 5751 Punkten, sogar noch fast 10 Prozent tiefer als bei seinem Hoch vom März 2000 mit 6266 Punkten. Der Dax hatte 15 Jahre gebraucht, bis er dieses Hoch wieder erreichen konnte (2015), seither rennt er immer wieder dagegen an.

Zum Vergleich der S&P 500: Jahreshoch des Jahres 2000 – 1527 Punkte, Jahreshoch 2020 – 3642 Punkte. Und dabei wurde sogar der Extremwert in der Internet-Bubble als Vergleich herangezogen.

Dax 30, das Leichtgewicht unter den Indizes

Das nächste Thema ist die Marktkapitalisierung des deutschen Leitindex. Mit seinen aktuellen 1,2 Billionen Euro Marktbewertung liegt er nur im Mittelfeld der großen Indizes, obwohl er eigentlich die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt repräsentieren sollte. Zum Vergleich der S&P 500, der es umgerechnet bereits auf sagenhafte 27,2 Billionen Euro bringt, auch der japanische Nikkei 225 liegt im zweistelligen Billionenbereich.

Aber selbst kleinere europäischen Volkswirtschaften haben größere Marktkapitalisierungen. FTSE 100 (Großbritannien) 1,92 Billionen Euro, CAC 40 (Frankreich) 1,76 Billionen Euro, die erheblich kleinere Schweiz liegt mit ihrem SMI und 1,15 Billionen Marktkapitalisierung fast gleichauf.

Was bringt die Aufstockung auf 40 Titel?

Zuerst würde man sich den internationalen Indizes bei der Zahl der im Index gelisteten Aktien annähern. Nicht dem S&P mit seinen 500 Titeln, aber Großbritannien (100) und vor allem Frankreich (40). In der Marktkapitalisierung würde man aus jetziger Sicht auf gut 1,35 Billionen Euro steigen, wenn man potenzielle Aufsteiger aus dem MDax hinzu addiert. Die drei größten Titel aus der zweiten Reihe sind derzeit Airbus (25,4 Bio. €), Symrise (13,2 Bio. €) und Zalando (11,3 Bio. €), wobei beim marktschweren Flugzeugbauer schon wieder ein Fragezeichen steht, wegen seines ausländischen Firmensitzes.

Weitere Regeländerungen

Darüber wurde bei FMW schon berichtet deshalb nur kurz die Änderungen: Künftige Dax-Neulinge müssen vor ihrer Aufnahme einen operativen Gewinn in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen. Neuaufnahmen wie die von Delivery Hero wären künftig nicht mehr möglich. Eine Konsequenz aus dem Wirecard-Skandal ist, dass ab März 2021 Firmen nach einer 30-tägigen Warnfrist aus dem Index ausgeschlossen werden können, wenn sie ihre testierten Geschäftsberichte und vierteljährlichen Quartalsmitteilungen nicht fristgerecht veröffentlichen. Außerdem überprüft die deutsche Börse zweimal im Jahr die Aufstellung im Dax. Es geht dann um die Marktkapitalisierung der Unternehmen und nicht mehr um den Börsenumsatz. Der Nachweis einer Mindestliquidität wird ausreichen.

Fazit

Bei allen Bemühungen um eine Steigerung der Attraktivität des deutschen Leitindex bleibt das Grundproblem – die Akzeptanz der Aktie für die Kapitalanlage. Nur 15 Prozent der Deutschen besitzen direkt oder über Fonds Aktien, über 50 Prozent des Dax befinden sich in ausländischen Händen. Zum Vergleich: 2,4 Billionen Euro liegen in Deutschland auf unverzinslichen Konten, das Zweifache der Marktkapitalisierung des deutschen Leitindex. Was mit diesem Geld in Zukunft geschehen wird, in einer sich wahrscheinlich noch verstärkenden „finanziellen Repression“ (Inflation?) ist ziemlich absehbar. Ein Umdenken täte Not, etwas im Stile des norwegischen Staatsfonds.

An der Grundproblematik wird auch eine Erweiterung des DAX auf 40 Werte nichts ändern. Wie hatte Warren Buffett schon vor Jahren Kritikern der „gefährlichen“ Aktienanlage entgegnet: „„Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte, eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11497 Punkte.“

Was ändert sich durch die Reform des Dax?

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Finanznews

Aktienmärkte: Der Chart, der die Welt erklärt! Videoausblick

Markus Fugmann

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Die Aktienmärkte gestern am US-Feiertag erwartungsgemäß uninspiriert – auch heute ist durch den verkürzten Handel in den USA am Black Friday nicht viel zu erwarten. Aber übergeordnet gilt: es gibt einen Chart, der die ganze (Wirtschafts-)Welt erklärt: dieser Chart zeigt, dass seit den 1980er-Jahren die Schulden schneller wachsen als die Wirtschaft! Und dieser Trend explodiert seit der Finanzkrise geradezu, die Coronakrise wiederum bringt dann die nächste Eskalationsstufe in Sachen Schulden und Geld drucken. Die Notenbanken versuchen mit ihrem Liquiditäts-Exzess diese Verschuldungs-Spirale und damit die Wohlstandsillusion am laufen zu halten – die Aktienmärkte und die Anleihemärkte spiegeln diesen Exzess geradezu beispielhaft wider!

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