Folgen Sie uns

Allgemein

Coronakrise: Verändert Corona das Rennen um die Nummer 1 in der Welt?

Sorgt die Coronakrise dafür, dass die USA im Kampf um die  Nummer eins in der Welt schon bald gegenüber China das Nachsehen haben wird?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Sorgt die Coronakrise dafür, dass die USA im Kampf um die  Nummer eins in der Welt schon bald gegenüber China das Nachsehen haben wird? Wie in der letzten Woche auf FMW schon thematisiert, geht der Zweikampf USA versus China in eine weitere Runde. Der Ausgang der US-Wahlen könnte zwar einiges verändern in Sachen Diplomatie, aber das grundsächliche Dilemma wird bestehen bleiben. Nach einem Jahrhundert könnte die Hegemonie der USA auf vielen Gebieten verloren gehen, wogegen sich die Vereinigten Staaten mit aller Macht wehren werden.

Der Ausgang der US-Wahlen und die Situation vor der Coronakrise

Zunächst möchte ich eine kleine Warnung aussprechen über Sinn und Unsinn von Prognosen über einen Wahlausgang und die daraus resultierende Politik: Das Ergebnis von Wahlumfragen unterliegt, gerade in der heutigen Zeit mit Social Media unglaublich raschen Stimmungsveränderungen – vorherige Sicherheiten werden rasch zur Makulatur – Stichworte Brexit, US-Wahl 2016. Aber genauso unsicher ist die Realisierung der Wahlversprechen, in den USA speziell durch Mehrheiten im Kongress oder im Abgeordnetenhaus, die eine regelrechte Blockade vorheriger Vorhaben bringen können. Daran ist auch Obama gescheitert (und nicht etwa an seinem Unwillen). Aber noch mehr gilt der alte Adenauer-Spruch nach einer Wahl: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.“ Die Außen – und Wirtschaftspolitik der USA wird natürlich dem Kampf gegen den weiteren Aufstieg Chinas gewidmet sein, das Reich der Mitte hat jedoch bereits vor der Coronakrise so viele Fakten geschaffen, die kein US-Präsident so einfach ändern kann.

Der Aufstieg Chinas hat wirtschaftliche Tatsachen geschaffen

Ohne den Aufstieg Chinas hätte es in manchen Industriestaaten im letzten Jahrzehnt kaum ein Wachstum gegeben. Beispiel aus Deutschland: Volkswagen hat 2019 von fast 11 Millionen verkaufter Pkw vier Millionen allein in China abgesetzt. Der Anteil Chinas am Wirtschaftswachstum der Welt hat im letzten Jahr noch 46 Prozent betragen, laut IWF im Jahre 2012 sogar 76 Prozent. Das Riesenreich hat riesige Lieferketten aufgebaut und so viele Länder in große Abhängigkeiten gebracht. Die Coronakrise hat in einigen Bereichen (sogar beim Billigprodukt Atemmasken) gezeigt, wie leichtfertig es ist, bestimmte Produkte in Krisenzeiten nicht ausreichend selbst herstellen zu können.

Am Besten ist der Aufstieg Chinas an seinem Anteil an der Weltwirtschaft zu sehen, wenn man dies kaufkraftbereinigt betrachtet. Lag der Wert 1980 noch bei zwei Prozent, so könnte man 2020 schon an der 20 Prozentmarke anklopfen (Quelle: statista). Nominal haben die USA noch einen Vorsprung gegenüber China mit grob 21 zu 14 Billionen Dollar in ihrer Wirtschaftsleistung. Aber auch hier ist aufgrund der Wachstumsunterschiede die Wachablösung erkennbar. Hinzu kommt ein aktueller bedeutsamer Fakt:

China wird im Jahr 2020 wahrscheinlich die einzige große Wirtschaftsnation sein, die das Jahr der Coronakrise mit einer positiven Wachstumsrate abschließen wird. Der Abstand zwischen den USA und China könnte ein weiteres Mal schrumpfen.

Der Versuch der Abschottung von China

In der gegenwärtig zu beobachtenden Tendenz zu Protektionismus oder zu verminderter Globalisierung wollen sich einige Staaten unabhängiger von China machen, insbesondere die USA trotz ihres etwas auf Eis gelegten Handelskrieges. Ob es um den technologischen Kampf um die neue Mobilfunktechnik (5G – Huawei, oder das Internet generell), den Hickhack um Tiktok, die Thematik des Schutzes persönlicher Daten (bei dem Facebook u.a. genauso in der Kritik stehen) geht – der Aufruf der USA an die westlichen Staaten, sich vom Reich der Mitte zu entkoppeln, dürfte an den oben beschriebenen wirtschaftlichen Tatsachen scheitern, die China geschaffen hat.

Die Volksrepublik hat ihre Fühler nach vielen Ländern ausgestreckt, ob nach Afrika und dessen Rohstoffe oder im Zuge des Projekts Seidenstraße als Kapitalgeber für zahlreiche ärmere Staaten. Nicht zu vergessen, das Volk von über 1,4 Milliarden Konsum-hungrigen Bürgern, ein Riesenstaat, der noch als Entwicklungsland eingestuft wird mit einem Bruttoinlandsprodukt von unter 11.000 Dollar pro Einwohner. Um dies auch nur in die Nähe westlicher Industrieländer zu bringen, sind große Wachstumsraten nötig und eine gigantische Ressourcennachfrage.

Chinas dominierende Rolle an den Rohstoffmärkten

Chinas Rohstoffhunger hat schon immer die Märkte bewegt. So auch in diesem Jahr, denn bereits nachdem erkennbar war, dass man die Coronakrise in den Griff bekommt, hat das Reich der Mitte massiv Rohstoffe geordert.

Beispiel Kupfer

Das Industriemetall notiert auf einem hohen Niveau, auch ein Anzeichen für eine anziehende Korrektur. Ein Grund dafür sind vor allem die sich wieder belebenden asiatischen Wirtschaften. Die ASEAN-Staaten importieren 70 Prozent des global angebotenen Kupfers, das Meiste davon China. Die Chinesen haben im Frühjahr die „Schnappchenpreise“ in der Coronakrise genutzt und große Mengen geordert. Da zwischen Bestellung und Einfuhr bis zu einem Vierteljahr vergehen, machte sich das bei den Importen erst vor Kurzem bemerkbar. Die Bestände von 180 000 Tonnen an der Rohstoffbörse liegen um 20 000 Tonnen höher als vor einem Jahr.

Beispiel Rohöl

Als das schwarze Gold auf dem Höhepunkt der Coronakrise so richtig billig war, hat China große Mengen an Öl geordert, über 12 Millionen Barrel täglich und damit die Lager bis an den Rand gefüllt, so dass die Vorräte lange Zeit ausgereicht hätten. Nachdem der Preis des Rohöls gestiegen war, trat man als Verkäufer zu Dumping-Preisen auf dem Markt auf und torpedierte die Bemühungen der OPEC und erst recht die der amerikanischen Frackingindustrie. Ein Beispiel, welche kapitalistischen Methoden das kommunistische China mitunter anwendet. Nicht leicht für den US-Präsidenten hier einen Handelskrieg zu führen.

Fazit

Ungeachtet des Wahlausgangs in den USA wird der Kampf der Wirtschaftsblöcke weitergehen. Die EU dürfte im Zweikampf zwischen den Asiaten und den USA in eine Zwickmühle geraten, in Zeiten einer nicht mehr rückgängig machbaren Globalisierung ist man von beiden Regionen wirtschaftlich abhängig. Aber Asien ist weiter auf dem Vormarsch mit seiner riesigen Masse an Konsumenten, es sind alleine in China und Indien bereits über 2,8 Milliarden Menschen. Derzeit überdeckt die Coronakrise viele Entwicklungen, aber China hat mit seinem Aufstieg viele Tatsachen geschaffen: durch das Projekt Seidenstraße, durch den Zugriff auf viele Rohstoffe in Afrika, durch viele Kredite an arme Länder dieser Welt und nicht zuletzt durch seinen wirtschaftlichen Aufschwung, ablesbar an der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts von 2,77 Billionen Dollar im Jahr vor dem Beginn der Finanzkrise (2007) auf 14,14 Billionen Dollar im Jahr 2019.

Die 2020-er-Jahre dürften für den Westen eine spannende Periode werden, für die USA, aber auch für Europa. In China sitzt ein nach außen hin ruhiger, aber sehr unnachgiebig agierender Machthaber, der auf Lebenszeit gewählt ist – ein Faktum von dem der US-Präsident träumen dürfte. In Wirklichkeit regiert Xi Jinping mit eiserner Faust, ohne jegliche Toleranz gegenüber Abweichlern gegenüber dem großen Ziel seiner kommunistischen Führung.

Die Coronakrise beschleunigt eine Entwicklung: China löst die USA als Nummer eins ab

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Scheer

    15. September 2020 14:44 at 14:44

    Volle Zustimmung.
    Nur der Satz „In Wirklichkeit regiert Xi Jinping mit eiserner Faust, ohne jegliche Toleranz gegenüber Abweichlern gegenüber dem großen Ziel seiner kommunistischen Führung“ trifft auf bei beide Parteien zu.
    Wie schon Hr. Fugmann sagte, die Amerikaner bewegen sich auf dem Weg der wirtschaftlichen Konsolidierung und müssen daher mit unfairen Mitteln kämpfen.
    Daher wäre es ratsam, dass sich Europa von beiden Nationen emanzipiert. Wenn man aber die Mainstreammedien und das dumme Wahlvolk und deren gewählten und willfährigen Politiker realistisch betrachtet, sind wir Galaxien von einer Emanzipation entfernt.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

weiterlesen

Allgemein

US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Extrem schwach! Der Amazon-Effekt in brutaler Klarheit

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 245.000 Stellen für November, was deutlich schlechter war als erwartet (Prognose 470.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 245.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 99.000 Stellen beim Staat. Somit gibt es im November 344.000 neu geschaffene Stellen im Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es insgesamt einen Zuwachs von nur 55.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +1.000. Auf dem Bau waren es +27.000 Stellen, und in der Industrie +27.000. Die folgende Grafik zeigt die gesamten Daten für das Verarbeitende Gewerbe im November.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt US-Arbeitsmarktdaten für November im Detail

Verbleibt bei den neu geschaffenen Stellen im November noch ein Plus von 289.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Ein sehr schwacher Wert nach +783.000 im Oktober. Der Einzelhandel baute 34.700 Stellen ab. Das ist dramatisch, wo der Sektor doch als einer der Jobmaschinen gilt. Elektronikgeschäfte bauten netto 11.300 Stellen ab, Sport- und Buchgeschäfte 12.100 Stellen, und Kaufhäuser sowie große Supercenter (Walmart etc) verloren netto 20.800 Stellen. Gleichzeitig explodieren die Neueinstellungen bei Amazon und Co (also vor allem Amazon). Alleine im November wurden netto 81.900 neue Kurierfahrer eingestellt, und 36.800 Mitarbeiter in Warenlagern.

Grafik zeigt Details zu Job-Änderungen im US-Einzelhandel

Der Sektor „Professional and Business Services“ konnte 60.000 Stellen hinzugewinnen (sehr schwach), wobei hier alleine fast 70.000 neue Jobs bei Zeitarbeit und Hilfsarbeit entstanden. Andere Teilsegmente in dem Bereich bauten also eher Stellen ab. Der Bereich „Pflege und Bildung“ ist mit nur +54.000 Stellen auch sehr schwach dabei. Wobei der Bereich Bildung 5.700 Stellen abgebaut hat. Die Pflege schuf 59.600 neue Stellen. Der mit Abstand größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc.  Hier ist die Schaffung neuer Stellen im November extrem schwach ausgefallen mit gerade mal +31.000. Innerhalb dieses Segments wurden bei Restaurants und Bars sogar 17.400 Stellen abgebaut. Die zweite Corona-Welle lässt grüßen.

Grafik zeigt Details zu verschiedenen US-Jobdaten

weiterlesen

Allgemein

Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage