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Coronakrise: Warum die Aktienkurse trotz Rezession nicht fallen wollen

Warum die Aktienmärkte nicht einbrechen, obwohl die Wirtschaftsaussichten der Unternehmen durch die Coronakrise so schlecht sind wie noch nie

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Man liest es täglich in unzähligen Kommentaren, das Unverständnis der Anleger darüber, warum die Aktienmärkte nicht einbrechen, sind doch die Wirtschaftsaussichten der Unternehmen durch die Coronakrise so schlecht wie sie es eigentlich noch nie waren. Es gibt derzeit zwei dominante Faktoren, die für diese extraordinäre Situation verantwortlich sind und sie führen dazu, dass die Aktienkurse in ihrer Gesamtheit (derzeit) nicht ihrem wirtschaftlichen Umfeld entsprechen: Ein gleichbleibenden Angebot an Aktien bei überbordender Nachfrage infolge einer nahezu unerschöpflichen Liquidität.

Die Dauermanipulation der Anleihemärkte

Wer glaubt, dass die Aktienmärkte selbst durch die Notenbanken manipuliert werden, der irrt sich meines Erachtens: es sind vor allem die Anleihemärkte, die seit gut zehn Jahren von den Notenbanken dieser Welt in abnorme Kurshöhen und ebenso absurde Zinstiefs getrieben wurden.

Hierzu – bevor wir zur aktuellen Situation in der Coronakrise kommen – erst einmal eine grundlegende generationenübergreifende Überlegung: Das Volumen der Aktienmärkte und der Staatsanleihen dürfte derzeit nicht mehr allzuviel auseinander liegen. Der globale Aktienmarkt mit 75 Billionen Dollar (89 Bio.Dollar im Allzeithoch) und die Staatsanleihen mit 60 bis 70 Billionen – Tendenz steigend. Seit Generationen gibt es einen Zweikampf in der Geldanlage zwischen den (ehemals) risikolosen Staatsanleihen und den riskanteren Unternehmensbeteiligungen. Das Tragen von Risiko wird mit einer höheren Rendite belohnt, deshalb lag über die letzten 100 Jahre – es gibt wissenschaftliche Auswertungen bis 1903 – die Aktienrendite nach Inflation um ein bis zwei Prozent über der von Zinspapieren.

Wenn es so alle sechs bis zehn Jahre die typischen Übertreibungen an den Aktienmärkten gab, kam es zum Crash und die Anleger wichen in die verzinslichen Geldmärkte aus – bis sich das Kursniveau der Aktien wieder an die langjährige Durchschnittsgewinnerwartung angepasst hatte (Mean-Reversion-Effekt). Dies ist schon weit über 10 Mal passiert in den USA in dem besagten Jahrhundertzeitraum. Zuletzt hatte es auch noch funktioniert bei den Crashs der Jahre 2000 bis 2003 und 2008/2009. Der Anlagezins (auch Leitzins) lag zu diesen Zeiten immerhin noch bei 5 bis 6 Prozent. Der Finanzkrise hat aber etwas Grundlegendes verändert, man rettete das Bankensystem und die westlichen Notenbanken gerieten auf die Spur der Bank of Japan. Federal Reserve und EZB, aber auch SNB traten mit ihren Quantitative Easing-Programmen als Käufer auf den Anleihemärkten auf und verzerrten die Zinsen nach unten, bis in den kürzlich entstandenen Nullzinsbereich. Damit war der Anlagenotstand geboren und die Aktienhausse erlebte ihre längste Lebensdauer seit 100 Jahren.

Die Geburt von TINA

Klar hatten die Aktienrückkäufe der großen US-Unternehmen (4,3 Billionen Dollar allein beim S&P 500) in den Jahren 2010 bis 2019 maßgeblichen Einfluss auf die Aktienhausse von über 350 Prozent bis zum 20. Februar 2020. Nicht zu vergessen auch die Steuergeschenke von Donald Trump durch seine riesige Unternehmenssteuerreform. Aber die ständig fallenden Zinsen taten ihr Übriges, sie sorgten dafür, dass der immer kleiner werdende Kupon die Anleihemärkte immer uninteressanter für die (Langzeit)Investoren machte. Nur die Banken spekulierten weiter, denn durch die Duration warfen Langläufer ständig Kursgewinne ab, durch ständig fallende Zinsen. Doch bei null Prozent soll in den USA Schluss sein, damit sind diese Verdienstmöglichkeiten passé. TINA (There is no Alternative) wird immer dominanter. Woher soll sich das Anlagekapital (Pensionsfonds, Versicherungen, Kapitalsammelstellen) seine systemerhaltenden Renditen holen – auch und gerade in der Coronakrise – wenn die Zinsen verschwunden sind?

Dass die Versorgung mit billigem Geld der Triebfaktor Nummer eins an den Börsen war und ist, sah man im Jahr 2018. Fed-Chef Jerome Powell hatte die Zinsen im im Jahresverlauf vier mal angehoben und zugleich die Notenbankbilanz durch Verkäufe von Anleihen reduziert. Es kam im Spätherbst zu einem Aktienmarktcrash bis kurz an den Bärenmarkt (minus 19,7 Prozent), obwohl die US-Wirtschaft noch ganz gut lief (Jahresrate 2,93 Prozent) und von Wirtschaftseinbrüchen in heutiger Dimension nicht im Traum die Rede war.

Coronakrise: Die Totalentkoppelung von Börse und Wirtschaft

Nach dem ersten Coronaschock rauschten die US-Märkte im Februar/März um 35 Prozent, der DAX sogar um 40 Prozent in die Tiefe, bis die internationalen Notenbanken und die Regierungen in unglaublicher Einigkeit die Geld-Bazookas hervorholten und die Märkte mir Geld fluteten. Bürger mit Helikoptergeld, Unternehmen mit garantierten und billigen Krediten und einen Ankauf von Anleihen von der mit A-gerateten Staatsanleihe bis hin zur den früher nicht vorstellbaren Käufen von Junk Bonds. Und wohin fließt ein Teil des Geldes? You can make an educated guess!

Damit wird eine Nachfrage nach den Dividendenpapieren generiert, der in seiner Gesamtheit nicht mehr allzuviel mit den aktuellen wirtschaftlichen Aussichten der Unternehmen zu tun hat. Die Börse geht davon aus, dass es bis ins zweite Halbjahr wieder zu einer leichten Normalisierung der Wirtschaft in vielen Ländern der Welt kommen wird und zusätzlich sind ja noch die geschaffenen Billionen im Markt, die man nicht so ohne Weiteres wieder aus dem Geldkreislauf abziehen kann. Auch wenn dies dem ökonomischen Sachverstand zuwiderläuft, könnte es tatsächlich zu einer Aktienhausse inmitten einer aktuellen Rezession in der Coronakrise kommen, wie man sie in den letzten Jahrzehnten noch nie erlebt hat – der von Hannes Zipfel gestern angedeuteten Katastrophenhausse.

Hier eine Übersicht der aktuellen Notenbankenbilanzen (Quelle Bloomberg).

In Relation zu den Bruttoinlandsprodukt beträgt diese:

Schweizerische Nationalbank 122,62 Prozent
Bank von Japan 111,42 Prozent
Europäische Zentralbank 44,47 Prozent
US-Notenbank 30,25 Prozent
Bank von England 21,70 Prozent

Die Gesamtsumme dürfte die 20-Billionen-Dollarmarke schon überschritten haben, wobei die japanische und die schweizer Zentralbank schon Aktien in ihrer Bilanz haben, Federal Reserve und EZB bisher (noch) nicht. Wie soll hierbei ein marktgerechter Zinssatz zustande kommen?

Was könnte dieses Goldilocks-Szenario der Bullen zerstören?

Natürlich das Coronavirus, wenn er sich nicht tatsächlich in den nächsten Wochen und allenfalls Sommermonaten eindämmen lässt und die Coronakrise damit weiter andauert. Weil es dann zu solchen Verwerfungen in den Volkswirtschaften kommen wird, dass selbst das Gelddrucken der Notenbanken nicht mehr ausreichen würde. Wenn massenhaft Unternehmen pleite gehen, wie es in der Weltwirtschaftskrise 1929-1932 infolge einer Geldverknappung durch die Notenbank der Fall war, käme es zu dem L-Szenario, welches in eine wirtschaftliche Depression münden müsste. Bis es zur Entwicklung eines Impfstoffes kommt, an dem bereits deutlich über 100 Unternehmen und Forschungseinrichtungen arbeiten. Noch nie wurde ein Impfstoff oder ein Medikament von so vielen Menschen gleichzeitig benötigt, wie ein Mittel gegen Covid-19 bei einer Weltbevölkerung von 7,7 Milliarden Menschen und noch nie wurde gleichzeitig so intensiv und mit solcher Unterstützung daran geforscht.

Fazit: Rally und Coronakrise

Dieses Mal ist alles anders. Ein „naiver“ Spruch, den unentwegte Superoptimisten am Ende eines Aufschwungs regelmäßig von sich geben, um ihren eigenen Investitionen noch Sinn zu verleihen, aber in der aktuellen Baisse dürfte er doch seine Berechtigung haben. Wann hat es so etwas je gegeben, dass man wegen der Coronakrise mit Rezessionsszenarien durch IWF und andere Großorganisationen im zweistelligen Minusbereich rechnet und sogar für die stets wachsende Weltwirtschaft eine deutliche Schrumpfung voraussieht und dennoch steigende Kurse innerhalb von wenigen Wochen um 25 bis 30 Prozent aus der Tiefe erlebt? Wenn es nicht Millionen Aktienkäufer gibt, die mit hellseherischen Fähigkeiten für Monate in die Zukunft blicken können, so scheint die Flut billigen Geldes und der omnipräsente Anlagenotstand sein Spiel zu treiben.

Ja und was das viele Geld, respektive die hohe Schuldenlast anschließend für destruktive Folgen nach sich ziehen werden, darüber gibt es zwar schon die ersten akademischen Diskussionen – aber zuvor ist Feuerlöschen angesagt, skurrilerweise mit Papiergeld.

Trotz Coronakrise steigen die Aktienmärkte

8 Kommentare

8 Comments

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    Roland

    30. April 2020 09:28 at 09:28

    Sehr guter Text, ganz meine Meinung. Ein Crack Up Boom, der die Anleger mit den Schultern bei schlechten Nachrichten Zucken lässt. Sollte es bald noch weitere Good News geben (Medikament, Lockerungen etc.) dann katapultiert das im Auslauf befindliche Geld die Märkte nich deutlicher. Aber neue ATHs sind doch auch erst mal gut…;-)

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      Segler

      30. April 2020 09:42 at 09:42

      Chapeau, Wolfgang ! Schöne Zusammenfassung. Ausdrucken und an die Wand hängen. Danke !

  2. Avatar

    Trigo

    30. April 2020 10:28 at 10:28

    Die Folgen der Pandemie treffen den Arbeitsmarkt mit voller Wucht – und zwar viel heftiger, als viele Ökonomen befürchtet hatten.

    https://sz.de/1.4893532

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      Sebaastian

      1. Mai 2020 13:11 at 13:11

      Ich möchte die Inhalte dieses Textes nicht in Frage stellen. Aber nach meiner Meinung ist die Fragestellung in der Überschrift übertrieben kritisch. Wenn man sich nur mal die Veränderung des Dax anschaut (im Crash-Tief etwa -40% – aktuell etwa -20% vom ATH kurz vor dem Crash) dann ist dieses Minus doch im Rahmen der bisherigen Schätzungen von Regierung und Ökonomen zum erwarteten Wirtschaftswachstum für dieses Jahr in Deutschland. Außerdem ist die Lage ja bei den Einzelwerten im Dax (aber natürlich auch weltweit) viel differenzierter. Nicht jedes Unternehmen ist nur negativ davon betroffen.

  3. Avatar

    Marko

    30. April 2020 13:42 at 13:42

    „Wer glaubt, dass die Aktienmärkte selbst durch die Notenbanken manipuliert werden, der irrt sich meines Erachtens: es sind vor allem die Anleihemärkte, die seit gut zehn Jahren von den Notenbanken dieser Welt in abnorme Kurshöhen und ebenso absurde Zinstiefs getrieben wurden.“

    Exakt Herr Müller, bravo !

    Aber dadurch, dass wir 2008/2009 die Banken-Finanzkrise hatten und die Notenbanken reagieren mussten, wurde der Anleihemarkt gnadenlos manipuliert, d.h. das „Gleichgewicht“ der zwei großen Markte, des Aktien- wie des Anleihemarktes wurden verzerrt, nebst der Euro-Krise (als Bonbon) obendrauf usw. – Na ja, damals hat die Ami-Seite versucht, diesbezüglich bei den französischen Banken zu zündeln, das ging aber nach hinten los, als Frau Merkel sprach…

    Und wie gesagt, Deutschland bei MINUSZINSEN bezüglich einer Kreditaufnahme, dies alles sind alle die Folgen, des ABS-Security-Quatsches losgelöst durch GS/den Amis… das was bei denen vorher war liegt in der ami-Natur, gierig sein, Kapitalismus pur. Das Gesundheitssystem .. ? Nie gehört, wer hat, der hat, der kann sich die allerbesten anwälte, Ärtze leiden, der rest verliert !

    an einen endlos ,steigenden Immobilienmarkt zu glauben, und glichzeitig von Banken-Seite andere (ausländische) Banken über den Tisch zu ziehen.

    Deshalb geht der Aktienmarkt nicht „runter“ weil alles andere unsere Wirtschaft ins ad absurdum führen würde. Wenn der Aktienmarkt fällt, so zahlen Top AAA-„Schuldner“ Deutschland/Schweiz usw NOCH weniger Zinsen für Ihre Schulden ! weil dann der Anleihemarkt steigen muss !! MUSS !!!
    Wo liegt darin die Logik… ?

    Während dann die Emerging Marktes , die sogenannten „schwachen“ Schuldner vom Markt zerstört würden.. Ein fallender Aktienmarkt,steigende Schulden-Zinssätze…

    Und so gesehen, haben die Notenbaken richtig gehandelt, weil da jetzt durch deren Anleihekäufe ein „Puffer“ da ist und ein gewaltiger.

  4. Avatar

    Marko

    30. April 2020 14:13 at 14:13

    TRIGO30. April 2020 10:28 at 10:28
    Die Folgen der Pandemie treffen den Arbeitsmarkt mit voller Wucht – und zwar viel heftiger, als viele Ökonomen befürchtet hatten.

    https://sz.de/1.4893532

    Ja natürlch, aber es geht hier darum die Wirtschaft die Erde, langsam wieder zu starten , dies dosiert.

    Wenn nicht, könnten an den Folgen der Corno-Krise wesentlich mehr Menschen sterben als am Virus selbst…
    dies werden erstmal die starken Staaten vollziehen, danach kommen die anderen dran… dies aber auch dosiert.

    Na klar, keiner kann sagen, wie es weitergeht, aber dadurch, dass bei uns die Influenza-Zeit (auf der Nordhalbkugel) vorbei ist, wird es wohl eher seitwärts oder nach unten laufen mit den Infektionszahlen, und gerade diese Kontaktsperren müssen jetzt Mitte Mai raus, das „normale Leben muss starten..

  5. Avatar

    Marko

    30. April 2020 14:24 at 14:24

    Und das mit der „Wirtschaft starten“…

    betrifft durchaus grenzüberschreitende Wirtschaftsverkehre, siehe Deutschland – Österreich, Grenzüberschritte innerhalb Europas wären dann erlaubt für Privatleute, keine oder ggf punktuelle Grenzkontrollen…

    Das würde den Hoteliers in Österreich helfen fürs „kaum vorhandene“ Sommergeschäft, garantiert … !

    weil die Deutschen mit Abstand die größten Kunden wären, in Österreich…

  6. Avatar

    Reinhard Peter Engel

    1. Mai 2020 11:54 at 11:54

    Der Krug geht so lange zum Wasser bis er bricht . Wer geglaubt hat, dass er durch fallende Kurse

    jetzt mal richtig Geld verdienen könnte , ist perverser Weise auf dem falchen Fuß erwischt worden.

    Demnächst werden Flüchtlinge zum Geld drucken eingestellt . Eines ist jedenfalls klar , wann der

    wirkliche Crash kommt weiß keiner , aber der muß dann in die Kathastophe führen .

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Daniel Stelter: Buchauszug über konkrete Lösungsansätze zur Coronakrise

Claudio Kummerfeld

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Typisches Bild in der Coronakrise

Diese Woche hat sich die Bundesregierung dazu entschieden, dass man die betroffenen Betriebe des zweiten Lockdowns im November mit einer Umsatzausfallzahlung unterstützen wird, und nicht mit Krediten. Genau diese jetzt beschlossene Maßnahme hatte der Buchautor und anerkannte Wirtschaftsexperte Daniel Stelter (hier finden Sie seine Webseite) schon vor Monaten im Detail erläutert und vorgeschlagen. An dieser Stelle drucken wir mit freundlicher Genehmigung einen Auszug seines hochinteressanten Buches Coronomics: Nach dem Corona-Schock: Neustart aus der Krise ab, welcher im „Campus Verlag Frankfurt/New York“ erschienen ist. Absolut empfehlenswert, nehmen Sie sich die Zeit!

Künstliches Koma für die Wirtschaft

Es mangelt nicht an Programmen, die Notenbanken und Staaten weltweit ankündigen, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie aufzufangen. Dabei kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Verantwortlichen die gewaltigen Schäden zwar erahnen und entsprechend großzügig und kämpferisch agieren, zu- gleich aber nicht so richtig wissen, wo sie ansetzen sollen. Einen Vorwurf kann man ihnen daraus nicht machen, ist es doch eine für uns alle neue Situation. Zwar gibt es die Lehren aus der Finanzkrise, doch diese passen nicht. Heute genügt es nicht, die Bilanzen der Banken zu sanieren – durch Kapitalzuschuss, durch Manipulation der Vermögenspreise nach oben und durch Schönen der Bücher. Stattdessen muss man echte Einnahmen ersetzen. Das ist ungleich schwerer zu organisieren und vor allem ungleich teurer.

Die Politik setzt auf Liquiditätshilfen

Die Politik setzt nicht nur in Deutschland auf Liquiditätshilfen. Als ich diese Zeilen schrieb, war Folgendes angekündigt:1

• Ein Hilfspaket von 50 Milliarden Euro für Soloselbstständige und andere Kleinstfirmen. Selbstständige und Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten erhalten bis zu 9000 Euro, Selbstständige und Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten erhalten bis zu 15000 Euro. Außerdem erhalten Selbstständige leichter Zugang zur Grundsicherung (Hartz IV), wobei die Vermögensprüfung für sechs Monate ausgesetzt wird.
•Anpassung der Kurzarbeiterregelung: Betroffene Unternehmen können Lohnkosten und Sozialabgaben von der Bundesagentur für Arbeit bezahlen lassen. Leiharbeitnehmer sind künftig einge- schlossen und es müssen nur zehn Prozent der Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen sein, damit die Regelungen greifen. Zugleich wird eine Anhebung des Kurzarbeitergeldes diskutiert.
• Unbegrenztes »Milliarden-Schutzschild« für Betriebe und Unternehmen. Über ihre Hausbanken erhalten Unternehmen Zugang zu Krediten und Bürgschaften der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Dazu gründet der Staat einen »Wirtschaftsstabilisierungsfonds«, der 400 Milliarden Euro für Bürgschaften und 100 Milliarden Euro für »Kapitalmaßnahmen«, also direkte staatliche Beteiligungen, umfasst.
•Steuerstundungen auf Antrag, wenn Unternehmen »unmittelbar vom Corona-Virus betroffen sind«. Bis Ende des Jahres 2020 wird auf Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge verzichtet. Auch die Voraussetzungen, um Vorauszahlungen von Steuerpflichtigen anzupassen, werden »erleichtert«.

Abgesehen von den Direkthilfen für Kleinunternehmen und Selbstständige handelt es sich um Liquiditätshilfen in Form von Krediten und Staatsbeteiligungen. Diese laufen über die Hausbanken der Unternehmen, die die Finanzlage am besten kennen. Die Banken müssen jedoch bei der Vergabe der Kredite, die sie von der KfW durchreichen, darauf achten, dass der Schuldner kreditwürdig ist. Dies auch, weil sie zehn Prozent der Summe aus eigenen Mitteln ausreichen müssen. Die Folge: Es häufen sich die Probleme mit der Kreditvergabe, weil die Sicherheiten und die Ertragskraft der Unternehmen nicht ausreichen. Die Banken forderten deshalb schon Anfang April 2020 eine völlige Freistellung von den Risiken.2 Dies zu Recht, haben wir doch bereits gesehen, dass das europäische Bankensystem – und auch die deutschen Banken – durch Finanzkrise und Nullzinspolitik nachhaltig geschwächt sind.

Doch was bedeutet es, wenn Banken keine Kredite vergeben wollen, obwohl sie nur zehn Prozent des Risikos tragen sollen? Es bedeutet, dass die Banken es für äußerst unwahrscheinlich halten, dass die Unternehmen in der Lage sind, die Kredite zu bedienen. Wenn nun der Staat die Risiken zu 100 Prozent übernimmt, ändert das nichts am eigentlichen Kernproblem der Maßnahmen. Diese laufen darauf hinaus, dass die betroffenen Unternehmen Schulden machen und im Extremfall den Staat als stillen Eigentümer bekommen. Nicht selten dürften die Schulden den Unternehmer überlasten. Und wer hat schon gern den Staat als Eigentümer? Deshalb ist die rationale Entscheidung jedes Unternehmens, diesen Punkt so weit wie möglich zu vermeiden. Dies bedeutet: Kosten senken, so schnell es geht, also Entlassungen und Auftragsstornierungen, was den Abschwung verstärkt. Anders als es die Schlagzeilen zu den großen Beträgen suggerieren mögen, wirkt das Programm nicht, wie es sollte.

Ein Systemwechsel als unvermeidliche Folge?

Hinzu kommt, dass die staatliche Rettung, wenn sie in dieser Form organisiert wird, unsere Wirtschaftsordnung massiv verändert. Wir beschreiten einen Weg zu einer immer stärker staatlich dominierten Wirtschaft, was nur umso wahrscheinlicher wird, je länger die Krise andauert und je tiefer der Einbruch der Wirtschaftstätigkeit ist. Nicht wenige Beobachter sehen darin einen guten Weg, weil es ja nur richtig sei, dass der Staat als Gegenleistung für seine Hilfe einen Anteil an Unternehmen bekommt. Dabei wird gern auf die Finanzkrise Bezug genommen und angemerkt, dass es nur so möglich sei, sicherzustellen, dass wir nicht wieder eine Situation haben, in der wir Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren.

Diese Logik hinkt aber. Während die Unternehmen, die in der Finanzkrise in Schwierigkeiten gerieten, diese selbst zu verantworten hatten, ist es diesmal eine Krise, die alle unschuldig trifft, wenn auch unterschiedlich. Sollte hier nun der Staat zu einem wichtigen Akteur werden, so hat dies erhebliche negative Folgen:3

• Der Staat wird vor allem Großunternehmen helfen, einfach schon aus Effizienzgründen. Dabei ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft der Mittelstand. Diesem muss geholfen werden, und wenn dies über Kredite erfolgt, schwächt das die Unternehmen auf Jahre.
• Wettbewerbsverzerrungen sind ebenfalls zu erwarten. Unternehmen mit Staatsbeteiligung werden einen Vorteil gegenüber jenen haben, die mit eigenen Mitteln versuchen, über die Runden zu kommen. Damit werden diejenigen bestraft, die eigene Mittel in ihren Unternehmen einsetzen. So dürften die Finanzierungskosten der Unternehmen mit Staatsbeteiligung dauerhaft unter jenen der freien Wirtschaft liegen.
•Der Staat muss seine Beteiligungen kontrollieren und managen. Man darf skeptisch sein, ob es gelingt, ausreichend qualifizierte Beamte und Politiker für diese Aufgabe zu finden.
•Aus der Finanzkrise wissen wir – siehe Commerzbank –, dass es Jahrzehnte dauern kann, bis der Staat wieder aussteigt. Es droht ein Postenparadies für Politiker, was weder gut für die Unternehmen ist noch dafür spricht, dass sich der Staat schnell wieder zurückzieht.
• Auch droht der Erhalt von Unternehmen, die ohnehin keine Zukunft haben. Entweder weil sie schon vor der Corona-Krise nur dank Nullzinspolitik lebensfähig waren oder aber weil in der neuen Welt nach Corona ihre Dienstleistungen und Produkte nicht mehr wie zuvor nachgefragt werden. Ökonomen sprechen bei solchen Unternehmen von »Zombies« und der starke Anstieg des Anteils solcher Unternehmen wird als eine Ursache des Rückgangs der Produktivitätsfortschritte in den letzten Jahren gesehen.4 Eine weitere »Zombifizierung« würde das noch verstärken und so das künftige Wachstum hemmen.

Was droht, ist ein Systemwechsel durch die Hintertür. Die Öffentlichkeit steht – so zumindest das Stimmungsbild Anfang April 2020 –, hinter diesen Maßnahmen. Ohnehin zeigten Umfragen schon weit vor Corona, dass sich die Bürger eine größere Rolle des Staates wün- schen.5 Politiker träumten vom »demokratischen Sozialismus« und Enteignungen sowie Verstaatlichungen zur Verwirklichung einer »gerechten Gesellschaft«.6 Nun scheinen wir auf dem besten Weg in diese Richtung zu sein.

Hierin liegt eine enorme Gefahr, denn die Nebenwirkungen wären erheblich: zunehmende Konzentration und weniger Wettbewerb, Bevorzugung von Großunternehmen, staatliche Einflussnahme statt betriebswirtschaftlicher Effizienz. Kurzgefasst, ein Weg, der zwangs- läufig weniger Wachstum und damit Wohlstand bedeutet. Wir sollten einen anderen Weg gehen.

Ein künstliches Koma wäre die Lösung gewesen

Damit kommen wir zu der Frage, was denn zu tun wäre, um die Krise zu dämpfen und die Wiederholung der Großen Depression zu vermeiden. Die Maßnahmen müssen meiner Meinung nach am Existenzproblem der Unternehmen ansetzen, und zwar beginnend beim Einzelunternehmer und bis hin zum Weltkonzern. Das zeigt bereits, wie schwierig es für die Politik ist, sind doch Rettungsaktionen für große Unternehmen viel leichter zu organisieren als für viele kleine Unternehmer. Da kann es gut sein, dass die Hilfe zu spät kommt. Im März 2020 erklärte ich in verschiedenen Beiträgen, wie wir es machen könnten:7 Die Wirtschaft müsste in ein künstliches Koma versetzt werden. Aus der Medizin kennen wir das: »Ein künstliches Koma ist eine lange Vollnarkose, die über Tage – in seltenen Fällen über Wochen – eingesetzt wird. Mithilfe von Narkose- und Schmerzmitteln wird der Patient kontrolliert in einen Zustand versetzt, in dem Bewusstsein und Schmerz ausgeschaltet sind.«8 Bezogen auf die Wirtschaft würde das bedeuten, dass wir für eine bestimmte Zeit alles einstellen: Lohnzahlungen, Mieten, Zinszahlungen. Wir täten einfach so, als würde ein Quartal ökonomisch nicht stattfinden. Es gäbe keine Umsätze, aber es gäbe auch keine Verpflichtungen.

Beispiel Miete: Der Betreiber eines Kaffees kann die Miete nicht mehr bezahlen, weil er geschlossen hat. Der Vermieter verzichtet auf die Miete und im Gegenzug muss er keine Zinsen und keine Tilgung bezahlen und die Bank wiederum keine Löhne und keine Zinsen. Wir stellen alles ein und in drei Monaten – wenn wir annehmen, dass das Koma solange andauert – fangen wir dort an, wo wir aufgehört haben, und tun so, als hätte es die Zeit dazwischen nicht gegeben.

In diese Richtung ist die Bundesregierung gegangen, aber eben nur ein bisschen. So darf Mietern nicht gekündigt werden, wenn sie, bedingt durch den Kampf gegen COVID-19, ihre Mieten zwischen dem 1. April und dem 30. Juni nicht bezahlen können. Die Miete wird bis zum Juni 2022 gestundet. Eine Stundung ist allerdings nichts anderes als eine Art Zwangskredit des Vermieters und damit auch keine völlige Entlastung des Mieters. Zudem fehlt eine korrespondierende Entlastung des Vermieters, der ja ebenfalls finanzielle Verpflichtungen hat, beispielsweise für Zins und Tilgung. Um die Banken zu schonen, wird hier einseitig die Last auf die Vermieter verlagert, die – entgegen der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung – nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) meist mit geringen Renditen von ein bis zwei Prozent arbeiten.9

Das künstliche Koma wie oben beschrieben geht offensichtlich nur in der Theorie. In der Praxis haben wir keinen kompletten Shutdown der Wirtschaft, wir haben echte Ausgaben – zum Beispiel für Nahrungsmittel – und viele Menschen haben unabhängig von der Wirtschaftslage ein Einkommen, so Rentner.

Deshalb müssen wir uns mit den Maßnahmen in der Praxis so nah wie möglich an den Zustand des künstlichen Komas annähern. Für Menschen, die aufgrund des Virus weniger oder keine Einnahmen haben, muss es einen Ausgleich geben, der wirtschaftlich dem Gedanken des künstlichen Komas am nächsten kommt. Dieser Ausgleich muss dafür sorgen, dass es nach der Komaphase keine Schmerzen mehr gibt. Also auch keine zusätzlichen Verpflichtungen, die vor dem Koma nicht bestanden haben. Ich wiederhole es nochmals: Es muss so sein, als hätte es diese Monate nicht gegeben. Wenn nun von der Politik Liquiditätshilfen in Form von Darlehen oder direkten Beteiligungen des Staates an Unternehmen an- geboten werden, ist diese Bedingung nicht erfüllt. Wenn die Betroffenen nämlich aus dem Koma erwachen, sehen sie sich mit finanziellen Lasten konfrontiert, die sie vorher nicht hatten und die sie oftmals nicht abtragen können. Gerade Restaurants, Hotels, Reiseveranstalter und Kinos – um ein paar Beispiele zu nennen – können den verlorenen Umsatz nicht wieder wettmachen. Ein Auto mag man ein paar Monate später kaufen, aber in das Restaurant geht man nicht doppelt oder dreimal so häufig, um frühere Mahlzeiten nachzuholen.

Staatliche Umsatzausfallzahlung

Wir müssen also als Gesellschaft den Umsatzausfall ersetzen. Die künftigen Umsätze kennen wir nicht, aber wir kennen die Steuerzahler Deutschlands. Getrost dürfen wir davon ausgehen, dass nur Steuerzahler von dem Einbruch der Wirtschaft getroffen sind.
Dabei haben wir die folgenden verschiedenen Gruppen von Steuerzahlern auf Einkommen:

•Bei Arbeitnehmern wird die Lohn- und Einkommensteuer direkt an der Quelle abgezogen. Tritt Arbeitslosigkeit ein, wird Einkommen durch Sozialleistungen aufgefangen. Weitere unternehmerische Verpflichtungen sollten hier nicht bestehen, nur eventuelle private finanzielle Verpflichtungen aus Krediten.10 Hier wäre es denkbar, dass wir pauschal die Arbeitslosengelder und die Kurzarbeiterzahlungen (bereits teilweise geschehen) deutlich erhöhen. Diese sollten ab Tag eins gezahlt werden.
• Im Fall von Selbstständigen und Unternehmen, die Einkommensteuer zahlen, sind die Einkünfte der vergangenen Jahre bekannt. Das Finanzamt kennt diese aus den Steuererklärungen der vergangenen Jahre. Hier sollte das Finanzamt in jedem Monat, den die Komaphase andauert, einen Betrag in Höhe von einem Zwölftel des Jahresumsatzes des letzten verfügbaren Jahres auf das Konto des Unternehmens überweisen.
•Bei Unternehmen, die Körperschaftsteuer zahlen, wird genauso vorgegangen. Auch sie bekommen den geschätzten entgangenen Umsatz gutgeschrieben.

Entscheidend ist, dass dies ohne Antrag und ohne Bedürftigkeitsprüfung erfolgt. Alle werden so gestellt, als wäre nichts passiert. Im kommenden Jahr müssen dann alle Bürger, die Zahlungen vom Staat erhalten haben, dem Fiskus ihren Geschäftsverlauf des Jahres 2020 erklären. Davon ausgehend würden sich die folgenden Zahlungsverpflichtungen der Empfänger ergeben:

•Entspricht der erzielte Umsatz – inklusive der erhaltenen Umsatzausfallzahlungen des Staates – dem Umsatz im Jahr 2019, so behält der Empfänger die Zahlung und versteuert den sich ergebenden Gewinn.
•Liegt der erzielte Umsatz – inklusive der erhaltenen Umsatzausfallzahlungen – über dem Niveau von 2019, so ist der Teil der Ausfallzahlungen zu erstatten, der nicht erforderlich war, um das Umsatzniveau 2019 zu halten.
•Wenn ein Unternehmen einen Teil oder den gesamten Umsatzausfallzuschuss des Staates behält, darf der Gewinn ebenso wie der Umsatz nur auf dem Niveau des Vergleichsjahres liegen. Er- zielt ein Unternehmen einen höheren Gewinn, so wird die Differenz zu 100 Prozent besteuert. Damit gibt es auch einen Anreiz, Mitarbeiter nicht zu entlassen.

So oder so ist in diesem Modell der Umsatz auf dem Niveau von 2019 garantiert. Unternehmer können die Erstattung der Umsatz- ausfallzahlung umgehend leisten, wenn sie nicht auf die Zahlungen angewiesen sind; spätestens bei Abgabe der Steuererklärung für das Jahr 2020 wären die unnötig zugeflossenen Gelder zurückzuzahlen. Die Politik könnte auch einen Anreiz geben, unnötige Umsatzausfallzahlungen sofort zurückzuzahlen, zum Beispiel, indem bei Rückzahlung innerhalb eines Monats ein Skonto gewährt wird. Der Vorteil einer solchen Vorgehensweise liegt auf der Hand: Sie wirkt wirtschaftlich wie das Koma, ist einfach umzusetzen und kann im Nachhinein, wenn die Krise überwunden ist, korrigiert werden, indem jene, die die Zahlung des Staates nicht benötigen, den entsprechenden Betrag nach Abgabe der Einkommensteuererklärung erstatten müssen.

Wäre das gerecht? Im Einzelfall vielleicht nicht, in der Summe schon. Natürlich mag es Unternehmen geben, die auch ohne Corona einen Umsatzrückgang erlebt hätten. Es wird auch Fälle geben, in denen das Geld verloren ist, weil die Empfänger die Zahlungen falsch verwenden. Die korrespondierenden Beträge dürften aber relativ zum Gesamtvolumen vernachlässigbar sein. Ebenso mag die Gefahr bestehen, dass einzelne Empfänger sich über die Zahlung freuen und gar kein Interesse daran haben, zu arbeiten. Dies dürften aber vor allem Solo-Unternehmer sein – und auch diese nur in begrenzten Umfang. Unternehmer mit Angestellten und Infrastruktur – Büroräume oder Ladengeschäft – werden ei- nem solchen Modell nicht folgen, weil sie andernfalls ihr Unternehmen nachhaltig gefährden würden. Außerdem wäre der Gewinn auf dem Niveau von 2019 gedeckelt. In der Summe also ein vernachlässigbarer Punkt.

Kritiker dieses Vorschlags bemängelten, es sei nicht gut, den Unternehmen auch noch den Gewinn zu garantieren. Dieser Einwand kam von Nicht-Unternehmern, die meist keine Vorstellung davon haben, wie gering die Margen und Gewinne der meisten Selbstständigen sind. Wir haben das Beispiel des Restaurants aus Berlin gesehen. Bei einem Umsatz von rund 500 000 Euro im Jahr und immer- hin 13 Mitarbeitern bleiben den zwei Eigentümern nach Steuern jeweils nur rund 25000 Euro in der Tasche. Das ist wahrlich kein hohes Gehalt, wenn man an die erheblichen persönlichen Risiken (Haftung für Miete etc.) und die langen Arbeitszeiten denkt. Hier zu helfen, ist aus meiner Sicht gerechtfertigt.

Der entscheidende Vorteil ist, dass jedes Unternehmen weiß, welchen Umsatz es inklusive der staatlichenÜberweisung erzielt. Niemand muss sich Sorgen machen, zu viele Schulden anzuhäufen, niemand damit rechnen, dass sein Eigentum auf den Staat übergehen könnte. Vor allem ist das Verfahren unbürokratisch und transparent. Die Mitarbeiter des Finanzamts müssten sich für die Dauer der Krise auf diese Aufgabe konzentrieren.

Wir reden von einem theoretischen Maximalbetrag von 25 Prozent des deutschen BIP des Jahres, wenn wir davon ausgehen, dass die wirtschaftliche Aktivität drei Monate lang komplett brachliegt. Dem wird aber nicht so sein, weshalb wir eher mit einer Größenordnung von zehn Prozent des BIP rechnen sollten. Selbst bei 25 Prozent stiege die Verschuldung des deutschen Staates auf die Größenordnung von 90 Prozent des BIP. Dieser Satz liegt weit unter dem Niveau, das die meisten anderen EU-Staaten schon vor dem Corona-Schock zu verzeichnen hatten.

Ein »gedankliches Koma« ist effektiv und effizient

Wir haben verschiedene Probleme, die sich gegenseitig verschärfen und in der Summe zu einem sich verstärkenden Abschwung führen. Die Unternehmen wissen nicht, wie heftig und wie lange sie unter der Krise leiden werden. Sie wissen nicht, ob und wie die Hilfe des Staates wirkt, und sie fürchten die längerfristigen Konsequenzen. Wer künftig Schulden tilgen oder den Staat als Miteigentümer los- werden müsste, der setzt alles daran, erst gar nicht in diese Situation zu kommen, sondern sie zu verhindern. Also baut er Kosten um jeden Preis ab, und das verstärkt die Krise. Der Komaansatz ist im Vergleich damit besser.

Die kurzfristige Finanzierung der mit dem Komaansatzverbundenen Ausgaben ist im heutigen Nullzinsumfeld gar kein Problem. Die Bundesregierung dürfte die Gelder umsonst bekommen oder gar daran verdienen. Die langfristige Finanzierung sollten wir im Zusammenhang mit der Eurozone klären.

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Coronakrise: Die wirtschaftlichen Folgen des Lockdown

Markus Fugmann

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Die Coronakrise geht durch den „differenzierten Lockdown“ (O-Ton Markus Söder) in eine zweite Runde. Zwar erlebte die Wirtschaft nicht nur in Deutschland im 3.Quartal eine deutliche Erholung, aber mit den zunächst für November verfügten Maßnahmen kehrt die Coronakrise mit voller Wucht zurück. Das trifft bekanntlich die schon der ersten Welle betroffenen Branchen (Touristik, Veranstaltung, Gastronomie etc.) besonders hart – da werden auch Kompensationszahlungen der Bundesregierung nur wenig daran ändern.

Coronakrise – nach der vermeintlichen „V-Erholung“ der 2. Lockdown

Haben wir zuvor wirklich eine V-Erholung gesehen? Nicht wirklich, sagt etwa Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts – denn die V-Erholung in den Daten war wesentlich geprägt von der Hoffnung auf Besserung, also der Erwartungs-Komponente: Firmen werden befragt, ob es schlimmer, gleichbleibend oder besser wird. Wenn aber die Dinge schon extrem schlecht sind, sei es fast schon „mechanisch“, dass eine Besserung erwartet werde.

Was aber bedeutet nun der neue Lockdown? Fuest verweist auf die Studien, die zeigen, dass schnelle restriktive Maßnahmen zwar der Wirtschaft zunächst schaden, dann aber durch die bessere Beherrschung der Pandemie zu einer schnelleren und kräftigeren Erholung führt als in Ländern/Regionen, in denen solche Maßnahmen nicht ergriffen werden. Das gilt etwa cuh für Schweden: dort war in Gefolge der ersten Welle der Coronakrise die Wirtschaft trotz der weniger restriktiven Maßnahmen deutlich stärker eingebrochen als etwa in Norwegen, bei gleichzeitig sehr viel mehr Opfern in Schweden.

Clemens Fuest fasst in folgendem Vortrag die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise gleichsam kompakt und kompetent zusammen:

Die Coronakrise und die wirtschaftlichen Folgen des Lockdown

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Aktien

Experte Andre Stagge über die Tech-Zahlen, US-Wahl und EZB

Claudio Kummerfeld

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Der Tradingexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden Video mehrere aktuelle Börsenthemen. Vermutlich wird die EZB ab Dezember aktiver werden in Sachen Rettungsmaßnahmen. Gestern Abend haben die vier großen Tech-Konzerne Apple, Google, Amazon und Facebook ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Andre Stagge weist darauf hin, dass alle vier zwar die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen haben – und er geht auf die Gründe ein, warum die Aktien nachbörslich nicht entsprechend positiv reagierten. Auch wirft Andre Stagge einen Blick auf die große Wahrscheinlichkeit, dass Joe Biden die US-Wahl nächste Woche gewinnen könnte.

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