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Coronakrise: Warum stehen die Aktienmärkte noch so hoch?

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Die Coronakrise errreicht einen Hochpunkt nach dem anderen – und viele reiben sich derzeit verwundert die Augen: Warum stehen die Aktienmärkte so hoch, angesichts der schlechtesten Konjunkturaussichten in den vergangenen 100 Jahren? Gerade mal 20 bis 25 Prozent im Minus und nur leicht im Bärenmarkt. Spinnen die Börsianer – oder sehen Sie etwas anderes, was man aus den gegenwärtigen Daten nicht entnehmen kann? Hierzu ein paar Argumente aus der bullishen Sicht der Märkte.

Coronakrise: Was bringt uns das zweite Halbjahr?

Aus der Sicht der Börsen geht es fast nie um die Gegenwart oder die nahe Zukunft. Aktienmärkte fragen, wie sieht es in einigen Monaten aus? Also haben wir im Spätsommer 2020 noch Millionen von Coronainfizierten in den USA und ein Vielfaches davon an Arbeitslosen im Gefolge der Coronakrise? Das scheint sich in den Kursen derzeit niederzuschlagen.

Viele könnten von einer falschen Grundprämisse ausgehen.:Was nicht beachtet wird beim Vergleich mit früheren Rezessionen, selbst mit der von 1929 ist, dass es noch nie ein Situation gab, in der die Wirtschaft staatlich verordnet in Teilbereichen so auf null heruntergefahren wurde (und auch absehbar wieder hochgefahren wird).

Nicht einmal im Zweiten Weltkrieg wurde in den USA einem Friseur, einem Bäcker, einem Hot-Dog-Verkäufer u.a. die Arbeit untersagt. Das heißt aber auch, dass die kommenden Tage des Lockdowns alles überbieten werden, was es an kurzfristigen (!) Wirtschaftsindizes wie Arbeitslosenanträge, Verbrauchervertrauen etc. je gebeben hat. Klar, vermutlich erleben wird bald,  dass es wegen der Coronakrise in den USA 25 Millionen Arbeitslose geben wird –  in einem Land mit einer Hire-and-Fire-Mentalität. Aber Covid-19 hat ein natürliches Ende. Und dann wird es kurzfristig Anstiegsdaten aus tiefem Niveau geben, wie es sonst nur in Aufbauphasen nach einen Bombenkrieg möglich ist – einen kleinen Vorgeschmack darauf gibt bereits China mit seinen Einkaufsmanagerindizes.

Beispiel Deutschland

Wir haben bereits in dieser Woche R-0 erreicht (Feststellung Robert-Koch-Institut): das heißt, ein Infizierter steckt nur noch einen Menschen an. Vor drei Wochen lag dieser Wert bei 3-7 und damit noch deutlich höher. Bereits in wenigen Tagen/Wochen wird sehr wahrscheinlich die Zahl der „active cases“ sinken und dann die ersten Maßnahmen der Integration ins Arbeitsleben erfolgen. Die Epidemiologen dürfen nur nicht zu früh Entwarnung geben, sonst würde durch Leichtsinn der ganze Effekt zunichte gemacht werden und sich der Schaden der Coronakrise noch  potenzieren. Nach dem 20. April wird es in Deutschland ziemlich wahrscheinlich mit einer leichten Exitstrategie losgehen.

Coronakrise: Wird die Arbeitslosigkeit Bestand haben?

Die US-Börsen sehen nicht mehr auf den Mai, in dem die schlechtesten Arbeitslosenzahlen seit 1930 kommen werden, sondern sie blicken vermutlich auf den Sommer und später. Deshalb fallen sie auch zur Zeit nicht so stark, trotz der schlechtesten Arbeitslosenzahlen, die man sich ausmalen kann. Man erwartet bereits das Schlimmste und wenn Goldman Sachs von 25 Millionen im Mai spricht, so ist das weitgehend schon eskomptiert. Sonst müssten die Börsen schon weit über 50 Prozent ihres Wertes verloren haben. Das ist ein Grund, warum die Aktienmärkte derzeit nicht in die Tiefen fallen, die dem aktuellen Wirtschaftseinbruch durch die Coronakrise entsprächen. Der Zukunftsaspekt der Börse und als zweiter Grund das 10 Billionen-Dollar-Rettungspaket weltweit, was den Konsum vor einem totalen Kollaps bewahrt.

Was einige Investoren immer noch unterschätzen, ist die absolute Hemmungslosigkeit, Schmerzfreiheit oder Radikalität der US-Regierung, um den US-Konsum zu retten. Wenn das 4 Billionen-Dollarpaket für die Coronakrise nicht ausreicht, wird man eben noch weitere Billionen hinterherschieben: es ist ein Wahljahr und Donald Trump wird ohne Rücksicht auf Verluste alle fiskalpolitischen Mittel einsetzen.

Dass er damit die Verschuldung der USA in gefährlichste Dimensionen anheben wird, das kümmert ihn bisher noch wenig. Schließlich hat er wohl den stärksten Glauben Aller in die Einzigartigkeit der US-Wirtschaft und deren Leitwährung. Spricht er nicht schon dauernd davon, wie gestärkt Amerika aus der Coronakrise hervorgehen wird? Noch glauben ihm die Weltmärkte: der Dollar ist nach wie vor die Leitwährung und die Federal Reserve kann als eine der wenigen Notenbanken in unvorstellbarem Ausmaß Geld drucken. Dass das nicht ewig gut gehen kann und auch in einem Desaster enden könnte (muss?) – das steht auf einem anderen Blatt. Bisher sind die USA eine der wenigen Länder, die noch niemals einen Staatsbankrott erleben mussten. Deutschland hingegen schon derer sieben, in den letzten 200 Jahren. God bless America..

Noch ein Wort zu China: Warum sind dort im Januar/Februar wegen der Coronakrise die Aktienmärkte nicht in die Tiefe gestürzt, als eine Schlüsselindustrie, die Automobilbranche, mit 92 und 80 Prozent Rückgang die schlechtest denkbaren Daten geliefert hat? Weil man erwartet hat, dass sich die Wirtschaft ab April/Mai von der Coronakrise wieder erholen wird. Was gerade auch geschieht.

Das ist nämlich auch für die USA der springende Punkt: Man kann doch nicht erwarten, dass die Masse der Friseure, Bäcker, Souvenirhändler (um nur ein paar einfache Beispiele zu nennen) auch in drei oder sechs Monaten noch arbeitslos sein werden. Von einem langsamen Wiedereinstieg im Flug- und Touristikgeschäft gar nicht zu reden. Die Touristikbranche steht für acht Prozent des weltweiten BIPs. Menschen werden wieder den Friseur (und viele Dienstleister, vom Masseur bis zum Fitnessstudio) brauchen.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

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14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Lausi

    5. April 2020 13:15 at 13:15

    Was kein Mensch bisher noch weiß, ist, wie sich eine Lockerung der Kontaktsperre auswirken wird. Schießen dann wieder die Infektionszahlen nach oben? Als unwahrscheinlich würde ich das nicht ansehen. Wie will man damit ggf. umgehen? Die Börsen dürften sich dann mindestens noch einmal halbieren, und eigentlich wäre dann sowieso alles dem Untergang geweiht.

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      Columbo

      5. April 2020 17:35 at 17:35

      @Lausi

      Man kann die Kontaktsperre lockern, wenn die Leute Disziplin mitbringen und die Hygienemaßnahmen einhalten.
      Die richtigen Masken richtig anwenden, Abstand usw. Medizinisch bekommt man das vorläufig in den Griff (war bei anderen Pandemien auch so) bis dann die Impfung kommt.
      Die Börsen können sich gern halbieren und Gold sich verdoppeln. Dann kaufe bzw. verkaufe ich und gut ist.
      Die Welt wird wieder einmal NICHT untergehen, auch wenn manche davon träumen😊.

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        Lausi

        5. April 2020 20:40 at 20:40

        @Columbo: Ich kann dir nur raten dir den Film “Perfect Storm” anzugucken. Für Menschen, die das Meer lieben, ist das sowieso ein toller Film. Für mich ist dieser Film das perfekte Drehbuch für die jetzige Krise. Und dieses “wunderschöne” Ende dabei: Nach endlosem Kampf mit den Naturelementen noch ein letzter kleiner Hoffnungsschimmer (die Sonne lugt kurz hervor), und dann kommt die alles vernichtende Riesenwelle (symbolisiert die Hyperinflation? – oder den Klimawandel? – oder was?)

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          Columbo

          5. April 2020 21:38 at 21:38

          @Lausi

          Echt cooler Film! Aber wie kommst du auf den Vergleich mit der Viruserkrankung? Die „Coronawellen“, beispielsweise in Italien, aber auch in anderen Ländern flachen schon wieder ab, ganz anders als die alles vernichtende Riesenwelle im Film.
          Dieses Virus ist ein kleines Ding aus Eiweiß, Fett mit ein paar hundsgemeinen RNA Filamenten drinnen. Die Medizin kennt solche Dinger schon lange und wird sie auch diesmal besiegen. Sind ja schließlich keine Aliens.
          Die Realität ist meistens (leider nicht immer, siehe WK 2) ganz anders als Hollywood.
          Übrigens, falls du Katastrophenfilme magst, so wie ich, schau dir „Outbreak“ mit Dustin Hoffmann an.
          Die Geschichte eines Virusausbruches😉. Spannend!

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            Lausi

            6. April 2020 07:53 at 07:53

            @Columbo: Ich versuche die Symbolik, die Metaphern aus diesem Film zu interpretieren, und auf die jetzige Krise zu übertragen. Also auf das Finanzsystem könnte das ggf. schon ganz gut passen: Die Politiker und Zentralbanker kämpfen wie verrückt um einen deflationären Kollaps zu vermeiden, dann kommt der kurze Hoffnungsschimmer (Infektionszahlen gehen zurück), aber dann kommt die finale Riesenwelle, sei es in Form wieder ansteigender Infektionszahlen (und einem erneuten Shut-Down) oder sei es in Form einer nicht mehr kontrollierbaren Inflation.

            Bis nicht entweder wirksame Medikamente oder eine Impfung etabliert sind, wird die Corona-Pandemie wohl weiter ihr Unwesen treiben, denn von einer Herdenimmunität sind wir ja noch meilenweit entfernt. Vielleicht ist ja auch diese Handy-App der Retter in der Not. Wer’s glaubt wird selig. :-)

            Danke für den Outbreak-Filmtipp. Genug Zeit für Filme gucken hat man ja im Moment (wenn man nicht gerade Kassandra-Kommentare schreibt). ;-)

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      leftutti

      6. April 2020 11:10 at 11:10

      @Lausi, im Prinzip ist das ganz einfach: Bis nicht etwa 60 bis 70% der Bevölkerung infiziert waren und wieder genesen sind, wird das Virus nicht aussterben und sich immer weiter verbreiten. Außer, man findet vorher einen Impfstoff.

      Die Kontaktsperren dienen nur dem einen Effekt, um den Gipfel dieser Gaußschen Kurve niedrig zu halten und Zeit zu gewinnen, damit die verfügbaren Intensivbetten im Idealfall jederzeit ausreichen. Würde man die Kontaktsperren schlagartig aufheben, würden die Infektionszahlen massiv nach oben schießen, und das in relativ kurzer Zeit, eine Tsunamiwelle also.

      Das ist der Tanz auf Messsers Schneide, den alle Politiker derzeit zu bewältigen haben. Um die Infektionskurve weiterhin flach zu halten, kann man eigentlich nur sehr langsam und Schritt für Schritt alles wieder hochfahren. Ziel dabei ist es, dass jederzeit mehr Infizierte genesen, als sich neu anstecken. Mit jeder Lockerung wird eine neue Welle angestoßen, deren Höhe hängt davon ab, wie groß die Lockerung seine wird und welche begleitenden Maßnahmen sonst noch getroffen werden (Maskenpflicht, trotzdem Abstand halten etc.).

      Oder man macht es wie die Asiaten: Die volle Überwachung per Mobiltelefon, eine App, die einen, der in Kontakt mit einem Infizierten war, gleich nach Hause beordert, ständig Mundschutz tragen, Risikogruppen isolieren, nur bereits Genesene mit Antikörpern dürfen raus. Letzteres hieße aber, dass man letztendlich Millionen von Antikörpertests verfügbar haben müsste. Mit diesen Maßnahmen plätschert die Infektionskurve dann für lange Zeit dahin wie sanfte Wellen am Strand:
      https://www.worldometers.info/coronavirus/country/south-korea/ (und dort “Daily New Cases in South Korea”)

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    Hesterbär

    5. April 2020 15:52 at 15:52

    Die meisten Marktteilnehmer sind eben keine Wirtschaftswissenschaftler und sie glauben, man könne die Wirtschaft nach dem Ende der Coronakrise einfach wieder hochfahren und die Schäden mit den Billionensubventionen schnell wieder beheben. Donald Trump und viele seiner Amtskollegen glauben das wohl auch. Das ist aber ein Trugschluss. Insbesondere die noch eintretenden Folgewirkungen werden so massiv sein, dass sich viele noch die Augen reiben werden.

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      Columbo

      5. April 2020 18:39 at 18:39

      „Wirtschaftswissenschaftler“ (was immer das auch heißt), sind die schlechtesten Prognostiker, ist ja hinreichend bekannt.
      Die besten Kontraindikatoren sind die sogenannten Wirtschaftswissenschaftler.

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        Hesterbär

        6. April 2020 00:56 at 00:56

        Columbo, mein Stalker auf FMW, weiß zwar nicht, was ein Wirtschaftswissenschaftler ist, was er aber weiß ist, dass diese Berufsgruppe (die er nicht kennt), die schlechtesten Prognostiker und die besten Kontraindikatoren sind. 😂

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    thinkSelf

    5. April 2020 18:09 at 18:09

    Die Überlegungen sind nur dann richtig, wenn man davon ausgeht, dass die Welt einfach da wieder weitermacht, wo sie aufgehört hat. Das wird aber nicht passieren. Denn erstens gehen schon jetzt die ersten Firmen pleite und viele verheizen jetzt ihre letzten Reserven.
    Investitionen und teure Einkäufe werden von vielen für längere Zeit zurückgehalten. Denn trotz enormer Geldschwemme verliert in diesem Jahr ein relevanter Teil des produktiven Teils der weltweiten Arbeitnehmerschaft erhebliches Einkommen.

    Hier kommt es zu strukturellen Brüchen. Und die werden uns lange begleiten.

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    Rainer Helmstedt

    5. April 2020 23:52 at 23:52

    Wichtiger als die absolute oder relative Staatsschuldenhöhe ist die Belastung des Staatshaushaltes durch die zu zahlenden SchuldZinsen. Und die ist im Moment durch die stark gesunkenen Leitzinsen nicht sonderlich hoch. Der Dollar ist imho eher so stark, da wohl derzeit gilt: unter den Blinden ist der Einäugige König. Bisher hat es die EU leider viel schlimmer erwischt und ich vermute auch das die EU mit ihrer sowieso schon recht anämischen Wirtschaft an den Folgen der Krise noch länger zu knabbern hat.

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    Mike Lohmann

    6. April 2020 01:03 at 01:03

    Die ganze Entwicklung ist vermutlich viel einfacher zu erklären. Einerseits hat der Markt gelernt, dass die Notenbanker alles tun werden, um den Markt nicht weiter sinken zu lassen und sie vertrauen darauf. Echte ökonomische Regeln spielen schon lange keine wirkliche Rolle mehr. Zudem kaufen die Notenbanker nicht zuletzt alles auf, damit die Unternehmen nicht den ausländischen Konkurrenten zum Frass vorgeworfen werden und zum Nulltarif das westliche Rückgrad verscherbelt wird. Echte ökonomische Grundlagen spielen schon lange nur noch in Hörsälen und in professoralen Interviews noch eine Rolle. Zudem steht auch noch eine mögliche EU-Krise vor uns, was wiederum die Notenbanker zu neuen Höchstleistungen im Gelddrucken und Aufkaufprogrammen anteiben wird. Da können Spekulanten risikolos mitzugreifen.

  6. Avatar

    Lausi

    6. April 2020 08:15 at 08:15

    Vorsicht! Jetzt wurde auch ein Tiger vom Corona-Virus infiziert!

    https://t.co/dTjZjVSlib

  7. Avatar

    Ihab Hotait

    6. April 2020 11:05 at 11:05

    Corona hat einfach das seit 2018 tatsächlich begonnene globale Wirtschaftsproblem beschleunigt. Die amerikanische Wirtschaftspolitik Inden letzten paar Jahren, die Trump verfolgte, indem er vielen Ländern, vor allem China, Steuerstrafen auferlegte, ist ein Beweis dafür, dass die globale Wirtschaftskrise schon davor begonnen hat, und Amerika ist die erste, die davon betroffen war, und die Corona-Krise beschleunigte diese Auswirkungen, die zu einem Wirtschaftskrieg zwichen diejenigen führen , die die Welt danach führen werden .

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Die Illusion der Börse – Eine Geschichte von Magiern und Notenbanken

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Die Illusion der Börse: Beginnen möchte ich mit einem Zitat von Kostolany – „Mit etwas Zynismus kann man behaupten, dass das ganze kapitalistische System eine Illusion, vielleicht sogar ein Schwindel ist, aber eben ein gut gemachter. Hoffen wir das er noch lange besteht.“

Der Magier und die Notenbank

Als ein passendes Beispiel dient ein Magier. Jeder weiß, dass es alles nur Illusionen sind. Aber sobald ein Magier die Bühne betritt und seine Zaubertricks aufführt, sind wir fasziniert. Jeder Moment ist voller Spannung und Aufregung. Die Börse ist für mich das Gleiche. Sie ist die größte Bühne der Welt, jeden Tag eine neue Show, jeden Tag ist es aufregend. Und wir können alle daran teilhaben. Mit einer Vielzahl an Instrumenten können wir handeln und dabei Gewinne erzielen. Aber letztendlich ist sie zu einer Illusion geworden. Seitdem der Markt nicht mehr seinem natürlichen Verhalten folgen darf und die Manipulation ausartet, übernimmt die Illusion die Oberhand und die Notenbanken haben die Rolle des Magiers übernommen.

Die Entwicklung und Auswirkung

Seit der Finanzkrise von 2008 (hier gut erklärt) hat sich die Börse mehr und mehr von der Realwirtschaft abgekoppelt. Bewertungen und Gewinnerwartungen der Unternehmen rücken mittlerweile immer weiter in den Hintergrund. Heutzutage schaut man nur noch gespannt auf das was die Notenbanken tun – es wird sogar darauf gewettet, welche Maßnahmen als nächstes Folgen. Natürlich darf man nicht abstreiten, dass Liquidität immer schon eine große Rolle an der Börse gespielt hat. Nur ist es inzwischen so, dass es nicht mehr ohne geht.

Unser Finanzsystem basiert auf dem Grundsatz „Höher, Schneller und Weiter“ (hier der jüngste Beweis für das Eigenleben der EZB). Wenn man rational denkt, muss man feststellen, dass dieses System auf Dauer nicht funktionieren kann. Aber um es nicht scheitern zu lassen, hat man sich vor langer Zeit überlegt einer Orgnisation außerhalb der Regierung – der Notenbank – die Macht und das Recht zu geben, Geld aus dem NICHTS zu drucken. Um das System aufrecht zu erhalten, bedarf es jetzt aber immer mehr umfangreichere Maßnahmen. Es reicht nicht mehr Zinsen zu senken – inzwischen haben wir Negativzinsen. Es reicht auch nicht mehr Stimulus durch QE-Programme zu erzeugen, sondern es bedarf Geldflutungen, die ihresgleichen suchen.

Jede kleine Korrektur an der Börse oder Wirtschaftskrise wird in einer Geldflut ertränkt. Die Schulden wachsen exponentiell. Seien Sie versichert, diese Schulden werden niemals zurückgezahlt. Allein in den letzten 20 Jahren hat sich die weltweite Verschuldung verdreifacht. Auch wenn wir das Geld gerne zurückzahlen würden, wo soll es herkommen? Um das zu tun benötigt man Wachstumsraten, die in der jetzigen Situation gar nicht machbar sind. Zwischen 2010 und 2019 musste für einen Dollar globalen Wachstums 2,5 Dollar an Schulden aufgewendet werden. Das kann nicht nachhaltig sein und ist auf Dauer zum Scheitern verurteilt.

Fazit

The FED bails out everything – but who is gonna bail out the FED at the end? – Die Notenbanken retten alles – die globale Wirtschaft, die Börse und die Zombieunternehmen – aber wer rettet am Ende die Notenbanken? Die Macht der Notenbanken ist unendlich. Solange das Vertrauen in Sie und in das Fiat-Geld vorhanden ist, solange kann dieses System funktionieren. Ich hoffe Ihnen ist bewusst, dass das Geld was sie in den Händen halten, weniger Wert ist, als das Papier auf dem es gedruckt ist. Sollte dieses Vertrauen irgendwann weichen – aus welchem Grund auch immer – dann kommt es zum Platzen der Blase. Aber bis dahin sollten wir die großartigen Möglichkeiten, die uns die Börse bietet, auch nutzen. Um auf unser Beispiel der Magier zurückzukommen: die Börse bleibt faszinierend, spannend und aussichtsreich, indem wir an die Illusion glauben. Also lasst uns alle GLAUBEN – solange es noch möglich ist!

Illusion der Börse - Geschichte von Magiern und Notenbanken

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Luftfahrtbranche: Der große Absturz nach der Coronakrise

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Es ist nachvollziehbar. Nach dem Ende der Coronakrise wird die Luftfahrtbranche nicht “mal eben so” zurückkehren auf die vorigen Auslastungsniveaus. Wer hat schon Lust in den Strandurlaub mit Maske zu fliegen, im Hotelrestaurant und am Strand mit Maske rumzulaufen? Und derzeit zeigt sich auch: Jede Menge Business Meetings sind in der Coronakrise zwangsweise über Videokonferenzen gelaufen. Und viele Unternehmen werden sich jetzt fragen: Warum überhaupt noch so viele Flüge und Hotelbuchungen? Das kostet enorm viel Geld. Die Videoschalten haben doch auch funktioniert. Außerdem werden sich weltweit wohl hunderte Millionen Menschen, die noch bis Februar zahlungskräftige Urlauber waren, dank Kurzarbeit (alleine 10 Millionen Anträge nur in Deutschland) und Arbeitslosigkeit auf absehbare Zeit keine Urlaubsreise mehr leisten können. Die Luftfahrtbranche wird, das sagt also schon der gesunde Menschenverstand, ihre Kapazitäten stark reduzieren müssen.

Luftfahrtbranche wird nachhaltig beeinträchtigt sein

Das gilt für Maschinen wie auch für die Menschen. Und die Luftfahrtbranche besteht ja nicht nur aus Airlines, sondern ebenso aus Flughäfen, Flugzeugherstellern und der riesigen Zulieferindustrie. Wie stark die Coronakrise ins Fleisch schneidet, zeigt die aktuelle Veröffentlichung des Turbinenherstellers Rolls Royce. Wo vermutlich auf lange Zeit deutlich weniger Flugzeuge neu nachgefragt werden, und wo Airbus und Boeing wohl mitten in einem Storno-Tornado für bestehende Orders stecken dürften, da brauchen die Hersteller folgerichtig auch weniger Jet-Turbinen. So hat Rolls Royce jüngst verkündet 9.000 von 52.000 Stellen streichen zu wollen. Nicht nur die Stellenstreichungen, aber auch die sonstige Ausgabenkürzungen sollen zu jährlichen Einsparungen von 1,3 Milliarden Pfund führen, so der Hersteller.

Emirates

Emirates ist einer der Giganten, wenn es um transatlantische Flüge geht. Tja, könnte man meinen. Die Scheichs am Golf sind doch alle reich? Da kann der Herrscher von Dubai doch mal kurz ein paar Milliarden zur Stützung rüberschieben? Nein. Es ist kein Geheimnis, dass Dubai kräftig in der Krise steckt. Und der Herrscher von Dubai hat auch nicht wirklich ein prall gefülltes Bankkonto (Dubai vor der Pleite?), da das Emirat kein Öl mehr hat, und versucht vom Tourismus zu leben. Emirates muss also profitabel arbeiten oder es zumindest versuchen. Also müssen die Kosten drastisch gesenkt werden, da ja wie gesagt nicht zu erwarten ist, dass die alten Kapazitäten auch nur annähernd wieder ausgelastet werden.

Laut aktuellen Branchenberichten plant Emirates auch nach dem nun beginnenden Neustart der Flüge eine drastische Reduzierung der Flotte. Die A380 wird wohl zum Auslaufmodell werden – wer braucht jetzt nämlich noch so viel Kapazität für einen einzigen Flug? 115 Stück der A380 standen vor der Krise im Flottenregister von Emirates. Nach Informationen von aero.de sehen die Pläne von Emirates vor nur noch 69 Stück der A380-Flotte zu aktivieren. 40 Prozent der aktuellen Flotte würden dauerhaft am Boden bleiben. Andere Medien wie das Handelsblatt gehen davon aus, dass nur noch 20 der Flugzeuge der A380-Flotte wieder für Emirates fliegen werden. Angeblich soll der Stellenabbau bei Emirates sich in einer Größenordnung von 30.000 Jobs bewegen.

Lufthansa

Tja, und die Lufthansa? Seit Tagen wartet man nun auf eine offizielle Bestätigung, dass der deutsche Staat eine gigantische Milliardenspritze in die letzte übrig gebliebene große deutsche Airline pumpen wird. Wir hatten es schon thematisiert. Egal wie, der deutsche Staat wird die Lufthansa retten – schon aus Gründen der Staatsraison. Man will zumindest eine große bedeutende Airline haben, genau wie auch die Italiener, Franzosen und Briten. Gestern gab die Lufthansa per Ad Hoc-Mitteilung bekannt, dass man “fortgeschrittene Gespräche” mit der Bundesregierung bestätige. Es geht um 9 Milliarden Euro, davon 3 Milliarden aus KfW-Krediten.

Auch wird hier wohl der neu gegründete deutsche Staatsfonds (gespeist aus Steuergeldern) zum Einsatz kommen, womit wir alle Anteilseigner an der Lufthansa werden – das dürfte dann möglichen ausländischen Käufern eine Übernahme der Lufthansa zu einem Spottpreis erschweren, wenn der Bund als fetter Klumpen bereits mit im Boot sitzt. Auch die Lufthansa wird ihre Flotte schrumpfen. Laut Aero.de sollen von den 14 stillgelegten A380 bei der Lufthansa nur sieben Maschinen reaktiviert werden. Sie sollen nur noch von München aus fliegen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr gehe davon aus, dass die Lufthansa nächstes Jahr 300 Flugzeuge weniger nutzen werde als vor der Krise.

Norwegian

Der einstige Senkrechtstarter der Luftfahrtbranche “Norwegian”, bei dem man sich jahrelang immer wieder bewunderswert fragte, wo dieser Erfolg herkommt, war de facto durch die Coronakrise schon am Ende, nachdem man für mehrere Tochtergesellschaften Insolvenz anmelden musste. Aber diese Woche hat der norwegische Staat endgültig eine 3 Milliarden Kronen schwere Kreditgarantie gegeben. Auch hat Norwegian jetzt zwei neue Großaktionäre. Die vom chinesischen Staat kontrollierte “BOC Aviation” hält 12,67 Prozent der Firmenanteile, und die irische Leasinggesellschaft “AerCap Holdings” hält 15,9 Prozent – über Wandelanleihen hat man zudem weitere 7,2 Prozent erworben.

Und sonst?

Bei Airbus sind angeblich 10.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Bei Boeing hat es die letzten Monate nicht nur wegen der Coronakrise, sondern auch wegen dem Problem mit der 737 Max Stornos gehagelt! Vor einigen Tagen sprach der Boeing-Chef von einem Stellenabbau in der Größenordnung von 10 Prozent bis Ende des Jahres. Und dass weltweit an so ziemlich allen Flughäfen Arbeitsplätze gefährdet sind, versteht sich von selbst. Und Aktien aus der Luftfahrtbranche? Jetzt günstig einsteigen? Es könnte (nicht muss) passieren, dass man endet wie einst die T-Aktionäre. Jahrzehnte später hofft man immer noch, dass man seinen Kaufkurs irgendwann mal wieder sieht.

Luftfahrtbranche im Abwärtsstrudel - Flughafen Dubai vor der Coronakrise
Flughafen Dubai in den “guten alten Zeiten” vor der Coronakrise. Foto: Konstantin von Wedelstaedt – Gallery page http://www.airliners.net/photo//1204297/L Photo http://cdn-www.airliners.net/aviation-photos/photos/7/9/2/1204297.jpg GFDL 1.2

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Markus Koch LIVE zum Handelsstart in New York – China im Fokus

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Markus Koch spricht im folgenden Video LIVE zum Handelsstart in New York. China steht heute im Fokus. Die Wirtschaftsprognose hat die KP in Peking heute ganz gestrichen, zum ersten mal seit 1990. Das sorgt für Unsicherheit. Auch Chinas Durchgreifen in Hongkong sorgt heute an den Aktienmärkten für Unsicherheit.

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