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Coronakrise: Warum stehen die Aktienmärkte noch so hoch?

Wolfgang Müller

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Die Coronakrise errreicht einen Hochpunkt nach dem anderen – und viele reiben sich derzeit verwundert die Augen: Warum stehen die Aktienmärkte so hoch, angesichts der schlechtesten Konjunkturaussichten in den vergangenen 100 Jahren? Gerade mal 20 bis 25 Prozent im Minus und nur leicht im Bärenmarkt. Spinnen die Börsianer – oder sehen Sie etwas anderes, was man aus den gegenwärtigen Daten nicht entnehmen kann? Hierzu ein paar Argumente aus der bullishen Sicht der Märkte.

Coronakrise: Was bringt uns das zweite Halbjahr?

Aus der Sicht der Börsen geht es fast nie um die Gegenwart oder die nahe Zukunft. Aktienmärkte fragen, wie sieht es in einigen Monaten aus? Also haben wir im Spätsommer 2020 noch Millionen von Coronainfizierten in den USA und ein Vielfaches davon an Arbeitslosen im Gefolge der Coronakrise? Das scheint sich in den Kursen derzeit niederzuschlagen.

Viele könnten von einer falschen Grundprämisse ausgehen.:Was nicht beachtet wird beim Vergleich mit früheren Rezessionen, selbst mit der von 1929 ist, dass es noch nie ein Situation gab, in der die Wirtschaft staatlich verordnet in Teilbereichen so auf null heruntergefahren wurde (und auch absehbar wieder hochgefahren wird).

Nicht einmal im Zweiten Weltkrieg wurde in den USA einem Friseur, einem Bäcker, einem Hot-Dog-Verkäufer u.a. die Arbeit untersagt. Das heißt aber auch, dass die kommenden Tage des Lockdowns alles überbieten werden, was es an kurzfristigen (!) Wirtschaftsindizes wie Arbeitslosenanträge, Verbrauchervertrauen etc. je gebeben hat. Klar, vermutlich erleben wird bald,  dass es wegen der Coronakrise in den USA 25 Millionen Arbeitslose geben wird –  in einem Land mit einer Hire-and-Fire-Mentalität. Aber Covid-19 hat ein natürliches Ende. Und dann wird es kurzfristig Anstiegsdaten aus tiefem Niveau geben, wie es sonst nur in Aufbauphasen nach einen Bombenkrieg möglich ist – einen kleinen Vorgeschmack darauf gibt bereits China mit seinen Einkaufsmanagerindizes.

Beispiel Deutschland

Wir haben bereits in dieser Woche R-0 erreicht (Feststellung Robert-Koch-Institut): das heißt, ein Infizierter steckt nur noch einen Menschen an. Vor drei Wochen lag dieser Wert bei 3-7 und damit noch deutlich höher. Bereits in wenigen Tagen/Wochen wird sehr wahrscheinlich die Zahl der „active cases“ sinken und dann die ersten Maßnahmen der Integration ins Arbeitsleben erfolgen. Die Epidemiologen dürfen nur nicht zu früh Entwarnung geben, sonst würde durch Leichtsinn der ganze Effekt zunichte gemacht werden und sich der Schaden der Coronakrise noch  potenzieren. Nach dem 20. April wird es in Deutschland ziemlich wahrscheinlich mit einer leichten Exitstrategie losgehen.

Coronakrise: Wird die Arbeitslosigkeit Bestand haben?

Die US-Börsen sehen nicht mehr auf den Mai, in dem die schlechtesten Arbeitslosenzahlen seit 1930 kommen werden, sondern sie blicken vermutlich auf den Sommer und später. Deshalb fallen sie auch zur Zeit nicht so stark, trotz der schlechtesten Arbeitslosenzahlen, die man sich ausmalen kann. Man erwartet bereits das Schlimmste und wenn Goldman Sachs von 25 Millionen im Mai spricht, so ist das weitgehend schon eskomptiert. Sonst müssten die Börsen schon weit über 50 Prozent ihres Wertes verloren haben. Das ist ein Grund, warum die Aktienmärkte derzeit nicht in die Tiefen fallen, die dem aktuellen Wirtschaftseinbruch durch die Coronakrise entsprächen. Der Zukunftsaspekt der Börse und als zweiter Grund das 10 Billionen-Dollar-Rettungspaket weltweit, was den Konsum vor einem totalen Kollaps bewahrt.

Was einige Investoren immer noch unterschätzen, ist die absolute Hemmungslosigkeit, Schmerzfreiheit oder Radikalität der US-Regierung, um den US-Konsum zu retten. Wenn das 4 Billionen-Dollarpaket für die Coronakrise nicht ausreicht, wird man eben noch weitere Billionen hinterherschieben: es ist ein Wahljahr und Donald Trump wird ohne Rücksicht auf Verluste alle fiskalpolitischen Mittel einsetzen.

Dass er damit die Verschuldung der USA in gefährlichste Dimensionen anheben wird, das kümmert ihn bisher noch wenig. Schließlich hat er wohl den stärksten Glauben Aller in die Einzigartigkeit der US-Wirtschaft und deren Leitwährung. Spricht er nicht schon dauernd davon, wie gestärkt Amerika aus der Coronakrise hervorgehen wird? Noch glauben ihm die Weltmärkte: der Dollar ist nach wie vor die Leitwährung und die Federal Reserve kann als eine der wenigen Notenbanken in unvorstellbarem Ausmaß Geld drucken. Dass das nicht ewig gut gehen kann und auch in einem Desaster enden könnte (muss?) – das steht auf einem anderen Blatt. Bisher sind die USA eine der wenigen Länder, die noch niemals einen Staatsbankrott erleben mussten. Deutschland hingegen schon derer sieben, in den letzten 200 Jahren. God bless America..

Noch ein Wort zu China: Warum sind dort im Januar/Februar wegen der Coronakrise die Aktienmärkte nicht in die Tiefe gestürzt, als eine Schlüsselindustrie, die Automobilbranche, mit 92 und 80 Prozent Rückgang die schlechtest denkbaren Daten geliefert hat? Weil man erwartet hat, dass sich die Wirtschaft ab April/Mai von der Coronakrise wieder erholen wird. Was gerade auch geschieht.

Das ist nämlich auch für die USA der springende Punkt: Man kann doch nicht erwarten, dass die Masse der Friseure, Bäcker, Souvenirhändler (um nur ein paar einfache Beispiele zu nennen) auch in drei oder sechs Monaten noch arbeitslos sein werden. Von einem langsamen Wiedereinstieg im Flug- und Touristikgeschäft gar nicht zu reden. Die Touristikbranche steht für acht Prozent des weltweiten BIPs. Menschen werden wieder den Friseur (und viele Dienstleister, vom Masseur bis zum Fitnessstudio) brauchen.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

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14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Lausi

    5. April 2020 13:15 at 13:15

    Was kein Mensch bisher noch weiß, ist, wie sich eine Lockerung der Kontaktsperre auswirken wird. Schießen dann wieder die Infektionszahlen nach oben? Als unwahrscheinlich würde ich das nicht ansehen. Wie will man damit ggf. umgehen? Die Börsen dürften sich dann mindestens noch einmal halbieren, und eigentlich wäre dann sowieso alles dem Untergang geweiht.

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      Columbo

      5. April 2020 17:35 at 17:35

      @Lausi

      Man kann die Kontaktsperre lockern, wenn die Leute Disziplin mitbringen und die Hygienemaßnahmen einhalten.
      Die richtigen Masken richtig anwenden, Abstand usw. Medizinisch bekommt man das vorläufig in den Griff (war bei anderen Pandemien auch so) bis dann die Impfung kommt.
      Die Börsen können sich gern halbieren und Gold sich verdoppeln. Dann kaufe bzw. verkaufe ich und gut ist.
      Die Welt wird wieder einmal NICHT untergehen, auch wenn manche davon träumen😊.

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        Lausi

        5. April 2020 20:40 at 20:40

        @Columbo: Ich kann dir nur raten dir den Film „Perfect Storm“ anzugucken. Für Menschen, die das Meer lieben, ist das sowieso ein toller Film. Für mich ist dieser Film das perfekte Drehbuch für die jetzige Krise. Und dieses „wunderschöne“ Ende dabei: Nach endlosem Kampf mit den Naturelementen noch ein letzter kleiner Hoffnungsschimmer (die Sonne lugt kurz hervor), und dann kommt die alles vernichtende Riesenwelle (symbolisiert die Hyperinflation? – oder den Klimawandel? – oder was?)

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          Columbo

          5. April 2020 21:38 at 21:38

          @Lausi

          Echt cooler Film! Aber wie kommst du auf den Vergleich mit der Viruserkrankung? Die „Coronawellen“, beispielsweise in Italien, aber auch in anderen Ländern flachen schon wieder ab, ganz anders als die alles vernichtende Riesenwelle im Film.
          Dieses Virus ist ein kleines Ding aus Eiweiß, Fett mit ein paar hundsgemeinen RNA Filamenten drinnen. Die Medizin kennt solche Dinger schon lange und wird sie auch diesmal besiegen. Sind ja schließlich keine Aliens.
          Die Realität ist meistens (leider nicht immer, siehe WK 2) ganz anders als Hollywood.
          Übrigens, falls du Katastrophenfilme magst, so wie ich, schau dir „Outbreak“ mit Dustin Hoffmann an.
          Die Geschichte eines Virusausbruches😉. Spannend!

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            Lausi

            6. April 2020 07:53 at 07:53

            @Columbo: Ich versuche die Symbolik, die Metaphern aus diesem Film zu interpretieren, und auf die jetzige Krise zu übertragen. Also auf das Finanzsystem könnte das ggf. schon ganz gut passen: Die Politiker und Zentralbanker kämpfen wie verrückt um einen deflationären Kollaps zu vermeiden, dann kommt der kurze Hoffnungsschimmer (Infektionszahlen gehen zurück), aber dann kommt die finale Riesenwelle, sei es in Form wieder ansteigender Infektionszahlen (und einem erneuten Shut-Down) oder sei es in Form einer nicht mehr kontrollierbaren Inflation.

            Bis nicht entweder wirksame Medikamente oder eine Impfung etabliert sind, wird die Corona-Pandemie wohl weiter ihr Unwesen treiben, denn von einer Herdenimmunität sind wir ja noch meilenweit entfernt. Vielleicht ist ja auch diese Handy-App der Retter in der Not. Wer’s glaubt wird selig. :-)

            Danke für den Outbreak-Filmtipp. Genug Zeit für Filme gucken hat man ja im Moment (wenn man nicht gerade Kassandra-Kommentare schreibt). ;-)

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      leftutti

      6. April 2020 11:10 at 11:10

      @Lausi, im Prinzip ist das ganz einfach: Bis nicht etwa 60 bis 70% der Bevölkerung infiziert waren und wieder genesen sind, wird das Virus nicht aussterben und sich immer weiter verbreiten. Außer, man findet vorher einen Impfstoff.

      Die Kontaktsperren dienen nur dem einen Effekt, um den Gipfel dieser Gaußschen Kurve niedrig zu halten und Zeit zu gewinnen, damit die verfügbaren Intensivbetten im Idealfall jederzeit ausreichen. Würde man die Kontaktsperren schlagartig aufheben, würden die Infektionszahlen massiv nach oben schießen, und das in relativ kurzer Zeit, eine Tsunamiwelle also.

      Das ist der Tanz auf Messsers Schneide, den alle Politiker derzeit zu bewältigen haben. Um die Infektionskurve weiterhin flach zu halten, kann man eigentlich nur sehr langsam und Schritt für Schritt alles wieder hochfahren. Ziel dabei ist es, dass jederzeit mehr Infizierte genesen, als sich neu anstecken. Mit jeder Lockerung wird eine neue Welle angestoßen, deren Höhe hängt davon ab, wie groß die Lockerung seine wird und welche begleitenden Maßnahmen sonst noch getroffen werden (Maskenpflicht, trotzdem Abstand halten etc.).

      Oder man macht es wie die Asiaten: Die volle Überwachung per Mobiltelefon, eine App, die einen, der in Kontakt mit einem Infizierten war, gleich nach Hause beordert, ständig Mundschutz tragen, Risikogruppen isolieren, nur bereits Genesene mit Antikörpern dürfen raus. Letzteres hieße aber, dass man letztendlich Millionen von Antikörpertests verfügbar haben müsste. Mit diesen Maßnahmen plätschert die Infektionskurve dann für lange Zeit dahin wie sanfte Wellen am Strand:
      https://www.worldometers.info/coronavirus/country/south-korea/ (und dort „Daily New Cases in South Korea“)

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    Hesterbär

    5. April 2020 15:52 at 15:52

    Die meisten Marktteilnehmer sind eben keine Wirtschaftswissenschaftler und sie glauben, man könne die Wirtschaft nach dem Ende der Coronakrise einfach wieder hochfahren und die Schäden mit den Billionensubventionen schnell wieder beheben. Donald Trump und viele seiner Amtskollegen glauben das wohl auch. Das ist aber ein Trugschluss. Insbesondere die noch eintretenden Folgewirkungen werden so massiv sein, dass sich viele noch die Augen reiben werden.

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      Columbo

      5. April 2020 18:39 at 18:39

      „Wirtschaftswissenschaftler“ (was immer das auch heißt), sind die schlechtesten Prognostiker, ist ja hinreichend bekannt.
      Die besten Kontraindikatoren sind die sogenannten Wirtschaftswissenschaftler.

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        Hesterbär

        6. April 2020 00:56 at 00:56

        Columbo, mein Stalker auf FMW, weiß zwar nicht, was ein Wirtschaftswissenschaftler ist, was er aber weiß ist, dass diese Berufsgruppe (die er nicht kennt), die schlechtesten Prognostiker und die besten Kontraindikatoren sind. 😂

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    thinkSelf

    5. April 2020 18:09 at 18:09

    Die Überlegungen sind nur dann richtig, wenn man davon ausgeht, dass die Welt einfach da wieder weitermacht, wo sie aufgehört hat. Das wird aber nicht passieren. Denn erstens gehen schon jetzt die ersten Firmen pleite und viele verheizen jetzt ihre letzten Reserven.
    Investitionen und teure Einkäufe werden von vielen für längere Zeit zurückgehalten. Denn trotz enormer Geldschwemme verliert in diesem Jahr ein relevanter Teil des produktiven Teils der weltweiten Arbeitnehmerschaft erhebliches Einkommen.

    Hier kommt es zu strukturellen Brüchen. Und die werden uns lange begleiten.

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    Rainer Helmstedt

    5. April 2020 23:52 at 23:52

    Wichtiger als die absolute oder relative Staatsschuldenhöhe ist die Belastung des Staatshaushaltes durch die zu zahlenden SchuldZinsen. Und die ist im Moment durch die stark gesunkenen Leitzinsen nicht sonderlich hoch. Der Dollar ist imho eher so stark, da wohl derzeit gilt: unter den Blinden ist der Einäugige König. Bisher hat es die EU leider viel schlimmer erwischt und ich vermute auch das die EU mit ihrer sowieso schon recht anämischen Wirtschaft an den Folgen der Krise noch länger zu knabbern hat.

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    Mike Lohmann

    6. April 2020 01:03 at 01:03

    Die ganze Entwicklung ist vermutlich viel einfacher zu erklären. Einerseits hat der Markt gelernt, dass die Notenbanker alles tun werden, um den Markt nicht weiter sinken zu lassen und sie vertrauen darauf. Echte ökonomische Regeln spielen schon lange keine wirkliche Rolle mehr. Zudem kaufen die Notenbanker nicht zuletzt alles auf, damit die Unternehmen nicht den ausländischen Konkurrenten zum Frass vorgeworfen werden und zum Nulltarif das westliche Rückgrad verscherbelt wird. Echte ökonomische Grundlagen spielen schon lange nur noch in Hörsälen und in professoralen Interviews noch eine Rolle. Zudem steht auch noch eine mögliche EU-Krise vor uns, was wiederum die Notenbanker zu neuen Höchstleistungen im Gelddrucken und Aufkaufprogrammen anteiben wird. Da können Spekulanten risikolos mitzugreifen.

  6. Avatar

    Lausi

    6. April 2020 08:15 at 08:15

    Vorsicht! Jetzt wurde auch ein Tiger vom Corona-Virus infiziert!

    https://t.co/dTjZjVSlib

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    Ihab Hotait

    6. April 2020 11:05 at 11:05

    Corona hat einfach das seit 2018 tatsächlich begonnene globale Wirtschaftsproblem beschleunigt. Die amerikanische Wirtschaftspolitik Inden letzten paar Jahren, die Trump verfolgte, indem er vielen Ländern, vor allem China, Steuerstrafen auferlegte, ist ein Beweis dafür, dass die globale Wirtschaftskrise schon davor begonnen hat, und Amerika ist die erste, die davon betroffen war, und die Corona-Krise beschleunigte diese Auswirkungen, die zu einem Wirtschaftskrieg zwichen diejenigen führen , die die Welt danach führen werden .

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Aktienmärkte: Die gefährliche Euphorie – alles steigt!

Markus Fugmann

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Die Aktienmärkte sind in Feierlaune und dürften den November mit neuen Rekorden abschließen: der S&P 500 ca. 11% im Plus, der Dow Jones mit dem besten Monat seit dem Jahr 1987 (und dem besten November seit dem Jahr 1928!), auch der Dax ist gut 15% im Plus seit Monatsbeginn, die deutschen Nebenwerte-Indizes MDAX und SDAX erreichen heute sogar neue Allzeithochs. Derzeit steigt einfach alles, ob Bitcoin, Kupfer – oder die meist hoch verschuldeten amerikanische Small Caps, die im Russell 2000 enthalten sind. Egal wohin man blickt: seit der Meldung von Pfizer/BioNTech am 09.November spielen die Aktienmärkte das Spiel: durch den Impfstoff wird alles besser als es vor der Coronakrise war. Dementsprechend ist der sichere Hafen Gold so ziemlich das Einzige, das fällt.

Aktienmärkte: wenn alle euphorisch sind..

Gleichzeitig rechnet niemand mit einem stärkeren Rückgang der Aktienmärkte – sichtbar am Rekordtief des Verhältnisses zwischen Puts und Calls. Das bedeutet: es ist derzeit extrem günstig, sich gegen eine Kursrutsch der Aktienmärkte abzusichern. Aber es ist nicht selten, dass Märkte, an denen die Investoren so derart einseitig positioniert sind, plötzlich ein überraschender Gegenwind auftaucht – eine Art Schwarzer Schwan, den niemand auf der Rechnung hatte. Dann müssen alle durch die selbe Tür – und da es so gut wie keine Shortpositionen mehr gibt, gibt es dann auch praktisch keine Käufer (die ihre Short-Positionen eindecken), wird es an der Tür dann sehr eng.

Nicht umsonst lautet eine Börsen-Weisheit (von Warren Buffett): „Sei gierig, wenn die anderen Angst haben, und ängstlich, wenn sie gierig sind“. Derzeit aber sind alle gierig – sichtbar auch am Fear & Greed Index mit einem Stand von aktuell 91.

Florian Homm bringt im folgenden Video die derzeitige Gier auf den Punkt und nennt einige Aspekte, die „schief gehen“ könnten:

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Die Aktienmärkte in Euphorie - das kann nach hinten losgehen

 

 

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Warum ich keine Lieblingsaktien habe! – Werbung

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Lieber Börsianer,

was ist Ihre Lieblingsaktie? Welchem Titel halten Sie unbedingt die Treue und gehen quasi mit ihm durch dick und dünn? Hier verzeihen Sie auch einmal schlechte Nachrichten, weil Sie von dem Unternehmen wirklich überzeugt sind. Das Phänomen der Lieblingsaktie kann auch gleich für eine ganze Branche gelten. So schworen viele Privatanleger vor einigen Jahren auf Unternehmen aus der Edelmetall-Branche. In fester Erwartung eines Euro-Untergangs wurde diese Branche für viele Privatanleger zum bevorzugten Ort der Investition.

Typisch für eine solche Situation ist, dass wir die Nachrichtenlage dann nur noch sehr eingeschränkt wahrnehmen. Schlechte Nachrichten zu unserer Lieblingsaktie blenden wir aus. Gute Nachrichten hingegen bewerten wir in ihrer Bedeutung für die Kursentwicklung über. Mehr noch: Oftmals bilden wir in unseren Lieblingsaktien deutliche Übergewichtungen in unseren Depots, weil wir hier gerne mehrfach kaufen. Plötzlich steht Ihre Lieblingsaktie dann für 10 oder 20 % Ihres Gesamtdepots. Wenn Ihre Lieblingsaktie dann einmal schwächelt, ist Ihr Depot aufgrund der Übergewichtung chancenlos.

Aber wie entsteht eigentlich so eine Lieblingsaktie in unserem Depot? In aller Regel steht am Anfang zunächst eine starke Performance. Folglich mögen wir diese Aktie, weil sie uns eben zunächst viel Rendite beschert hat. Am besten können wir die Produkte unseres Lieblingsunternehmens im Alltag auch noch erfahren und quasi anfassen. Tatsächlich schätzten in der Vergangenheit viele deutsche Privatanleger die Aktien von BMW oder Daimler, weil sie privat ein…..

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Aktienmärkte: Corona-Krise und ein heimlicher Star im deutschen Leitindex

Wolfgang Müller

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Normalerweise waren die letzten Jahre die Zeit für Wachstumstitel, also für Growth, wie man es in der Sprache der Aktienmärkte bezeichnet. Eher jedoch nicht für den deutschen Leitindex Dax – aber dort steht ein Wert ganz oben in der Performance, von dem man es noch weniger erwartet hätte: die Deutsche Post. Man profitiert derzeit vom „Stay at Home“ und vielleicht nochmals durch ein logistisches Thema der Superlative.

Die bevorstehende Massenimpfungen

Was werden nicht alles für Zahlen herumgereicht? Die Gesamtbevölkerung der Erde müsse gegen Covid-19 geimpft werden, 7,7 Milliarden Menschen und dies gleich zweimal. Aber gemach, es werden sich nicht alle impfen lassen wollen, und es einige durch Immunität nicht mehr brauchen (oder durch heimische Pharmafirmen versorgt werden) und viele sich in einem Alter befinden, in dem die Gefährlichkeit des Virus unterhalb des Promillebereichs für die Betagten und Gefährdeten liegt. Dennoch: Es gilt Abermillionen von Impfdosen zu transportieren, mit den verschiedensten Transportmitteln, mit speziellen Behältern und mit der Aufrechterhaltung von Kühlketten und überall ist der deutsche Marktführer gut aufgestellt.

Die unauffällige Hausse bei einem Underdog der Aktienmärkte

Die Deutsche Post (DHL Group) feierte gerade den 20. Börsengeburtstag. Der Logistik-Riese, der aus einem Paket- und Postzusteller hervorging, wurde am 20. November 2000 zu 21 Euro an die Börse gebracht. Zu dieser Zeit stand der Dax bei 6609 Punkten. Betrachtet man nun die Kursentwicklung von Index und den Dax-Wert Deutsche Post (gestern 40,39 Euro), so könnte man den Eindruck gewinnen, als wäre der Dax mit seiner Kursverdoppelung besser gelaufen, als der deutsche Logistiker, der es nur auf gut 80 Prozent Kurszuwachs brachte. Rechnet man die Dividendenzahlungen hinzu, käme man bei der Post aber auf circa 268 Prozent Gewinn. Beim Dax als Performance-Index werden die Dividenden einfach hinzugerechnet. Macht eine Rendite der Deutschen Post von 6,7 Prozent p.a. gegenüber dem Index mit seinen 3,5 Prozent. Der Traditionswert ein heimlicher Star der Aktienmärkte – gewiss, denn ein Großteil der Dax-Werte ist noch weit von seinen ehemaligen Höchstständen entfernt. Bis auf fünf Werte, einer davon ist die Marke mit dem auffälligen Gelb.

Dies ist natürlich den Analysten nicht verborgen geblieben: so erwarten Ökonomen von Goldman Sachs einen Umsatzanstieg der Deutschen Post von aktuell 65 Milliarden bis auf 80 Milliarden Euro im Jahr 2024, der Gewinn soll im gleichen Zeitraum von 4,4 Milliarden auf 6,5 Milliarden Euro steigen. Wäre ein einstelliges KGV, hinzu kommt die niedrige Börsenbewertung im Vergleich zu UPS oder Fedex.

Fazit

Obwohl die Aktienmärkte derzeit die Umschichtung von Growth zu Value spielen, kann dies dem deutschen Logistiker relativ egal sein. Man profitiert weiter von den Auswirkungen der partiellen Lockdowns, vermutlich noch durch die Wintermonate, als auch von der neuen Situation um die Mammutaufgabe Impfung der Bevölkerung mit all den personellen und logistischen Herausforderungen.

Jetzt steht in dieser Woche erst einmal der große vorweihnachtliche Hype um den „Black Friday“ und den „Cyber Monday“ auf dem Programm. Angesichts der Pandemie sicherlich mit bisher noch nie gesehenen Umsätzen. Ein DHL-Manager sprach schon davon, dass Covid-19 die Umsätze der Post in das Jahr 2030 hieven werde. Und jetzt kommt noch das Transportthema Impfstoff hinzu. Ein Goldilocks-Szenario? Nicht ganz, denn da gibt es noch einen übermächtigen Konkurrenten aus Übersee, der bis 2021 mit eigenen Paketzentren in Deutschland zulegen will. Der „All-Star“ der amerikanischen Aktienmärkte Amazon, der bereits schon für ein Viertel der Paketsendungen in Deutschland verantwortlich ist.

Die Aktienmärkte in Deutschland und ihr heimlicher Star

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