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Coronakrise: Wie schnell kommen die Lockerungen?

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Es gibt seit Beginn der Coronakrise wohl derzeit kaum ein Medium, in dem dieser Wettstreit nicht kommuniziert wird: Die Sorge von Politikern und Virologen um eine zu rasche Aufhebung der Lockerungsmaßnahmen und das verständliche Lamento derjenigen, die von den Einschränkungen massiv betroffen sind – von gestressten Eltern bis hin zu existenzbedrohten Firmen. Das Ifo-Institut hat einen Schaden von über 40 Milliarden Euro pro Woche aufgrund der Coronakrise errechnet, falls es weiter bei einem Stillstand der Wirtschaft bleiben sollte, insbesondere in den Ländern die strenge Ausgehverbote verhängt hatten.

Auch wenn Deutschland bereits große Erfolge in der Eindämmung der Coronainfektionen erreicht hat (Reproduktionszahl 0,7 – 24.911 aktive Fälle von einst 70.757 in der Spitze), so will man nicht zu schnell öffnen, um die erreichten Erfolge nicht zu gefährden. Insbesondere der SPD-Politiker und Epidemiologe Professor Karl Lauterbach gilt als heftigster Warner, dem jegliche Lockerung zu früh kommt.

Dieses Bild zeigt die aktuelle Lage:

Das Ende der Coronakrise?

Die Horrorvisionen der Wirtschaft in der Coronakrise

Immer dringender werden die Appelle der deutschen Wirtschaft, insbesondere des BDI, endlich bedeutsame Lockerungen für die Wirtschaft in den einzelnen Bundesländern zu beschließen. Das Ifo-Institut hat einen Schaden von über 40 Milliarden Euro pro Woche aufgrund der Coronakrise errechnet, falls es weiter bei einem Stillstand der Wirtschaft bleiben sollte. Auch haben nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bis zum 26. April bereits 10 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit beantragt. Eine Zahl, die aber kaum in der Praxis umgesetzt werden dürfte. Denn es wurden bereits die ersten Normalisierungsmaßnahmen eingeleitet, die Automobilindustrie hat ihre Produktion wieder aufgenommen sowie der Einzelhandels die Türen zum Teil wieder geöffnet. Dennoch stehen die Horrorzahlen des April im Raum, mit einer Anzahl an Anträgen zur Kurzarbeit, die alles bisherige in den Schatten stellen. Hier die Liste in Kurzform (Ifo-Institut):

99 Prozent Gastronomie
98 Prozent Lederwaren
97 Prozent Hotellerie
96 Prozent Bekleidungshersteller
94 Prozent Automobilbau
91 Prozent Luftfahrtbranche
90 Prozent Reisebüros und Reiseveranstalter
82 Prozent Kunst und Unterhaltung
81 Prozent Sport, Bäder, Freizeitparks
Weniger betroffen:

30 Prozent Chemie
21 Prozent Nahrungs- und Futtermittelindustrie
14 Prozent Gesundheitswesen
Viele der oben aufgeführten Zahlen werden kaum noch weitere Wochen Bestand haben, mit Ausnahme der Luftfahrtbranche. Durch die Bekämpfung der Infektion wurde der globale Flugverkehr in der Coronakrise nahezu eingestellt. Aus der Flugdatenbank OAG wird ersichtlich, dass der Flugbetrieb 70 Prozent unter Vorjahresniveau liegt. In Deutschland verzeichnet man aktuell 90 Prozent weniger Flugbewegungen als 2019.

Aber andererseits, haben nicht bereits im Mai 80 Prozent aller Läden wieder geöffnet, mit einer Verkaufsfläche von unter 800 Quadratmetern, Museen, Zoos und die viel beachteten Friseursaloons? Ich denke, dass die Zahlen der Agentur für Arbeit schon bald überholt sein werden.

Die Absichten der Bundesländer

Wo gestern noch Einigkeit herrschte, unter den 16 Bundesländern, zeigen sich seit einigen Tagen bereits deutliche Differenzen in den Absichten.

Niedersachsen will das Öffnen der Gaststätten wieder erlauben, ebenso wie Sachsen, auch Sachsen-Anhalt fordert weitere Lockerungen.

Thüringen denkt an den Tourismus. Berlin und Thüringen wollen die 800 m² Regelung bei den Lädenöffnungen kippen. Mecklenburg-Vorpommern will die Strände bald öffnen, sicheren Tourismus gestatten. Die Liste ist lang und wird länger. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet steht derzeit an der Spitze der Regierungschefs, die für Lockerungen werben.

Ergebnisse der Heinsberg-Studie

Man kann zu den Ergebnissen des Bonner Professors Hendrik Streek kritisch stehen wie man will, aber eines zeigen die Zahlen zweifelsohne: Die Sterblichkeitsrate von Covid-19 ist (in Deutschland) nicht so hoch wie befürchtet, sondern dürfte in der Größenordnung von 0,37 Prozent liegen. In 86 Prozent der Fälle betrifft es Menschen im Alter von über 70 Jahren.

Damit ist die Bedrohungslage der circa 45 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland im Alter von zumeist zwischen 18-65 Jahren (ohne Vorerkrankungen) eine relativ moderate. Demnach sollte sich nach Überschreiten des Hochpukts der Coronakrise der Ruf nach Normalisierung durch die Wirtschaft noch einmal deutlich verstärken.

Was mich völlig erstaunt ist folgende Erkenntnis der Studie: Die Gefahr, sich bei einem infizierten Familienmitglied anzustecken, ist relativ niedrig. In einem Zwei-Personen-Haushalt liegt sie um 28 Prozent höher als für Menschen, in deren Wohnung kein Infizierter lebt. In einem Drei-Personen-Haushalt ist das Risiko nur noch 20 Prozent höher, in einem Vier-Personen-Haushalt sogar nur noch um drei Prozent höher als der Durchschnitt.

Obwohl man in einer gemeinsamen Wohnung lebt, über Tage und Wochen der Übertragungszeit. Demnach wäre es gar nicht so einfach, sich anzustecken. Seltsam.

Fazit

Aufgrund der Entwicklung der Eindämmungszahlen in Deutschland wie auch in Europa, auch unter Berücksichtigung der großen Dunkelziffer von bereits an Corona Infizierten und auch wieder Gesundeten, kann man davon ausgehen, dass die Bundesregierung sowie die Landesregierungen dem Drängen von Wirtschaft und Bürgern nachgeben und schrittweise Lockerungen des Shutdowns vornehmen werden. Vermutlich auch schneller als erwartet. Daher dürfte es im Gefolge der Coronakrise auch nicht zu den (maximalen) dramatischen Einbrüchen am Arbeitsmarkt wie auch in der Wirtschaft kommen. Natürlich unter der Prämisse, dass es nicht plötzlich zu einem Anschwellen von Neuinfektionen kommt.

Ich möchte jetzt wirklich keine Schönmalerei betreiben: es wird aufgrund der Coronakrise eine heftige Rezession kommen, aber die Horrorszenarien sollten sich meines Erachtens nicht einstellen.

Denn eines ist auch gewiss, in manchen Bereichen werden die (fiktiven) Arbeitslosenzahlen auch verwendet, um Druck auf die Entscheidungsträger auszuüben. Im Übrigen buhlen auch Firmen um staatliche Unterstützung, die vor wenigen Monaten noch Milliarden Eigenkapital in Aktienrückkäufe gesteckt haben.

Über die Wirksamkeit dieses Drängelns werden wir schon am heutigen Mittwoch bei der Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder mehr erfahren.

Die Coronakrise und der lockdown

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Marko

    6. Mai 2020 09:46 at 09:46

    Über die Wirksamkeit dieses Drängelns werden wir schon am heutigen Mittwoch bei der Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder mehr erfahren.

    Na, das hier Druck auf dem „Herzen Europas“ sprich : Deutschland ist…

    Und das ist gut so, die Wirtschaft muss starten, und der „Herzschlag Europas“, das ist eben Deutschland.
    Danach kommen die Grenzöffnungen dran, wohl eher nach Nordeuropa hin (Österreich, Dänemark,Finnland.. usw ), der Flugverkehr muss auch für Privatleute freigegeben werden. usw…

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    Tom

    6. Mai 2020 10:12 at 10:12

    Ich persönlich finde den Blick auf Sars 1 interessant. Es verschwand im Juni durch eine Kombination aus Gegenmaßnahmen und Sommerwetter.
    Sars 1 und 2 sind miteinander verwandt, mehr als mit jedem anderen bekannten Virus.
    Daher ist das, nicht der Influenzavirus der spanischen Grippe, der historisch noch am zulässigsten Vergleich.
    Covid-19 ist sicherlich global zu weit verteilt, um es komplett aus der Welt zu schaffen. Aber wenn unsere Gegenmaßnahmen plus Sommer den Virus auf der Nordhalbkugel weitgehend verschwinden lassen und zu einer gefährlichen Einzelerkrankung reduzieren (man denke an offene Tuberkulose und andere), dann kann der klassische Seuchenschutz das unter Kontrolle halten und es muss nie wieder eine weitere Welle geben. Selbst ohne Impfung.

    Da wir keine bessere historische Orientierung als Sars 1 haben ist das aktuell das für mich wahrscheinlichste Szenario. Neuinfektionen nahe Null irgendwann im Juni. Wenn wir wieder einen heissen, schwülen Rekordsommer bekommen wäre das ein wahrer Segen.
    Um das etwas zu untermauern:

    die 1350 Millionen Inder haben etwa 2/3 der Todesopfer zu beklagen wie die 10 Millionen Schweden. Bei wesentlich schlechterem Gesundheitssystem und engen Armenvierteln in Megastädten, teils ohne funktionierende Kanalisation oder Müllabfuhr. Von professionellen Gesichtsmasken gar nicht zu reden.
    Selbst wenn man einwenden möchte, dass die Inder vielleicht nicht jeden Todesfall genau erfassen können, so wäre die schwedische Todesrate auf Indien umgerechnet gen 1/2 Menschen gelaufen. Das hätte das Land gemerkt.

    Der Virus ist der gleiche, der Wirt Mensch ist der gleiche. Was sich unterscheidet ist das Klima.
    Dazu muss man kein Virologe sein, einfache Logik. Ich würde darauf wetten, dass wir es im Sommer weitgehend los werden, so ist meine Vermutung.

    • Avatar

      Lausi

      6. Mai 2020 23:52 at 23:52

      Mal logisch gedacht: Ob das Wetter/Klima eine Rolle spielt, dürfte auch sehr von dem Übertragungsweg abhängen, also ob man sich eher über eine Tröpfchen- oder über eine Schmierinfektion ansteckt, d.h. per direkter Mensch-zu-Mensch-Ansteckung oder durch Berührung von kontaminierten Gegenständen. Ich denke das weiß bis jetzt keiner so genau. Jedenfalls würde das Wetter/Klima nur bei einer Übertragung per Schmierinfektion eine Rolle spielen, bzw. bei der Frage wie lange das Virus außerhalb des Körpers intakt bleibt. Neben der Temperatur könnte auch die Luftfeuchtigkeit entscheidend dabei sein. Je trockener umso besser, würde ich mal vermuten. In ein paar Monaten wird man diesbezüglich vielleicht schlauer sein.

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Schwache Dienstleister, starkes Gewerbe

„Dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für Oktober) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Wirtschaft:

Gesamtindex: 54,5 (Prognose war 53,2; Vormonat war 54,7)

Verarbeitendes Gewerbe: 58,0 (Prognose war 55,1; Vormonat war 56,4)

Dienstleistung: 48,9 (Prognose war 49,2; Vormonat war 50,6)

Damit bestätigt sich der Trend der letzten Zeit: Dienstleistung leidet, Gewerbe bleibt robust (noch?)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 47,3 schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war 48,0)

(Hinweis: das ifo Institut hat soeben mitgeteilt, dass die ifo Umfrage erst am Montag veröffentlicht wird, im Videoausblick hatte ich gesagt, dass die Zahlen heute um 10Uhr veröffentlicht werden).

Dazu kommentiert Phil Smith von Markit, das die Daten erhebt: „dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

„Die deutsche Wirtschaft hält sich angesichts der zweiten Corona-Infektionswelle erfreulicherweise ziemlich wacker, wie der Oktober-Flash zeigt.
Obwohl einige Dienstleistungsunternehmen unter den neuen Restriktionen und der zunehmenden Unsicherheit im Zusammenhang mit der ‘zweiten Welle’ leiden, hielten sich die Geschäftseinbußen hier insgesamt noch in Grenzen. Gleichzeitig hat die boomende Industrie der Konjunktur ordentlich Auftrieb verliehen. Folglich sieht es zunehmend nach einer Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten aus. Das verarbeitende Gewerbe ist bisher weniger stark von den neuen Restriktionen betroffen als der Servicesektor und hat zudem enorm vom wieder
florierenden Welthandel profitiert. Da sich immer mehr Industrieunternehmen dem Wachstumsniveau von vor der CoronavirusPandemie nähern oder es sogar schon erreicht haben, wird ein dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger. So sind die Erwartungen der Hersteller im Oktober auch erstmals seit siebenMonaten wieder leicht gesunken. Dennoch, Sorgenkind Nummer eins bleibt der Dienstleistungssektor.”

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Aktuell: US-Erstanträge besser als erwartet – Folgen für Stimulus?

Redaktion

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Die US-Erstanträge (jobless claims) auf Arbeitslosenhilfe (für die letzte Woche) steigen nur um 787.000 (offizielle Prognose war 860.000, Vorwoche war 898.000, nun auf 842.000 nach unten revidiert).

Die fortgesetzen Anträge (continuing claimes) liegen mit 8,373 Millionen ebenfalls deutlich unter der Erwartung (Prognose war 9,50 Millionen; Vorwoche war 10,018 Millionen, nun auf 9,397 Millionen nach unten revidiert).

Gute Daten – aber senkt das die Notwendigikeit für weiteren Stimulus?
So oder so – es gibt viele Berichte über betrügerische Anträge – so sind in Arizona ca. 90% der Anträge abgeöehnt worden. Dazu vermutlich auch Probleme in Kalifornien..

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Aktuell: Öl-Lagerbestände -1,0 Mio Barrels (jetzt 488,1 Mio)

Claudio Kummerfeld

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Die wöchentlich vermeldeten Öl-Lagerbestände in den USA (Rohöl) wurden soeben mit 488,1 Mio Barrels veröffentlicht. Dies ist im Vergleich zur Vorwoche ein Minus von 1,0 Mio Barrels, wobei die Erwartungen zur Vorwoche bei -1,0 lagen.

Die Benzinbestände wurden im Vergleich zur Vorwoche mit +1,9 Millionen Barrels veröffentlicht. Die Erwartungen gegenüber der Vorwoche bei -1,8.

Die Dienstag Abend um 22:35 Uhr veröffentlichten API-Lagerbestände wurden mit +0,6 Mio Barrels beim Rohöl gemeldet (-1,9 erwartet).

Der Ölpreis (WTI) reagiert in den ersten Augenblicken nach Verkündung mit -2 Cents auf 40,97 Dollar.


source: tradingeconomics.com

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