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Coronakrise: Wird in Südeuropa weniger gearbeitet als in Nordeuropa?

Wolfgang Müller

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am

Die Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat werden einige Kritiker der EU-Rettungspakete gegen die Coronakrise wieder einmal bestätigen und Diskussionen um gemeinsame Schuldenprogramme zur Bekämpfung von Covid-19 anfachen: Die Nordländer in der EU arbeiten länger als der Süden. Es gibt seit jeher dazu Vorurteile, hier die Zahlen der Statistikbehörde.

Der Vergleich Norden versus Süden

Die Übersichten von Eurostat lassen keinen Zweifel daran: Die Lebensarbeitszeit liegt in den nördlichen Staaten Europas durchschnittlich tatsächlich höher als in den südlichen Ländern. Natürlich gibt es hierzu ein paar Sonderfaktoren wie Arbeitslosigkeit und kulturelle Unterschiede (Rolle von Männern und Frauen), die Differenzen sind teilweise aber doch sehr deutlich. Und das dürfte im Rahmen der Rettungsmaßnahmen zur Bewältigung der Coronakrise für Diskussionen sorgen!

Hier eine kleine Übersicht der Lebensarbeitszeiten, zusätzlich aufgeschlüsselt nach Männern und Frauen:

Island 47,8 Jahre Männer – 43,7 Jahre Frauen
Schweiz 44,6 (M) – 40,4 (F)
Niederlande 43,3 (M) – 38,5 (F)
Schweden 42,9 (M) – 38,2 (F)
Dänemark 41,7 (M) – 38,6 (F)
Deutschland 41,1 (M) – 38,1 (F)
Großbritannien 41,5 (M) – 36,9 (F)
Portugal 39,6 (M) – 35,3 (F)
Irland 40,7 (M) – 33,9 (F)
Österreich 39,8 (M) – 33,8 (F)
Frankreich 37,0 (M) – 33,1 (F)
Griechenland 36,6 (M) 30,7 (F)
Spanien 37,4 (M) – 31,6 (F)
Luxemburg 36,0 (M) – 31,6 (F)
Belgien 35,4 (M) – 29,6 (F)
Italien 36,4 (M), 27,3 (F)

Insgesamt betrachtet arbeiten die Deutschen damit derzeit im Schnitt 39,1 Jahre ihres Lebens. Weniger als Schweizer oder Nordländer, aber deutlich länger als Spanier oder Franzosen (35 Jahre), Griechen (33) oder Italiener mit 32 Jahren. Damit verbringen Letztere insgesamt prozentual mit 58 Prozent auch weniger ihrer Lebenszeit aktuell am Arbeitsplatz, auch deshalb, weil sie nach Eurostat derzeit auch noch um eine 2,5 Jahre längere Lebenserwartung haben als Deutsche.

Coronakrise: Der Hemmschuh Arbeitslosigkeit

Italien hat es nicht geschafft, sich nach der Finanzkrise wirtschaftlich zu erholen, schlimmer noch, man dürfte in der jetzigen Rezession infolge der Coronskrise auf den Stand von vor mindestens 20 Jahren zurückfallen. Durch die hohe Arbeitslosigkeit, speziell bei der Jugend, die schon Ende 2019 bei etwa 29 Prozent lag, gibt es auch wenig durchgehende Erwerbsbiogaraphien. Wann gab es in Italien in den letzten 10 Jahren eine Jugend-Arbeitslosenquote unterhalb der 10 Prozentmarke?

Dennoch: Auch wenn Italien ein offizielles Renteneintrittsalter wie Deutschland aufweist, gehen viele Italiener vor diesem Datum in Rente.

Das Problem Arbeitslosigkeit ist natürlich nicht nur auf Italien beschränkt, auch in Spanien und insbesondere Griechenland gibt es permanent Mangel an Jobs, auch unter den gut Ausgebildeten.

Das Sonderthema Wohlstand

Damit kommen wir zu einer Konstellation, die für einige Verwunderung sorgt. Italien hat eine sehr hohe Staatsverschuldung, ein hohe Arbeitslosenrate, aber dennoch ein hohes Volksvermögen. Trotz der großen ökonomischen Schwierigkeiten des letzten Jahrzehnts liegt das Pro-Kopf-Vermögen der Italiener immer noch über dem der deutschen Bürger. Man wohnt auch erheblich öfter in eigenen vier Wänden als der Deutsche, trotz seiner deutlich längeren Lebensarbeitszeit.

Dies ist ein Punkt, den auch Dr. Stelter immer wieder anspricht, in seinem Buch „Das Märchen vom reichen Land“ und zuletzt in seinem Interview in dieser Woche. Wobei wir wieder beim Aufregerthema Hilfsprogramme für die EU-Staaten wären.

Fazit

Es ist wohl das große Zukunftsthema: die Lebensarbeitszeit. In der Phase der Not und der Solidarität infolge der Wirtschaftseinbrüche durch die Coronakrise werden die Unterschiede in den EU-Ländern wieder hochgespült. Der Ruf nach Strukturreformen wird laut bleiben, aber durch den Einsatz der EZB vermutlich wieder verhallen. Aber trotz Coronakrise läuft eine Entwicklung weiter, die alle Staaten betreffen wird, die Zunahme der Lebenserwartung. Ende des 19. Jahrhunderts lag diese auch in Deutschland noch unter 50 Jahren, seit geraumer Zeit steigt sie um 2,5 Jahre pro Jahrzehnt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein nicht unerheblicher Teil der heute geborenen Kinder die Chance hat 100 Jahre alt zu werden. In Deutschland leben bereits über 16.500 Hundertjährige (Zahlen von 2017), im Jahr 2000 waren es noch nicht einmal 6000 und die Zahl soll sich pro Dekade mindestens verdoppeln.

Ruhestand mit 60 und dann 100 werden, das dürfte mit unserem heutigen Vorsorgesystem nicht zu stemmen sein.

Rettung in der Coronakrise und die Frage der Lebensarbeitszeit

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Rüdiger Born: Was der Markt bei Gold noch benötigt für einen Long-Einstieg

Rüdiger Born

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Der heutige Anstieg bei Gold (hier der jüngste Bericht auf FMW dazu) ist für mich der erste Hinweis, dass für einen Long-Einstieg etwas möglich sein könnte. Jetzt fehlt noch ein Trigger. Das Szenario hierfür bespreche ich im folgenden Video.

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Coronakrise vorbei? So stark verlieren die „kleinen“ Leute in den USA

Claudio Kummerfeld

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Verrammelte Einzelhandelsgeschäfte

Ist die Coronakrise überstanden? Die ersten Corona-Impfungen könnten schon in den nächsten Tagen erfolgen. Und außerdem, der Dow Jones steht bei 30.000 Punkten, während er vor Ausbruch der Coronakrise noch bei 29.300 Punkten im Januar lag. Auch der S&P 500 Index und vor allem der Nasdaq notieren deutlich höher als im Januar. Klarer kann die Börse doch nicht signalisieren, dass die Krise überwunden ist. Richtig? Nun ja. Schauen wir uns mal folgende Charts an. Sie sind Teil einer Datenbank, welche unter anderem von der Harvard University betrieben wird.

Geringverdiener in den USA verlieren in der Coronakrise brutal, Besserverdiener legen sogar zu

Anhand unzähliger Daten werden möglichst aktuell ökonomische Verläufe in den USA angezeigt, aus denen man den Verlauf der wirtschaftlichen Erholung aus der Coronakrise in diesem Jahr erkennen kann. Da wäre zum einen folgende Grafik interessant, wenn es um die Beschäftigung geht. Sie zeigt die Beschäftigungsquoten in den USA von Januar bis Ende September. Für die Besserverdiener mit mehr als 60.000 Dollar Jahresgehalt ist die Beschäftigungsquote seitdem sogar um 0,2 Prozent gestiegen. Man darf vermuten: Jede Menge neue Jobs für Webseitenprogrammierer, Cloud-Experten uvm. Alles was eben in der Coronakrise vermehrt gefragt ist. Die Beschäftigung in der Mittelschicht (27.000-60.000 Dollar) hat um 4,7 Prozent abgenommen.

Und jetzt kommt´s. Die Geringverdiener mit weniger als 27.000 Dollar Jahresgehalt hat eine um 19,2 Prozent sinkende Beschäftigungsquote in den USA. Es ist klar. Gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab es für eine große Masse gering- oder gar nicht qualifizierter Menschen (bisher) massenweise Jobs in der Gastronomie oder im Entertainment-Bereich (Restaurants, Bars, Freizeitparks etc). Und gerade diese Bereiche leiden under Lockdowns in der Coronakrise (siehe jüngst Walt Disney mit zehntausenden Entlassungen in Freizeitparks). Die kleinen Leute verlieren in der Coronakrise massiv, die gut Qualifizierten sind unterm Strich die Gewinner. Die drei Linien zeigen die Verläufe der jeweiligen Beschäftigungsquoten seit Januar.

Chart zeigt Beschäftigungsquoten in den USA

Fast 30 Prozent der kleinen Geschäfte seit Januar geschlossen

Die folgende Grafik zeigt zum aktuellsten Stichtag 16. November mit Verlauf über das Jahr hinweg, wie viele kleine Unternehmen im Vergleich zu Januar noch geöffnet sind. Landesweit sind es in den USA derzeit 28,9 Prozent weniger, und die Tendenz ist negativ. Im derzeit zweiten Lockdown gibt es dank der Streitigkeiten zwischen Republikanern und Demokraten in den letzten Monaten keine neuen Hilfspakete. Kann Joe Biden ab dem 20. Januar als neuer US-Präsident einiges bewegen mit neuen Billionen-Hilfsprogrammen? Kann die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen als neue Finanzministerin womöglich bei den Republikanern im US-Kongress etwas herausschlagen für neue Hilfsprogramme? Die sogenannte Unterschicht und kleine Geschäftsinhaber drohen völlig abzustürzen und auch nach der Coronakrise zu den großen Verlierern zu gehören. Langfristig dürfte die Massenarmut in den USA wohl massiv zunehmen.

Chart zeigt Verlauf der geöffneten kleinen Geschäfte in den USA

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Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

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Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

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