Allgemein

Coronavirus: Chinas Dilemma – Wirtschaft oder Epidemie-Ausbreitung

Durch das Coronavirus steht China vor einem Dilemma: fährt man, wie von Staatschef Xi Jinping gewünscht, die Produktion wieder herauf, droht eine weitere Ausbreitung der Epidemie. Oder man versucht konsequent die weitere Ausbreitung des Coronavirus durch die Verhängung großflächiger Quarantänen zu verhindern – dann aber leidet die Wirtschaft Chinas noch stärker als ohnehin schon. Nach Schätzungen etwa durch den Vergleich von Luftverschmutzungswerten dürfte das Reich der Mitte derzeit nur ein Drittel seiner normalen Wirtschaftstätigkeit erreichen.

Für den allmächrigen Staatschef Xi Jinping und die Kommunistische Partei Chinas ist das eine gefährliche Situation: im Jahr 2010 hatte man der Bevölkerung eine Verdoppelung des BIP versprochen – und will und muß dieses Versprechen einhalten. Der Deal lautet: wir – die Kommunistische Partei – haben das unangefochtene Sagen, dafür bringen wir euch, dem Volk, wirtschaftlichen Wohlstand. Mit dem Coronavirus steht dieses Versprechen nun auf der Kippe.

Daher versucht Chinas Führung offenkundig, die Zahlen der mit dem Coronavirus Infizierten und Verstorbenen jenseits der Provinz Hubei nach unten zu manipulieren – angeblich, so die „Global Times“, sei die Zahl der Neuinfektionen ausserhalb von Hubei stark rückläufig. Wie aber ist das möglich, wenn laut Aussagen des Bürgermeisters von Wuhan ca. fünf Millionen Bewohner der Stadt sich aufgrund der Neujahrsfeierlichkeiten auf Reisen begeben haben? Faktisch dürften jenseits von Wuhan und Hubei schlicht die Kapazitäten fehlen, um auch nur einigermaßen solide die Zahl von Neuinfizierungen zu erfassen! Die täglichen Meldungen über Infizierte und Tote haben die Funktion einer „politischen Zahl“ – aber wahrscheinlich nur sehr wenig mit der Realität zu tun. Daher gilt einmal mehr: achtet darauf, was sie tun, nicht auf das, was sie sagen. Und die Taten und Maßnahmen der Regierung in Peking sind durchaus drastisch und spiegeln den Ernst der Lage wider!

Wie dramatisch die Lage in China aufgrund des Coronavirus wirklich ist, zeigen vor allem von Chinas Führung unzensierte Twitter-Accounts – einer der besten davon ist der von Jennifer Zeng.

Sehen Sie dazu auch die neuesten Entwicklungen über das Coronavirus in China im in jeder Hinsicht empfehlenswerten Kanal „China in Focus“, der immer wieder Original-Material zusammen stellt, das ansonsten in westlichen Medien nicht zu sehen ist:

China steht vor einem unlösbaren Dilemma durch das Coronavirus



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

6 Kommentare

  1. Wie Folker Hellmeyer meint, sei das Corona Problem ein exogener vorübergehender Faktor, der die Weltwirtschaft um 0,2 % Prozent zurück werfen werde. Ein großer schwarzer Schwan scheint es mir nicht zu sein, aber wer weiß, auch kleinere können manchmal etwas unangenehm zubeißen.

  2. Was für ein Abverkauf heute…Ironie off :-)

    Damit ist der Gewöhnungseffekt durch Apple eingepreist worden. Weitere Umsatz- und Gewinnwarnungen dürften den Markt nicht mehr tangieren, weil man weiß, dass es dazu kommt. Wichtiger sind die Aufholeffekte nach dem Virus. Die setzen enormes Potential frei. Die Unternehmensrevisionen sind damit vom Tisch. Die Rally dürfte damit weitergehen. Kommen neue Stimuli dann auch endlich wieder mit ordentlich Dynamik.

    1. Avatar
      Jan Der Umweltschützer

      @Sven
      Das geht langsam auf den Senkel und ist einfach nur langweilig!

    2. Aufholeffekte-Sven und seine weisen Kommentare können mich stets und immer wieder aufs Neue beglücken. Ein Must-have für diese Seite! (Ironie on)

  3. Nun hat die Welt wieder ihren Tulpenziebelhandel mit der Hilfe von Notenbanker die ohne Intelligenztest die Funktionen der neuen Ökonomie-Regeln erfunden haben. Die Welt ist entzückt über das die Erfindung des Perpeetuum Mobile der Finanzjongleure.

  4. „…achtet darauf, was sie tun, nicht auf das, was sie sagen. Und die Taten und Maßnahmen der Regierung in Peking sind durchaus drastisch und spiegeln den Ernst der Lage wider!“
    Damit wird das Thema auf den Punkt gebracht. Jährlich sterben angeblich 2,8 Millionen Chinesen an der Grippe und niemand schert sich darum. Aber wenn 1.874 Chinesen durch das Coronavirus ums Leben kommen (weniger als 0,1 Prozent der Grippetoten), bricht das ganze wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in China zusammen?

    Mehr als 20.000 Deutsche sterben jährlich durch Krankenhauskeime und weltweit sterben täglich(!) 15.000 Kinder durch mangelnde Ernährung und fehlende medizinische Versorgung. Das findet sich in den Medien aber bestenfalls in einer gelegentlichen Randnotiz. In welch einer verrückten Welt leben wir?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage