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Coronavirus: Das große Impfstoffprojekt – und ein paar kleine Tücken

Wolfgang Müller

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am

Es geht los mit dem Jahrhundertprojekt Massenimpfung gegen das Coronavirus, zumindest im Westen – nachdem China bereits wieder vorgelegt hat. In Großbritannien hat man am gestrigen Tag die erste Aktion an einer 90-jährigen Dame medial begleitet. Bei uns in Deutschland sollen die Impfzentren in einer Woche stehen, die Impfung selbst wird aber im Januar keine Sache von ein paar Tagen werden.

Die Wirksamkeit des neuen Vakzins gegen das Coronavirus

Neben der produktspezifischen Wirksamkeit, zum Beispiel des BioNTech/Pfizer-Impfstoffes BNT162b2 ist die Wirkung auch von einer Wiederholung der Prozedur abhängig. Davon ist in den Medien nicht so häufig die Rede, die Wiederholung der Impfung führt aber erst zur essenziellen Immunreaktion gegen das Coronavirus. Eigentlich keine außergewöhnliche Situation, denn auch bei anderen Schutzimpfungen (z.B gegen Hepatitis B) gibt es diese Notwendigkeit.

Virologen erklären die Immunreaktion beim Coronavirus so: Bei der Erstimpfung wird das Immunsystem nur angeregt, es bilden sich aber nur wenige Zellen, die das Impfantigen erkennen. Deshalb ist eine Vermehrung erforderlich, die nur mit der zweiten Impfung erfolgt, im Abstand von drei bis vier Wochen, wo dann genug Antikörper gebildet werden. Fällt diese aus, würden diese absterben und wieder verschwinden. Das Immungedächtnis ist erst dann gegeben, deshalb spricht BioNTech auch erst nach drei bis vier Wochen von einem vollen Schutz der Impfung. Wird die Wiederholung aus irgendwelchen Gründen in diesem Zeitraum versäumt, war das Prozedere umsonst. Das einzig Positive ist aber, dass es nicht wie einem Bakterium zu einer Resistenz kommen wird, wenn zu wenig Antibiotikum genommen wird – so der aktuelle Stand der Wissenschaft.

Zwei Impfungen heißt eine Halbierung der Impfdosen

Es ist also unbedingt notwendig, dass die Wiederholungsimpfung erfolgt, sonst wäre der Impfstoff verschwendet. Bei der Festlegung des Ersttermins soll bereits der Wiederholungstermin festgelegt werden, anscheinend gibt es aber dafür noch keine fertige Lösung für die vielen Impfzentren, die bereits in sechs Tagen stehen sollen.

Und vor allem darf der Patient den Termin nicht versäumen – sollte er es sich bis dahin anders überlegt haben, gäbe es nach dem Stand der Dinge keine Sanktionen.

Allerdings ist die Zahl der Impfdosen, die durch die beiden Hersteller BioNTech/Pfizer und Moderna für das erste Quartal zugesichert wurden, für ein Land wie Deutschland auch nicht so opulent. Die Regierung spricht von sieben Millionen Dosen, was aber dann 3,5 Millionen Impfungen entspricht. Für die Bundeshauptstadt sind 900.000 Einzeldosen vorgesehen, ausreichend für 450.000 Impfungen. Berlin hatte zum Ende des Jahres 2019 bereits 3,769 Millionen Einwohner, es sollten also möglichst auch alle Zweitimpfungen erfolgen.

Bei den Standardimpfungen wird schon einmal die Hausarztpraxis aktiv und erinnert die Patienten an den Wiederholungstermin, diese sind aber bei der Spezialimpfung von BioNTech mit dem extrem zu kühlenden Vakzin zunächst nicht mit von der Partie. Eine Erinnerung ist bei der Verimpfung von BNT162b2 nicht vorgesehen, könnte bei den hochbetagten „Erstimpflingen“ aber durchaus Sinn machen.

Fazit

Die große Impfaktion hat begonnen, in Großbritannien mit dem Vaccine Day. Auch in Deutschland fiebert man der Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA in Amsterdam bis spätestens am 29. Dezember entgegen. Bei einem positiven Votum kann die EU in wenigen Tagen den Impfstoff von BioNTech/Pfizer zulassen. Wenn ab Anfang Januar mit der Impfung begonnen wird, dürfte die erwartbare Imunität der ersten Geimpften erst ab Ende Januar erreicht sein. Üben wir uns also in Geduld, vor allem diejenigen, die nicht der Generation Ü80, Ü70 oder Ü60 angehören. Die Zeit der Restriktionen wegen des Coronavirus könnte sich also noch hinziehen.

Das Coronavirus und das Impfstoffprojekt

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Mike Lohmann

    9. Dezember 2020 16:39 at 16:39

    So richtig interessant wird das Verhalten dann, wenn die Geimpften so gegen 30% gehen und dann die Meinung vertreten wird, dass nun speziell für sie keine Restriktionen mehr gelten.

  2. Avatar

    asyoulike

    9. Dezember 2020 17:11 at 17:11

    Moin, moin,

    neues Medikament, neues Risiko.

    M.E. alles zu schnell, zu überstürzt. Aber jeder soll frei entscheiden können, ob er dieses neue Impfgut probieren möchte. Kennt noch jemand Contergan? Erst hoch gepriesen und dann?

  3. Avatar

    Lausi

    9. Dezember 2020 17:44 at 17:44

    Langsam bekomme ich Zweifel an dieser Impfstoff-Euphorie. Und zwar seit ich durch Zufall erfahren habe, dass es eine Impfung eigentlich schon gibt – d.h. eine wirksame Prophylaxe. Normalerweise bin ich kein VT-Anhänger, aber in diesem Fall bekomme ich doch meine Zweifel. Der Punkt ist, dass dieses vorbeugende Medikament spottbillig ist und keiner etwas daran verdient! Es handelt sich um das Anti-Parasiten-Mittel Ivermectin, was z.B. auch gegen Läuse eingesetzt wird. Ist schon seit Jahren auf dem Markt, und hat kaum Nebenwirkungen. Bekannt ist es als Covid-Medikament wohl vor allem in Enticklungsländern wie in Südamerika oder Indien. Aber auch in den USA, England, Australien und vielen anderen Industrieländern wird darüber diskutiert. Erste vielversprechende Untersuchungen laufen, und viele „Feldversuche“ zeigen eine phänominale Wirkung.

    Generell scheint bei Corona die vorbeugende Behandlung der klügere Ansatz zu sein, da damit auch schon viele gute Erfahrungen gesammelt wurden. Zwei Ärzte dieser Richtung sind z.B. Dr. Zelenko aus N.Y. oder Dr. Mobeen Syed aus Indien. Aber warum wird dann diese vorbeugende Behandlung nicht mehr angewendet, warum ist diese so unpopulär? Warum wird nicht mehr daran geforscht? Wie viele hunderttausende Menschenleben hätten vielleicht dadurch gerettet werden können? Aber damit wird ja kein Geld verdient, und auf der anderen Seite steht das Jahrhundert-Geschäft mit den Impfungen. Wenn man sich dann noch überlegt, in welcher Rekordzeit diese ganzen Impfstoffe durchgepeitscht wurden, und welche Risiken damit in Kauf genommen werden, kann einem eigentlich nur noch übel werden.

    Diese Ivermectin-Info habe ich übrigens von einem vielerfahrenden exzellenten Arzt, der hier in Peru auf einer Intensivstation arbeitet.

    Abschließend noch ein paar diesbezügliche Links. Ansonsten einfach mal googeln:

    https://www.skynews.com.au/details/_6179108952001

    https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.10.29.20222661v1

    https://youtu.be/jsU8ujTIKfk (auf spanisch)

    https://www.deutschlandfunk.de/corona-wundermittel-ivermectin-hysterie-in-suedamerika.676.de.html?dram:article_id=486901

    https://youtu.be/HU5FYiB_bIE

    https://youtu.be/MhLD1P5nH30

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Jerome Powell – seine Aussagen auf der PK + Live-Feed – Impressionen einer surrealen Veranstaltung..

Markus Fugmann

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am

Was wird Jerome Powell heute sagen? Im Statement der Fed kein Wort zu den jüngsten spekulativen Exzessen – werden die Journalisten diesmal nachhaken und die wirklich wichtigen Fragen stellen?

– Powell muss erstmal tiefer durchatmen..

– Wirtschaftsentewicklung hängt von Virus ab – Wirtschaft hat sich wieder abgeschwächt, Konsum hat sich abgeschwächt

– Immobilienmarkt hat sich erholt (FMW: eine Umschreibung für massiv steigende Preise..)

– Arbeitsmarkt bleibt schwach, Menschen mit geringem Einkommen am stärksten betroffen

– Inflation bleibt niedrig, aber könnte anziehen wegen Impfungen

– Wirtschaft aber robuster als zu befürchten war

Ups, das war kurz – Powell „hat schon fertig“, jetzt kommen Fragen..

—–

Und gleich die Frage nach Gamestop, wow.. Powell: ich äussere mich nicht zu bestimmten Firmen (FMW: sondern behaupte einfach, dass wir mit unserer Geldpolitik nicht Blasen begünstigen…)

– Powell: beobachten Finanzbedingungen sehr genau

– jetzt Steve Liesman von CNBC zu Bewertungen, am Beispiel von Bitcoin, Gamestop etc. (FMW: Liesman ist der einzige, der ernsthafte Fragen stellt!). Und sinngemäß sagt Powell: wir kümmern uns um die Wirtschaft, nicht um Blasen..

– Powell: es ist nicht die Geldpolitik der Fed, die Bewertungen der Märkte bedingt, sondern die Sache mit dem Impfstoff (FMW: viel dreister kann man eigentlich nicht die Unwahrheit sagen! Klar: der Impftstoff ist ein zentraler Treiber, aber wo stünden die Aktienmärkte ohne die Fed??)

– Powell zu Inflation: wird vielleicht vorübergehend steigen, aber nicht nachhaltig, weil deflationäre Trends seit langem bestehen. Es sei viel schwieriger, mit Deflation umzugehen als mit Inflation (FMW: puh..)

– jetzt die Frage, ob die Fed-Mitglieder bereits geimpft seien..Powell: ich wurde einmal geimpft und hoffe die zweite Dosis bald zu bekommen

– jetzt redet Powell über die Wirtschaft und Menschen – aber was hat die Fed mit Menschen und Wirtschaft zu tun??

– Frage von einem Bloomberg-Moderator: seid ihr als Fed überhaupt noch handlungsfähig, weil ihr die Zinsen weder senken noch anheben könnt? Powell: unsere Geldpolitik funktioniert, zum Beispiel am Immobilienmarkt

– Powell: es gibt keinen Grund. bei Erholung der Wirtschaft nicht die Zinsen anzuheben und unsere ultralaxe Geldpolitik einzustellen (FMW: is klar, Jerome..)

– Powell insistiert: nachhaltige Inflation unwahrscheinlich..

– Powell: werde gut mit Yellen zusammen arbeiten, habe aber mit ihr noch nicht gesprochen, auch nicht mit Biden

– Frage nach Furcht vor Immobilienblase oder Blase bei Unternehmensanleihen – Powell: extrem steigende Nachfrage nach Immobilien vorübergehend, bei Unternehmensanleihen sehe ich die Tatsache, dass es weniger Insolvenzen gibt (FMW: es wird immer surrealer, wie Powell versucht, die Blasen-Bildungen weg-zureden!)

FMW: bleiben sie dran bei FMW – wir bringen die Zahlen von Tesla, Facebook und Apple und die Marktreaktionen darauf!

Der Live-Feed:

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Jerome Powell über das Evangelium der Fed

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Fed: Das sagt das Statement der US-Notenbank – weit und breit keine Blasen, nirgends..

Markus Fugmann

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Von der US-Notenbank Fed ist eigentlich heute nicht viel neues zu erwarten. Eigentlich. Aber wird dennoch etwas gesagt im Statement der Notenbank zur derzeitigen Spekulations-Euphorie? Hier die wichtigsten Aussagen der Notenbank in Stichpunkten:

– Wirtschaftswachstum hat sich abgeschwächt: „The pace of the recovery in economic activity and employment has moderated in recent months, with weakness concentrated in the sectors most adversely affected by the pandemic“
Beim letzten Statement hatte es noch geheißen in Sachen Wirtschaft: „Economic activity and employment have continued to recover but remain well below their levels at the beginning of the year.“

– keine Erwähnung spekulativer Exzesse (Gamestop!)

– wenn Situation verschlechtert, wird Notenbank handeln: „would be prepared to adjust the stance of monetary policy as appropriate if risks emerge that could impede the attainment of the Committee’s goals“

– Inflation bleibt moderat wegen Ölpreisen: „Weaker demand and earlier declines in oil prices have been holding down consumer price inflation“

FMW: Subtext der Fed – kauft alles, wir bailen euch aus. Gamestop ist cool!

Das Statement im Wortlaut:

The Federal Reserve is committed to using its full range of tools to support the U.S. economy in this challenging time, thereby promoting its maximum employment and price stability goals.

The COVID-19 pandemic is causing tremendous human and economic hardship across the United States and around the world. The pace of the recovery in economic activity and employment has moderated in recent months, with weakness concentrated in the sectors most adversely affected by the pandemic. Weaker demand and earlier declines in oil prices have been holding down consumer price inflation. Overall financial conditions remain accommodative, in part reflecting policy measures to support the economy and the flow of credit to U.S. households and businesses.

The path of the economy will depend significantly on the course of the virus, including progress on vaccinations. The ongoing public health crisis continues to weigh on economic activity, employment, and inflation, and poses considerable risks to the economic outlook.

The Committee seeks to achieve maximum employment and inflation at the rate of 2 percent over the longer run. With inflation running persistently below this longer-run goal, the Committee will aim to achieve inflation moderately above 2 percent for some time so that inflation averages 2 percent over time and longer‑term inflation expectations remain well anchored at 2 percent. The Committee expects to maintain an accommodative stance of monetary policy until these outcomes are achieved. The Committee decided to keep the target range for the federal funds rate at 0 to 1/4 percent and expects it will be appropriate to maintain this target range until labor market conditions have reached levels consistent with the Committee’s assessments of maximum employment and inflation has risen to 2 percent and is on track to moderately exceed 2 percent for some time. In addition, the Federal Reserve will continue to increase its holdings of Treasury securities by at least $80 billion per month and of agency mortgage‑backed securities by at least $40 billion per month until substantial further progress has been made toward the Committee’s maximum employment and price stability goals. These asset purchases help foster smooth market functioning and accommodative financial conditions, thereby supporting the flow of credit to households and businesses.

In assessing the appropriate stance of monetary policy, the Committee will continue to monitor the implications of incoming information for the economic outlook. The Committee would be prepared to adjust the stance of monetary policy as appropriate if risks emerge that could impede the attainment of the Committee’s goals. The Committee’s assessments will take into account a wide range of information, including readings on public health, labor market conditions, inflation pressures and inflation expectations, and financial and international developments.

Voting for the monetary policy action were Jerome H. Powell, Chair; John C. Williams, Vice Chair; Thomas I. Barkin; Raphael W. Bostic; Michelle W. Bowman; Lael Brainard; Richard H. Clarida; Mary C. Daly; Charles L. Evans; Randal K. Quarles; and Christopher J. Waller

Die Fed - was wird sie heute sagen?

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Aktien

Mit Zocken reich werden – der neue „American dream“ ersetzt den Traum vom eigenen Haus

Claudio Kummerfeld

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American Dream Symbolfoto

Man erinnere sich an die Zeiten von Bill Clinton und George Bush, und auch von Notenbank-Chefs wie Alan Greenspan. Die inoffizielle Staatsraison der 1990er und 2000er in den USA war (unter anderem): Jedem Amerikaner solle es möglich sein in seinem eigenen Haus zu leben. Das war der American Dream. Unterschwellig (so meine Meinung) war damit die Aussage an die eigene Bevölkerung verbunden, dass man sagen konnte: Schaut her, wir sind das größte, reichste und stärkste Land der Welt. Unsere Bürger können sich alle ein eigenes Haus leisten.

Die Regulierungen am US-Häusermarkt wurden dramatisch runtergefahren. Millionenfach wurden von der Regierung befeuert Hauskredite vergeben an Menschen, die in vielen Fällen noch nicht mal eine Arbeit hatten. Sie hatten noch nicht mal bei beschönigender Betrachtung irgendeine Art von Bonität. Die Katastrophe war vorprogrammiert, und das ganze Kartenhaus brach ab 2007 zusammen – was wir heute als Finanzkrise 2008 bezeichnen. Es war ein großer Traum, der für viele Amerikaner zum Albtraum wurde und für viele mit einem Schlafplatz unter einer Brücke endete.

Im Corona-Jahr 2020 entstand offenbar ein neuer American Dream. Nicht mehr Häuser auf Kredit kaufen, sondern ohne Arbeit, Wissen, Recherche oder sonst etwas reich werden, vom eigenen Computer, von zuhause aus. Durch stumpfes, sinnbefreites Zocken in Aktien, die man selbst gar nicht kennt. Einfach drauf los zocken, und schnell und einfach reich werden. Das ist wohl der neue amerikanische Traum. In der Coronakrise hockten auf einmal Millionen Amerikaner zuhause, betätigungslos. Sehr üppige staatliche Hilfen beschwerten Millionen arbeitsloser Amerikaner ein höheres monatliches Einkommen, als sie es vor Corona mit Arbeit hatten.

Klar erkennbar war die daraufhin folgende Welle an Millionen neuer Brokerkonten in den USA. Unglaublich aber wahr. Unzählige Menschen kauften sich von den staatlichen Hilfen nichts zu essen (sinnbildlich ausgedrückt), sondern überwiesen die Gelder auf ihre frisch eröffneten Brokerkonten. Hinzu kommen die neuen Broker wie „Robinhood“, bei denen man ganz ohne Gebühren zocken kann. Dadurch wurde es möglich auch mit Kleinstbeträgen von mehreren hundert Dollar drauf los zu zocken. Rein, raus, rein, raus, immer weiter.

Robinhood-Chef beschreibt den neuen American Dream

Vlad Tenev, CEO und Mitbegründer von Robinhood, des bekanntesten dieser neuen Broker für die junge wilde Zocker-Meute, hat heute einen Gastkommentar auf CNBC veröffentlicht (hier nachzulesen). Er spricht davon, dass es der neue American Dream sei ein „Investor“ zu werden, nach dem vormaligen Traum vom eigenen Haus. Er erwähnt, dass viele seiner Kunden Aktien kaufen und dann langfristig halten würden. Will da jemand Kritik am stumpfen und sinnbefreiten Zocken vorbeugen? Die Mission von Robinhood sei es nach seinen Worten, das Finanzwesen zu demokratisieren – dies sei im amerikanischen Idealismus verwurzelt. Amerika sei schon immer stolz auf seine Fähigkeit gewesen, Aufwärtsmobilität und Chancen mit wenigen Barrieren zu fördern. Dieses nationale Ethos des „American Dream“ sei so alt wie die Nation selbst. Im 20. Jahrhundert habe sich alles um den Erwerb von Wohneigentum gedreht, was unter anderem durch die 30-jährige Hypothek vorangetrieben wurde. Jetzt, wo es im Börsenhandel keine Provisionen und Mindestbeträge mehr gibt, sei die Bühne frei für einen neuen amerikanischen Traum, bei dem nahezu 100 Prozent der US-Bürger Investoren werden sollen. „Lassen Sie uns das schaffen – gemeinsam“, so seine finalen Worte.

Dazu möchte ich final anmerken: Ist das noch „Investieren“, was wir derzeit am US-Aktienmarkt sehen? Wohl kaum. Völlig wertlose Unternehmen unbegrenzt nach oben traden, ohne jeglichen Sinn und Verstand? Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Wir haben es auf finanzmarktwelt.de die letzten Tage mehrfach angesprochen (hier der letzte Video-Kommentar von Markus Fugmann heute früh). Die ganz frische Generation von Tradern hat das Platzen der Dotcom-Blase und die Finanzkrise 2008 gar nicht erlebt. Damals waren diese Trader gerade erst geboren oder noch in der Grundschule. Sie kennen nur steigende Kurse, nur Party, nur nach oben, völlig sinnbefreit. Auch sie werden wohl eines Tages einen großen Knall erleben. Einige von ihnen werden auch nach so einem Crash immer noch kräftig Geld auf der Kante haben – andere werden nach dem „All In“ wohl ähnliches erleben wie viele Menschen nach der Zwangsräumung ihrer Häuser in den Jahren 2005, 2006 und 2007.

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