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Coronavirus: Das riskante Experiment in Schweden

Man kann Schweden nur Glück wünschen bei seinem Experiment bei der Bekämpfung des Coronavirus – und hoffen, dass das Experiment nicht schief geht!

Wolfgang Müller

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am

Während es in Deutschland bereits heftige Debatten darüber gibt, ob die ersten Maßnahmen zur Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen um das Coronavirus nicht zu früh kommen – weil mit allerlei Risiken verbunden, Stichwort „Öffnungsdiskussionsorgie“ – so ist man in Schweden einen anderen Weg gegangen. Aus der Sicht Deutschlands einen unglaublich riskanten, aber auch in Schweden gibt es zahlreiche Wissenschaftler, die die gefährliche Strategie mit dem Versuch der Herdenimmunisierung heftig attackieren. Wie ist der aktuelle Sachstand?

Coronavirus in Schweden: Kaum Einschränkungen des täglichen Lebens

Wir erleben derzeit ein ausgeprägtes skandinavisches Hochdruckgebiet. Damit herrscht in Schwedens Hauptstadt Stockholm ein ähnlich schönes Frühlingswetter wie hierzulande. Während es bei uns nach wie vor den Lockdown gibt, mit diversen Verboten, herrschte insbesondere am Wochenende in der Metropole Schwedens emsiges Treiben. Cafés waren gut besucht und die Parks waren voll von Besuchern. Bekanntermaßen haben in Schweden auch Restaurants, Friseure, Einkaufszentren oder auch Fitnessstudios weiterhin geöffnet, ebenso wie die Kindergärten und Schulen.

In Schweden läuft ein riskanter Versuch, initiiert vom schwedischen Chefvirologen Anders Tegnell, der über eine Herdenimmunität das Coronavirus stoppen will. Er spricht davon, bis zum Monat Mai Anzeichen für eine Immunität in Stockholm ausmachen zu können – so seine mathematischen Modelle.

Etwas Ähnliches hatte man schon in Großbritannien ausprobiert, aber die Warnung der Gesundheitsbehörde vor Tausenden von Toten hatte Regierungschef Boris Johnson überzeugt und man hat den Versuch abgebrochen. Nichtdestotrotz war der Premierminister dennoch aufgrund des Coronavirus auf einer britischen Intensivstation gelandet.

Die Entwicklung des Coronavirus in Schweden

Tatsächlich zeigen im 10-Millionen-Land Schweden die Infektionszahlen einen leichten Abwärtstrend an. Bis gestern Abend gab es 16.004 bestätigte Corona-Fälle. Die Neuinfektionen waren im März stetig gestiegen, bis sie am 9. April mit mehr als 700 neuen Fällen ihren (bisherigen) Höhepunkt erreicht haben. In den letzten Tagen lagen die Fälle öfters bei täglich weniger als 500. Auch blieb nach den sonnigen Ostertagen der erwartete Anstieg aus. Was den Staatsepidemiologen Anders Tegnell in der Pressekonferenz in der letzten Woche zu der Bemerkung veranlasste: „Es scheint, als hätten wir den Höhepunkt erreicht. Das heißt jedoch nicht, dass es vorbei ist.“

Hier ein Vergleich der Entwicklung der Infektionszahlen von Deutschland und Schweden laut Worldometer:

Das Coronavirus in Schweden

 

Das Coronavirus in Deutschland als Vergleich zu Schweden

Die hohe Todesrate in Schweden

Ein sehr bedenklicher Aspekt ist die Zahl der Todesfälle aufgrund des Coronavirus in Schweden. Mit 1937 Menschen hat das Zehn-Millionen-Land bis dato eine dreifach höhere Sterberate als Deutschland. Auch der Vergleich zu den Nachbarstaaten fällt deutlich negativ aus. In den halb so bevölkerungsreichen Ländern Dänemark und Norwegen starben bisher 384 beziehungsweise 187 Menschen am Coronavirus. Viele kritische Wissenschaftler deuten auch auf Finnland, wo es seit Mitte März einen Lockdown gibt. Dort gibt es statistisch 27 Tote pro eine Million Einwohner, in Schweden hingegen sieben Mal so viele (192).

Ein Grund für die vielen Todesfälle war sicherlich auch der rege Besucherverkehr in Altenheimen. Tatsächlich stammt die Hälfte der Toten in Stockholm aus diesen Pflegeeinrichtungen, seit einem Monat hat man den Besuch verboten.

So erklärt Anders Tegnell die hohe Mortalitätsrate Schwedens mit statistischen Effekten. Man habe die Heimfälle von Anfang an mit einberechnet, anders als in anderen südlichen Ländern.

Apropos Altenheime: In einem kleinen Ort am bayerischen Alpenrand wurden jüngst 70 Pflegebedürftige mit dem Coronavirus infiziert. Innerhalb von wenigen Tagen starben 15 von ihnen. Es scheint wirklich so zu sein, dass die Sterblichkeitsrate bei 85/90-Jährigen, die mit dem Virus in Kontakt kommen bei 80 Prozent liegt, die von jungen Menschen jedoch eher bei 0,08 Prozent. Wie oft sprach RKI-Chef Lothar Wieler davon, dass das Durchschnittsalter der Coronatoten in Deutschland bei circa 81 Jahren betrage, das jüngste Opfer sei ein 28-jähriger Mensch gewesen, allerdings mit Vorerkrankungen.

Die Kritik an der schwedischen Regierung

Obwohl die Zahl an Neuinfektionen speziell nach den Osterfeiertagen etwas nachgelassen hat, hat die Kritik am Sonderweg Schwedens durch zahlreiche Wissenschaftler stark zugenommen. Man fordert den unmittelbaren Beginn eines Lockdowns, wie in anderen Staaten. Es sind bereits 2000 Fachleute, die die schwedische Regierung zu einer sofortigen Umkehr in ihrer Strategie in einem Brief auffordern.

Bemerkungen wie „Schweden macht alles falsch“, oder „Was hier passiert, ist ein Hochrisiko-Experiment“, durch anerkannte Virologen des Landes machen die Runde, mit einem Ziel schnell Schulen und Restaurants zu schließen, Beschäftigte im Gesundheitswesen sofort testen zu lassen und Familien mit einem Coronafall unter Quarantäne zu stellen.

Der Preis der hohen Todeszahlen durch das Coronavirus sei ein zu hoher für das Land und man müsse sofort umsteuern. Es gebe in Sachen Corona-Bekämpfung so etwas wie „Schweden gegen den Rest der Welt“.

Fazit

Ist der Weg Schwedens nur ein gefährliches Experiment oder ein Erfolgsmodell? Die nächsten Wochen müssten eigentlich eine Antwort infolge der weiteren Zahlen zum Coronavirus geben. Hier das vorsichtige Deutschland mit dem Verbot von Veranstaltungen jedweder Art, der Unterbindung des Restaurant- und Hotelbetriebs und der noch weitgehenden Schließung von Kitas und Schulen – und dort das riskante Experiment in Schweden, wo das Leben in Stockholm pulsiert.

Eines ist bereits jetzt erkennbar: Die großen Infektionswellen gab es bisher nach Massenveranstaltungen: Durch eine Superspraderin in Daego/Südkorea nach Gottesdiensten einer Sekte, nach Gottesdiensten im französischen Mülhausen mit 2500 Gläubigen und einem Infizierten Geistlichen, nach dem großen Fußballspiel in Norditalien – Ischgl, Heimsheim, Starkbierfeste – all diese Events scheinen die allergrößte Gefahr für eine explosive Ausbreitung des Cornavirus gewesen zu sein. Und das gab es in Schweden bisher noch nicht. Hinzu kommt, dass mehr als die Hälfte aller Menschen in Schweden alleine leben, bei einer allgemein niedrigen Bevölkerungsdichte.

Schweden befindet sich aufgrund der fehlenden Beschränkungen eindeutig noch in Welle eins der Verbreitung des Coronavirus.

Man kann den Skandinaviern nur Glück wünschen bei ihrem Experiment – und dass es nicht zu einem exponentiellen Anstieg der Infektionen kommt. Sollte dies in den kommenden Wochen gelingen, so wird dies jedoch zu einer Diskussion in anderen Ländern führen, vielleicht nicht zu sehr über das „Ob“ der Schutzmaßnahmen, sondern eher über das „Wie“, beziehungsweise das Ausmaß der Restriktionen.

Schweden geht im Umgang mit dem Coronavirus einen riskanten Weg

8 Kommentare

8 Comments

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      23. April 2020 12:23 at 12:23

      @stacho, und in New York und Bergamo hatten auch alle Vorerkrankungen??

  1. Avatar

    thinkSelf

    23. April 2020 12:46 at 12:46

    “ In einem kleinen Ort am bayerischen Alpenrand wurden jüngst 70 Pflegebedürftige mit dem Coronavirus infiziert. Innerhalb von wenigen Tagen starben 15 von ihnen.“

    Tja, Herr Fungmann, Statistik ist schon etwas komplexer. Vor allem kann man aus so einer Zahl erst einmal überhaupt keine Aussage ableiten. Für sich genommen ist sie vollkommen Sinn-und Aussagelos. Dazu muss man schon mehr wissen.

    Restlebenserwartung in Pflegestufe 3 in Deutschland: knapp 4 Monate. In Pflegeheimen liegen im wesentlichen die ganz schweren Fälle. Hier ist also eher mit deutlich unter 4 Monaten zu rechnen.
    Aber selbst bei 4 Monaten macht das bei 70 Betroffenen 17,5 Sterbefälle pro Monat. Da ist selbst eine vorübergehende Sterblichkeit von 15 in wenigen Tagen (wie viel ist „wenige Tage“?) noch keine signifikante Steigerung.

    Was die Sache analytisch so schwer macht, ist das die Totesursachen bei einer finalen Letalität von 100% sozusagen ein Wettrennen um die Poolposition führen. Und das spitzt sich gegen Ende des Lebens deutlich zu.

    Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das ist kein Plädoyer dafür keine Vorsichtsmaßnahmen durchzuführen. Vor allem wenn das auch noch relativ einfach zu machen ist. Aber gerade an diesen Fällen zeigt sich ganz schnell, das der Versuch der totalen „Lebensrettung“ mehr Schaden anrichtet als er verhindert.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      23. April 2020 13:25 at 13:25

      @thinkself, nur ein kleiner Hinweis: der Artikel stammt nicht von mir, sondern von Wolfgang Müller. Auf der FMW-Seite können aktuell keine Autorennamen angezeigt werden wegen eines technischen Problems, das hoffentlich zeitnah gelöst ist..

  2. Avatar

    md

    23. April 2020 13:22 at 13:22

    es hört sich zynisch an aber ich kanns nicht lassen. ich finde den covid wie ein gottessegen.
    ich für meinen teil habe gemerkt, das leben hat einen sinn. in solch einer schwierigen situation, ist die familie wieder zusammengerückt. wir sorgen und helfen uns gegenseitig. jeder hilft dem anderen bei bedarf. ich als familienvater verbringe viel zeit mit frau und kindern. vor allem kinder welche wir im „normalen alltag“ ( eher stressigen alltag“ nicht richtig wahrnehmen konnten.
    ich habe mich im garten neu erfunden. mensch das mir gartrnarbeit mal soviel spass machen würde hätte ich nicht gedacht.
    also mein tip: der staat macht alles richtig, wir müssen sorgfältig umgehen mit diesem virus, damit er in zukunft nicht noch mutiert oder ähnlichem und noch mehr schaden anrichten kann.
    und hier vertraue ich mal seit langem wieder den politikern und verantwortlichen.
    und deshalb kann ich mich beruhigt zurücklehnen und darf meine familie näher kennenlernen. meinen söhnen, meiner tochter und meiner frau gehe ich nicht auf die nerven :). und sonst auch telefoniere ich mit verwandten die ich schon länger nicht gesprochen hatte.
    das es einen virus braucht, um einen bißxhen frieden zu finden ist schon etwas verrückt.
    also mein tip: an die regeln halten wir uns, soviel verantwortung muss sein. und jetzt geniessen wir den zusammenhalt und stärken die menschlichen, freundsxhaftlichen und familiären beziehungen.
    vg md

  3. Avatar

    Daniel

    23. April 2020 14:59 at 14:59

    https://www.scb.se/en/About-us/news-and-press-releases/statistics-sweden-to-publish-preliminary-statistics-on-deaths-in-sweden/

    Schweden 2015-2019 bis zum 17. April
    29.523 Tote

    Schweden 2020 bis zum 17.April
    28.591 Tote

    • Avatar

      worf2

      23. April 2020 16:04 at 16:04

      https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/sterbefallzahlen.html – hier kann man die deutliche Untersterblichkeit bis Mitte März Tag für Tag interaktiv nachvollziehen – da hat der Zensor gepennt. Die durch den Ausschluß gesellschaflicher / familiärer Kontakte geschwächten Immun-Systeme und deren (Todes-) Folgen wird man auch dem fleißigen Virus zurechnen und nicht den wirklichen Gründen und den Karren wirtschaftlich komplett vor die Wand fahren … – vielleicht findet sich ja noch eine Region mit weniger Hirn-Schwund und weniger Blockwarten…

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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