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Coronavirus: Die Heinsberg-Studie – Erkenntnisse und weitere Fragen

Über Dunkelziffern und Immunität

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Die Studie von Professor Hendrik Streeck von der Uni Bonn an 919 Personen der Stadt Gangelt im Kreis Heinsberg, also der Region, in der es zu einem großen Ausbruch des Coronavirus gekommen war, wird in den nächsten Tagen und Wochen von vielen Wissenschaftlern sicher einer engeren Prüfung unterzogen. Bringt sie doch einige Ergebnisse, die nicht mit den offiziellen Daten des Robert-Koch-Instituts korrelieren, so Schätzungen der so wichtigen Dunkelziffer. Aber die Studie gibt auch wichtige Hinweise auf den bisherigen Verlauf des Coronavirus, seiner Eindämmung und möglicher Langfristkonsequenzen.

Coronavirus: Fakten und Hypothesen

Die Ergebnisse haben schon in allen Medien die Runde gemacht. Aus den Antikörpertests der Studie ermittelte die Arbeitsgruppe eine Sterblichkeitsrate von 0,37 Prozent und zugleich eine Infektionsrate von 15 Prozent der Bevölkerung von Gangelt.

Aber aus der Zahl der Todesfälle folgerte man eine Infektionszahl für ganz Deutschland – die so genannte Dunkelziffer – von 1,8 Millionen Menschen, die sich hierzulande schon mit Covid-19 infiziert haben. Was natürlich auch bedeutet, dass die Masse der Erkrankten schon wieder genesen sein müssen. Damit hätte man natürlich schon eine gewisse Heldenimmunisierung erreicht, die leider mit 2,2 Prozent noch keine sehr relevante Größenordnung aufweisen würde. Sprechen die Virologen doch von 60-70 %, die man erreichen müsste, um eine Eindämmung erreicht zu haben.

Ein interessanter Aspekt war auch die Feststellung, dass 22 Prozent der Betroffenen, überhaupt keine Symptome aufgewiesen haben, also gar nicht bemerkt hatten, dass sie am Coronavirus erkrankt waren. Ein Hinweis zur Heimtücke aber auch der partiellen Ungefährlichkeit der Erkrankung, denn jeder der schon einmal eine handfeste Grippe mit 39 oder 40 Grad Fieber hatte weiß, da war nichts mehr mit Rausgehen!

Überträgt man diese Erkenntnisse auf andere Länder, die ähnliche Lebensverhältnisse aufweisen haben, wie Italien, Spanien oder Großbritannien, so könnten sich daraus ein paar interessante Schlüsse ergeben.

Denn andere Studien, wie zum Beispiel eine des Imperial College in London vom Monat März, hatten damals in den Raum gestellt, dass es in Deutschland schon über eine Million Infizierte geben könnte, in Italien und Spanien aber schon über fünf Millionen. Auf derartige Größenordnungen hatte auch schon der italienische Epidemiologe Carlo de la Vecchia hingewiesen.

Dies könnte sich aus der Zahl der Todesfälle infolge des Coronavirus ergeben, die in beiden Südländern vier Mal so hoch liegt, wie in Deutschland.

Die unheilvolle Wirkung von Massenveranstaltungen

Daran dürfte kein mehr Zweifel mehr bestehen: Massenveranstaltungen mit Infizierten Teilnehmern führen bei bestimmten Rahmenbedingungen zu einer unglaublich raschen Ausbreitung des Coronavirus.

  • In Daegu in Südkorea war es zu Beginn des Jahres eine 61-jährige Frau aus einer Sekte, die als Infizierte in zwei Gottesdiensten mit großer körperliche Nähe (sich an den Händen halten) als Superspreader für über 1000 Fälle verantwortlich war.
  • In Italien war es ein Fußballspiel zwischen Atalanta Bergamo und dem FC Valencia vor über 40.000 Zuschauern in Mailand, welches im Verdacht steht die Infektionswelle richtig angefacht zu haben.
  • Im französischen Mulhouse Gottesdienste mit über 2000 Gläubigen über mehrere Tage, der das Coroanvirus in Frankreich und teilweise auch in Europa verteilt hat
  • In Deutschland der Karneval in Heinsberg
  • Im österreichischen Ischgl die Après Ski-Partys auf engstem Raum, die nicht nur sehr viele Oberbayern betroffen haben, sondern auch hunderte andere Skitouristen, die man bis nach Skandinavien nachverfolgen konnte.                                                                                                    Dies wäre auch eine Erklärung für die starken Ausbrüche in den Großstädten New York und London, in denen es sehr stark frequentierte U-Bahnlinien gibt, mit engstem Kontakt von hunderttausenden Menschen, über den Tag verteilt. In beiden Metropolen wurde erst spät mit den Lockdown-Maßnahmen begonnen. Ein US-Wissenschaftler vom MIT in Cambridge hatte diesen Zusammenhang in einer Verkehrsstudie dargestellt. Besonders tragisch sei es gewesen, dass insbesondere das Pflegepersonal der Krankenhäuser und Pflegeheime auf die U-Bahn angewiesen war.

Coronavirus: Schlussfolgerungen

Für die Südländer könnten diese Erkenntnisse, falls dies mit Antikörpertests demnächst bestätigt werden kann, künftig sogar von großem Vorteil sein. Denn bei Millionen von mit dem Coronavirus infizierter Menschen, bereits seit Wochen, hätte man beim Auftreten eine neuen Welle im nächsten Winter den Vorteil, dass diese immunisierten Bürger nicht als Infektionsspender- oder empfänger auftreten könnten, aber andererseits für die Wirtschaft und die Gesellschaft zur Verfügung stünden und keinem erneuten Lockdown unterlägen. Dieser fiele dann nicht mehr so dramatisch aus, wie der gerade überstandene.

Wir werden bald etwas mehr Auskünfte über diese ominöse Dunkelziffer bekommen, denn allein das Robert-Koch-Institut hat drei Studien mit Tausenden Probanden gestartet, um mit Antikörpertests festzustellen, wieviel Deutsche sich bereits mit dem Coranavirus infiziert haben könnten.

Der Stand der Forschung zum Coronavirus

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    thinkSelf

    8. Mai 2020 10:53 at 10:53

    “ Ein Hinweis zur Heimtücke…“ Ein Virus der mir nichts tut, ist also heimtückisch. Na, da muss man erst mal drauf kommen.

    Ich kann´s echt nicht mehr hören. Hier mal ein die Zahlen eines anderen Virus: HIV aus 2018

    – Ansteckungsfälle: 1,7 Mio.
    – Todesfälle: 770.000
    – Todesrate ohne Behandlung (die es nur in reichen Staaten gibt): 100%
    – Infizierte und Tote: vorwiegend junge Menschen
    – Impfstoff: keiner, und auf Grund der Viruseigenschaften wird es auch keinen geben
    – Verbreitung: weltweit

    Ich habe übrigens auch noch wissenschaftliche Berichte hier rumliegen, die damals die weitgehende Ausrottung Afrikas vorhergesagt haben.

    Wir leben schon immer mit Viren, wir werden auch weiterhin mit Viren leben müssen. Und ja, einige Viren werden auch immer mal die finale Todesursache für den ein oder anderen sein. Stellen wir jetzt dauerhaft das Leben ein, weil uns das aktuell mal wieder ins Bewusstsein gerutscht ist?

    Tatsächlich haben wir es hier mit einer globalen Panikattacke aus relativ nichtigem Anlass zu tun. Aber Panikattacken kriegt man halt rational nicht in den Griff (sonst wäre es ja keine Panik). Man muss warten bis sie entweder abklingt oder der befallene Organismus daran stirbt. Wobei auch die zweite Variante durchaus noch im Bereich des Möglichen liegt.

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      Petkov

      8. Mai 2020 22:07 at 22:07

      AIDS:
      – Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand ansteckt, ohne ein Vollidiot zu sein: 0%
      – Wahrscheinlichkeit, dass ich mich bei einem Museumsbesuch mit meiner Familie anstecke: 0%
      – Wahrscheinlichkeit, dass sich mein Kind im Kindergarten ansteckt und dann müssen Oma und Opa ins Krankenhaus und anschließend in den Himmel: 0%

      Wahrscheinlichkeit, dass der Vergleich von Covid19 mit AIDS auf eine schwere Wahrnehmungsstörung und üblen Zynismus zurückzuführen ist: 100%

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Aktuell: ifo-Institut hebt BIP-Prognose an – dramatische Staatsverschuldung

Claudio Kummerfeld

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Brandenburger Tor in Berlin

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland soll im Jahr 2020 nicht so dramatisch einbrechen wie zunächst angenommen. Damit liegt die vor wenigen Minuten präsentierte Veröffentlichung des ifo-Instituts im Trend anderer Institute aus den letzten Tagen. Der Absturz der deutschen Wirtschaft verlaufe glimpflicher als gedacht. Das BIP (Bruttoinlandsprodukt) werde in 2020 um 5,2 Prozent schrumpfen, während man bei ifo noch im Sommer ein Minus von 6,7 Prozent vorhergesagt hatte. Der Rückgang im zweiten Quartal und die Erholung derzeit würden günstiger verlaufen als man es erwartet hatte.

Dafür werde das Wachstum der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr geringer ausfallen. ifo rechnet beim BIP nun mit 5,1 Prozent statt 6,4 Prozent. Im Jahre 2022 erwartet das ifo-Institut plus 1,7 Prozent. Interessant sind auch die folgenden Aussagen der Wirtschaftsforscher. Besonders ins Auge fällt die dramatische Neuverschuldung des deutschen Staates – und das nicht nur im laufenden Jahr, sondern auch noch in den beiden Folgejahren. Hier ifo im Wortlaut:

„Die Unsicherheit bei den Prognosen ist sehr groß, weil niemand weiß, wie die Corona-Pandemie weiter verläuft, ob es nicht doch noch einen harten Brexit gibt und ob die Handelskriege beigelegt werden“, sagt Wollmershäuser.

Die Zahl der Arbeitslosen wird von durchschnittlich 2,3 Millionen im vergangenen Jahr auf 2,7 Millionen im laufenden Jahr steigen. Im kommenden Jahr wird sie auf 2,6 Millionen zurückgehen und 2022 dann 2,5 Millionen betragen. Damit erhöht sich die Quote in diesem Jahr von 5,0 Prozent auf 5,9 Prozent. 2021 sinkt sie auf 5,7 Prozent und im übernächsten Jahr auf 5,5 Prozent.

Der Überschuss des Staates von 52,5 Milliarden Euro im Jahr 2019 stürzt in diesem Jahr auf minus 170,6 Milliarden, weil die Ausgaben wegen der Stützung der Wirtschaft drastisch steigen und die Einnahmen sinken. Im kommenden Jahr wird der Fehlbetrag noch 86,9 Milliarden erreichen, im übernächsten immerhin 68,4 Milliarden.

Auch der viel kritisierte deutsche Überschuss in der Leistungsbilanz (Exporte, Importe, Dienstleistungen, Transfers) sinkt in diesem Jahr, von 244 Milliarden auf 215,4 Milliarden, denn die Exporte gehen 2020 deutlich schneller zurück als die Importe. Im kommenden Jahr steigt der Überschuss aber wieder auf 276,2 Milliarden. Im Jahr 2022 erreicht er 290,1 Milliarden.

Tabelle mit BIP-Details vom ifo-Institut

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So tickt die Börse: Grenke, Wirecard und Steinhoff: Die Schwachstelle im System

Stephan Heibel

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Grenke droht nach Wirecard zum nächsten Debakel für die Börse zu werden, wenn das Unternehmen nicht schleunigst alle Vorwürfe entkräftet. Ich habe den Blick auf Gemeinsamkeiten mit Wirecard und Steinhoff geworfen und mit Hilfe eines Kunden die Schwachstelle im System gefunden, die Betrügereien zumindest ermöglicht. Ob Grenke die Schwachstelle genutzt hat, ist noch offen.

Nach Steinhoff und Wirecard spekuliert Fraser Perring nun auf betrügerische Machenschaften bei Grenke Leasing. Über seine Researchfirma Viceroy (Vize-König) hat er eine 64 Seiten lange Analyse zu Grenke veröffentlicht, die den Aktienkurs um über 50% hat einbrechen lassen. Das pikante daran: Perring selbst ist im Vorfeld der Veröffentlichung der Vorwürfe massiv short gegangen, verdient sich also eine goldene Nase an dem Kurseinbruch.

Inzwischen hat Firmenpatriarch Wolfgang Grenke zu den Vorwürfen Stellung bezogen. Wir befinden uns meiner Einschätzung nach erst am Anfang einer Auseinandersetzung, die in den kommenden Wochen und Monaten mit immer neuen Details Anleger verunsichern wird. Ausgang ungewiss.

Da es sich um eine Masche handelt, die sich zu wiederholen scheint, habe ich mich ein wenig dahinter geklemmt, was nun wirklich das Problem ist. Stark geholfen hat mir dabei ein Kunde, der bei einem US-Unternehmen vor vielen Jahren entsprechende Machenschaften aufgedeckt hatte. Das System ähnelt sich immer wieder. Ich will versuchen, die Schwachstelle im System zu identifizieren, damit wir als Anleger das Risiko besser einschätzen können.

Es gibt verschiedene Wege, immaterielle Vermögensgegenstände zu Geld zu machen. Ich denke mir hier mal ein eigenes Beispiel aus: Die Software, die ich zum Betrieb des Heibel-Tickers entwickeln ließ, hat mich viel Geld gekostet. Da ich ohne die Software meinen Laden nicht betreiben könnte und ich sehe, was ich dadurch verdiene, ist die Software für mich subjektiv ein Vielfaches dessen wert, was ich dafür ausgegeben habe. Doch niemand möchte mir einen entsprechenden Geldbetrag dafür geben, denn für Dritte ist meine individuelle Software nahezu wertlos. Daher laufen Entwicklungskosten bei mir als Kosten und nicht als Investition. Einen Wert erschaffe ich damit nicht.

Wenn man nun hohe Wachstumsziele verfolgt und jeden Cent locker machen möchte, um ihn zu investieren, dann ärgern einen diese Kosten. Ich kann den Wert meiner Software nicht als Sicherheit hinterlegen, weil es niemanden gibt, der der Software einen in meinen Augen auch nur annähernd fairen Wert bemisst. Also könnte ich doch eine Auslandsgesellschaft gründen und diese kauft mir meine Software für meinen Wunschpreis ab. Das Geld für den Kauf erhält die Auslandsfirma aus einer anderen Abteilung meines Unternehmens und so fließen meinem Unternehmen Bargeld zu, während irgendwo anders eine Forderung entsteht. Die Forderung ist natürlich, und davon wäre ich als Unternehmensgründer überzeugt, durch den hohen Wert der Software sehr gut besichert.

Okay, hier verlassen wir meinen kleinen Heibel-Ticker als Beispiel, denn hier ist nun schon ein Konzern mit einer etwas komplexeren Struktur erforderlich.

Nun kommen die Wirtschaftsprüfer ins Spiel: Alle Gesellschaften, also sowohl die Konzernmutter in Deutschland als auch die Töchter in Luxemburg, Malta, Dubai und Brasilien (das sind nur zufällig Standorte von Grenke-Töchtern), werden dann von lokalen Wirtschaftsprüfern geprüft. Da kommen dann ein paar hochbezahlte und erfahrende Akademiker für mehrere Tage in die Räume des Unternehmens, drehen alles auf links und schauen nach, ob die jeweiligen nationalen Gesetze eingehalten wurden.

In Brasilien wird nicht geprüft, ob deutsche Gesetze eingehalten wurden. Es werden die jeweiligen Jahresabschlüsse nach den nationalen Gesetzen testiert.

Nun kommt der Konzernbilanzbuchhalter ins Spiel. Er übernimmt die Zahlen der einzelnen Landesgesellschaften und „konsolidiert“ sie in die Konzernbilanz. Bei diesem Vorgang würde dann der obige Softwarekauf herausgerechnet, da es sich um ein internes Geschäft handelt. Doch bei der Konsolidierung befinden wir uns in einem Bereich, den ich als anfällig bezeichnen würde: eine Schwachstelle.

Denn selbst im SAP-System gibt es noch kein ausgereiftes Modul, das diese Problematik zufriedenstellend gelöst hat. Bei meinen Recherchen habe ich in Erfahrung gebracht, dass SAP mit einem Partnerunternehmen derzeit ein solches System entwickeln möchte. Bis heute ist im SAP-System noch viel Handarbeit erforderlich, um die Konsolidierung umzusetzen. Viele Unternehmen haben an dieser Stelle eigene Lösungen entwickelt, die inzwischen vollautomatisch laufen, aber einen internationalen Standard gibt es noch nicht. Zu komplex sind die Anforderungen durch die Vielzahl der Geschäftsmodelle und die Vielzahl der beteiligten Länder bis hin zur Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten bzw. Handlungsspielräumen.

Wir haben es hier also mit testierten Zahlen zu tun, die im Zuge der Konsolidierung in einer Art verwendet werden, die nicht internationalen Gesetzen unterliegen. Es gibt Best Practice Vorschriften für Buchhalter, es gibt Empfehlungen und Leitlinien, aber meines Wissens riskiert ein Buchhalter, der im Rahmen der Konsolidierung „Fehler“ macht, nicht Kopf und Kragen, sondern erst einmal nur eine Rüge, sollte es auffliegen. „Hoppla, da ist mir wohl ein Fehler unterlaufen“.

Auch die Konzernbilanz wird natürlich geprüft. Doch ist es dem Prüfer nicht zuzumuten, sämtliche oben genannten Feinheiten zu überblicken. Er muss die konsolidierten Zahlen als gegeben hinnehmen und prüft deren Konsistenz, nicht aber Herkunft. Fragen über die Herkunft wird der Konzernbilanzbuchhalter beantworten und da können Sie von ausgehen, dass er eine plausible Erklärung hat, denn er kennt das Geschäft ja wesentlich besser als der Prüfer.

Auch die Herkunft wird jedoch geprüft. Der oben genannte Kunde erzählte mir aus seiner Erfahrung, dass alle 5-6 Jahre zwei Hochschulabgänger von der Konzernzentrale in einzelne Landesgesellschaften geschickt wurden, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Erfahrene Prüfer wurden kaum eingesetzt, da es sich hierbei um einen Pflichtbesuch handelte, nicht jedoch um eine Pflichtprüfung: Zur Pflichtprüfung würde es nur werden, wenn falsche Ergebnisse teuer würden. Mangels entsprechender internationaler Sanktionsmechanismen in diesem komplexen Umfeld ist es für Prüfungsgesellschaften ökonomisch sinnvoll, dort ein paar günstige Arbeitskräfte hinzuschicken. Diese Frischlinge hören sich dann vor Ort mit stauenden Augen die Hintergründe zu den Zahlen an und glauben letztlich alles, was ihnen erzählt wird.

Nach einigen Jahren könnte der Konzern dann die 100%ige Softwaretochter aus Brasilien wieder übernehmen und in den Konzern eingliedern. Die Softwarefirma hat eine Software im Bestand, die über Jahre einen stabilen Wert ausgewiesen hat. Der entsprechende Kredit der Firma wird dann vom Konzern unter gleichen Bedingungen mit der gleichen Bescherung weitergeführt. Über die Zeit bläht sich die Bilanz des Unternehmens auf.

Grenke nutzt eine Partnerfirma im Ausland, CTP, um Leasingfirmen im Ausland zu betreiben. Diese Leasingfirmen werden nur dann zu Töchtern (also gekauft), wenn sie sich als erfolgreich zeigen. So werde das Risiko ausgelagert, sagt Patriarch Wolfgang Grenke. Viceroy Research behauptet, diese Auslandstöchter würden keinen Gewinn abwerfen, sondern nur über immer höhere Kredite einer anderen Konzerntochter, Grenke Finance, subventioniert.

In der Telco wurde Grenke nach den Eigentümern von CTP von VOR 2020 gefragt und ist einer Antwort ausgewichen, was von Perring über Twitter sofort mit Wirecard verglichen wurde, die auch lange Zeit Fragen zu Verhältnissen zwischen Partnergesellschaften nicht beantworten wollte. Mann Oh Mann, echt spannend!

Natürlich dürften Unternehmensteile Verluste erwirtschaften, das macht das ganze System noch nicht korrupt. Beispielsweise könnte so strategisches Wachstum verfolgt werden.

Ich würde die Situation derzeit so beschreiben: Es ist durchaus möglich, über ein Netz von Auslandsgesellschaften Zahlen vorzutäuschen, die nicht der Wirklichkeit entsprechend. Es gibt deutliche Schwachstellen in unserem System und es gab immer wieder Unternehmen, die diese Schwachstellen betrügerisch ausgenutzt haben. Viceroy hat nun bei Grenke viele Elemente entdeckt, die auch Unternehmen ausgewiesen haben, die diese Schwachstellen betrügerisch genutzt haben. Das allein reicht jedoch noch nicht, um Grenke den Betrug nachzuweisen.

Wer jetzt in Grenke investiert, weil die Aktie „günstig“ ist, der sollte sich der Gefahr bewusst sein. Sollten sich die Vorwürfe als richtig herausstellen, ist die finanzielle Basis des Leasing-Anbieters gefährdet. Grenke ist nun gefordert, die Vorwürfe vollumfänglich zu entkräften. Das ist, sofern Grenke sauber wirtschaftet, ärgerlich, weil es ein Riesenaufwand bedeutet! Auf der anderen Seite ist es natürlich auch sehr riskant, wenn Grenke tatsächlich die oben genannte Schwachstelle das ein oder andere Mal genutzt haben sollte.

Wer also in Grenke spekulieren möchte, der sollte forensische Blanzprüfungsfähigkeiten haben, um sich eine Meinung zu bilden. Andernfalls gilt meine alte Regel: Bilanzierungsunregelmäßigkeiten = Finger weg! Warten wir’s ab, denn der Ausgang ist einmal mehr ungewiss.

Einer, der öffentlich darauf spekuliert, dass an den Vorwürfen nichts dran ist, ist Fondsmanager Hendrik Leber von Acatis. Mindestens genauso wichtig wie das, WAS gesagt wird, ist, WER sagt es. Acatis ist mit 5,02% Anteilen an Grenke einer der Großaktionäre des Konzerns. In der Situation, wie sie ist, hat Leber keine andere Wahl, als die Vorwürfe als haltlos zu bezeichnen. Er hatte drei Möglichkeiten: Viceroy zustimmen, dann wäre seine Beteiligung schon morgen wertlos. Das kann er seinen Anlegern nicht antun, in diesem schlimmsten Fall müsste er zumindest versuchen, die Beteiligung noch irgendwie mit Verlusten loszuschlagen. Möglichkeit zwei wäre „nichts sagen“. Das kann ein so wichtiger Aktionär nicht ewig tun, sein Schweigen würde ihm irgendwann negativ ausgelegt. Möglichkeit 3 ist, die Vorwürfe als haltlos zu erklären. Entweder er trennt sich nun von seiner Beteiligung unter Verlust, oder aber er hat recht und steht am Ende als Fels in der Brandung da. Ungeachtet dessen, ob Leber tatsächlich weiß, was los ist, ist seine Aussage damit ziemlich wertlos, schade.

Ich bleibe am Ball und werde Updates in meinem Heibel-Ticker veröffentlichen. Bei Interesse geht es zur Anmeldung über www.heibel-ticker.de

So tickt die Börse

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Banken: Nach den großen jetzt die kleinen – Aufseher biegen Vorgaben zurecht

Claudio Kummerfeld

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Türme von Banken in Frankfurt

In der aktuellen Coronakrise sieht man es in vielen Bereichen. Wo es nicht passt, wird es von staatlicher Seite eben passend gemacht. Das ändert nichts an der miesen Lage, aber es sieht dann eben optisch besser aus. So zum Beispiel bei zahlreichen Zombieunternehmen, die auch nach der Krise wohl nicht wieder gesunden werden, die aber dank Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Jahresende weiter machen können. Völlig überschuldet, aber noch liquide. Läuft. Und die Banken, die bekamen auch schon Hilfe.

Aufsicht hilft Banken mit verschiedenen Maßnahmen

Seit März müssen die Banken Kredite, die sie ihren Kreditnehmern gestundet haben, nicht als Kreditausfälle abschreiben. Also sind offiziell keine Verluste sichtbar, obwohl diese Kreditforderungen in vielen Fällen wohl ganz oder teilweise wertlos sind. Und heute verkündet die BaFin, dass die kleineren Banken in Deutschland, die unter direkter Aufsicht der BaFin stehen, ab dem 22. September bis Juni 2021 eine Erleichterung erhalten. Es wird ihnen nämlich erlaubt „gewisse Risikopositionen“ gegenüber der Zentralbank zeitlich befristet nicht zu berücksichtigen, wenn sie die Verschuldungsquote berechnen. Details der Regelung und den Voraussetzungen zur Nutzung kann man hier nachlesen. Weiter sagt die BaFin heute, Zitat:

Der europäische Gesetzgeber hat mit Artikel 500b der Europäischen Eigenmittelverordnung (Capital Requirements Regulation – CRR) vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie eine zeitlich befristete Möglichkeit geschaffen, um gewisse Risikopositionen aus der Berechnung der Verschuldungsquote (Leverage Ratio) auszunehmen. Dies soll die Durchführung geldpolitischer Maßnahmen erleichtern. Gemäß Artikel 500b der CRR erklärt die BaFin nach Konsultation der Europäischen Zentralbank (EZB) als betroffener Zentralbank und in Koordination mit der Deutschen Bundesbank, dass außergewöhnliche Umstände vorliegen, die diesen Ausschluss rechtfertigen.

Die selbe Erleichterung zur Berechnung der Verschuldungsquote bei Banken hatte die EZB als Aufsichtsbehörde letzte Woche schon den großen Banken gewährt, die unter ihrer direkten Aufsicht stehen. Beim Klick an dieser Stelle finden Sie unseren heutigen Artikel über eine aktuelle Veröffentlichung der Bundesbank, wonach die Banken in Deutschland (als Gesamtbetrachtung) letztes Jahr 2 Milliarden Euro Verlust gemacht haben, nach 12,2 Milliarden Euro Gewinn in 2018.

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